Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1933)
- Date
- 1933-02-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 5 2. Februar 1933 z i a l i s m u s " verstehen, ist die letzte und gigantische Anstrengung, aus den Bindungen und dßn un-! ecläßlichcn Gegebenheiten des Indischen heraus. die Stagnation zu überwinden, in die uns je&e' Verkopplung und jedes Kompromissein mit Zeiterschemungen und Methoden hat hineinschlittern lassen? — unLi'aüs den Bezirken des Jüdischen das System der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu schaffen, das eben diesem Ur-Iüdischen völlig und einwandfrei entspricht. Ls gilt, aus der geringfügigen konfessionellen .»Glaubensgemeinschaft" — zersplittert hat D' -öst!'.,Epoche: der liberalistisch-individualistischen Auflösung uüö die Philosophie db'r „Aufklärung" —'wieder das,große' Judentum, das totale Judentum zu erkämpf fen. Meinetwegen soll man diese offensive Bewegung dänn mit dem Modebegrisf „Sozialismus" zieren. Das ist dann die Bewegung „zeitlicher" Art, die aus dem Geist des jüdischen Glaubens gewachsen ist. Sie kann von sich selbst aus und ohne eine fundamentale Linie ihres Iüdifchfeins zu korrigieren' oder preiszugeben an die Seite jener'Gemeinschaften treten, die das Weltbild sozialistisch oder in einem anderen kollektivistischen Gedanken einer weiteren Entwicklung entgegenführen wollen. Jede Gemeinschaft bildet sich ihre ihr besonders adäquate sozialistische'Intensität.'' Um den Kamen und. um den bloßen' technischen Ausdruck des „Sozialismus" geht es uns nichf. Wir brauchen ihn nicht. Wir brauchen ihn so. wenig wie eine „Mitbenützung" irgend' eines der zahlreichen heute um. uns emporsteigenden sozialen oder sozialistischen Systeme. Das aus Starrheit und Stumpfheit gerissene Judentum umfaßt in der Wucht seiner.. e i n z i g - a r t i g e n U n a b h ä n g i g k e i t die Suufme aller' von uns gemeinsam oder von unseren Linzelmenschen gesuchten Lösungen. Eine außerjüdische? Lösung existiert für uns nicht. Sie würde nur zu einer, weiteren Ehaotisierung des Judentums führen.'. von den Kämpfern aber,, deren Wege und Ideengängen nicht .die unseren sind,— deren Methoden oft .sogar verknüpft stnd mit antijüöischen Affekten — müssen wir endlich lernen,- wie man.sich der Gesin-. . nung hingibt und opfert. Judentum, das. in den Zustand der Realisierung, gebracht werden..soll, fordert doppelt bereite. Menschen und eine Ueberzeugung, daß. wir an der Kette der - Auserwähltheit hängen. ■ Aüserwähltheit ist uns nicht gegeben worden. Sie ' wurde uns a u f gegeben. - ' - Korrespondcuzca * naconchic«. üeutfcftes Reldj. 'i 'ipatolcr Kufiig o6Ä((cril“! 