Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 8 Der Israelit 23. Februar 1933 Zigarren Zeil Tel, Hansa 27930 gehen, weil die Besitzer nicht öie/Wittel haben, das Mutter zu beschaffen. Große Landstrecken liegen brach, und die Inden zahlen gut, haben in Palästina Misten und Sümpfe in ein Paradies verwandelt. Also möge sich Emir Abdullah von -dem Großmast! in Jerusalem nicht einschüchtern lassen. Die angesetzte Gesetzgebende Versammlung in Amaim, die das letzte entscheidende Wort in dieser Sache zu sprechen hätte, wurde wieder abgesagt, da man noch einmal dem Konflikte aus dem Wege gehen wollte. Inzwischen wissen aber Eingeweihte zu berichten, daß die Stimmen aus dem Volke und den Kreisen der Großagrarier nicht ohne Eindruck auf Abdullah blieben, und daß er in einem energischen Schreiben an den Großmufti in Jerusalem diesen wissen ließ, daß er keineswegs gesonnen sei, sich seine Politik von Jerusalem vorschreiben zu lassen. Cs sei mit Einwilligung, ja sogar unter Protektorat Abdullahs eine neue politische Partei gegründte worden, mit dem Programme: „Oesfnung der Tore Transjordaniens für Juden zur Lösung der kritischen Wirtschaftslage im Lande!" Die arabische Presse Palästinas tobt, sie wirft Abdullah Wortbruch an den Kopf. Auch England, so heißt es, sei sehr interessiert an einer jüdischen Ansiedlung in Transjordanien, vielleicht als Hemmschuh gegen den gefährlichen Einfluß der wilden Wüstenaraber. Dicht ohne bitteren Beigeschmack wird man die Intentionen auch der Anwälte einer jüdischen Ansiedlung in Transjordanien vernehmen. „Eine Lösung der schweren transjordanischen Krise", erwarten die Scheichs und Stammesobcrhäupter von den Juden. „Ein Bollwerk gegen die aufsässigen Wüstenbeduinen", möchten die Engländer mit den jüdischen Kolonien errichten. Wer gewährleistet für den Schutz und die Sicherheit der Juden in Transjordanien, wenn sie einmal mit einer Unsumme von Arbeit, Energie und Kapital die Krise behoben haben und der Wohr seine Schuldigkeit getan hat? Wan Kat es in Palästina erlebt. Und was wird Englands Dank an die Juden sein, wenn sic mit ihrem Blute drüben die englische Position bestärkt haben? 2luch hierin hat man, wie manche behaupten, in Palästina allerlei Erfahrung gemacht. So oder so, die Liebe, die in Amann wie in London dem Hasse der Palästinaaraber entgegengesetzt wird, ist leider ganz und gar keine irw nnnK wa '’iVn« Immerhin wird man auf jüdischer Seite die Entwicklung des Konfliktes mit größtem Interesse verfolgen. Erst wenn er zugunsten der Juden ausgeht, wird der Zeitpunkt eingctretcn fein, wo man zur größten Vorficht wird mah n e n müssen. als Ideal empfohlen nrny in der Mehrzahl. Einnahme von Speise und Trank in der E i n z a h l. Zu dem Worte umi zu aps? 'sbemevh der Midrasch: nnn< bv K’dik by ,-,inyb 312' nix px Das Wesen dieser Nation ist unergründlch. Opfersinn ist ihr so eigen, daß sie zu jedem Zweck gibt, selbst zu schlechtem. Verlangt man für das pvv» gibt Israel, verlangt man für das b*y, gibt es> auch. In Wirklichkeit neigen viele Menschen dazu, in ihrer Gutmütigkeit so gern zu spenden, daß sie leicht auch unwürdige Zwecke damit fördern. Angedeutet ist dies in dem "umi. das rückwärts wie vorwärts gleich gelesen wird, d. h. man gibt, ob es A u f st i e g oder auch rn einmal Abstieg bedeutet. Wochenkalender. vom 28. Febr. bis 4 März 1933 vom 29. Echebat — 6. Adar 8693 Samstag Febr Sonmag Montag Dienstag Mittwoch :o- Donnerstag Freitag Samstag ’ÖT> tp Iwi-Sv 'S D-’tJSPB V32> 29 pp ujnn ennn rsiaa MauNd: jfiettaß 13 abends 11 Uhr 267fo M. 30 .13 oi.i snw 's av TTK 1 13 mn vrrii '3 2 13 3 N3 4 V3 5 3 6 - nposn nviin Rebellierende Zugend. Eine der größten inneren Schwierigkeiten, mit der die agudiftifche Organisation, zu kämpfen hat, ist der maßlose, alle Schranken sittlicher Bindung durchbrechende Fanatismus