Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 7 Der Israelit 16. Februar 1933 dische Valuta ab, die sich Inländische Juden nicht beschaffen können. Juden im Auslande, die Verwandte in Rußland haben, müssen nach dieser Richtung hin ihre Angehörigen unterstützen. Neue Wendung in der transjordanischcn Bodenkauf- Frage. Jerusalem, 7. Febr. Die Frage des jüdischen Bodenerwerbs in Transjordanien hat heute insofern eine neue Wendung genommen, als 21 der einflußreichsten transjordanischen Stammes- Oberhäupter sämtlich Mitglieder der transjordanischen Gesetzgebenden Versammlung sind, dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope und dem Emir Abdullah eine von ihnen Unterzeichnete Resolution unterbreitet haben, in der uneingeschränkte Freiheit, Boden an Personen zu verkaufen, die nicht transjordanische Staatsbürger sind, gefordert wird. In der Resolution wird auf die kritische wirtschaftliche Lage in Transjordanien hingewiesen und die Notwendigkeit, Geld in das Land hereinzubekommen, stark unterstrichen. Vor einigen Tagen fand in Amann eine Versammlung transjordanischer Scheichs statt, in der zu der kürzlich vom Emir Abdullah abgegebenen Erklärung, daß er keinen Boden in Transjordanien an Personen verknusen wird, die nicht transjordanische Staatsbürger find, Stellung genommen wurde. Die Mehrheit der anwesenden Scheichs stellte sich auf den Standpunkt, daß nur der Verkauf von möglichst viel Boden an die Juden die jetzt verzweifelte .wirtschaftliche Lage Transjordaniens lindern könnte. Es: wurde berichtet, daß 70 Proz. des Viehstandes in Transjordanien durch Verhungern zugrundegeht, weil die Viehbesitzer nicht die Mittel haben, Viehfutter zu beschaffe?!. Die Aktion der erwähnten 21 Stammes- Oberhäupter ist ein direkter Ausfluß der in dieser Versammlung zum Ausdruck gekommenen Stimmung. Die in Jerusalem vorherrschende Meinung ist die, daß sich gegenwärtig eine arabisch-jüdische Zusammenarbeit in Transjordanien vorbereitet, für deren Erfolg die besten Aussichten bestünden, wenn nicht eine politische Einmischung von außen erfolgen sollte. Sprechsaal. Der südafrikanische Skandal. Berlin R. W. 87, den .5. Januar 1933 Wohls. Vedaktion.des „Israeli Frankfurt M. .In Ihrer letzten Nummer befindet sich eine Korrespondenz mit der Ueberschrift,„Der Landau-Skandal", die nicht unwidersprochen bleiben kann. Die Rede des Herrn Dr. Broom und die Erklärung Landaus Zu ihr kenne ich nicht. Gar so groß kann die Erregung nicht gewesen sein, denn ich lese regelmäßig ein jüdisches Organ, das in Johannisburg erseksint und hatte in ihm kein Wort hiervon gefunden. Es kann wohl irgend etwas geschehen sein, aber man wird den Wortlaut der Erklärung genauer prüfen müssen, um sich ein objektives Urteil bilden zu können. Denn die Korrespondenz ist von Objektivität wett entfernt. Redewendungen, wie „L. hätte besser Stiefelwichser als Rabbiner werden sollen" oder „Individuen von der Gesinnung des Dr. L." beweisen einen derartigen Grad von Gehässigkeit, daß man berechtigt ist, den Bericht mit größter Skepsis zu betrachten. Auch sonst enthält der Artikel maßlose Uebertreibungen, Schiefheiten, ja Unrichtigkeiten. Wenn L. als „ein aus Galizien stammender Lioeraler" bezeichnet wird, so niuß der Korrespondent unter einem „Liberalen" etwas ganz anderes verstehen, als die landläufige Meinung ist. Landau führt sein Rabbmat seit vielen Jahrzehnten völlig in einem Sinne, wie nur irgend ein europäischer traditionstrcuer Rabbiner; in den ihm unterstellten und unter seinem Einfluß stehenden Synagogen wird nach dem „alten" Siddur gebetet, nirgends ist eine Reform oder auch nur ein englisches Gebet eingcführt, er setzt sich mit Eifer für Talmudthoraschulen und — soweit hiervon in Südafrika die Rede