Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1933)
- Date
- 1933-01-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450760--79355-2537101- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 2× ep/1044017
- Basra 1× ep/1044138
- Haifa 1× ep/1047930
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
26.) Januars 1933 Seite 8 Nr. 4, .... Lehrer selber wissen nicht Stellung zu nehmen. Die Lehrer brauchten Fortbildungskurse; die sie als orthodoxe Juden die Probleme, die an sie heute herantreten können, zu betrachten lehren. Was wissen diese Lehrer z. B. von den wunderbaren, die Größe und Wahrheit der Thora beleuchtenden Resultaten der Aegyptologie und Assyriologie? Es herrscht auch ein Mangel an geeigneten Lehrbüchern. Im Unterricht ist heute die Auseinandersetzung zwischen dem allgemeinen Wissen und dem Judentum und zwischen dem Judentum und dem allgemeinen Wissen die dringlichste Forderung geworden, damit die Orthodoxie sich ihre Jugend erhalte.!" Man sieht: Der jüdische Aufbau im jüdischen Palästina ist wahrlich keine leichte Sache. Wer ihn aber rettet, rettet das jüdische Volk und seine Zukunst in Palästina und verdient sich die Ewigkeit. S, G. - Sturm der arabischen Nationalisten gegen Emir Abdullah. Jerusalem, 12. Jan. Die arabische Presse teilt mit, daß die arabischen Nationalisten den Emir Abdullah von Trans Jordanien bestürmen, den mit einer jüdischen Gesellschaft' bereits abgeschlossenen Pachtvertrag betreffend 70.000 Dunam Boden rückgängig zu machen. Eine arabische Bank — den Namen verschweigt die arabische Presse — habe dem Emir vin Kaufangebot betreffend diese Böden, auf dem sie Araber ansiedeln will, gemacht. Wie .die ITA. erfährt, planen die palästinensischen Nationalisten folgendes: 1; König Feisal vom Irak zu bitten, bei seinem Bruder Abdullah dahin zu intervenieren, 'daß er den Pachtvertrag mit der jüdischen Gesellschaft rückgängig macht; 2. eine ’ starke All-Moslem-Front in Palästina, Syrien, Irak und Transjordanien zu bilden, die den Emir Abdullah zur Aufgabe seiner Pläne bezüglich eine Zulassung jüdischer Arbeit in Transjordanien zwingen soll; 3. eine Abordnung arabischer Anwälte nach Amman zu entsenden, die die Möglichkeit einer Annullierung des Vertrages aus juristischen Gründen prüfen soll. Wie der JTA.-Vertreter weiter erfährt, machen diese Aktionen der arabischen Nationalisten Palästinas 'auf die Araber in Transjordanien wenig Eindruck, da man sich in Transjordanien aus einer Vodenentwicklung durch die Juden eine Linderung der dort herrschenden schweren Wirtschaftsnot verspricht. Am 19. Januar hat in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, eine Versammlung transjordanischer Scheichs den Beschluß gefaßt, den Emir Abdullah in seinen Plänen, jüdische Arbeit in Transjordanien zu sichern, zu unterstützen. An der Alagemauer wird um. Regen gebetet. Jerusalem, 12. Jan. Die Pälästinaregierung hat eine Summe von 36.000 Pfund für Darlehen an Bauern zum Ankauf von Wintersaat jhßreitgestellt, nachdem, sich die.Lage der Landwirte infolge Regenmangels und trockener Winde, wodurch das Wintergetreide auf etwa 200.000 Dunam vernichtet wurde, verschlimmert hat. In den jüdischen Kolonien, sowie an der Klagemauer zu Jerusalem werden Gebete uM Regen ..gesprochen... '• j' .! : ‘ In wasserarmen Geboten Palästinas wurden wiederum Vohrversuche mit amerikanischen Spezialmaschiner vorgenommen, die in beträchtlicher Tiefe genügende, in manchen Fällen sogar ausgiebige Wassermengen förderten. Diese Bohrversuche werden nun in einer Reihe von Kolonien fortgesetzt und man hofft, auf diese Weise bis zu einem gewissen Grade, die Kolonisation des Landes vom Regenfall unabhängig zu machen. ' ' Der Palästifla-Regierung sind die Gehälter der hebräischen Lehrer zu hoch. Jerusalem, 15. Jan. Die Palästina-Regierung teilte dem Waad Leumi, der jetzt Verwaltung und Kontrolle der hebräischen. Schulen in Palästina innehat, mit, daß sie die Gehälter/, die den Lehrern an den hebräischen Schulen in Palästina gezahlt werden, für „zu.hoch" hält und daß sie deswegen einen Teil der Subventionssumme, die sie dem hebräischen Schulsystem gewährt/zurückbehalten und zur Beschaffung zusätzlichen Inventars für die