7 ' Der T.entrat-Beremhdeutscher: ^aafshürger^, jüdischen Glaubens übergibt der ^A. folgendes Erklärung: „Wir stehen einem Ministerium, in dem RätionalsoziaNsten maßgebendste' Stellungen einnehmen,- selbstverständlich mit größtem Mißtrauen gegenüberwenn uns auch bei der gegebenen Lage nichts anderes übrig bleibt, als seine Taten abzuwarten. Wir sehen als den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht den. Herrn Neichspräsidsntep, zu dessen Gerechtigkeitssinn und. Ver- ' fassuügstreue wir Vertrauen haben.. Aber auch abgesehen üavön sinh wir überzeugt, daß niemand es wagen wird,, ünsere verfassungsmäßigen Rechte anzutasten. Jeder gegenteilige Versuch wird uns m entschiedener Abwehr auf dem Posten finden. . ' ' Im Uebrigen gilt heute ganz besonders die Parole: Ruhig abwarten!" Jahresversammlung des Hilfsvereins der deutschen r Juden. , . Berlin, 25. Jan. - Zu Beginn der Jahresversammlung, am Montag, den 23. Januar, hielt Generalkonsul Eugen Landau eine Gedenkrede aus Dr. James Simon. Ueber die Arbeit des Hilfsvereins im abgelaufenen Jahre referierte der _ Der Israelit _ Generalsekretär, Dr. M. W i s ch n i tz e r. Sie erstrÄte 'sich stuf' lEnttstrantenhilfe,. Jugendfürsorge Schulwesen» 'Unterstützungen '.und auf? die -Verwaltung der Haffkine-! Stiftung? Viel Hilfsarbeit gab es in Polen,-^Litauen, in Rumänien und in Karpathorußland zu leisten. Trotz der schwierigen Lage in Amerika--habe das American Joint Distribution Committee alles Mögliche zur Linderung der Not geleistet.- Die überseelischen Länder haben sich in den letzten Jahren gegen eine Einwanderung immer mehr abgesperrt. Immerhin konnten unter Fürsorge des Hilfsvereins, im Berichtsjahre 16 984 Aus- und Rückwanderer Deutschland passieren, .lieber Tausend Personen fanden Beratung und Hilfe. ,. In det Ukraine wurde eine . umfangreiche Waisenfürsorge durchgeführt, in Rumänien Schulen gegründet und erhalten. Auch das Krakauer. Lehr«rferninar:d e.s :Beth I a k,o b erhielt eine Subvention. 5615 Studienbeihilfen - wurden gewährt. Die Aufwendungen der H aff k i.n e - K am - m rf s i o n für. Jeschiwoth beliefen sich, im verflossenen Jahre auf insgesamt.41-750 Mark. . ... - - r Es folgte eine zweite-''Gedenkrede'auf James Simon von Max- M. W a r b u r g.. Die Mitglieder des Zentralkomitees'wurden alle wiedergbwähltsi neu hinzügewählt wurden die -Herren S. Läbl,'- Bamberg: Justizratu-Dr. Blüthö, Kaiserslautern:'-C. - Kaüfmäün-- Stettin; Rabb. Dr. A. Bluhm, Crefeld; S. Blach, Nordhäusen; A. Sän-' ger, Stuttgart und W^Ganz, Wiesbaden..? "-i' votksirauertagr^ ' . . f : . .B erfin, 29. Jan.'' Vom Ausschuß des 'Deut f ch - I s i a e l i t i f ch e n G e m e i n d e b u n d e s wird uns geschrieben: Auch in ^diesem Iahte hat W' 'p'oii&bWiifr D e u t s ch e Krieg s g r a b e r f ü r s o r/g 'e, -- sin - dem auch die jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten ist, beschlossen,' einen V ö l k s t'r alle r t aL.^zsir Ehrung''des Andenkens der iw Weltkriege!'Hfallenen Soldaten-zubegehen. Dafür ist Sonnt'ätz, der 12. DA rz';' bestimmt 'worden. Bei der Festseßüiig dieses Termins? auf den'für den Volkstrauertag bereits'traditionell gewordenen; Sonntag hat unser Mrtreter nicht verfehlt,'-ür'äuf h'lstzlüveiMsdaß dieser Tag' dtesmaVinitdeÄ Pü^rimfest zusämmenfällt, so daß die religiöse'Feier für die Jüdische Glast-' bensgemeinschäft 'bereits' 'am Tage' vorher^,.