sein kann — 'für Limmüd Thora ein, kaum eine Gemeinde wird ohne feine Zustimmung einen Schachet anerlennen (eine Anstellung durch Gemeinden gibt es dort leider nicht). Man mag darüber streiten ob jede Zeile, die Dr. L., der ein äußerst fruchtbarer Schriftsteller ist, geschrieben, der Ueberlieferung entspricht, aber daß er irgendwo „seinen Radikalismus und seine liefe Abneigung gegen die Tradition gezeigt hat", scheint inir ge.vngt. Ob er den Titel „Oberraborner" aus Grund verbriefter Rechte trägt oder sich selbst zuge'egt hat, ist belanglos. Tatsächlich ist er der einzige Rabbiner, aus den man überall in Südafrika hört, der nahezu alle, vielleicht sogar wirklich alle Rabbiner und Rcvcrends an talmudischem Wissen überragt. Hochachtungsvoll Dr. Meier Hildesheimer. Von der „Jüdischen Presse" in Wien geht uns zu dem gleichen Thema ein Schreiben des angegriffenen Prof. Dr. I. L. Landau in Johannisburg selber zu, das vom 9. November 1932 datiert ist und das wir ebenfalls der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten möchten. Es lautet: Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. I. Pollak Redakteur der „Jüdischen Presse". Wien. Verehrter Herr Doktor! Ich habe Ihren Brief soeben erhalten, ich bin Ihnen für denselben sehr dankbar und beeile mich ihn sofort zu beantworten. Da die europäische Post bald abgeht, schreibe ich in großer Eile und muß mich auch kurz fassen. — Wtcine Aeußerungen wurden selbstredend von einem unverantwortlichen Jungen, der für jüdische Blätter schreibt, der Sensation wegen mißdeutet. Ich sagte ausdrücklich, daß ich mit Dr. Brum nur insofern übereinstimme, als ich die armen Mädchen, die die Opfer unverantwortlicher Männer sind, gesetzlich schützen möchte. Wenn ein Mann mit einem Mädchen kurze Zeit lebt, er sie nicht einfach verlassen kann, als wäre sie eine ehrlose Dirne. Er soll sie als seine Frau anerkennen müssen, sie eventuell scheiden, und ihrem Kinde seinen Namen geben. Die Ehre und die Zukunft der aus verschiedenen, heutzutage begreiflichen Gründen, verführten jungen Frauen, müssen geschützt werden. Ich behaupte, daß das jüdische Gesetz, selbst Polygamie, dazu viel beigetragen hat, daß die Zahl der prostituierten Frauen in alten jüdischen Gemeinden zu einem Minimum reduziert wurde. Ich habe manchen Mann dazu gezwungen, der jungen Frau, mit der er gelebt und die Mutter seines Kindes wurde, Get zu geben. Ich erklärte jedoch ganz klar und deutlich, daß wir feit Jahrhunderten keine Polygamie dulden, und daß jeder Mann und jede Frau bestrebt fein müsse, pvnpi nonu zu heiraten und sich von einer dazu berufenen Person trauen zu lassen. Es ist ein Gegenstand der sich in wenigen Zeilen nicht erschöpfen läßt, und ich gebe zu, es war ein Irrtum ihn in einem Interview in einem Tageblatt zu diskutiere!,. Ich bin Ihnen, verehrter Herr Doktor, jedenfalls für Ihre große Liebenswürdigkeit sehr verbunden. Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, daß ich diese Gedanken bereits in meinen Vorträgen über den Talmud, die im Jahre 1914 in Buchform (englisch) erschienen sind, ventilierte. Mit vorzüglicher Hochachtung, Ihr H. Landau. Das hiesige Beth Din hat die jüdischen Zeitungsberichte offiziell dementiert. (Wir geben aus Gründen der Loyalität diesen Zuschriften Raum, müssen aber zu der ersten bemerken, daß Dr. Landau auf Grund eines aus seiner Feder erschienenen Buches, das uns vorlag, keinesfalls als traditionstreuer Rabbiner betrachtet werden kann. Daß Dr. Landau in feiner Jugend gelernt hat, erhöht nur seine Verantwortlichkeit für den durch ihn hervorgerufenen furchtbaren CHUlul hafchem. Wenn also auch der Satz gilt, daß a-fc 1122 px avn W>n aipna, möchten wir uns mit der vielleicht allzuscharfen Form der Korrespondenz