eines Teiles ihrer palästinensischen Jugend. Der Kreis, um den es sich handelt, ist — in einem gewissen Sinne muß man sagen: leider — numerisch klein, aber schon die „Taten" eines einzigen unverantwortlichen Fanatikers können Feuerbrände entzünden, deren verheerende Wirkung die stille Aufbauarbeit einer ganzen Generation zu vernichten vermag. Wir hatten uns mit den „Zeire Agudas I s c o e l " in Icruscholajim schon früher zu beschäftigen gehabt — ihre unbekümmerten Attacken gegen das Hebräische, gegen die Balfour-Erklärung zur Zeit der Volkszählung sind an dieser Stelle — im Einvernehmen mit der W.ehrheit des rabbinischen Rates und der Exekutive der Agudas Iisorel — ebenso energisch zurückgewiesen worden, wie ihr wahrhaft bewunderungswürdiger, vop keinem persönlichen Opfer und keiner persönlichen Gefahr zurückscheüenöer Kampf für den Schabbos Dank und Anerkennung fand und findet. Was sich jetzt aber abgespielt hat, schlägt dem Faß den Boden aus. Im Jerusalemer „Kol Isroel" hatte eine führende Persönlichkeit der palästinensischen Agudo in einer Reihe von Aussätzen, denen man Vernunft und ehrliches Bemühen um Objektivität nicht absprechen kann, einige Zwischenfälle der letzten Zeit, darunter auch die Ruhestörung bei der Bestattung des Kabbalisten Rabbi Duwik b"%h behandelt. Cs war dabei der taktlose Versuch, einen Hespeö Oberrabbiner Kuks durch Ruhestörung zu verhindern, entschieden getadelt und z u r ü ck g e w i e s e n , andererseits Rabb. Kuk in durchaus respektvoller Form empfohlen worden, angesichts der Unzufriedenheit, die in weiten orthodoxen Kreisen mit seiner nv'V aus den und den sachlichen Gründen herrsche, bei entschiedenen Gegnern dieser nv'V (wie es Rabbi Duwik VST' war) Hespedim zu unterlassen. Darauf erscheint ein Flugblatt der „Zeire Agudas Isroel", in dem die jungen Herren gegen den — K o l Isroel, gegen ihre eigenen L ehre r u n d W eiste r protestieren, sich ihrer Teilnahme an dem Beerdigungs-Skandal (den der Kol Isroel bestritten hatte), noch rühmen und nebenher Oberrabbiner. Kuk ein paar ihrer saftigen Ungezogenheiten an den Kopf werfen. Ulan sieht schon hieraus, wie die Gewöhnung an »'3S niT?' man ■»as mi^n und pira »'»an gegenüber angeblichen "pHn 'a'in»" mit innerer Notwendigkeit auch zur unbotmäßigen Auflehnung gegen die eigenen Eltern und Lehrer führt. Inzwischen hatte „Haarez" gemeldet, Gberrabbincr Kuk habe ein Bcgrüßungstelegramm zu dem Festesten des sabbatschänderischen Ulakkabi gesandt. Darob — an sich begreiflicherweise —• Entrüstung auf seiten des „Kol Isroel", der dabei allerdings die anständige Form wahrte, aber gar nicht untersuchte, ob denn nicht (wie es in der Tat gewesen zu sein scheint) die Begrüßung lediglich eine mit Zucker versüßte Zurechtweisung war. Immerhin: es ist nicht anzunehmen, daß man grundsätzlichen Leugnern und Sabbatentweihern mit solchen Begrüßungs-Spielereien besonders imponiert. Herr A m r a m B l a u aber, der leider als „verantwortlicher" Redakteur des für. ihn viel zu vornehmen „Kol Isroel" zeichnet, ein Bruder de? wirkl i ch verantwortlichen Führers der palästinensischen Agudas Isroel, Rabbi Wofche Blau, läßt darauf unter der pseudonymen Unterschrift „Zeire Schlome Cmune Isroel" ein neues Flugblatt gegen Oberrabbiner Kuk vom Stapel, das nun wirklich unter aller Kritik ist. Vor öeM paroxxsmus wilden Haffes und gemeinster, hemmungsloser Beschimpfung, der hier brodelt, kann mau nur schamrot das Haupt verhüllen und nv'l,7 reißend, ausrufen: -Tmaiip -pw d'jtkV 'irr Daß auf dieses „literarische" Verbrechen von seiten des Kuk'fchcn Bcsdin durch einen Eherem auf den Verfasser geantwortet wurde, läßt sich begreifen; weniger, daß dieses Besdin nun kurzerhand, ohne genügende Untersuchung, den diesmäb zufällig gastz. unbeteiligten S o h n von Rabbi Wofche Blau und — erst recht völlig unberechtigt e r Me i s e auch den „Kol Isroel" mit einbezog. . . ■ Hierwird -oben, zur Komplettierung des Ehillul. haschem, auch, die rabbinische Justiz besinnungslos und läßt sich von psychologisch berechtigter Entrüstung in den politischen Partei-Kampf Hineinreißen. während die Exekutive der „Agudas Isroel" — wir sind ermächtigt, dies hier mitzuleilm — im Begriffe war, beim Rabbinischen Rate den Ausschluß des oder der Urheber des' verbrecherischen Flugblatts aus der Organisation -zu beantragen, Hat die Jerusalemer .