Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 7 Der Israelit 16. Februar 1933 Bethlehem und Hebron auf, der Wasserscheide südwärtst anderes und nur ein neues Zeichen der Cinzigartigläuft. war — und ist noch heute — der Durchzug eines, feit j>cr jMschen Landnahme. Heeres möglich, zumal bei einem wandernden Nomadenstamm (!) der Weiber, Kinder und Vieh mitführte. Oestlich und westlich von diesem Gebirgsgrat laufen zahllose Quertäler nach der Jordansenke und der Küstenebene und machen ein Vordringen nach Süden schlechterdings undenkbar." Grade diese Beleuchtung der geographischen Schwierigkeiten kann uns der Beweis fern, daß die Eroberung des heiligen Landes nichts Alltägliches mar, daß, wie Auws cs sagt, „Ich, G'tt, den dmozi vor ihnen vernichct habe, ob er gleich wie die Höhe von Zedern so hoch, wie Eichen so stark war." Aach Auerbach aber kann der Bericht des Buches Iosua nicht wahr sein, denn sonst müßte, die Landnahme Palästinas gegen die militärisch-geographischen Voraussetzungen verstoßen. 'Also wird» eine völlig a u s d e r L u f t g e g r i f f e n c E e i l u n g der j ü d i s ch eil 0 t ä in m c in zwei Hälfte n angenommen, von denen der eine vom Süden äus, der andere aus den ehemaligen emoritischen Gebieten über den Rordteil des Jordans in Palästina einbricht. Oder: nach wiederholten Mitteilungen unserer biblischen Ouellen haben die Stämme Rüben und Gad zuerst im Westjordanien Land genommen, aber ihre waffenfähige Mannschaft mit ganz Israel zur Eroberung Kanaans vereint. Auerbach bemerkt: „Die Tradition läßt (Jos. 4,!2) die ostjordanischen Stämme aus Gefühlen der Solidarität heraus an der Eroberung des Wcstjocdanlandes teilnchmen, indes Weiber, Kinder und Vieh im okkupierten Lande jenseis des Jordan Zurückbleiben. Das ist offenbar unmöglich." Also dürfen diese Stämme nicht ihre historische Rolle, wie sie Thora und Buch Iosua berichten, gespielt haben, sondern sind erst spater zur Gesamtmasse Israels hinzugeschlagene Völkermassen. Es seien die Habiru der Amarna-Zeitz die mit Israel verschmölze^ sind; wie in Sclbftironie bemerkt Auerbach dazu, es ließe sich daher auch verstehen, daß Rüben als „Erstgeborener" Israels galt. Er hat sich selbst damit die Waffe aus der Hand geschlagen. Rie hätte Rüben als das älteste Rind des Iakobshauses gelten können, wenn sein Stamm erst nachträglich in Israel ausgenommen worden wäre, zumal er auch noch durch seinen Wohnsitz von der Hauptmasse des Volkes getrennt war! Das was Auerbach für unmöglich erklärt, war in Israel dreimal im Jahre bei den Wallfahrtsfesten immer wiederholtes Faktum. „Es wird nicht ein Mann nach deinem Landgebict verlangen tragen, wenn du Oder: Abraham, Isaak und Jakob können nicht „Stammväter" Israels sein, denn „es gibt überhaupt keinen Stamm, der als Bluts-Abkömmling eines bestimmten einzelnen Menschen entstanden ist." Das wird mit Apodiktizität behauptet und das Ganze als eine „Fiktion" erklärt, „die noch bis zum heutigen Tage in den Vorstellungen der Romaden (!) sehr beliebt ist." Ich weiß zwar nicht, inwiefern eine Lieblingsvorstellung und sogar ein Selbstbetrug der „Romaden" irgendetwas beweist für die Falschheit irgendeines historischen Beriches. Es kann ja sehr wohl sein, daß sich bestimmte Romaöenstämme aus Familiengruppen entwickelt haben, die aus 2lhnenstolz streng auf ihren Stammbaum hielten. Haben aber auch alle Romadenftämme Herrn Auerbach ihre über Jahrhunderte und Jahrtausende hinaus genau geführten Geschlechtsregister vorgelegt, die sich lückenlos aneinanderrcihen wie die unseren im Buch der Chronik und in sämtlichen geschichtlichen Büchern der Bibel? Haben diese Bücher etwa je verschwiegen, daß und wann fremdes Blut sich mit dem jüdischen vermischt hat? Und wenn es bei andern Stämmen, denen der Gedanke einer besonderen Bestimmung und G'tterwählung fehlte, unmöglich ist, was beweist diese Unmöglichkeit für Israel, das von Anfang an die Reinerhaltung seines Stammes als eine der höchsten Sicherungen seiner weltgeschichtlichen Zukunft gekannt und erstrebt hat'? Selbst Spinoza, der Bibelungläubige, sagt: (Theologisch-politischer Traktat, 3. Rap., 0. 