nicht identifizieren, zumal Dr. Landau, wie aus fernem Briefe jetzt hervorgeht, fein Vorgehen selber zu bereuen scheint. Red.) Aelrachlungen über das Beten. Unsere jüdischen Gebete setzen die Anerkennung E'ttes, des allmächtigen und .clllweifen Schöpfers des Weltalls und die Anerkennung des von ihm uns erteilten G'ttesgefetzes voraus. Seit dem Fehlen des Beshamikdofch sollen sie gewissermaßen die in demselben darzubringem den Korbonaus ersetzen. Letztere mußten tomim, vollkommen und fehlerfrei sein, andernfalls waren sie als Opfer nicht zugelassen. Erkennen wir dies an, so resultiert hieraus die logische Notwendigkeit, daß unsere wochen- und feiertäglichen Gebete vollkommen und ohne . Fehl unserm G'tte dargebracht werden müssen. Entspricht nun das Beten in unseren jüdischen G'tteshäusern dieser Anforderung? Soweit deutsche Verhältnisse hierfür in Betracht kommen — in diejenigen anderer Länder hat Schreiber dieses -noch nicht Gelegenheit gehabt Einblick zu tun — muß man sehr bedauerlicherweise feststellen, daß diesem vorerwähnten Erfordernis wohl zum größten Teil — Synagogen orthodoxer Gemeinden nicht ausgenommen —. nid)t Genüge getan wird. Wie wäre es denn sonst möglich, die in unserem Siddur und unseren Machsorim enthaltene Fülle herrlicher Gebete an den jeweils entfallenden Wochen- und Festtagen in derart knapper Zeit sich selber zu Herzen zu führen und unserm G'tte oorzutragen, die, in gehöriger Form und Andacht gebetet, nahezu die doppelte Zeit in Anspruch nehmen müßte? Es scheint von. höchster Notwendigkeit, cs einmal laut auszusprechen, daß wir in den Synagogen beim Beten, sowohl seitens des Chafons, als auch der Eeineinde, bei eineni Eiltempo angelangt sind, das bestenfalls nur noch ein rein mechanisches Einhersagen ermöglicht, das einzelne Worte und oft ganze Sätze kaum ausgesprochen überfliegt und bei dem alle Voraussetzungen für ein mit Andacht und Ehrfurcht dem allmächtigen G'tt vorzutragendes Gebet von vornherein nicht nrehr gegeben fein rönnen. Ja. cs ist zuweilen erstaunlich zu beobachten, zu welcher — in diesem Fall sehr bedauerlichen — Virtuosität es manche unserer Brüder im Schncllbeten bereits gebracht haben. Dies fällt ganz besonders unangenehm auf bei Synagogenbesuchern, die fast regelmäßig mit erheblicher Verspätung zum G'ttesdienst erscheinen, und nun die verabsäumten Gebete mit größter Geschwindigkeit nad)$ul)olen [udjen. j Vorstehende Ausführungen über eiliges Beten [ollen: und dürfen sich natürlich nicht auf alle Synagogenbesucher schlechthin erstrecken. G'tt Lob wird sich noch eine ansehnliche Zahl unter ihnen befinden, auf die die vorstehende Schilderung nicht zutrifft. Dies vermag aber an der bedauerlichen Tatsache nichts zu ändern, daß das zu schnelle Beten in der Synagoge zwangsläufig bereits durch den Gemekndeoorbeter veranlaßt wird, der seinerseits die Gebete zu schnell betet und rezitiert. Es darf nichr sein, daß der Vorbeter nur die gesanglich von ihm vorgetragenen Gebetstellen in gemessenem Tempo vorträgt. um alsdann mit. umso größerer lleberhastung den im Stillen von ihm zu betenden Teil zu durcheilen. Er stellt hierdurch die am G'ttesdienst teilnehmenden vor die unliebsame Wahl ihm entweder mit der gleichen Eile im Gebet zu folgen- oder aber in langsamerem, dem Gebet würdigen Zeitmaße zu beten und dadurch iu der Gebetssolge hinter dem Dorbeter ganz erheblich zurückzubleiben. Diese den Betern ausgezwungene Alternative muh in jedem Falle die Andacht der Betenden auf das Nachteiligste beeinflussen, und kann dahin führen, daß sich die Gemeindemitglieder. aus diesem Grunde außerstande sehen, den G'ttesdiensten in diesen Synagogen bzw. Bctstätten regelmäßig beizuwohnen. ' Als weitere die Andacht stark störende Ursache muß