Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1933-02-16 · Heft 7 (16.2.1933) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 7 (16.2.1933)
Date
1933-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450756-2450763--79399-2537148
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

16. Februar 1933 2er Israelit Nr. 7 Seite 3 Gewalttat gegen eine bestimmte Person oder allgemein zu Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen aufgefordert oder angereizt wird." Aus den gleichen Gründen können Druckschriften, Zeitungen usw. verboten werden. Lebten wir in normalen Zeiten, es bedürfte keiner Notverordnung und keiner Sonderbestimmung, um solcherart die religiösen Heiligtümer der Konfessionen und diese selbst vor Verunglimpfung zu schützen. Wir .leben aber einmal in einer Zeit» wo diese Rechtsbegriffe nicht mehr ihre absolute allgemeine Gültigkeit, vor allem keine Resonanz im Empfinden der Volksmasscn haben. Wer daran Schuld ist, weiß jeder und muß nicht erst betont werden. Die täglichen Exzesse und die Friedhofsschänöungen gehören gewiß nicht zu einem bestimmten Parteiprogramme, sind aber die letzten Auswirkungen einer politischen Hetze» die im Dienste eines Parteiprogrammes steht, die praktischen Konsequenzen jener unklaren Lehren, die fortzeugend in unreifen Röpsen sich von selbst bis zum Wahnsinn auswach fen. Es ist darum wichtig, festzustellen, daß jene Bestimmungen neben der Unterschrift des Reichspräsidenten auch die Namen vom Reichskanzler Hitler und R e i ch s i n n e n m i n i st e r Frick tragen. Es ist leicht möglich, daß die Herren das, was ste an der Spitze einer Bewegung nicht konnten, nämlich die Geister zu bannen, die sie gerufen haben, jetzt an der Spitze der Regierung, im Besitze der höchsten Gewalt, ohne weiteres erreichen. Roch haben wir keine sicheren Anzeichen dafür, aber wir wollen es hoffen! Im Hörsaal der Berliner Universität versprach der bekannte Rechtsvertreter der R. S., Dr. $ r a n k U in einer nationalsozialistischen Studentenversammlung, „mit dem jüdischen Asiatismus bald gründlich aufzuräumen und den volkszersetzenden jüdischen Eharakter restlos auszurotten." Ein anderer sagte einen erbitterten Kampf gegen das Judentum, das an allem schuld sei, an und stellte jedem eine Belohnung in Aussicht, der einem Juden einen Stoß versetzt .. . . Das war allerdings am öl. Januar und am l. Februar, während die neue „Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes" das D a t u in vom 4. F e - b r u a r trägt. Wir halten es daher nicht für richtig, daß der C. V. der Regierung und der Partei, die sie als die ihrige in Anspruch nimmt, angesichts der neuen Verordnung das f r ü h c r c S ü n d e n r e g i st e r entgegenhält. Vielleicht hat der 4. Februar einen eisernen Vorhang gezogen zwischen gestern und heute, vielleicht . . . Wir wollen hoffen und abwarten! ofyne Krise. Angesichts der Auseinandersetzung in unserem Blatte über die Lage in Palästina Mid die Aussicht für Reueinwanderer, dort in kurzer Zeit zu einer Existenz zu gelangen, — wobei der Optimismus der Bemerkungen zur rmo Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Unsere Alten brauchten keine Apologetik, den g'ttlichen Ursprung der mm zu beweisen, denn aus dem Helles Licht sprühenden Geiste jedes Wortes und jedes Zeichens :.'ar und ist es ersichtlich, daß es sich um kein Menschenwerk