Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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23. Februar 1933 Der Israelit Nr. 8 Seite 3 rvalterin der alten demokratischen Traditionen von -der Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetze, zufallen werden. Die numerische Geringsüglgkci: diel er bürgerlichen Mittelpartei ließ mancheinem in letzterer Zeit ihre Liste als bloße.Demonstration, als eine unnütze Zersplitterung erscheinen. Man kann aber auch der Meinung sein, dast es sich in einer Zeit, in der im politischen Leben die Titusen schweigen, die Lichter erloschen sind, Liebe zum verbrechen, und vcenunft zum Wahnsinn gestempelt wird, dast cs sich verlohnt, in solcher Zeit auch i in +■ rinzi p e n u r einen Sammelpunkt für die obdachlosen guten Geister zu schaffen, sie zu hüten und für eine bessere Zeit zu erhalten, auch wenn sie im trüben Licht der Stunde noch nicht so febr. in Wirksamkeit treten können. Ls kommt aber dieses Mal noch hinzu, dast unter öem gewaltigen Druck von rechts und links die S t -a a t s p a r t e i d u r ch eine L i ft e n v e r b i n d u n g mit der Sozialö e m o k c a t i e, — der wir als Hüterin unseres Rechtes ja ebenfalls Anerkennung schulden, und deren soziale Bedeutung für das Recht der Armen und Elenden den bestehenden religiösen Gegensatz in den Hintergrund drängt, — sich von vornherein ein gewisses Kontingent im neuen Reichstag gesichert hat, das vielleicht doch, mehr als bloste Keimzelle oder „mahnendes Gewissen" bedeuten würde. In erster Reihe ist es jedoch heute wiederum das .Z e ntrum , das mehr denn je in der Mitte zwischen nationaler Lngherzigkeit und dem Moskauer Gottlosentum den g e r a d e n w e g z u m wirtschaftlichen und geistigen Aufbau wandelt. Cs ist ganz selbstverständlich, dast dieser Partei, die, wie ihre katholische Schwesterpartei in Bayern, nach wie vor das Zünglein an der wage bleiben wird, wiederum jüdische wahlhilfe in reichem Maste zuteil pub. Das Verhalten des Zentrums vor, bei und nach der neuen Kabinettsbildung ist eine nachträgliche Rechtfertigung der Stellung, die wir schon seit Jahren zu dieser Partei der geistigen Bodenständigkeit einnehmen. Die p r o g r a m m a - tische Erklärung des Prälaten D r. K a a s vor dem Reichsparteiausschust des Zentrums erhebt sich mit ihrem inneren sittlichen Gehalt und ihrer festumriffenen Weltanschauung turmhoch über alle anderen Erklärungen solcher Art. Einer Abordnung jüdischer Z e n t r u m s w ä h l e r in B e r l i n , die nicht zur Orthodoxie zählen, erklärte überdies der Ehrenvorsitzende der deutschen Jentrnmspartei, Reichskanzler a. D. Marx, dieser Tage, dast die Zentrumspartei sich ihren von der Gründung der Partei an bis jetzt festgehaltenen Grundsätzen gemäst unzweideutig zu den grosten Ideen des Rechts und der Ordnung im staatlichen Leben bekenne. Das Prinzip der Gleichberechtigung Aller vor dem Gesetz sei für das Zentrum unantastbar. Aus dieser grundsätzlichen Einstellung heraus sei für das Zentrum selbstverständlich, dast es auch für die Gleichberechtigung der Juden'eintrete. Insbesondere gelte dies hinsichtlich des Rechts der freien Religionsausübung. Die Zentrumspartei stehe auf dem Standpunkt, dast jede anerkannte Religionsgemeinschaft selbst zu bestimmen habe, welche religiösen Gesetze und Bräuche für sie gelten. Demzufolge sprach sich Herr Reichskanzler a. D. Marx auch gegen ein etwaiges S ch ä ch t v e r b o t aus. wenn das jüdische Religionsgesetz das Schächten vorschreibe, so habe der Staat diese Vorschriften zu respektieren. Das Zentrum habe auch, wie die Verhandlungen in den Parlamenten beweisen, sich konstant gegen jedes Schüchtverbot erklärt und den Erlast solcher Gesetze zu hindern gesucht. Bezüglich der Erziehung des her- Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat März Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. /erlag desIsraelitG.m.b.H., Frankfurt a.M. anwach senden Geschlechtes erklärte Herr Reichskanzler a. D. Marx, dast das Zentrum grundsätzlich Anhänger der konfessionellen Schule sei. Aus diesem Gesichtspunkte trete es auch für die jüdische Schule ein. Grundsätzlich verlange das Zentrum die Gleichstellung aller Bürger vor dem Ges e tz und in der