üm'Sab'b'at, in üblicher Weise begingest w'eröen^inuß'.' r: \ (Ein Ministerialerlaß über, LeichensAiönen. . ' . B^.e r.l i.n j?20. Januar. ' Der preußische Ärinister.he^'Jnnern hat Unterm 22,. Dezember v. I.' unter III ä '.IV 22ih/32 ^jm 'EmvernehMen' mit den beteiligten Reichs- und preußischen Ressorts' Richtlinien für die Leichenöffnung.?,in' den öffentlichen Krankenhäusern ' aufgestelll. ,^)ie Richtlinien.bestimmen in Ziffer 1, daß L e i ch e n s e'k't.l ö n e-n. g.e gen d a's ausdrückliche 23 e r bot v . o n .An g e h .ö r i g e n des To t e n nt ch t, v o x g e n otn men w.e r ö en f Ö l-' len, es sei denn,?VH,^e)ne' geWUMe,- oder polizeiliche Änorhnllng' hie' Se?nb-U^vorschrelb'l.' " 11 f!;u ' Hiernach werden chi^ sillngehÄtgen'siüdischer?Kraük^x gUt tust/ 'in"stegeoenem Fälle' Rechtzeitig dös Verbot Äeh Sektion', äuszusprechen. Es' darf 'aUgenommen ' werden, daß in Zöllen, lll?'dDen, hle ^erstbrHesten' keine! ÄHe- 'hörigen am Platze oöet!?kn' e^keichcharer' Nähe hahein/ äUch^ dis' Jnterventioüder jüdischen' Gemeinde oder ihres Raobinates genügen wird, um im Geiste des Erlasses Leichensektionen, die einen schweren Verstoß gegen das jüdische Religionsgesetz darstellen, zu verhindern. /Gesamtarchü» .Iü'Sen.' :! . . ,; . ' .•/: ' Bp ristn- 11-!Jan, Vom Gesamtarchiv der he.ütschen„Jchden wird sins geschriebest: . ' ' " Das Gefamtarchrv der deutschen-. Juden in Berlin, ist in der Hauptsache zur Aufnahme von Gemeindeakten bestimmt. Daneben sucht es aber-auch dis Dokumente und Veröffentlichungen der jüdischen Verbänhe^. und Vereine! Deutschlands zu erfassen und zu sichern. . i Große Organisationen haben ihre aus dem laufenden Geschäftsverkehr bereits ausgeschiedenen Akten dem» Ge»-, samtärchiv überwiesen. Eine Reihe, lange bestehender jüdischer Vereine aus allen Teilew-Deutschlands sind mit wichtigen Beständen, vor allem den historisch wertvollen Protokollbüchern im Gesamtarchio vertreten. Doch ist die durch das Gesamtarchiv gebotsns Möglichkeit, geschichtlich wertvolles und für die Zukunft bedeutsames Material vor/.Verstichtstng und Verzettelung zu schützen, von den jüdischen Verbä'iiö'eU und-Vereinen noch, nicht in genügendem Maße,, ausgenutzt. . Es sei deshalb nochmals äuf:>diese Möglichkeit hingewiesen und Verbänden und Vereinen-nahgeelegt, ihre at-chivreifen Akten, Spendenserzeichnisse, Mitgliederlisten, Jahresberichte, Jubiläumsschriften, sowie sonstige Veröfsentlichungen beim Gesamtarchiv zu deponieren. - Durch.eine solche Aufbewahrung an zentraler Stelle werden die Verwaltung der abliefernden Organisationen von der Sorge üm ^die -älteren Dokumente.-und Vereinsschriften entlastet, wird, eine zu weitgehsnös Aktenkassation vermieden und — was nicht übersehen werden sollte — die Arbeit des Geschichtsforschers stngemein erleichtert undgefördert. ' . Das im Verwaltungsgebäude!dör Berliner Jüdischem Gemeinde, Oranienburgerstr. 28; gelegene' - Gesamtarchiv' bietet volle Gewähr für sachgemäße Lagerung und Betreuung der ihm anvertrauten' Archiv'alien. Durch einen besonderen Vertrag wird jedem Inhaber eines Archiv- -depots —l- -hllndle es sich nun um''Gemeinden, Vereine¬ oder Einzelpersonen — das volle Eigentumsrecht an den zur Aufbewahrung übergebenen- Archiv'stücken zugesichert.. Wenn es gewünscht wird,-kann darüber hinaus noch fürbesonders diskrete 'Behandlung -voll ArchwdepotsAn speziellen Vereinbarungen Vorsorge getroffen werden. Die Lage vrofessor Ernst Cohns. '•m--y f.Ji,?