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Der Israelit · 1933-02-23 · Heft 8 (23.2.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 8 (23.2.1933)
Date
1933-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelit 23. Februar 1933 Blick eine Differenz zu enthalten scheinen. Ai a n verschweigt, daß alle jüdischen Erklärer längst den Widerspruch aufgeklärt und behoben haben, und daß jeder einigermaßen Bibelkundige diese Dinge sich an den Schuhsohlen abgelaufen hat. Breitspurig werden auf Seite 85 drei Berichte über f^or in a zusaminengestellt, bei denen es ganz und gar unmöglich ist, einen Widerspruch zu entdecken. Und wenn der Bericht über die Eroberung der Iebuflterburg von Auerbach harmonisiert werden soll, so tut er gar nichts anderes, als was Ibn E s r a und R a s ch i längst getan haben, ohne an einem der beiden Berichte Verstümmelungen vorzunehmen. Das Herausforderndste an der Gesamtkonstruktion der jüdischen Geschichte ist aber ihre Grundlegung aus einer Hypothese Ed. Weyers, daß die ursprüngliche pricsterschafi sich nicht von Aron, sondern von Mosche herleite, und daß erst eine nachträgliche Ueberarbeitung und Verwischung des eigentlichen Tatbestandes E l e a s a r zu einem Nachkommen Arons und damit auch das Haus Eli und seine Söhne Lhofni und pinchas aus „Alosaidcn" zu „Stämmljngen Arons" macht. Hieß doch Mosches Sohn Cliefer, und der verwandelte sich durch pfäffische Kunststücke in Cleasar, den Sohn Arons. Ganz deutlich aber seien die Flamen Eli, Ehofni und Pinchas Namen ägyptischen Ursprungs. und durch ein paar sinnlose Tertkonjunkturen wird aus dem levttischen Jüngling, der beim Götzcnbilde Michas als Priester im Stamme Dan diente, Gersom, der Sohn Mosches. Aron dagegen war Vertreter eines anderen Kultes, der Mosches Führerstellung als Prophet und Persönlichkeit angreift (sic!). Warum aber wurde dieser Betrug gemacht? Die Abstammung von Mosche ist doch gar keine so große Schande, sollten wir denken. Aber „die priestcrschaft von Jerusalem, die sich von Sadok ableitet, ist also keine levitische im alten geschichtlichen Sinne, da sie nicht auf Mose zurückgeht. Aber zu dieser Zeit ist der Vorrang der Leviten (~ Eliden) und ihre Autorität als Inhaber der Mose-Tradition bereits so unbestritten, daß die Sadokiden es anstrebcn und durchsetzen, als Leviten zu gelten, Freilich können sie es nicht wagen, sich als Nachkommen Moses auszugeben: aber den Ahnherrn Abaron, von dem sic sich ableiten, machen sie durch Ueberacbeitung der Stammbäume und Traditionen (wie sich Schritt für Schritt erweisen läßt) wenigstens zu einem Bruder des Mose und zum ersten Priester." ..Wunderlich genug", fügt Herr Auerbach hinzu. Dabei ist zwiefach die Abstammung der Zadokgeschlechter von Abron aufs genaueste belegt. (1. Ehr. 5, 29.ff. ii. 6, 56/57.) Alan faßt sich an den Kopf, wenn uns dieser bare Unsinn, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht, immer wieder zu Gemüte geführt wird: Die willkürliche Verzerrung in der Charakteristik Arons, dieses Prototyps aller Bruderliebe, der eben um dieser neidlosen Bruderliebe willen zum Hohenpriester erwählt wird, ist geradezu grotesk und die dafür angeführten Beweise jammervoll fadenscheinig! Mag immerhin pinchas ein ägyptischer Uame sein, ja sogar ein heidnischer Uame, so ist es ja uralte