Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1933)
- Date
- 1933-02-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Februar 1933 Der Israelit Nr. 5 Seite 3 Holland. Eine „Sabbatwoche" in Holland. Amsterdam, 27. Jan. Auf Initiative des feit Jahrzehnten hier bestehenden und segensreich wirkenden' Vereins „Schmiras Schabb o s" -sind die Tage dieser und der nächsten Woche in ganz Holland zu einer „Sabbatwoche" ausgerufen worden. An allen größeren Orten soll durch . öffentliche Versammlungen für den Sabbatgedanken und die Säbbatbeobachtung in den weitesten jüdischen Kreisen geworben werden. Die erste dieser öffentlichen Versammlungen fand diese Woche bereits in Rotterdam statt, wo als Redner die Herren B. M. S l a g t e r, der stellvertretende Vorsitzende des Schmiras Schabbos-Veroins, Rabbiner Saarlouis, M. o. Gelberen und Oberrabbiner Davids austraten. In A m st e r da m ist in dem Gebäude von „Vejs Jisroel" eine große S a b b a t ll u s st e l l u n g geschaffen worden, die in zwei Sälen aus den Beständen des jüdisch-historischen Museums, der Gemeindebibliotheken, der Rosenthaliana und aus Privatbesitz eine prächtige Zusammenstellung von Büchern und Kunstgegenständen enthält, die mit der Sabbatbeobachtung und Sabbatfeier in Zusammenhang stehen: Sabbatlampen, Sabbatöfen, Kidduschbecher, Kandelaber, eine wunderbar gedeckte Sabbattasel und vieles andere. Eine große Rolle spielen natürlich Gemälde aus alter und neuerer Zeit mit künstlerisch verklärten Sabbatmilieus. Interessant ist die ausgestellte erste vollständige Ausgabe von Abraham Jbn Esras navnma« worin der Verfasser bekanntlich beweist, daß der traditionelle Beginn der Sabbatfeier am Freitag Abend berechtigt sei. 'Auch von den modernen technischen Behelfen der Sabbatfeier, vom Ofen bis zum automatischen Licht-An- und Ausschalter, fehlt nichts. Die Ausstellung wurde am Mittwoch nach längeren Begrüßungsreden der Herren K e i z e r und E. Ascher durch Oberrabbiner Onderwyzer eröffnet. Herr Ascher gedachte auch des Berliner Schomre Schabbos- Verbandes, mit dem seit dessen Gründung der Verein in enger Fühlung stehe und dessen Vorsitzender ebenfalls anläßlich der Sabbatwoche in Amsterdam sprechen werde. holländischer Brief. Ä m st e r d a m, 29. Jan. Als bekannt darf ich wohl voraussetzen, daß wir als Juden hier in Holland auch im Umgang mit Andersdenkenden, uns frei ausleben können. Es wird in jeder Hinsicht auf unsere Religion Rücksicht genommen. Es ist selbstverständlich, daß mnsre Kinder am na» die öffentlichen Schulen nicht zu besuchen brauchen, daß sie Freitag Mittag J4' Stunde vor dem Beginne des nat? die Schule verlassen dürfen, auch am rrn und a"nn des Morgens später erscheinen dürfen, um Gelegenheit zu haben, dem Morgeng'ttesdienst beizuwohnen. Neu dürfte es für manchen fein, zu hören, daß in Amsterdam ca. 20 Elementarschulen, deren Bevölkerung zum größten Teil aus jüdischen Kindern besteht, am vav geschlossen sind, sie haben dafür vom Montag bis Freitag täglich y2 Stunde länger Unterricht. Wahr ist, daß dies erst erreicht wurde, als zwei jüdische Elementarschulen errichtet wurden, dasselbe geschah mit einer städtischen Realschule nach Errichtung einer jüdischen Realschule. Man befürchtete, daß die Mehrzahl der jüdischen Kinder in die neu errichteten, wie man hier sagt, „Sektenschulen" gesandt würden und die Simultanschulen leer würden. Man darf nicht vergessen, daß hier auch unsere orthodoxen Juden vor 30 Jahren Nichts für die jüdischen Schulen fühlten, sie schworen auf die. Simültanschulen und es kostete schweren Kampf, die Sinnesänderung zuwege zu bringen. Oberrabbiner Dr. Dünner hat im Jahre 1898 durch eine Predigt viel zum Umschwung der öffentlichen Meinung beigetragen. Dies verdient um so viel mehr Würdigung und Aenrkenung, als er bis dahin Gönner der Simultanschule gewesen war. Die bestehenden jüdischen Schulen, wenn auch noch gering an Zahl, erfreuen sich eines guten Rufes und erwartet man, daß binnen kurzem noch eine Elementarschule entstehen wird, nicht im alten, sondern in einem neuen Judenoiertel. I £ ö m m i ff t o rt des V ö l k e r b u n d e-s die Frage der . | Schaffung einer gesetzgebenden Körperschaft (Legislative, j Council) in Palästina sehr eingehend behandelt