„Agudas I s r o e l " s e l b st — ohne noch von diesem Ausschluß-Antrag Kenntnis zu haben — folgende Beschlüsse gefaßt: a) V o n jetzt a n w i r ü jeder Angehörige der Agudas Jisroel oder der Zeire Agudas Jisroel. der irgendwelche Druckschrift veröffentlicht, Inder ein Wortd er S ch m äh un g gegen irgend jemanden.enthalten i st, oh ne daß der Urheber vorher die ausdrückliche Zustimmung vom Komitee der Agudas Jisroel dazu erhalten hat, aus den Reihen der Agudas Jisroel ausgeschlossen und die Agudas Jisroel wird gegen seine .Kundgebungen .öffentlichen Protest erheben.' b) Wenn der Waad der Zeire Agudas Jisroel irgend eine Kundmachung im Namen derZeire Agudas Jisroel veröffentlichen will, sofern es sich um eine Sache handelt, die irgendwie wichtiger Natur ist, so muß vorher di'e Zustimmung des Waad der Agudas Jisroel eingeholt werden. Wenn nach dieser Verhandlung dieAgudas Jisroel auf dem Standpunkt steht, daß die Veröffentlichung der Kundm a ch u n g n i ch t e r w ü n f ch t i ft, h a b e n d i e Zeire Agudas Jisroel die Veröffenjl i ch u n g z u u n t e r l a s s e n. Wir möchten hoffen, daß diese Beschlüsse, die den „Zeire Agudas Isroel" notifiziert worden sind, nun auch rücksichtslos d u r ch g e f ü h r t werden. Wögen dann diejenigen der jungen Herren, die es ihrer nix» nnnV» schuldig zu sein glauben, den Damen G'ttes und feiner Lehre, die sie schirmen wollen, mit erhobener Hand vor den Augen der ganzen Welt zu e n» t w e i h e n , dies für eigene Rechnung tun und den heiligen Damen der „Agudas Isroel" ablegen, für die nach dem willen ihrer rabbinischen und weltlichen Führer die Losung gilt: «'i^V n'ma’nj Vai ös?*: '»in n'am Wir sind überzeugt, daß der nun zum Tage der Gesetzesoffenbarung h"pan in Icruscholajim erwartete ehrwürdige Dachfolger Rabbi Ehajan Sonnenfelös O b e r r a b b i n e r Dufchinsky '"3 in feiner milden, zielbewussten Vornehmheit verstehen wird, bei aller unbeugsamen Festigkeit und Klarheit des Prinzips, bei aller Ablehnung der politisch-religiösen Taktik Oberrabbiner Knks Exzesse, wie die hier geschilderten, für die Zukunft im Kreise der agudistischen Orthodoxie nicht'mehr aufkommen zu lassen. 3. Rk. Lewin über Erez Jisroel. In einer schönen Broschüre von 40 Seiten, herausgegeben vom Kereu Hajifchuw in Polen, erzählt I. W. Lewin, was er in Crez Jisroel gesehen hat. Lewin ist kein Romantiker. Er sieht die Dinge mit den klaren Augen des Kaufmanns, des Wirtschaftlers, ja auch des Politikers.. Aber fein Herz schlägt in und für Crez Jisroel so warm, daß ihm das Temperament und damit die Feder oft durchgeht und sich in die Gebiete des Geistes und der Seele, jenseits und über den realen Dingen, findet. Das trifft schon vom ersten Kapitel zu, wo er die Reise mit seinem Schwiegervater, dem Gerer Rebbe, und die Audienz bei Rabbi Ehajim Sonnenfelö schildert, noch mehr für das zweite Kapitel, in dem er feine Eindrücke beim Besuche der heiligen Stätten wreöergibt. Ein kurzes Wort über den alten Iifchuw zeigt uns zur Genüge, daß (was auch Schachnowitz in feinen Berichten und in feinem Büchlein feststellt), es ein Irrtum fei, den alten Iifchuw mit der Vorstellung von Ruinen zu verbinden. In den Institutionen des alten Iifchuw wohnt mehr Aufbau und Aufbauwille, als die Welt ahnt. Cs folgen nun statistische Angaben über die gegen-