handele, sondern um Funken des Sinaiwortes. Wenn sich in vergangenen Jahrzehnten aman ’-rnVn trafen, so tauschte man einige „gute Wörtchen" aus der kommenden oder vergangenen Sibroh aus, das war — schon vor den Zeiten der Agudoh — i 1) r w «p- Da viele Seforim die solch kostbare Perlen enthalten, insbesondere unserer Jugend, nicht mehr so leicht zugängig, manche geistreiche Worte säst nur von Mund zu Mund gingen, möge eine kleine Auslese hier in leicht verständlicher Sprache wiedergegeben werden. 1. Jithro sagt zu Manschet): pxo' "um io „jede große Sache sollen sie zu Dir bringen", bei der Ausführung dagegen heißt es ... ™pn ms io „die schwere Sache brachte man zu Mauscheh". — Hier steht sich jüdische und nichtjüdische Nechtsauffassung gegenüber. Nach letzterer wird bei einem größeren Objekt eine höhere Instanz angerufen, für das größte ist die oberste geschaffen. Unser Prinzip dagegen lautet: pn NX» nrna- Die Rechtsfrage eines Pfennigs muß mit gleicher Genauigkeit geprüft werden, wie die von Taufenden. Es kann ein Millionenprozeß sehr klar und einfach liegen, so daß ihm ein dreiköpfiges Beth-Din entscheiden kann, bei einer winzigen Summe dagegen kann es sich um eine schwierige Frage handeln, die die Sache vor das i>vun ro fordert. Eine ungerechte Entscheidung in einer Kleinigkeit kann den Armen ebenso schwer tref-! fen, wie eine große einen Begüterten. Deshalb nicht! i>m. sondern nwp kommt vor Mauscheh (Alschich.) einen sehr absticht von den Warnungen anderer, — muß eine Darstellung von Cmanuel ri e u m a n n , dem Leiter des Wirtschaftsdepartements der Iewifh Agency, über die Entwicklung im Jahre 1952 nach vielfacher Richtung interessieren. Auf eine Krise im Jahre 192(3 bis 1927 trat 1928 ein Aufschwung ein, der nach kleinen Rückschlägen nunmehr in steigendem Maße anhält. Mit der Erhöhung der Einwanderung kam auch eine Erhöhung des Kapitalzuflustes. Das in industriellen Unternehmungen investierte jüdische Kapital in Palästina dürfte im Jahre 1952 auf VA Millionen Pfund angewachsen sein, die Deposita in den Banken betragen ungefähr 5 Millionen Pfund. Der Export der Eitrusfrüchte ist enorm gestiegen und der Gesamtexport von Waren erreicht die Hälfte des Imports. Die Erhöhung des Lebensstandards belebte die Industrie. Die „Tozercth Haarez"-Bcwcgung hat den palästiueusifchen Produkten gute Absatzgebiete gesichert. Die Abwertung des Pfundkurses hat Palästina genützt. In den jüdischen Kolonien wurden im abgelaufenen Jahre 50.000 Dunam neu mit Eitrusbäumen bepflanzt. 21 neue Fabriken wurden 1952 errichtet. Auch die Mineraliengewinnung macht große Fortschritte. In den Kaliwerken sind 400 Arbeiter beschäftigt, viele mit Ueberstunden. Es werden noch ferner im Bericht der Bau des Haifahafens und die Arbeiten der I r a k - Petroleumsgesellschaft erwähnt und weitere Investierungs- Möglichkeiten angedeutet. Weniger gut ist die Lage der Landwirte außerhalb der plantagenzone. So erfreulich und so verlockend öieser Bericht, an dessen einzelnen Angaben nicht gezweifelt werden darf, ist, so desavouiert er doch in keiner Weife die Meinung der vorsichtigen, die vor einer blinden Maffeneinwanderung von Menschen, die weder genügendes Kapital, noch für Palästina in Betracht kommende Fachkenntnisse besitzen, noch sonst klare Ziele vor Augen haben, warnen zn müssen glauben. Es empfiehlt sich für jeden Auswanderer, sich erst mit den dortigen Instanzen in Verbindung zu setzen und in Erfahrung zu bringen, ob er mit dem, was er mitzubringen hat, wirklich sich und dem Lande nützen kann. Unser Freund Menachem L e w i n s k i in Tel- Awiw (AUenbystr. 