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Der Israelit · 1933-02-16 · Heft 7 (16.2.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 7 (16.2.1933)
Date
1933-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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16. Februar 1933 Der Israelit Nr. 7 Seite 5 Rultusminister a. D. Professor Becker. ' Berlin, 12. Febr. Der im Alter von-56 Jahren verstorbene hervorragende Islamist'und frühere preußische Kultusminister Professor Dr. D. Karl Heinrich Beckest-stand den Juden und dem Judentum mit wohlwollender Unbefangenheit gegenüber. Als ein Freund des Palästina-Werkes gehörte er dem Deutschen Komitee Pro Palästina an. Auch -den sonstigen Mschen Werken brachte er Interesse entgegen. So war er Hauptredner aus dem letzten Gesell- :schaftsabend des Hilfsoereins, der Deutschen Juden, an dem er über seine jüngste Orient- und Palästina-Reise referiertes Er wiederholte diesen Bericht kurz darauf in einer Sonderveranstaltung des Hilfsverens. Seinem ihm im Tode vorangegangenen Freunde, Professor Dr. M. Sobernheim, widmete er in der deutschen Tagespresse einen tiefempfundenen Nachruf. Obwohl in den demokratischen.Anschauungen einer „Kulturverschmelzung" verharrend, stand er dem jüdischen Schulwerk sympathisch gegenüber und verhalf ihm zu seinem Rechte. —;—- Der Fall Lohn in der Breslauer Gemeindevertretung. Breslau, 9. Feür. In der letzten Sitzung der Breslauer Gemeindevertretung stand eine Interpellation der Jüdischen Volkspartei über die Vorgänge an der Breslauer Universität im Zusammenhang mit dem Fall des Prof. Cohn auf der Tagesordnung. Die Interpellation wurde von dem volksparteilichen Repräsentanten Dr. Franz Meyer begründet. Er führte aus, daß man von jüdischer Seite sich in der ganzen Angelegenheit viel zu passiv verhalten und sich nicht genügend seiner Haut gewehrt habe. Vom Vorstand erwiderte Geheimrat Goldfeld, daß man sich in der Beurteilung des Vorgefallenen natürlich einig sei, daß es aber sich hier nicht um eine Angelegenheit der Breslauer Gemeinde sondern um eine solche der ganzen preußischen Judenheit handele. Es sei Aufgabe des preußischen Landesverbandes gewesen, etwas zu unternehmen. Justizrat Kali sch gab eine Darstellung der bekannten vom Zentralverein unternommenen Schritte. Die Volkspartei erklärte sich damit nicht zufrieden, da es ihr nicht auf Intervention bei Behörden ankomme, sondern auf eine grundsätzliche Vertretung des jüdischen Standpunktes in würdiger Form. In der an die öffentliche Sitzung sich anschließenden geheimen Beratung wurde die endgültige Anstellung des seit zewi Jahren an der Gemeinde amtierenden Rabbiner Wassermann als Rabbinatsassessor beschlossen. Holland. Massenversammlung für den Schabbos. Amsterdam, 9. Febr. Im großen Saale der Börse für den Diamanthandel fand Mittwoch Abeitd eine vom Hauptvorstand des „Schmiras Schabbos" im Rahmen der Sabbatwoche veranstaltete Massenversammlung statt,, in der nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden, Herrn C. Ascher, Oberrabbiner O n d e r w y z e r, Rabbiner Ricardo und Rabbiner L. H. Sarlouis mit hinreißender Beredsamkeit die religiösen Werte des Sabbatgedankens und der Sabbatbeobachtung der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft ans-Herz redeten. Auch in anderen kleineren Versammlungen im Rahmen der einzelnen jüdischen Institutionen wurde die Sabbatwoche zur Stärkung der Sabbattreue benützt. Angarn. Dag neue ungarische Tierschutzgesetz macht eine Ausnahme zugunsten des Schlichtens. B u d a p e st, 9. Febr. Das neue ungarische T i e r s ch u tz g e s e sieht einen Betäubungszwang für Schlachttiere vor. Auf Intervention der Führer der beiden israeltischen Landeskanzleien und des jüdischen Abgeordneten Dr. Geza Desi beim Ackerbauminister wurde eine ergänzende Verordnung erlassen, der gemäß das Schächten nach jüdischem Ritus dem Be täubungs zwang nicht unterliegt. -— Die innerjüöische Auseinandersetzung km Sejm. Warschau, 13. Feür. Die innerjüdische Auseinandersetzung im Sejm, heraufbeschworen durch G r ü n b a u m und Sommerst e i n, die in ihren Anklagen gegen die Regierung die A g u d a als Vorspann der Regierung bezeichnete und dafür vom Dep. Oberrabbiner L e w i n eine gehörige Die Woche. Berlin. Der Elternbeirat der Berliner jüdischen Volksschule Rykestratze veranstaltete am 8. Februar eine von Hunderten