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Der Israelit · 1933-02-23 · Heft 8 (23.2.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 8 (23.2.1933)
Date
1933-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 8 Seite 5 m 23. Februar 1933 wärtige Lage rn Palästina mit seinen 176 000 Juden gegenüber den 760 000 Mohammedanern und 100 000 Christen. Die Zahl der Juden ist nicht ge-, nau angegeben, da auf die revisionistische Agitation hin »sich viele Juden an der Volkszählung nicht beteiligt haben. In Wahrheit dürfte sich die Zahl der jüdischen Bevölkerung den 200 000 nähern. Lewin schildert die heißen sozialen Kämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Tel-Awiw und den Kolonien und die Gewaltherrschaft der „yistadruth"» ohne welche die Cntwicklung noch größere und schönere Dimensionen angenommen hätte. Die politische Lage . ist in Dunkel gehüllt. Die g e i st ig e Lage ist im alten Iischuw genau so erfreulich, wie sie im neuen zuweilen erschütternd ist. 6000 Kinder werden im jüdischen Geiste erzogen, in 15 Ieschiwoth wird in alter stiller Weise gelernt. 27 000 Kinder aber sind einer «religiösen Erziehung ausgeliefert, und antireligiös ist auch der Geist, der die ganze Kulturarbeit beherrscht. Lewin steht Licht und Schatten und weiß sie in seinem Buch harmonisch zu verteilen, tzervorzuheben ist die Brüderlichkeit unter den Juden Palästinas, wozu die hebräische Spräche als Volkssprache viel beiträgt. Die Kwuzoth lehnt er als „Gebilde ohne Spur von originell jüdischem Charakter" ab. Tel-Arviw mit seinen 70 Prozent orthodoxen Juden wird offiziell national und unreligiös verwaltet, wobei Wisrachj, -nichts aus-, zurichten vermag, da er an seiner eigenen Inkonsequenz scheitert und von der zionistischen Organisation wenig beachtet wird. Lewin tritt für eine Revision ein, nicht eine der Revisionisten. Das ganze Leben in Palästina muß einer Revision im Geiste d e r T h o r a unterzogen werden, und von dieser ^fläche aus findet er die stärksten und wirksamsten Tone ans Herz der orthodoxen Iuöenheit.. in Polen und in der Welt, nun spät, aber nicht zu spät, an diese Revisionsarbeit heranzugehen. Cs gilt, doppelte Aufbauarbeit zu leisten, materielle und geistige, Siedlung und Erziehung; Belebung der Privatinitiative, aus der allein alles Gute und Große in Palästina entsteht, Hachscharah und Kolonisierung, Unterstützung der Alijah, aber in. erster Reihe die Sorge für die innere Alijah, für den Aufstieg der Seelen durch den- 'Ausbau des religiösen Schulwerkcs. palästinafreunde werden aus diesem Buche ein Rares Bild über das, was wir in Palästina besitzen und zu erstreben haben, gewinnen. iWespoMnre« * ßacbrieim Deutsches Reich. Bezirkstagungen der Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. •'!" Berlin, 16. Febr. Die äußeren Schwierigkeiten, die sich einer zentralen Tagung aller traditionellen Rabbiner in den Weg stellten, führten zu dem Plan der provinziell begrenzten Bezirkstagungen. Im Monat Januar fanden bereits drei solcher Tagungen statt: In Wiesbaden, Duisburg und Lübeck. In Wiesbaden nahmen am 4. und 5. Januar 13 Rabbiner an der Konferenz teil. Den Vorsitz hatte Rabbiner Dr. Unna, Mannheim, der u. a. den Senior der deutschen Rabbiner, Dr. Äahn, Wiesbaden, begrüßen durfte. Das erste halachifche Referat über „(Set Meuffe" hielt. ' Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M. Rabbiner Dr. M ich als ki, Karlsruhe, referierte über die Beeinflussung der Jugend. Die Diskussion auf der Grundlage der Referate ergab manche greifbare Resultate. Sodann referierte Rabbiner Dr. Bamber ge r., Stuttgart, über die Benutzung elektrischerAn lagen und der Detektora p p a r a t e. a m Sabbat. Lebhafte Diskussion löste ein Referat von Rabbiner Dr. Horovitz, Frankfurt a. M., über die Pr oselytenfrage, wobei zugleich I die Frage des Religionsunterrichtes für K i n-! Der aus Mischehen eingehend besprochen wurde. i Die Woche. Berlin. In Berlin trat am Sonntag Morgen im Festsaal von Kroll der Kongreß für das „Freie Wort" zusammen. Nach Ansprachen einiger hochgestellter Persönlichkeiten und Verlesung eines Manifestes von Thomas Mann sprach der.frühere preußische Minister Wolfgang Heine über die „Freiheit der