jüdischen Schulen verwenden wolle. .In der Mitteilung heißt es weiter, auch die Gehälter der Schuldiener an den hebräischen Schulen erscheinen der Regierung zu hoch. In der letzten Sitzung des Waad Leumi fand über diese Ankündigung der Pälästinaregierung eine Aussprache i statt, in deren Verlauf Dr. Waschitz im'Namen der Fraktion der Revisionisten den Antrag stellte, daß man der Regierung anbieten solle, das gesamte Unterrichtsdeparte-- ment des Waad Leumi in ihre Verwaltung, und die finanzielle Beantwortung für die hebräischen Schulen'zü übernehmen. Der Zuschuß der Palästina-Regierung zum hebräischen Schulsystem beläuft sich auf jährlich über 20.000 Pfund; das Gesamtbudget des hebräischen Schulsystems, für das jetzt der Waad Leumi verantwortlich ist, hefrifft ^über, 100.000 Pfund. , ' j Spanien. Einwanderung in Spanien. M a d r i d, ' 12. Jan. Die politische Umwälzung in Spanien hat auch die jüdische Gleichberechtigung mit sich gebracht. Während bis dahin die jüdische Religion nur geduldet war, hat sie jetzt ihr SelbstbestimNnmgsrecht wie alle anderen Konfessionen. Damit hört das Marranentum auf. Wie war die Auswirkung? . . Im Jahre 1918 entstand in Barzelona eine jüdische Gemeinde mit 17 Mitgliedern. Die Gründer der Gemeinde waren zu gleichen Teilen Sephardim und Aschkenasim. Der Ritus war sephardisch, der. Gemeindebeamte, der als Chafan fungierte, ein Afchkenasi, sang aber deutsche und polnische Melodien, was einige Portugiesen veranlaßte, einen eigenen Ke.tverein unter dein Namen „Agudath Achim":zu grünen.. Besonders an den Feiertagen fand das Bethaus, in dem alles streng sephardisch ist, großen Zuspruch. Aber beiden Gemeinden gelang es nicht, von der Einwanderung, die in den letzten Jahren etwa 3000 jüdische Seelen hierherbrachte, zu profitieren. Die Eingewanderten sind durchweg Aschkenasim, die weder in der einen noch m'der anderen Synagoge aus ihre Rechnung kommen. Sie stammen zumeist aus Deutschland, Polen, Ungarn und Oesterreich. Während der letzten hohen Feiertage haben sie ihren eigenen G'ttesdienst eingerichtet, der stark besucht war. Es ist aber' nicht allein die religiöse Not, die Hilfe erheischt. Zum großen Teil handelt' es sich um mittellose Emigrantenfamilien, die aus dem Wege zur Existenzgründung bis jetzt schwerste Enttäuschungen erlebt haben. Eine große Anzahl von ihnen ist längst an ihrer „spanischen Illusion" verzweifelt und hätte keinen sehnlicheren Wunsch, als in die Heimatländer zurückzukehren. Es gibt aber keine Institution und keine Organisation, die ihnen die Mittel zur Rückwanderung verschaffte. Man kann sehen, wie jüdische Menschen, die die auch in Spanien naßkalten Nächte auf den Parkbänken unter freiem Himmel zubringen. Ein Nachtasyl oder sonst eine Institution, die den Obdachlosen ein Nachtlager verschaffte, gibt es hier nicht. Einige wenige haben es zu Wohlstand gebracht, die Mehrzahl aber lebt in größter Not, in Ermangelung materieller und geistiger Hilfe, ohne Schulen für die Kinder. M- - *. Erst in:den letzten Tagen wurde dev ernstliche Versuch gemacht,, in i Barzelona eine v e r. e i n i g t e große As ch be na s i m g e m e inde zu gründen, 'die in erster Reihe die Emigranten erfassen;-ihnen einige Hilfsquellen eröffnen, und Wegweiser zur Existenzgründung stellen sollen. Es handelt sich zum größten Teil um Menschen, die ohne Kapital, ohne bestimmten Beruf und ohne Kenntnis der spanischen Sprache ins Land gekommen sind, einzig angelockt durch die Zeitungsberichte von der freien Einwanderung und der Toleranz im neuen Spanien. Die allgemeine Krise ist aber jetzt in Spanien-ebenfalls groß genug, daß mittellose Ausländer nicht die geringste VerdienstmöglichkeiL im Lande finden. Sie belagern ihre Konsulate, die im allerbesten Falle einen Beitrag für die Rückreise leisten können. Man erlebt heute schon einen neuen uuso pwa (Auswanderung aus Spanien). Unter Liesen Umständen wäre die Organisierung der Aschkenasimgemeinde nach dem vorgefaßten Plane geradezu eine rettende Tat. " Das sephardische Judentum im spanischen Parlament. Madrid, 15. Jan. -In. einer der letzten Sitzungen der Cortes Const i t u y e n t e s (Konstituiertenversammlung der spanischen Republik) kam es zu einer