worden.! Da die Meinungen in dieser Frage geteilt waren, mußte | zur Abstimmung geschritten werden. Mit einer ganz kleinen Mehrheit wurde dann beschlossen, den anfänglichen * Die Woche. Berlin. Bei einem Zusammenstoß in der Exergierstrahe war ein Trupp Nazis gezwungen, in Ermangelung der Macht die Flucht zu ergreifen und sie flüchteten in das Jüdische Krankenhaus. Sie baten höflich, die Telefonzelle benutzen zu dürfen, und benachrichtigten von hier aus das Ueberfallkommando, das sie denn auch abholte und zum Bülowplatz transportierte. — Dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sind vom N e i ch s a r - beitsminister und vom Wohlsahrts- .und Jugendamt der Stadt Berlin herzliche Vgerüßungs- und Glückwunschschreiben anläßlich der am 21. Januar erfolgten Eröffnung des zentralen jüdischen Jugendheimes zugegangen. — Am 24. Januar abends wurde das Jüdische Museum in Berlin in seiner neuen Gestalt feierlich ber Oeffentlichkeit übergeben. Gießen. In Groß- Linden bei Gießen wurde auf dem jüdischen Friedhof eine Schändung von Gräbern entdeckt. Die Täter stürzten die Denkmäler auf fünf Gräbern um und zertrümmerten die Gedenkzeichen. Die behördlichen Ermittlungen verfolgen eine bestimmte Spur. Dessau. Justizrat Heimann Lohn. Dessau, der langjährige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde und Führer der bürgerlichen Linken in der Anhaltischen Kammer, ist im 64. Lebensjahr nach langen! schweren Leiden verstorben. Breslau. Hier standen neun Studenten vor dem Senat, die am 24. Januar bei der Attacke gegen Professor Cohn gefaßt worden waren. Der Haupttäter wurde mit Entfernung von der Universität, ein weiterer Student mit V e r - tust des Semesters bestraft. Sechs Studenten erhielten die Androhung der Entfernung von der Universität. Einer wurde freigesprochen. Wien. Der langjährige Präsident der Wiener Israelitischen Allianz, Dr. Artur K u r a n d a, ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Kuranda war auch Vorsitzender mehrerer jüdischer Humanitätsvereine. Sein Vater war das bekannte Parlamentsmitglied des Frankfurter, später des österreichischen Reichsrats, Ignaz Kuranda. Prag. Ein „Verband jüdischer Legionäre" in der Tschechoslowakei ist soeben in Prag gegründet worden. In der Gründungsversammlung wurde festgestellt, daß die Organisation zunächst erst 150 Mitglieder zählt. Genf. Die „Liga der jüdischen Frauen" veranstaltet in Genf eine Kundgebung gegen den antijüdischen Terror an den Universitäten Ost- und Mitteleuropas. Krakau. Auf Anordnung der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Krakau wurde der 2 6. Januar 1933 (28. Tebeth 3693, Jomkippur Katan) als Tag des Fastens und der Fürbitte um Linderung der Wirtschaftsnot begangen. In allen Synagogen wurden Gebete um Besserung der Wirtschaftslage gesprochen. London. Soloruon Abrahams, bisher Oberstaatsanwalt von Uganda und früher Oberrichter von Zanzibar, ist nun zum ober st en Richter in Uganda. Britisch- Ostafrika, ernannt worden. Jerusalem. Die Handelskammern Palästinas treffen Vorbereitungen zu möglichst weitgehender Beteiligung Palästinas an der Weltausstellung in Chicago 1933. Zahlreiche jüdische Firmen Palästinas weredn ihre Erzeugnisse in Chicago ausstellon, mehrere Hundert Palästinenser werden sich zum Besuch der Ausstellung nach Chicago begeben. Quebec. Die Regierung der kanadischen Provinz Quebec bereitet einen Gesetzentwurf vor, gegen Presseangriffe auf eine bestimmte Rasse oder Religion mit empfindlichen Strafen einzuschreiten. Jedes Mitglied der angegriffenen Rasse oder Religion soll das Recht erhalten, vor Gericht Genugtuung vom Angreifer zu erlangen. Die Aktion der Regierung ist durch die hemmungslose antisemitische Agitation eines gewissen Teils der französisch geschriebenen kanadischen Presse veranlaßt worden. Schweiz. Die Haltung der Mandatskommission in der Frage des Legislative Council in Palästina. Genf, 22. Jan. Wie dem JTA-Vertreter aus gut unterrichteter Quelle unitgeteilt wird, ist in der letzten Session der Mandats- Vefchluß, des Legislative Council in den 'Bemerkungen nicht Erwähnung zu tun, umzustoßon und in die allgemeinen Bemerkungen den Satz aufzunehmen: „Die Mandatskommission nimmt die Erklärung von Sir Arthur Wauchope über die geplante Einführung