Kunst". Als er von „Brutalität" sprach, die amtlich angepriesen werde, und dann eine Redewendung von „einem vor Jahrhunderten kn einem jüdischen Grab gefundenen Hakenkreuz" gebrauchte, erklärte der überwachende Polizeibeamte den Kongreß für a u f g e l ö st. — Die zweite Auflage von 4000 Exemplaren des Gefall enen-Gedenkbuches des Reichs Lundes jüdischer Frontsoldaten, die erst in. diesen Tagen herausgekommen ist. ist kurz nach ihrem Erscheinen schon wieder vergriffen. — Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat an den Magistrat von Neunkirchen (Saar) ein herzlich gehaltenes Beileidsschreiben gerichtet. Außerdem hat die Gemeinde für die Hinterbliebenen der Katastrophe und zum Wiederaufbau der zerstörten Gebäude einen..Betrag von 1000 Mk. dem Magistrat von Reunkirchen überwiesen. Köln. In Viersen (Rheinland) wurden bei einem nationalsozialistischen Umzug am 31. Jan. die Fenster dreier-jüdischer'Firmen durch Steine zertrümmert. - Später wurde auch ein Fenster der Wohnung eines jüdischen Viehhändlers eingeworfen. Die Täter konnten bisher noch nicht festgestellt werden. Ferner wurden dort am Sonntag, den 5. Februar, von Nationalsozialisten 6 Revolverschllsse auf die Haustür der jüdischen Familie Lambertz abgegeben. Zwei hinzueilende Schutzleute wurden niedergeschossen und mußten schwerverletzt in das Hospital gebracht werden. Einer der Täter konnte festgenommen werden, die beiden anderen Täter sind mit Namen bekannt. Danzig. Wie schon mitgeteilt, sind 400 polnisch-jüdische Handwerker, die seit mehr als 10 I a h - r e n in Deutschland wohnen, bedroht, ihre Existenzen zu verlieren, weil der Danziger Senat ihre in Polen erworbenen Meisterzeugnisse nicht anerkennt und ihnen die weitere Ausübung des Handwerks nicht erlaubt. Der polnische Generalkommissar in Danzig hat zugunsten dieser jüdischen Handwerker beim Senat interveniert. Wien. In der letzten Zeit kam es oft vor. daß jüdische Passanten nachts in den Wiener Straßen überfallen und schwer verprügelt wurden. Das Polizeipräsidium hat sich deswegen veranlaßt gesehen, die Polizeiwachmannschasten anzuweisen, den nächtlichen Verkehr in den Straßen schärfer zu überwachen und. wo Ueberfälle Vorkommen, die Schuldigen ZU ergreifen. London. Englische Zeitungen berichten aus Berlin, daß Sir Philip S a s s o o n, der englische Staatssekretär für Luftfahrtwesen, während seiner Anwesenheit in Berlin m i t d e in R e i ch s m i n i st e r G o e r i n g, der auch Kommissar für das deutsche Luftfahrwesen ist, zusammengekommen ist. Die englischen Zeitungen wissen nicht, ob Sir Philip Sassoon, der Jude ist, bei der Zusammenkunft mit dem Führer der Nationalsozialisten auch - jüdische Dinge berührt hat. — Im Alter von 84 Jahren verstarb hier Lord S y d e n - h a m. einst Gouverneur von Victoria. Er - war eine prominente Figur in der pro-arabischen und antijüdischen Bewegung in England und griff wiederholt die englische Palästina- Politik im Oberhaus und in der Presse an. Akanchester. Auf einer Tagung jüdischer Führer Manchesters wurde über Maßnahmen gegen sich häufende radauantisemitische Akte, die von einer kleinen, aber um so lärmender auftretenden Gruppe ausgehen, beraten und beschlossen. gegen die Hetzer alle gesetzlichen Maßnahmen zu ergreifen. Bukarest. Eine aus mehreren hundert Personen bestehende Bande hat nachts in der Umgebung des Nordbahnhofs, während die Polizei durch die Unruhen in den naheliegenden Staatsbahnwerkstätten gebunden war. Läden jüdischer Kausleute geplündert. Lharbin. Der Menschenraub grassiert hier. Banditen versuchten, den jüdischen Kaufmann Sinowi R o s i n auf offner Straße mittels eines bereitstehenden Autos zu entführen. Rosin, von seinem Leibwächter unterstützt, setzte sich erfolgreich zur Wehr. Der am vergangenen Jomkippür beim Verlassen der Synagoge entführte Jizchak S ch e r i n , Sohn des Inhabers der Asiatik Transport-Gefellschaft, ist gegen ein Lösegeld von 50 000 Dollar freigegeben worden. Er wurde die ganze Zeit in einem Erdioch verborgen gehalten und ist dort zu einem Skelett abgemagert und fast des Augenlichtes beraubt. Sein Zustand ist bedenklich. Bei der Tagung in D u i s b u r g am 22. Januar waren 12 Rabbiner anwesend, u. i. mehrere östliche Dajonini