verwaltungsmästigen Behandlung. Es würde demnach Benachteiligung von Juden nach diel er Richtung nicht billigen. Mit allem Rachdruck wandte sich Herr Reichskanzler a. D. Marx gegen eine etwaige Möglichkeit, dast die deutschen Inden als solche durch die gegenwärtige Regierung in ihren verfassungsmästigen Rechten und Freiheiten in irgendeiner Form beschränkt werden könnten. Ein solch bindendes Wort, von dieser Seite gegeben, wurde bis jetzt immer noch prompt eingelöst. Die Auswahl der Parteien unseres Vertrauens ist klein, aber gerade darum kann der Jude ohne innere Zweifel und Gewissenskämpfe an die Urne gehen. Was ist mit Transjordanien? palästinareisende pflegten auf dem Ausflüge zum Toten Meere nach Jericho abzubiegen und von dort nach der Allenby-Brückc über dem Jordan, an deren Ende eine lange Kette und zweierlei Uniformen das Aufhören Palästinas und den Beginn des R e iches Abdullahs, Transjovdanien, andeuten. Der erste Blick ins graue öde Land, das einmal Erbbesitz der zweiundcinhalb Stämme Israels war, ist weder erfreulich noch ermutigend. Aber es gibt da drüben viel fettes gutes Land, so viel Land ohne Volk, wie es in Palästina Volk ohne Land gibt. In Palästina sehen fanatische Araber mit Reid nach Transjordanien als dem Land ohne Juden hinüber; in Transjordanicn aber sehen die praktischen und zuin Glück noch nicht national fanatisierten Essendis neidisch über den Jordan hinüber zu dem Lande, dem die Juden Leben, Aufbau und 'Aufschwung gebracht haben. „Das Land ohne Volk dem Volke ohne Land!" ist eine Forderung, die den primitiven Menschen jenseits des Bereiches der Grostmuftis ohne weiteres einleuchtet. Es kam denn auch zu Verhandlungen mit jüdischen Organisationen und auch Privatunternehmern über den verkauf von brach liegend e m Lande an Juden, .unter Kauteln, die den Juden und den Arabern zum Segen gereichen könnten. Da legten sich aber die palästinensischen Araber ins Zeug, erhoben ein grostes Geschrei und verhinderten zunächst die Pläne, ohne sic gänzlich vernichten zu können, da die Scheichs drüben immer noch nicht einschen können, warum sie einem nationalistischen Phantom, mit dem sie weder ihren Hunger stillen noch das Vieh im Stall füttern können, ihre Interessen opfern sollten. „Transjordanien" ist nicht von der Tagesordnung gewichen. Es ist ein Kampf zwischen blindem Rationalismus und einer gesunden und vernünftigen Interessenpolitik, der mit wechselndem Glück hin und her tobt. In den letzten Tagen haben 21 einflußreiche transjordanische Stammesoberhäupter, sämtlich Mitglieder der Transjordanischcn Gesetzgebenden Versammlung, dem Hochkommissar in Palästina, wie ihrem eigenen König, Emir Abdullah, die kategorische Forderung unterbreitet, ungehindert Boden an Personen, die nicht t r a n s jordanische Staatsbürger sind, also an Juden, verkaufen zu dürfen, da dieser freie verkauf noch das einzige Rettungsmittel für das wirtschaftlich darniederliegende Transjordanien sei. Zur gleichen Zeit nahm in A m ann , der Hauptstadt Transjordaniens, eine versa m m l u n g a ngesehener S ch c i ch s zu der Frage Stellung. Die Mehrheit schließt sich der genannten Resolution der Stammesobcrhäupter an. Siebzig Prozent des Viehbestandes in Transjordanien müßten zugrunde¬ Stark an Kraft, die vollbringen sein Wort, um zu hören j aus seines Wortes Stimme, sind auch wir, wenn unser; ganzes Dasein mit all seinem Tun und Lassen darauf; eingestellt ist, daß wir mit unserer vollen Kraft für des! Herrn Ehre und für den Sieg des G'ttesgedankens auf! Erden uns einsetzen. Das ist der Quell unserer Kraft und die Würde unseres Seins, wenn wir uns als Diener G'ttes fühlen und kraftvoll nach G'ttes Willen unser Leben in allen seinen Beziehungen und Verhältnissen gestalten. Das Diktat des G'ttesgesetzes ist das Primat des jüdischen Lebens. Das allein gibt dem jüdischen Volke sein Daseinsrecht. seine Kraft und seine Weihe ... Lesen wir nun wieder vor Beginn des Monats Adar gleichsam im Vorahnen des kommenden Frühlings den Abschnitt „vom halben Schekel" und hören wir da die Mahnung: „nur wer" leistet, zählt, — geachtet wird jeder, der seinen vollen halben Schekel fürs Heilige bringt, und so werden wir auch da an unsere Pflicht erinnert, mit unfern