26), einer, den die Liebe zu Erez Iisroel zum weitgehendsten Optimismus treibt, und der dennoch jeden Fall fachlich und gewissenhaft prüft, hat sich in liebenswürdiger Weife bereit erklärt, alle nötige Auskunft zu erteilen. Im übrigen bleibt aber bei allem und allem wahr, was Reumann zum Schluffe feiner Darstellung sagt: „Auch die jetzige erfreuliche Entwicklung in Palästina, die die Einwanderung von 1000 Juden und mehr im Monat gestattet, wird das Problem von Tausende n und A b e r t a u s e n d e n Jude n in d e r D i a s p o r a , die so gern ihr Leben in pa- 2. Zu dem bekannten Worte "OK3 'ms 'tan x^> rni mpy nv x-iv>a- „in Gegenwart eines Proselyten sollst du bis 10 Generationen feine heidnischen Ahnen nicht herabsetzen" — anschließend an nm irr, — wird die Frage aufgeworfen, warum gerade bis zehn r.vrn? Die geistreiche, rechnerisch treffliche Antwort lautet: Jithro floh bekanntlich vom Hose Pharaos, als jener das grausame Edikt erließ, die jüdischen Kinder zu töten; gleichzeitig wurden er na, deshalb stießen doch die Hirten seine Töchter zurück. Sein Uebertritt fällt also mit Mauschehs Geburt zusammen, datierte demnach jetzt 80 Jahre. Nach s-irnavovD rninn o^iwion nvm also waren 80 Jahre — 10 Generationen. ox yO- 3. Ein Midrasch lautet: .mmx i>oiro x>x osx px rnya a’^osx i-xnv'V nn io Alles, was Israel auf dieser Welt genießt, das genießt es nur wegen seines Glaubens. Warum gerade für die nn»x? Eine Antwort lautet? Es läßt sich doch die allgeineine Frage aufwerfen, warum ms» -oo? Wenn ’-n selb st von u n s fordert, am gleichen Tage dem Arbeiter den Lohn auszuzahlen, warum soll der Mensch nicht den Lohn für seine Pflichterfüllung schon in diesem Leben empfangen? Zugegeben nicht am gleichen Tage, denn G'ttes Tag währt 1000 Jahre, i-wn» oio wa» -sirr Aber warum nicht in diesem irdischen Leben, ehe er durch die Nacht des Todes schreitet? Ein pn lautet aber: •pVn '»» näsS'ii’X n'^v bvm *nwn „Wer einen Arbeiter durch einen Vermittler mietet, für den geht das Verbot p!m xinicht an. Nun wurde die : Tauroh doch durch Mauscheh gegeben, ist also '"n nicht! daran gebunden. Das trifft jedoch nur zu für die ganze j Tauroh, für die ersten beiden D'nan aber — oiavvv rnoan wo zb rpjp ’3JN lästina wiederaufbauen wollen, nicht l ö f e n. Die geschilderte Entwicklung zeigt nur das Vorhandensein einer soliden Aufbaugrundlage". Daraus ergibt sich, daß wir über den guten Erfahrungen in Palästina und der Liebe zum Lande der Väter die Augen auch vor anderen Möglichkeiten nicht verschließen dürfen, die eine Teillösung des jüdischen Problems außerhalb Palästinas versprechen. Heißt das Sabbath halten? Ein Palästina-Brief. Von Salt) Geis in Tel-Awiw. Die Erscheinungen des jüdischen Lebens in Erez Israel müssen unter anderen Gesichtspunkten betrachtet werden, als man es sonstwo gewöhnt ist. Da ist - zum Beispiel der Sabbat. Die meisten christlichen Länder haben während der letzten fünfzig Jahre am Sonntag eine weitgehende berufliche Einschränkung dekretiert. Dieser Fortschritt des jüdischen Sabbat-Gedankens in der nichtjüdischen Welt hatte für große Teile der Iudenheit eine Abwendung