auch die häufige überlaute, profane Unterhaltung zwischen Synagogenbesuchern während des G'ttesdienstes erwähnt und gerügt werden. Diese, wie auch vorerwähnte Mängel erheischen dringend eine baldige durchgreifende Besserung. I. S. Personalien. Halberskadk, 10. Febr. Wehmutsvolle Erinnerung erweckt der 20. Vor zwanzig Jahren wurde an ihm — kaum fünfundzwanzigjährig — Dr. David Carleb ach plötzlich abberufen. Erfüllt von den edlen Traditionen seines Elternhauses, war er hoffnungsfreudlg ins Leben hinausgezogen, um gleich seinem von ihm unendlich geliebten Vater ein Kämpfer für min und mxa zu werden. Gleichstrebende Jugend stand seinem liebevollen Herzen besonders nahe, und er war glücklich, Begeisterung für die Ideale des Judentums in den Herzen seiner jungen Freunde wecken zu können. Hilfsbereit zu jeder Stunde, wahr gegen sich und andere, von vorbildlicher Treue und rührender Bescheidenheit erfüllte sich dies kostbare,-kurze Leben, über dem ein goldener Humor ausleuchtete. D’na xb mpn? rmnu d’ö’* Hanau a. All, 14. Febr. Am 20. Februar vawa feiert Herr Benno Lang seinen s i eb e n z i g ste n Geburtstag. -nw w-irwi nrm Filehne (Wielen Posen), 8. Febr. Am ms "r begeht in Geistessrische der Kultusbeamte Tikoschinski seinen siebenzigsten Geburtstag. Wohl trifft es sich selten, baß ein Kultusbeamter nicht weniger als 5 Söhne in den gleichen Dienst eingeführt hat. Die sorgfältige Erziehung der Kinder zu wahren anirr und min ’?a Ijat dazu viel beigetragen. Möge es dem Greis vergönnt sein, noch weiter in map narr^» tätig zu sein. -vrymv Genf, 14 .Febr. Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: Versucht man die Ewigkeitswerte aus dem Leben des verewigten Grand-Rabbin Valitzer barzustellen, so ergibt sich eine Fülle von unvergeßlichen Bildern. Aus seinen reinen Augen sprach eine gütige Seele, die in ihrer Liebe ganz Israel umfaßte. So ward er vielen ein treuer, anspruchsloser Berater. Nachdem Genf der Mittelpunkt auch so vieler jüdischer Interessen geworden ist, ward er allen, die dorthin kamen, ein Helfer, der seines Verständnis für alle jüdischen Fragen an den Tag legte. Haus und Hand waren offen für alle Bedürftige. Viele weinen um ihn und sein Heimgang bedeutet eine schwer zu schließende Lücke. .frnssn Paris. 13. Febr. Ueber die Bestattung von Nephtalie Levy qd)t uns noch folgende Mitteilung zu: Die bewegte sich vom Trauerhause in unabsehbarer Menge nach der rue Cadet. wo in Gegenwart von Rabbiner Weiskopf und dem langjährigen Vorstandsmitglied Hypolyte Prague und der Familie eine kleine Trauerfeier abgehatten wurde. Der greise Rabbiner Weis köpf sprach hier herzbewegende Worte des Abschieds von seinem langjährigen Freund,,da es ihm nicht möglich war, der 'vb auf das Dbiy nn zu folgen. Auf dem Friedhof Montparnam sprach Herr Rabb. Langer, die hervorragenden Eigenschaften des Verstorbenen, sein schönes Familienleben und seine große Gastfreundschaft rühmend. Das großangelegte ism des Herrn Rabb. Weiskops wurde von Herrn Nathan Klein verlesen, die Worte des grellen Herrn Prague, Redakteur der Archives israelites, von Herrn Dr. Klein. — Rechtsanwalt Soifer sprach im Namen der Mitglieder der Gemeinde Worte des Ab- 'chieds. ,7 "Jüan- Sancf, 9. Febr. Herr Rabbiner Tobias H o r o v i tz in Nzeszow, der bekannte agudistische Vorkämpfer und Schriftsteller und Mitglied des Geschäftsausschusses der Weltorganisation Agudas Jisroel, ist zum Oberrabbiner der hiesigen Gemeinde, an der bekanntlich früher der jetzige Lubliner Raw wirkte, berufen worden. (Pllr 'prechen Herrn Rabbiner Horovitz, der als warmer Freund und Führer der Agudas Jisroel sich allgemeiner Verehrung erfreut, zu seiner Wahl unsere herzlichsten Glückwünsche aus und hoffen, daß ihm in fenem neuen Wir-