Gaben nicht zu kargen, wenn es gilt, der Erforschung der Thora Stätten zu erhalten und solche zu begründen, wo sie in unsrer Mitte fehlen. Wir kennen keinen höheren Adel als den des Geistes und in ihm wieder kerne strahlendere Krone als die der Thora. Wissen ist Macht und adelt. Das haben wir als „Volk des Buches" in seiner tiefen Kraft und ganzen Fülle erfahren —, beherzigen wir es zu unferm Segen auch für die Zukunft. „Wir wollen tun. wir wollen hören!" Bemerkungen zu cnvSVv '3* Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Die 'n niana 'ns sagt: n*m bv w2ix piio», Leiden verwischen die Sünden des Menschen. Ueber die Vej weisführung, die in Agadah genau so logisch zu gehen; hat, wie in Halacha, sind zwei Ansichen. R. Jochanan , folgert es p-i fv» v'p- Verletzt ein Herr Zahn ober Auge j seines Sklaven, ein einziges Glied des Menschen, so eri hält dieser die Freiheit: um wie viel mehr müssen Leiden, die den ganzen Körper zermürben, alle Schulden tilgen. R. Lakisch folgert es durch me? ,nn: nna rüaa- Das Salz wird als Bundeszeichen genannt, auch am Ende der nnain heißt es jvaan '->ai Wie Salz das Fleisch genußfähig macht, so machen auch i’2io’ den Menschen rein. Zwischen beiden Gedankengängen läßt ich ein nra 8ps: finden. Verletzt nicht d e r H e r r e l b st den Sklaven, sondern es geschieht durch eine andere Person, wenn auch die Schuld dem Herrn zufällt, so hat dieser damit, weil?pm «»22 nicht die Freiheit zu beanspruchen. Werden uns also tu p-no’ durch andere Personen zugesandt, so würde dieser Grund R. Jochanans wegfallen. Nach dem zweiten Grund dagegen mit rma cra wäre es auch in diesem Fall. Das ist wohl der Sinn des R. Jochanan'schen Wortes: -ivm wv- ..w wirr irrxrm 'a dito m-invm naa K2p 'rrdi> 'rn '3 „Als R. Jochanan an diesen Satz kam, weinte er: „Ich werde mich abwenden von ihm und es werden sie viele und böse Leiden treffen. Ein Knecht, dem sein Herr Leiden zufügen läßt, gibt es für ihn ein Mittel?" Warum hatte dieser Satz gerade für R. Jochanan so Schreckliches? — Er invvi,, der die Läuterung durch rp von i'vi iv nbleitet. fürchtete, wenn -rn ''VN f i ch a b w e n d e t und durch Andere die Leiden schickt — 8’saa — könnten die I'iiv' nicht die Ausmerzung der Sünden bewirken. Darum heißt es auch wohl anfangs 828i 'b : .'Mia nx lami D’ixa 2V8 'a iipKj nrr wö® '28 dii Ich hörte, wie Mizraim Israel knechtet, noch schlimmer, als es ursprünglich meine Absicht war, mit mias? rwp, so daß der rsi rp nicht ausgereicht hätte, deshalb'v'na f>8 ->ami nahm ich die mia etj von R. Lakisch's Ansicht hinzu: Und wenn heute mya Haschom uns durch eine Unmenge von Feinden rn |mo’ schicken sollte, daß es scheint, er selbst habe sich abgewendet, so ist es desto mehr unsere Aufgabe, uns zum niarr nna zu flüchten, um uns durch naivn, innere Ein- und Umkehr der nVi82 und nsw' würdig zu machen. 2. In l'vr 's» wird die Frage aufgeworfen, ob rnnv naw ik mar nay d. h. ob die Freilassung eines Sklaven eine Entlastung ist oder eine Belastung, weil der Herr damit der Verpflegungspflicht sich entzieht. Es muß sich hier die Frage aufdrängen: Wenn ein Sklave als Entschädigung für körperliche Verletzung die Freiheit erhält, so ist dies doch unbestreitbar ein mar? Wie könnte man ihn sonst damit entschädigen, daß man ihn noch frei macht, wenn dies ein nain wäre? — Die Antwort ist aber: Zugegeben, bei einem Herrn, der in feinem Zorn dem Sklaven Auge oder Zahn verletzt, bei diesem ist gewiß das Verbleiben eine solche Bürde, daß die Freilassung ein mar, also eine Entschädigung ist, woraus aber auf allgemeine Fälle noch nicht gefolgert werden kann. 3 -81 '8 1221 8 ',a N8 N22V1, „Und Ihr sollt Haschern dienen. Eurem G'tt, und er wird segnen deine Speise und deinen Trank." Auffallend ist hier der plötzliche Wechsel von Einzahl und Mehrzahl in einem Satz! — Eine sinnvolle Erklärung dürfte folgende sein: In ni'mii, ist die Zusammenarbeit der Menge noch mehr als die Arbeit des Einzelnen, 2125» nbvv, ist mehr als die des Einzelnen, 2i25k2 nun mehr als die des Einzelnen. In m'»«n ist es für viele eine Gefahr, unter großer Menschenmenge zu essen. Man kommt zu allerhand Vergehen, Spott, Schmeichelei Nil wul peh: hier ist Alleinsein für viele besser. Deshalb'wird