von der Treue zu ihrem Sabbat zur Folge, da er ihnen einen zweiten Ruhetag aufzwang. Die aber -— von tiefer jüdischer Verankerung und starkem jüdischem Idealismus gestützt — auch unter den neuen, weit schwierigeren materiellen Verhältnisse^ dem Sabbat die Treue wahrten, standen vor neuen Aufgaben. Es galt für sic, ständig auf der Hut zu fein, daß aus ihren Kreisen nicht weitere dem Abfall Nachfolgen. So entstanden die Schmirath-Sabbat'vereine, eine bis da. hin unnötige und daher unbekannte Einrichtung, um Stellen zu vermitteln und der Beobachtung des Sabbat ungünstige behördliche Verfügungen zu verhindern. Ganz anders liegen die Dinge in dem Erez Israel der Lalfour-Deklaration. Hier ist der Sabbat der offizielle Ruhetag der Juden, — und daher, so sollte man meinen, sollte es hier selbstverständliche Pflicht für alle Einzelnen in ihrer Gesamtheit sein, den Sabbat zu respektieren. Doch weit gefehlt von einer solchen Meinung, daß die Rückkehr nach Erez Israel nun auch die Befreiung von den Schlacken unjüdischen Wesens, der Afsimilierung an die Gedankenwelten und Traditionen der Völker, bedeute! Die nationale Parole der modernen Erez Israel-Bewegung hatte nur Sprache und Land auf ihr panier gesetzt. Doch die Führer und die Massen dieser Bewegung waren mcift selber zu sehr assimillert und fanden nicht die Kraft, jene selbstverständliche innere Umstellung zu vollziehen, die die natürliche Konsequenz jeder nationalen Bewegung ist, nämlich: Rückkehr zu den Traditionen seiner Väter. Unter den durch die nationale Bewegung nach Erez Israel gekommenen Masten herrscht ein Abbild der christlichen Sonntagsruhe, aber nicht der jüdische Sabbat! In mancher Hinsicht ist es sogar nicht einmal — die Israel von ’".n selbst empfangen und die doch die mmx selbst, den Glauben und die Reinhaltung des Achduth enthalten, diese müssen doch auf dieser Welt belohnt werden, deshalb xi>x o’ioix px rnya v'ioix i-xivw na io (tx’ nm) nnaxn i>oiro. (Erez Israel.) Als Organ der Erez Iisroel- Zentrale der Agudas Jisroel-Organisation in Polen erscheint seit einiger Zeit das Monatsjournal „Erez Jisroel". Die ersten Nuinmern für Tewcs und Schrvat zeigen das ehrliche Streben, den Erez Jisroel-Gednnken in hem Kreise der Aguda zu propagieren. Die Herausgeber (an erster Stelle Redakteur M. Alter. Warschau, Grauiczna 9). wissen aber, diesen Bestrebungen mit gutem literarischen Geschmack zu dienen. In der uns vorliegenden Nummer finden wir orientierende Aufsätze über Palästinaprobleme von I. M. Lcwin, Eh. I. Eiß, P. Kahana. M. Alter. Andere Artikel sind in Erez Iisroel über die Lage im Lande geschrieben. Literarische und belletristische Beitrüge liefern S. Schachnowitz. I. Unger. Hillel Seidmann, M. Sä'marzmann n. a. - Mitteilungen, Notizen. Bemerkungen ergeben den weiteres Teil des Heftes. Ein gutes Bild zeigt die erste H a ch s ch a r a f a r m der Agudas Jsiroel in Polen. Man muß immer und immer wieder die Energie und Tatkraft unserer polnischen Gesinnungsgenossen bewundern, mit denen sie an die sich ihnen outgegenstollenden Aufgaben Herangehen. Verantwortlich für den allaemeinen Teil und das Feuilleton <3. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. SS.: S. Scha chnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon G. m. b. §., Frankfurt o. M. — Druck Hrrmon Druckerei, Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.