jüdische Ueberlieserung, daß man des pnrchas spottete, weil er aus einem götzendienerischen Geschlecht stammte (Sanhedrin 62, Sota 42, Raschi zu Uum. 2ö, 11). Aegyptische Worte und Anklängo gibt es in der Thora selbstverständlich unzählige, wie schon der Midrasch zum einleitenden Gnauchi des Dekalogs bemerkt. Aber daß Eli und Ehofni ägyptische Uamen seien und sich nicht von hebräischen Worten wie alah hinaufsteigen und chofen „eine Hand voll" ableiten könnten. (Bildungen wie Uachbi, Kosbi u. ä. m.), ist absolut nicht einzusehen. In seinem nächsten Werk wird Herr Auerbach gewiß das Priestergeschlecht statt von Mosches Sohn Cliefer von Elieser aus Damaskus ableiten und uns Nachweisen, daß unser Priestertum Damaszener Import allerfeinftcn Gewebes oder sonst was Schönes ist. Jener Verhöhnung Arons, des Lieblings von ganz Israel, möchten wir das Wort Mosches entgegensetzen: „was wollt ihr von Aron, daß ihr gegen ihn murren macht." Es mag sich ein Jeder entscheiden, ob er lieber die Thora Mosches oder die antisemitische Phantasie Cd. Meyers und seiner sich selbst kastrierenden jüdischen Uachbcter akzeptieren will. Es lohnt schlechterdings nicht, gegen derartige 2lfterwissenschaft zu streiten und die Einzelheiten zu widerlegen. Wir können es der Selbstkorrektur der sog. Bibelwissenschaft überlassen, die morgen verbrennt, was sie heute anbetet. Erst vor kurzein haben wir an dieser Stelle das Luch von Martin Roth „Das System der!2 Stämme Israels" einer ausführlichen Besprechung unterzogen. Jetzt sagt Aucrbach von diesem Luch, daß cs trotz „Heranziehung des ganzen biblischen Materials in wilden Hypothesen sich verirre, und sich über das wirklich gegebene Traditionsmaterial in gewaltsamer Mißdeutung hinwegsetzc. So entsteht ein Phantasiegebilde, das niemals in der Geschichte Israels Wirklichkeit war." Er charakterisiert sich damit nur s e l b st. Die Tinte bei der Riederschrift dieser Phantasiehypothesen ist noch nicht trocken geworden, dann sind sie auch schon wieder durch neue überholt, und von Seite 7l bis!49, ihrer Bücher ändert sich das, was zuverlässig und das, was Einschiebsel ist. So hat, bis dato, in jenen Kreisen das Deberalied als eins der ältesten Zeugnisse der jüdischen Literatur gegolten, der prosabericht über die Schlacht als Spätling. 2luerbach, sich und uns zum köstlichen Gewinn, verwechselt er die Zeiten wundersam. Es kommt ja leider im Deboralied etwas von der Sinai-(!)ffenbarung vor, ergo inuß es in majorem hypothcsis gloriam seine Patina mit dem Pcosabericht tauschen und jüngeren Ursprungs sein. Solch absolute Willkür kennzeichnet den ganzen Kamps gegen das überlieferte Bibelwort. Damit kann uns auch nicht versöhnen, daß Auerbach dem jüdischen Volk — den „Leuten von Israel", den bne Iisroel, was bei Leibe nicht heißt: Kinder Israels, eben so wenig wie bne Ammon Kinder Ammons heißt, wie- Auerbach gegen alle biblische Ueberlieserung bemerkt — die Erfindung der Buchstabenschrift vindiziert und uns noch die große Surprise beschert, daß wir außer den 12 Stämmen Israels noch eine ganze Menge andere haben wie Kaleb, kajin, Aekab und Ierachmeel. Auch das kann uns nicht versöhnen, daß uns Auerbach die Behauptung Mosches, eine g'ttliche (Offenbarung übermittelt zu haben, als nicht bewußten Betrug entschuldigen will, denn es „kann eine große