75) „Das Zeichen der Leschneidung halte ich für so bedeutungsvoll, daß ich überzeugt bin, dies allein werde das Volk für immer erhalten." Warum sollte, da Abraham bereits das Zeichen der Beschneidung erhielt, sich nicht durch dieses Zeichen schon der Stamm in männlicher Linie einheitlich in seiner Inzucht erhalten haben? Kurz, die ganze 2lrgumentation Auerbachs ist falsch. Besonders Isaak scheint ihm zu mißfallen. „2lUc Isaak-Erzählungen haben ihre Varianten bei den anderen Patriarchen." In Auerbachs Bibel wird also offenbar auch noch von einer 2lkeda Jakobs gesprochen. Oder: die Dauer des 2lufenthalts in Aegypten darf nicht so lange gewesen sein, denn „geschichtlich ist die Zahl von 430 ganz unmöglich, weil Romaden (!), die solange seßhaft geworden, für ein erneutes Wüstenleben ganz untauglich geworden wären." ... „So kommt man wobl der Wahrheit am nächsten, binaufziebst zu erscheinen vor dem Angesichte G'ttes." wenn man die Dauer des 2lufenthalts in Aegypten Ein Gesetzbuch, das einen solchen -Befehl erteilt, das auf ein bis zwei Generationen annimmt." beschaffung." Also dürfen nur ungefähr 6000 Waffenfähige aus Aegypten gezogen fein, urteilt Auerbach, der genau Bescheid weiß, sogar die Kalorien eines kg Wanna kennt. Wir wissen nur, daß im letzten Weltkrieg mit allen Wickeln moderner Organisation und neuzeitlicher Technik man auch keine 10 000 Wann durch die Wüste von Palästina nach dem Kanal von Suez führen kennte. Alle noch so großartigen Versuche der deutschen und türkischen Armeen sind gescheiten. 2llso ist nach „strategischen" Gesichtspunkten es auch unmöglich, 6000 Waffenfähige hindurchzuführen, zumal mit Weib und Kind. Wan möge einmal probieren, auch nur 1000 Wenfchen insgesamt, die durch einen Aufenthalt von zwei Generationen „für das Wüstenleben untauglich geworden sind", durch die Wüste mit ihren Schrecken zu geleiten. Cs ist seit altersher die lächerliche Wethode des Unglaubens, die unvermeidlichen Probleme des Irrationalen zu atomisteren und zu verkleinern, um sie dadurch dem materialistischen Gaumen etwas schmackhafter zu machen. Es ist an sich ganz gleichgültig, ob die Welt z. L. zu ihrer Entwicklung 6000 oder 6 000 000 Jahre gebraucht hat, jede Entwicklung ist unvereinbar mit dem Gedanken der W e l t e w i g k e i t. Den irraionalen Gedanken der S ch ö p f u n g kann man nicht vermeiden. Aber er tritt doch in seiner Rotwendigkeit bei Willionenjahrsdauer nicht s o kraß in die Erscheinung, und das materialistische Gewissen fühlt sich etwas beruhigter. So ist es mit der versuchten Verkleinerung der Anzahl der Israeliten, die durch „das Geheul" der Wüste gewandert sind. (Fortsetzung folgt). dreimal im Jahr das gesamte Territorium des Volkes dem Ungefähr preisgibt, dokumentiert sich dadurch schon allein als g'ttlich. Und für uns ist Befehl und Oder: die Zahl der aus Aegypten ziehenden Juden ist für Auerbach rein sagenhaft. „Die Ernährung eines solchen Volkes, ja selbst eines Zehntels da¬ Bericht, daß Rüben und Gad ihr ostjordanisches Gef von, in der wüste ist bare Unmöglichkeit, die auch biet ungeschützt zurücklassen sollten und konnten, nichts * durch kein Wanna behoben wird, ebenso die Wasser- Mochenrundschau. Zum Schuhe des deutschen Volkes. Wie in jüngster Rümmer bereits mitgeteilt, sind die Bestimmungen der neuen Regierung zum Schutze des deutschen Volkes so gefaßt, daß sich ihrer ein Teil ganz automatisch auch zum Schutze des deutschen Juden auswirken muß. So bestimmt der Abschnitt l über „Versammlungen und Aufzüge" in den Ziffern von 2—4, daß „öffentliche politische Versammlungen, sowie Versammlungsaufzüge unter freiem Himmel aufgelöst werden können: wenn in ihnen eine Religioiisgesellschaft des öffentlichen Rechts, ihre Einrichtungen, Gebräuche oder Gegenstände ihrer religiösen Verehrung beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden, oder wenn in ihnen zu einer Der „Zehn Geboke"-gude. „Ich halte die Zehn Gebote, — also bin ich ein guter Jude." „Hm." „Was bedeutet das Hm2" „Nichts anderes als, daß manche Behauptungen Taufender nicht stimmen." „Die Zehn Gebote lernt doch aber jedes Kind." „Desto schlimmer ist die gedankenlose Oberflächlichkeit, die nicht weiß, was wirklich in ihnen gesagt wird. Schon der Wortlaut