Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1933)
- Date
- 1933-02-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Jahrgang £$falfev der £andesoegantfa(ioM dev Ngudas-Iisroel in Dentfellond. Berlin, 9. Februar 1933 / 13, Sch-bat 5693 Schriftleitung: Wolf S. Jacobs o n in Berlin . Verlagspost an st alt Frankfurt a. M. l Nummer 2 Landesorgamsaiion der Agudas Jisroel m Deutschland Aufruf! In einer Zeit höchster wirtschaftlicher Bedrängnis und politischer Gefahren übernehmen wir die Leitung der deutschen „Agudas Jisroel“. Auf Deutschlands Juden lastet schwere Sorge um die Zukunft, und an die Stelle frohen Aufwärtsstrebens ist vielfach Müdigkeit und Resignation getreten. Allein gerade dies ist der Augenblick, in dem der Kreis der gesetzestreuen deutschen Judenheit, der Kreis der in „Agudas Jisroel“ organisierten VmEP ’ains seine weltgeschichtliche Aufgabe an der jüdischen Gesamtheit wie an der sie verkennenden und befehdenden Menschheit zu bewähren haben wird. Zur Rückkehr, zur Sammlung ruft die Zeit mit Sturmesgewalt, zur Sammlung unter dem Banner des geschichtlichen» am G’ttesgesetz orientierten Judentums, unter dem Banner der »»Agudas Jisroel“. Wenn Agudas Jisroel ihre Aufgabe verstehen will, jüdisches Lehen zu festigen und jüdische Art zu kräftigen, dann darf sie in solchen Zeiten nicht versagen, dann muß sie gerade jetzt auf den Plan treten, Ruferin im Kampf gegen solche Ermattung des Geistes und der Seele , zu sein. Sie muß auf rufen zum Kampf gegen eine sich selbst und die Zukunft aufgebende Gleichgültigkeit, sie muß die jüdischen Energien wieder in uns wecken, die in früheren Zeiten desto kraftvoller sich entfalteten, je trüber die äußeren Daseinsbedingungen waren. Zur Selbstbesinnung, zur Selbsterziehung und zur Selbsthilfe, zu dieser dreifachen Aufgabe ruft sie uns auf. Zur Selbstbesinnung: Wir wollen und müssen unsere Agudogruppen wieder straff organisieren und in Zusammenkünften, mindestens alle drei bis vier Wochen, durch Referat und Aussprache uns unserer eigenen Art wieder bewußt werden, die die Erscheinungen nicht fatalistisch hinnimmt, sondern, sie zu Anregern und Gestaltern werden läßt. Daspolitische Geschehen» das wirtschaftliche Leben, geistige und soziale Geschehnisse der jüdischen und nichtjüdischen Umwelt, sie sollen uns dazu dienen, den jüdischen Standpunkt herauszuarbeiten und in der Seele des Einzelnen zu verfestigen; sollen vor allem die große Wahrheit gegenwärtig halten, daß die Treue zum G’ttesgesefz und die Erkenntnis der G'tfeslehrej die beste Abwehr alles äußeren Hasses und alles inneren Schwachwerdens bilden; In geschichtlichen Exkursionen Söll der Blick über den engen Kreitz de£ Tagesnöi hin weggehoben und wieder frei gemacht Werden für eine ewigkeitsnähe und darum g’ttvertrauende Weltb eträchtung. In Ideologischen Aussprachen sollen die Grundlagen unserer geistigen Existenz klargelegt und durch sie Bedeutung und Funktion jedes Einzelschicksals erkannt, das menschliche Dasein als beglückendes Soll, nicht aber als niederdrückendes Muß verstehen gelehrt werden. Und so soll diese Selbstbesinnung führen zur Selbsierziehimgf! Durch eine planmäßige Aufklärungsarbeit, die die Gruppen zu leisten haben, und für die wir gern Richtlinien bereitstellen, muß die deutsche Agudas Jisroel mithelfen, bei einer Efthisierung des Berufs- und Wirtschaftslebens» bei einer Vertiefung der sozialen und politischen Solidarität im Einzel- und Volksleben. Für den Einzelnen wie für die Gesamtheit gilt es, sich von ererbten oder erworbenen Vorurteilen frei zu machen und die Berufung des Menschen, nicht den Beruf, in den Mittelpunkt der Erziehungsarbeit zu stellen. Weil aber unsere gegenwärtige Situation, unser Versagen auf vielen Gebieten, nicht nur Schuld, sondern auch Schicksal ist, müssen wir beherzt, aber nicht vorschnell, zur Selbsthilfe greifen. Auf sozialem Gebiet sucht unsere Soziale Kommission im Rahmen gegebener Möglichkeiten helfend, möglichst geräuschlos, einzugreifen, auf geistigem Gebiet der Keren Haiorah, der, wie für den Osten, so auch im Westen der Erziehung der jüdischen Töchter, insbesondere unserer dem Osten entstammten Brüder erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken hätte, und der sich auch des früher von ihm gemeinsam mit der A. J. J. 0. betreuten flachen Landes wieder anzunehmen hätte. Darüber Hinaus wollen wir aber durch eine planmäßige Berufsumschichtung und Siedlung die Umgestaltung unseres Schicksals mit G’ttes Hilfe selbst in die Hand nehmen und bei der Herausführung der großen Mehrheit der Juden aus der anormalen Ausschließlichkeit kaufmännischer Betätigung vorangehen. Wir wollen gemeinsam mit unserer Palästinazentrale und dem Erez Jisroelamt unserer Agudojugend an der Neugestaltung jüdischen Lebens im jüdischen Lande arbeiten, darüber aber keine einzige andere Möglichkeit ungenutzt lassen, durch die die physische und geistige Existenz unserer jüdischen Gemeinschaft gekräftigt werden kann. Unsere Kommission für Berufsumschichtung und Siedlung» der Nathan Birnbaum und Dr. Maximilian Landau vorstehen, wird unter dem Gesichtspunkt des Gesämtheitswohl alle Projekte prüfen Und jede Hilfsmöglichkeit bis aufs Letzte auszunutzen suchen. Zur Selbstbesinnung, zur Selbsierziehung und zur Selbsthilfe rufen wir auf! Wir höffen, daß die Antwörtdbr deutschen Agudistfen ein Bekeimihis zu .freudiger Arkeitsbereltschäft ist. Wir hoffen, auf die Kraft jüdischen Selbstvertrauens^ daS Seihe Wurzel iü festehr G’ttveHräüeü Hat! Berlin, ihr Schewat 5693 Laudesorganssatioii der Agudas Jisroel in Deutschland Htäbi». Ör. Möses Auerbach, Vorsitzender I