von Erziehungsberechtigten besuchte Versammlung, in der sich die Vertreter sämtlicher Elternbeiräte der Berliner jüdischen Schulen gegen' die beabsichtigten Abbaumaßnahmen des Gemerndeoorstandes aussprachen. Die Versammlung nahm eine Entschließung gegen die Schließung der Schule Rykestraße an. Hamburg. Der Vaterländische Bund jüdischer Frontsoldaten, die Hamburger Ortsgruppe des R. j. F., veranstaltete am Montag nachmittag im. großen Saale des Patriotischen Gebäudes eine eindrucksvolle Gedenkfeier für die im Weltkrieg gefallenen 461 H a mburger jüdi suchen Frontsoldaten. Vertreter des Senats, der Bürgerschaft und der Behörden, des Reichswehrministeriums, der großen mili'Luschen Kameradschaften und Kriegsteilnehmerverbände waren zahlreich erschienen. Ebletzen. Der „Vorwärts" meldet aus E!sleben, daß dort der jüdische Kaufmann Helft von 3 SA.-Leuten überfallen und schrecklich zugerichtet wurde. Die Täter sind bekannt und der Polizei namhaft gemacht worden. Eine Verhaftung ist nicht erfolgt. Dagegen wird der schwerverletzte Kaufmann von der Polizei heftig bedrängt, weil am Tatort fein Spazierstock gefunden wurde. Fulda. Zn Eersseld in der Rhön wurden an einem der letzten Abende in mehreren jüdischen Geschäftchänsern die Fensterscheiben eingeschlagen. Ein Jude, der die Verfolgung der Täter aufnehmen wollte, wurde durch Mes'e-stiche verletzt. Am Samstag mittag drangen SA.-Leute in das Haus des angesehenen Kaufmanns B a ch r a ch und verletzten ihn in Gegenwart seiner Familie so schwer, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Die Hetze ln Stadt und Umgebung hat bereits eine wahre Pogromstimmung und eine Panik unter den Juden erzeugt. Krefeld. In der Nacht vom 5. zum 6. Februar wurden von unbekannten Tätern drei Fensterscheiben der hiesigen Synagoge durch Steinwürfe zertrümmert. Die zertrümmerten Fmsterscheiben stellen künstlerisch wertvolle G.'a-malereien dar. Es soll ein Schaden von 6100 Mark entstanden sein. Nach den polizeilichen Ermittlungen scheint es sich um einen vorbereiteten Anschlag gehandelt zu haben. Danzig. Während einer Kundgebung der Dauziger Nationalsozialisten wurden mehrere jüdische Passanten überfallen und zum Teil schwer verletzt. Da sich unter diesen auch ein palästinensischer Staatsbürger befand, legte der englische K o n su l bei der Dauziger Regierung wegen Mißhandlung des Bürgers eines englischen Mandatslandes Beschwerde ein. Wien. Unerkannt gebliebene Täter haben in der Nacht zum 8. Februar die wertvollen Fenstermalercien der Synagoge in St. Poelten bei Wien zerstört und die Nordseite des Tempels stark beschädigt. Die Polizei hat eine Belohnung für die Ermittlung der Vandalen ausgeschrieben. — Gegen den Hirtenbrief des Bischofs Dr. E e f ö l l n e r. in dein der Antisemitismus zwar abgelehnt, aber die Juden schwer angegriffen werden, legte die Wiener K u l t u s gemeinde starken Protest ein. Brüssel. Die -belgische Regierung ernannte zuin Leiter des neu eingerichteten' Arbeitsbefchaffuugsrommissariatbeim Ministerium für Volkswöhl Herrn Mar G o t f ch a I k. Eotfchalk behält auch fein Amt als Vertreter Belgiens im Internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes in Genf. Er betätigt sich viel im jüdischen Leben und ist Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde B üsfel. Wa> schau. Das polnische Konsulat in Leipzig hat bei der Regierung in D r e s d e n zugunsten von 15 jüdischen Familien aus Polen, denen Ausweisung droht, interveniert. Infolge des polnischen Protestes wird die Angelegenheit durch deutsche Reichsstellcn zur Erledigung kommen, sodaß nunmehr die Hofs-' nung besteht, daß die Ausweisuugsgefahr von den 15 Familien abgcweudet wird. Riga. Lettländische Nativualsozialisteu stürmten den Bialik- Klub und verletzten mehrere jüdische junge Leute. Das Gericht verurteilte die Angreifer zu je einem Monat Gefängnis. Einige nationalsozialistische Führer wurden in Haft genomiueu. Jerusalem. Arabischer Mob brach in eine Pflanzung des Keren Kajenieth in der Nähe NahalaI ein und riß etwa 10 000 junge Bäume aus dem Erdreich heraus. Die dort beschäftigten Juden waren gegenüber dem ihr an Zahl überlegenen arabischen Mob machtlos. Die Polizei trieb die Waldfrevler auseinander und verhaftete 13 vou ihnen. Abfuhr erhielten, setzte sich in der B u d g e t k o m m i s - s i o n fort. Dort untersuchte Dep. M i n z b e r g die