Sendung wie die des Mose vom Selbstbcgreifen dieses antiken Menschen, in dem sie nach Verwirklichung brennt, nur als g ' t t l i ch e r 2luftrag erfaßt werden." Das sei ganz derselbe Vorgang, wie er den späteren klassischen Propheten Israels die innere Gewißheit gibt, daß ihre auf das Volk gerichtete Aufgabe eine Sendung in g'ttlichem 2luftrage sei. Wir kennen diese wunderbare verlegenheitsfloskel bereits aus Auerbachs Buch über die Prophetie. (Schluß folgt.) lvochenrundfchau. Den Wahlen enkgegen. Koch niemals standen die Parlamentswahlen in Deutschland so sehr im Zeichen des Kampfes um die Macht wie dieses Mal. Wir Juden werden mit dein Häuflein Stimmen, die wir in die Wagschale zu werfen haben, den Gang der Dinge für und wider die eine oder andere Richtung kaum wesentlich beeinflussen, trotzdem der Jude gerade bei diesen Wahlen als Kampfparolc mehr denn je hcrbalten muß. Aber wir sind deutsche Bürger, denen Wahlrecht Wahlpflicht ist, und so stellt auch uns der fünfte März vor die Frage: wie und wen wählen wir? Alan muß konstatieren, die geeinte nationale Front, die, ganz ohne Rot und gewiß ohne unser verschulen, ihren nationalen Kamps zu einem Kampfegegen Juden und Judentum machte, hat uns in einer Beziehung die Entscheidung leicht gemacht, die im negativen Sinne. Es bleibt uns Juden eigentlich gar keine große Wahl übrig. Mlan wird es verstehen, wenn dieses Mal in höherem Maße als früher viele jüdische Stimmen der S t a a t s p a r t e i, der Sach- Wir wollen tun, wir wollen hören. Non Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Dreimal hat sich Israel zu treuer Hingabe an G'tt und seinen heiligen' Willen für die Ewigkeit der Zeiten verpflichtet. Kaum vernahm das Volk die Grundbedingung seiner Erwählung, ,n®j?3 'i 121 Ivs 12 nnsi virr oyn i>2 iiy’i „da antwortete alles Volk mitsammen, sie sprachen: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun." Das war untrüglich unbedingte Bereitwilligkeit, dem Willen G'ttes sich unterzuordnen, freiwillige Uebernahme der Pflichten und Aufgaben, die mit der Erwählung verknüpft waren. An die dsd an die Alten des Volkes, an seine Führer und Vorbilder hatte sich Mosche mit dem Aufträge G'ttes gewandt, das ganze, ungeteilte Volk aber, ohne erst die Weisung seiner Lehrer und Berater abzuwarten, rief in Einmütigkeit: Wir wollen tun. ins sb oVd 12’em i'iw xbrr m nr nanm uy si> Diese Antwort war der Ausdruck der Selbsthingabe eines jeden einzelnen, — nicht etwa, daß Beeinflussung oder Nachbeterei diese Willenseinheit erzeugt hätten . . . Das bleibt das ewige Ruhmeszeugnis für unsere Väter am Sinai, daß sie noch ehe sie die einzelnen Gebote G'ttes vernahmen, zu ihrer gewissenhaften Erfüllung sich verpflichteten. Diese Zusicherung wiederholte Israel, nachdem es die G'ttesstrmme und dann ans dem Munde Mosches die > einzelnen Satzungen, wie sie G'tt niederzuschreiben geboten und sie auch in weiterer Ausführlichkeit als mündlich fortzuerhaltende Erläuterung erörterte, vernommen. Die Wiederholung ist also mehr als eine Bekräftigung: sie ist die Verpflichtung, die Israel für alle Geschlechter übernommen, das niedergeschriebene Gesetz wie dessen m ü n d l i che Erklärung im Leben in Tat und Gesinnung zur Verwirklichung zu bringen. Nicht blindlings, nicht unbedacht sollte Israel sich hingegeben, vielleicht