legt Zeugnis für die Verpflichtung auf alle 613 Gebote ab. G'tt offenbarte die Zehn Gebote direkt dem Volke, damit diesem der Weg Seiner ganzen Thora, die Er ihm durch Mofcheh verkündete, an den hier herausgehobenen Zehn der 613 Gebote gezeigt werde. Dies nun ist der Inhalt der Zehn Gebote. G'tt thront nicht zeiten- und weltenfern. Er hat nicht nur einst die Welt mit ihrer Fülle geschaffen, sondern Er ist jedem einzelnen Menschen aller Zeiten nahe. G'tt ist der G'tt der Geschichte, der Geschichte der Menschheit' in ihren Völkern und in ihren einzelnen Menschen. Er hatte einst das wehrloser Sklavenfron bis zur Vernichtung preisgegebene jüdische Volk erlöst, damit dieses Volk Seinem Willen lebe. Das aber bedingt, in Gedanke, Wort und Tat nur G'tt und nichts neben Ihm zu dienen. Leidenschaft und Machtstreben, die Gewalten ungezügelter Menschennatur, sind solche Götzen, die auch den Juden zum Heiden machen und ihn seiner von G'tt gesetzten Grenzen untreu werden -lassen. Sie entfremden der Erkenntnis und dem Dienste G'ttes und bewirken eine geistige und körperliche Belastung nicht nur für den ihnen dienstbaren Menschen, sondern auch für feine Kinder und Kindeskinder — wenn es ihnen auch gegeben ist, zu ihrer Bestimmung zurückzufinden — während die Treue zur Thora noch bis in die fernsten Geschlechter segensreich ausstrahlt. Heilige Ehrfurcht beseele den Juden dem Namen G'ttes gegenüber. Jedes leichtfertige Aussprechen Seines Nomens versündigt schwer. Ethischen Forderungen muß zu ihrer Wahrung Erziehung Vorarbeiten. Ein solches Erziehungsinstrument will der Sabbat sein. Er verbietet, jegliches Werk zu tun. sei es auch nur der Druck auf einen elektrischen Konpf. denn schon dieses dokumentiert schöpferische Intelligenz. Er verbietet es in Erinnerung an G'ttes Erschaffung der Welt, die G'tt zweckmäßig für den Menschen schuf, so daß G'tt seitdem vom Erschaffen ruht und der Mensch sich nur G'ttes Willen zu unterstellen braucht, um sich der Welt einzugliedern. Bindung. Grenzsetzung befiehlt der Sabbat dem Juden, um ihn als wahrhaft freien Menschen zum Herrn über feine Gedanken, Triebe und Handlungen zu erziehen. Noch eine Forderung stellt die erste Tafel der Zehn Gebote auf: Respektierung der Tradition, d. h. Respektierung der vorangegangenen Geschlechter und Sichbegreisen als ein fortsetzendes Glied. Rur ein solches Denken gemährt eine Dauer auf Erden, die weit, weit über den Tod hinausreicht. Wer aber sich von dieser Kette trennt, tötet der Ahnen ewiges Leben auf Erden und kann dann auch von seinen Nachkommen nicht erwarten, daß er sich seelisch in ihnen fortsetze. So schließt die erste Tafel, indem sie die Offenbarung auf dem Berg Sinai, der dann das Gelöbnis der Väter „Wir wollen tun und uns auch denkend in G'ttes Wort versenken" folgte, als Vermächtnis von Geschlecht zu Geschlecht überliefert. Die zweite Tafel stellt Wegweiser für den Verkehr mit den Mitmenschen auf. Auch hier gibt wie bei der ersten Tafel erst der übrige Teil der 613 Gebote weiteres Material, das erst die Begriffe genauer umschreibt und vertieft. Es heißt z. B. in den Zehn Geboten: Du sollst nicht stehlen. Nach den übrigen Geboten ist aber schon das Zurückbehalten des Lohnes eines Tagelöhners — wenn auch nur über Nacht — oder das Zinsnehmen bei einem Darlehen an einen in seiner Existenz Schwankenden eine unrechtmäßige materielle Schädigung des anderen, also gewissermaßen Diebstahl-, wenn diesen Diebstahl auch nicht ein menschlicher Richter, sondern G'tt zum Urteil bringt. Wer die Zehn Gebote in sich ausgenommen hat. wird auch die Verpflichtung auf alle 613 Gebote, auf die ganze Thora, übernehmen, — und nur ein solcher Jude kann sich einen guten Juden nennen. Nimmer aber darf sich ein Indifferenter und nicht nach der Thora Lebender dieses Prädikat zulegen. G'tt heiligte den Sabbat. Das sagt, daß Er ihm die höchste Aufgabe für die. Erziehung des jüdischen Volkes verlieh. Heiligung will dem Leben des Juden Größe geben. will ihn G'ttes Nähe stets fühlen lassen, damit er nie seiner G'tt-Ebenblldlichkeit unwürdig werde. Das Ziel der Heiligung, die erlangte Heiligkeit, deckt sich aber mit G'ttes Wort in seiner ganzen Thora." G. '