Angaben, MS würden die religiösen Schulen der Juden auf Kosten der nationalen besonders berücksichtigt. Weder' die Regierung noch der Magistrat gewähren der jüdischen Schule Hilfe. Wenn schon einmal der Stadtrat etwas für die Schulen übrig hat, so kommen zuerst die des „Bund" und der deutschen Sozialisten daran. Früher hatte der Etat einen Posten von 240.000 Zloty für die jüdische Religion, dieses Jahr ist der Betrag aus 197.000 reduziert. Die Juden nehmen die größten Lasten auf sich, um ihre Schulen zu erhalten, müssen aber erleben, wie auch ihre primitivsten Forderungen abgelehnt werden. Wir haben im Lande ein Schulnetz, das 557 religiöse Schulen für Knaben und 317 für Mädchen umfaßt. Es handelt sich nicht allein um Chedarim, sondern um allgemeine Schulen, in denen 61.328 Knaben und 25.938 Mädchen ihrer gesetzlichen Schulpflicht genügen. Die Abendkurse erfassen c.a 7000 junge Menschen. Das Musterseminar für Lehrerinnen des Bes Jaakow in Krak a u zählt 120 Schülerinnen. In 115 Jeschiwoth, unter denen sich die in Lublin besonders auszeichnet, lernen 10.291 Jünger. Gut ausgebaut ist das jüdische Fachschulwesen. Und dieses grandiose Schulwerk, das eine gewaltige Entlastung für den Staat bedeutet, findet kaum die Unterstützung der Regierung. Bon sieben Millionen, die im Etat für Bildungszwecke vorgesehen sind, fallen kaum ein paar zehntausend Zloty auf die jüdischen Schulen ab. Schlußeffekt: Die Hochschulen sind zum guten Teil den Juden verschlossen, die jüdischen Fachschulen werden nicht unterstützt und die religiösen jüdischen Volksschulen überläßt man ihrem Schicksal. Redner appelliert ans Ministerium, bei dem er den besten Willen voraussetzt. Er möchte keine bestimmten Summen nennen, aber doch hoffen, daß die Hlife der Größe und der Leistung des jüdischen Schulwerkes entspricht. Minzberg geht zum.Schluß auf die Borwürfe des jüdischen Deputierten Sommerstein ein, als hätte die Orthodoxie ihre Hand auf die Gemeindeverwaltungen gelegt und übe unter dem Protektorat der Negierung eine unduldsame Herrschaft über die Andersgesinnten aus. Er weist mit klaren Worten nach, um was es geht. Der religiöse Charakter der Kehilla war von altersher gegeben und verbürgt. In all den Jahrhunderten der Verfolgung hat uns die religiöse Gemeinde erhalten. Natürlich bemühe sich die Orthodoxie in Polen, sich diesen Rettungsanker zu erhalten und kämpfe gegen die Verweltlichung der jüdischen Gemeinde mit allen gegebenen Mitteln an. Von dieser Basis aus ist aber die orthodoxe Verwaltung überall bestrebt, den Bedürfnissen aller Schichten der jüdischen Bevölkerung in gleicher und gerechter Weise entgegenzukommen. k Die mit statistischem Material bis ins Einzelste ausgestattete und sachlich ruhige Rede Minzbergs hinterließ sichtlichen Eindruck im Haufe. Rutzland. Mazzoth-Bäckerei mif dem Moskauer jüdischen Friedhof. Moskau, 8. Febr. Albert Fuchs, der langjährige Vorsitzende der Moskauer Jüdischen Gemeinde (heute, wo eine Gemeindeorganisation nicht existiert, unterstehen ihm bloß die Verwaltungen der Synagoge und des Friedhofs), teilte dem JTA-Vertreter mit, daß die im Ausland verbreitet gei wefenen Gerüchte, daß in diesem Jahre das Backen von 'Mazzoth zu den Peffachtagen verboten fein soll, jeder '.Grundlage entbehren. Private Bäckereien freilich geben :sich mit Mazzoth-Herstellung nicht ab, weil es niemand j danach gelüstet, sich mit Angelegenheiten zu befassen, die! eine Beziehung zur Religion haben. Kooperative oder , Staatsbäckereieu wollen sich um so weniger mit Mazzothj Herstellung abgeben. Die Aufgabe, die religiöse jüdische; 33euölferung mit Mazzoth zu versorgen, obliegt darum einzig und allein den jüdischen Synagogen-Verwaltungen. , Die Moskauer Synagogenverwaltnng richtete im Gebäude! des Neuen Jüdischen Friedhofs, der sich jetzt 15 Kilometer von Moskau entfernt befindet, eine mit modernen Maschinen ausgestattete Mazzoth-Bäckerei ein, die in der Lage sein wird, alle jene Moskauer jüdischen Familien, die ein religiöses Pefsachfest halten wollen, mit Mazzoth zu versorgen. Mehl kann man überall auf freien Märk-; ten erwerben. Leider ist ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung nicht in der Lage, die ans den freien Märk-; ton geforderten Mehlpreise zu bezahlen. Torgsin (das * staatliche Magazin) gibt seine Waren nur gegen auslän-

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