/ . 7:, ’ ■ ’ 1! . ... „ : i - : P r ss'sl aft, .28- Jan. Prof. Cohn konnte in den letzten-Tagen seine Vorlesungen verhältnismäßig ungestört -halten. ,'Die Zurückhaltung der,, reaktionären..Studentenschaft erklärt man hier, daraus, -..Laß..-ram.ijDonn-exstagü-hrel Vertreter der rechtsradikalen Studentenschaft r.sich - im-'Flugzeug von Breslau nach. Berlin, begeben h^ben,. um,-beim Reichskommisiar'füxdaS Pre-ußische Kultusministerium Kaehler einen persönlichen Vorstoß zu unternehmen: Cohn sollebeurlaubt-werden und -ejnen Sondekausträg erhalten. In fortschrittlichen -Kreisen - erwartet .- man., mit? Bestimmtheit, daß --der - Reichskommissarsolchen Wünschen gegenüber keine Nachgiebigkeit zeigen ' wird, da--es sich in Breslau jetzt um nichts-anderes handelt, als>-um eine Machtprobe Zwischen - einer. studentischen -Mmderheits-und der Staatsautorität. "ifi , iii',:, Die Pressestelle der Universität' teilt-'mi't: „Am Freiing, den 27. Januar,.' -kam es in -der Universität zwar -nicht zu Ruhestörungen, jedoch versuchte Man .den Unterricht dadurch zu stören, daß in vier Hörsälen Reagenzgläser mit-b'lner übelriechenden Flüssigkeit''(Franzosenöl)- niedergelegt und zertreten-wurden Um 11.45 Uhr wurde im Durchgang zur Universitätsküsse ein Känonenschlag zur Entladung gebracht. Die Vorlesungen bcs; ^0^0^ Cohn wurdest hiervon nicht betroffen-" ' QtfietteUfy. MsamM-Hlttmhrfef^esWnMBlschofs. V.f;!; ■; b'.A' . -- W'i-'H'N,-'25.l Jan. ' Der -Bischof der oberösterrötchischesi' -Haüjiistädt Linz, Dr.- G f ö'sftn er',' erließ Men H i rt e n'b r'k'-e f‘; öcr sehr schat^Üiit 'Äem NätionälsözialismüS atö * 'eiVtfer '»junchrist- 'lrchen Böwegüng"-, ' sorsiie!' niit' dem ^Rässenantisemitistnüs"' abrechNet, abtz'r tzlei'Deitig dre^-'Jü'öön' der Gegenwart angreift und schmäht. Dr. Gföllner verherrlicht in kurzen Worten das „alttestamentliche" Judentum und spricht dann' ausführlich' von der;,Vergiftung der Seele der christlichen Völker durch den schädigenden Einfluß -des Dehenerierftn "Judentums auf allen. Kulturgebieten und in allen-Vedüfen." 'Dev Bischof bezeichnet die Juden als ,;TtÄD'-d«n'G'änimonistWen Kapitalismus, Sozialismus und^Bolschew'ismus^ und bezeichn^' es als eine Pflicht der Christen; den jüdischen ' Einslüß durch eine 'nachhältitzere- Bekäütßfüng' der' Juden zu' brechen. Im Mittelalter, sagt er, hat man die Juden in ein Ghetto gesperrt; h'eute kstchws'Üknöti'g, man solle nur den geistigen- Eistfluß''der Juden auf dem Wege der Gesetzgebung und Vej-waltüsig eindämmen, um die Welt vor der Ueberschwemmung ' durch''tiieunsittliche jüdisch^ Schlammflut zu bewahren.' . ' . Die katholische Presse druckt diesen Hirtenbrief Dr. Gföllners kommentärlos. ab. Die. demokratische Presse weist die Auslassungen des Bischofs scharf zurück und fragt, wodurch sich ein solcher von der Kirche empfohlener Pogrom von einem Näzrpogrom unterscheidet.