eines Legislative! Council in Palästina zur Kenntnis." Zu bemerken ist, daß sich die Kommission diesmal damit begnügt hat, die Erklärung des High Commifsioner einfach zur Kenntnis zu nehmen, während sie in ihrer 20. Session im Juni 1931 bei einer ähnlichen Erklärung des damaligen englischen Unterstaatssekretärs füo die Kolonien Dr. Shiels ihre „Zufriedenheit (satisfaction) ausgedrückt" hat. Oer Palästina-Bericht der Mandatskommission vom völkerbundsrat zur lienntnis genommen. Genf, 25. Jan. Der Bölkerbundsrat hat in seiner Sitzung am 24. Januar den Bericht der Mandatskommission über ihre letzte Session im November 1932, in der sich die Kommission mit der Verwaltung der verschiedenen Mandatsländer befaßt hat, sowie die Bemerkungen (observations) der Mandatskommission zu den Berichten der Mandatare zur Kenntnis genommen. Hinsichtlich der Verwaltung Palästinas im Jahre 1931 betonte der Berichterstatter im Bölkerbundsrat, der tschechoslowakische Außenminister Dr. Edouard Benesch, in seinem mündlichen Bericht vor dem Rat, daß die Mandatskommission der Ansicht sei, daß die Vorbereitungsperiode für die Ausarbeitung eines Programms konstruktiver Politik in Palästina noch nicht ganz beendet sei: deswegen habe es die Kommission für verfrüht gehalten, schon jetzt ihre Meinung über die Orientierung dieser Politik zum Ausdruck zu bringen. Heute könne die Kommission lediglich feststellen, daß dank den zur Sicherstellung von Ruhe und Ordnung im Lande unternommenen Mitteln und dank der günstigen wirtschaftlichen Situation im Lande das Jahr 1931 eine Periode der Ruhe und des Wohlstandes für Palästina gewesen ist. Hinsichtlich des geplanten Legislative Council begnügt sich die Kommission, festzustellon, daß sie die Erklärung des beglaubigten Vertreters Großbritanniens zur Kenntnis genommen hat, daß „Schritte zur Bildung eines Legislative Council ergriffen werden würden, sobald die in der Vorbereitung befindliche neue lokale Govedmnent Ordinance in Geltung gebracht worden ist. Nach Prüfung der Petition der Agudas Jisroel betreffend den Status der Jüdischen Gemeinden in Palästina empfiehlt die Kommission dem Rat, die Mandatarmacht aufzufordern, in Beantwortung zweier von der Kommission forinulierter Fragen, ergänzende Informationen zu geben. In ihren Konklusionen betreffend eine Petition der Exekutive des Ersten Palästinensischen Arabischen Frauen-Kongresses äußert die Kommission die Hoffnung, daß nach weiteren Fortschritten in der Erziehung und in der Befriedung der Gefühle in Palästina es möglich sein wird, im Zivildienst eine immer wachsende Zahl von Landeseinwohnern zu beschäftigen. Dr. Benesch fügte seinerseits hinzu, er sei dessen sicher, daß der Bölkerbundsrat an diesen Bericht der Mandatskommission den Wunsch knüpfen wird, daß die Bemühungen der englischen Mandatarmacht, die besonderen Probleme Palästinas einer Lösung zuzuführen, von Erfolg gekrönt sein mögen. Der Bölkerbundsrat nahm den Bericht von Benesch und die Bemerkungen der Mand a t s k o rn m i s s i o n z u r K e n n t n i s. Polen. Fortführung -er Zuderr-ebatte im polnischen SHm. Warschau, 25. Jan. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des polnischen Sejm erklärte der sozialistische Deputierte S Z a p i n s k y , die jüdischen weltlichen Schulen werden verfolgt, dagegen die Chedarim und die klerikalen Schulen begünstigt. Der national-jüdische Deputierte Dr. Sommerstein schilderte, welchen Schikanen das hebräische Schulwesen seitens der Behörden ausgeestzt ist. Bon den Schulverwaltungen angestellte Lehrer werden von der polnischen Schulbehörde nicht bestätigt; Schulen werden geschlossen unter dein Vorwände, daß die Schullokale den Erfordernissen der Hygiene nicht entsprechen. An den staatlichen Schulen ist der Unterricht in jüdischer Religion immer noch nicht geregelt. Juden werden an Staatsschulen als Lehrer nicht beschäftigt. Die in Aussicht gestellte Autonomie der jüdischen Gemeinde wurde in keiner Weise verwirklicht. Im Zusammenhänge damit , erging er sich in Ausfällen gegen die A g u d a und die orthodoxe Verwaltung in den Gemeinden.! Der agudistische Deputierte M i n z b e r g trat der Behauptung Sommersteins, daß die Regierung das Schulwesen der Aguda favorisiere und die Agnda im Ge-