aus Rheinland-Westfalen. Den Vorsitz führte Rabbiner Dr. Neu Haus, Mühlheim. Zuerst referierte Rabbiner R. Vereifch, Duisburg, über Die 51 o m - petenzen der Ehachomim und wies nach, wie eng begrenzt das Recht der Lehrer gegenüber bindenden Thoragesetzen ist, besonders in Eheangelegenheiten. Ueber die P r o s e l y t e n s r a g e sprach Herr Oberrabbiner A l t m a n n . Trier. Am Nachmittag erschien als Gast der „Sadagorer Rebbe", Rabbi F r i e d m a n n n. in der Versammlung, begrüßte sie und wurde herzlich begrüßt. In einem längeren Referat wies Rabbiner Dr. Earlebach, Köln, die Wege zur religiösen Beeinflussung dexJ u g e n d. Das Korreferat hielt Rqbbiner R. Findling, Elberfeld. Rabbiner Dr. R ositz n t h a l, Köln, machte einige praktische Anregungen 'über den freiwilligen Arbeitsdienst für die jüdische Jugend. Den Reigen der Vorträge schloß Rabbiner Dr. N e u h a u s , Mühlheim, mit einer Abhandlung über die p h i l o s o.p h i s ch e Lage der G.egenwart, in der-^r' von den Schriften, des-Philosophen Jasper ausgehend, nach,yiies,,,ü'llß^ heute für uns Juden nur einen Halt itn'Schwanken der Zeit gibt: Die Thora. ~ Die Tagung in Lübeck vereinigte am 1. und 2. Januar sieben Rabbinen unter- Vorsitz von Oberrabbiner Dr. Earlebach, Altona. Nach einer Begrüßung durch den Ortsrabbiner Dr. Winter, hielt Rabb. Dr. L i cht i g. Hamburg, einen halachschen Vortrag worauf der Vorsitzende über die zwei zur Diskussion stehenden Fragen: Erzwingbarkeitdes Scherdebriefes und Aufnahme von P r o se l ij tu n referierte. Rabbiner Dr. Blum, Emden, stellte sich zum Thema: „Darf jeder seinen eigenen Schulchan Aruch haben?" Unter dem Titel „Zeitbild und Zeitlicht" rollte Rabb. Dr. P o s n e r, Kiel, die ganze schwere Problematik des Gei st es - lebens der Gegenwart aus. Interesse fand auch das Referat von Rabb. Dr. Winter über die Frage: „Welche pädagogischen Kräfte stehen dem Rabbiner zur Beeinflussung der Jugend zur Verfügung?" Als Gäste waren anwesend und beteiligten sich an der Diskussion die Herren Professor M a r k o n und Dr. B. I. I a c o bs o n, Hamburg. Man hat mit diesem System der Bezirkstagung e n so gute Erfahrungen gemacht, daß die Absicht besteht, es auch für die Zukunft beizubehaltcn. Aus der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 17. Febr. Mit Nachrufen und Neuwahl des Büros beginnt die erste Repräsentantenversammlung im neuen bürgerlichen Jahre. Die Liberalen beantragen die Abhaltung von „Kurzandachten" (noch kürzer? Red.) in einigen Betsälen an den Hohen Feiertagen. Dr. Sachs begründet den Antrag mit dem Wunsche nach Heranziehung indifferenter Gemeindemitglieder: Im letzten Jahre haben sich nur 70 Prozent der erwachsenen Berliner Juden an den Herbst- Feiertagsandachten beteiligt. Aufgabe der Gemeinde in der gegenwärtigen Zeit ist die Gewinnung jedes Juden für die Gemeinschaft. Viele finden in den Andachten des alten wie des neuen Ritus ncht mehr die innere Sammlung und religiöse Stimmung. Auch die Reformgemeinde kann dem nicht genügen, da sie unter Bruch der Tradition die hebräische Gebetssprache, die einen jüdischen G'ttesdienst beherrschen muß, vernachlässigt. Ausgabe ist die „Verbindung von Tradition und Vernunft" usw. Dr. Klee und Prof. L o e w e (Volkspartei) bezweifeln den Erfolg der vorgeschlagenen Maßnahme: Seit 100 Jahren habe man den Abbau der Tradition mit der Gesinnung der Indifferenten gerechtfertigt, jedoch erfolglos. Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Volkspartei angenommen. Die V o l k s p a r t e i stellt durch Prof. Loewe Anfrage betreffend die durch den Butterbeimischungszwang eingetretenen Schwierigkeiten in der angemessenen Versorgung mit ritueller Pflanzenbutter. S ch o y e r (Gemeindevorstand) teilt mit, vor mehreren Wochen habe die Reichsregierung Erleichterungen für bis jüdische Bevölkerung zugesagt, der Gemeindevorstand trete mit allen Kräften für die Durchsetzung der berechtigten jüdischen Forderungen ein. Der Gemeindevorstand teilt mit, daß er in seiner Sitzung vom 14. Februar den Gemeindeetat für 1933 verabschiedet habe und die Vorlage binnen wenigen Tagen der Versammlung zugehen werde. Ueber den Antrag ans

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