nur in einem Augenblick der inneren Ergriffenheit und Erregung heiligem Dienste sich geweiht haben. Darum omsvun io nsi n '121 bo ns avb isoi nirw S2'i, kam Mosche und setzte dem Volke auseinander alle Worte G'ttes und alle Rechtsprüche io n»si ms bip bsm io ]s?’i "1 121 1PK D’12in „Da antwortete das ganze Volk mit einer Stimme, sie sprachen: Alle Worte, die G'tt gesprochen, wollen wir vollbringen." Hier ist es für alle Zeiten niedergelegt. vni2'2 2I?n piVm rv»n si>. Nicht gab es im ganzen Israel da ein Geteiltfein. ein Schwanken oder Zaudern in dem freien und freimütigen Bekenntnis zu G'tt und zu seiner ganzen das ganze weite Leben umfpannenden >Trm, in der Anerkennung der ganzen ungeteilten Lehre . . . Und zum dritten Male bekundete Israel tiefes Verständnis für das Gebot der Stunde, für die Anforde-• rungen, die mit dem weihevollen Akte der Bundesschließung für alle Geschlechter, für alle Umstände, für alle Verhältnisse festgelegt wurden. -S»v21 Nvv2 '1 121 Ivs io llvsi B5H ’3TS2 Slp'1 N'12N ISO np'1 „Er (Mosche) nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volks. Sie sprachen: Alles, was der Herr geredet hat, wir wollen es tun, wir wollen es hören." Dieses Gelöbnis bedeutet eine Bereicherung und Verinerlichung dessen, was bisher Israel versprochen. Es vernimmt den Inhalt des Bundesbuches und hört aus diesem jetzt nur das wirklich schriftlich Fixierte, nicht aber jene Erörterungen, die ihnen vor der Niederschrift der Lehre zu den einzelnen Geboten gegeben. Jetzt geht dem Volke das Verständnis dafür aus, daß zur Erfüllung des ganze n G'tteswortes auch das gewissenhafte Hinhören auf das mündlich Darzustellende erforderlich ist. „Alles — das Schriftliche, das buchmäßig niedergelegt ist, wie das, was als Erklärung der einzelnen Satzungen, sich von Mund zu Mund fortpflanzen soll, was also durch Hören nur gelernt werden kann, nimmt Israel zur Erfüllung auf sich und verpslichtet sich damit zur gewissenhaften Pflege des G'tteswortes. immer von neuem es zu erlernen und zu erforschen, was G'ttes Wille heischt. Wille zum ganzen unverbrüchlichen, ungeteilten Judentum wie zum ewigen Suchen und Forschen in der Lehre liegt in diesem Gelöbnis: „wir wollen hören!" verankert. Noch ehe heilige G'ttesboten, Engel vom Himmel herniederstiegen und jedes Haupt in Israel mit einer „Doppelkrone" schmückten als Lohn nvro1222. für die Weihe der Tat und die Weihe des Geistes, hatten,wahrlich in dieser Stunde Israels Kinder sich d 0 p p e l t'geweiht und geschmückt, indem sie unbedingten Gehorsam und den Willen zur Erforschung des G'tteswortes gelobten und so den jüdischen Geist zu pflegen als des jüdischen Volkes Aufgabe und Daseinszweck erkannten und würdigten. Eine Himmelsstimme ließ sich in dieser Stunde, da Israel jenes Doppelgelöbnis sprach, nach einem Worte unserer Alten, vernehmen: ,12 pVvnv» rnvn osi-nv nr n ’jni» ni>: ■>» „Wer hat meinen Söhnen das Geheimnis enthüllt, dessen sich die Engel bedienen, vmb nm 'vv sv'12 die sind es, die vor allem vollbringen, um eben zu gehorchen, sich dem Willen G'ttes zu fügen?" Das ist ein gar tiefsinniges Wort. Wir sind G'ttes Volk und als solches feine. Diener, die feiner Verherrlichung den Engeln ähnlich zu leben haben. 1121 bipn srvsvb 1121 ’pw N2 '1122,

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