Aussprache über die Verwendung der Mittel der O b r a Pia in Jerusalem, einer 1342 von den Königen von Sizilien Robert von Anjou! und Sancha de Mallorca gegründeten religiösen Stis-j tung, deren Erträgnis bisher hauptsächlich für katholische Missionszwecke verwendet wurde. Die Abgeordneten Ortega y G a ss et, einer/der,sführenden Politiker des -neuen Spaniens, und ,T e n re ir o benutzten die Gelegenheit, auf die hohen Verdienste des sephardischen Judentums um, die-/Erhaltung spanischer Kulturwerte hinzuweisen.' ,,Me Juden des Orients," erklärte Senor. Tenreiro, „bewahren in ihrer Umgangssprache ein bewunderungswürdiges Kastilianisch des 15. Jahrhunderts und leisten damit unserer heutigen Kultur ungeheure Dienste." „Dps neue Spanftn," sagte Abg. Tenreiro unter lebhaftem Beifall des Hauses, „müsse wie das alte Spanien ein Land dreier Kulturen, der europäischen, der jüdischen und der arabischen, sein" Senor Ortega y Gasset erklärte, die Komplexe der Sittlichkeitslehren der katholischen, jüdischen und muselmanischen Religion seien die drei Seiten der nationalen Kultur. Der Redner verlangte, daß die Gelder der Odra Pia in Zukunft auch zur: Unterstützung der sephardischen Schulen in Saloniki und Konstaptinopel verwendet werden, wo die „alten 'spanischen Romanzen des 15. und 16. Jahrhunderts von Mund zu Mund überliefert" werden. Indien. .v\ Vorschlag für einen Bevölkerungsaustausch zwischen dem Irak und Palästina. Bombay, 12. Jan. Die in Bombay erscheinende „Times of Jndia" veröffentlicht einen Bericht aus Basra im Irak, in dem der Plan eines Aus t au f ch s von in Bagdad und Basra lebenden. Juden gegen Araber in Palästina erörtert wird. Ein solcher Austausch würde im Hinblick auf die schnelle Annäherung der Länder Irak und P a l ä st i n a aneinander im Zusammenhang mit dem.Bau der Petroleum- Röhrenleitung zwischen Nordirak und Haifa jetzt durchführbar sein. Der Gedanke räumlicher Versetzungen größerer Vevölkerungsmassen hat heute für die Welt des Nahen Ostens seine Schrecken verloren, nachdem die diesbezüglichen Erfahrungen mit Griechen und Türken gute gewesen sind. In dem überwiegend mosleMitischen Irak lebt eine große und einflußreiche jüdische Minderheit, in Bagdad gibt es 50 000 Juden. Im Irak würden arabische Einwanderer aus Palästina sehr willkommen s e i n. Zur Beschäftigung dieser' Arbeiter müssen aber Kapitalien investiert werden, die vielleicht mit Hilfe der Zionisten zu beschaffen wären. Dafür würde in Palästina' ein solider jüdischer Block inmitten einer sonst völlig arabischen Welt errichtet weredn. Afrika. Erregung unter den tunesischen Juden wegen eines Fehlurteils. T u n i s, 10. Jan. Unter den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde von Tunis herrscht große Empörung über ein Urteil des arabischen Gerichtes, das auf.chrei Monate Gefängnis gegen den - jüdischen Bäckermeister: "L a l o-u m. A n k r i lautÄ. Ankri war beschuldigt worden, während" des antijüdischen Pogroms in Tunis einen Schuß gegen einen Araber abgegeben zu haben, durch den dieser das Augenlicht verloren haben soll. In Wirklichkeit.spielte sich der Voxsall so ab^'da^ 'Ankri, der,von mehreren Arabern angegriffen worden war, aus i seinem Revolver einen Schreckschuß in die Luft abgab, durch den niemand getroffen wurde. Schon bei den ersten Vernehmungen sagten Sachverständige und Zeugen aus, daß die Erblindung des betreffenden Arabers die Folge einer Augenkrankheit fei, unter der er litt.' Ankrt, der ,nach,/dem Vorfall, verhaftet worden war, wurde später als „unschuldig" auf freien Fuß gesetzt, dann aber wieder verhaftet. Die jüdische Presse Tunesiens greift scharf mehrere jüdische.Notabeln an, die um des Friedens willen und um einen Prozeß zu vermeiden, dem erblindeten Araber 2000 Francs Entschädigung zahlten, aber damit nur erreichten, daß die Araber diese Geste als Schuldbekenntnis.seitens der Juden auswerteten. (ITA.). - Familieniiachrichtev. Barm i.z w oh:. Ernst, Sohn, des Herrn Sally Feitler, Reuterweg 77., rr.irri nv, Synagoge Unterlindau. — Manfreds Sohn. des Herrn Jakob Blumensohn, Ostendstraße 49, 1. Stock, rra mna 'p N2v, Synagoge Fried berger Anlage. —- Alfred, Sohn des He"rn Leopold Gottlieb, Gaußstraße 18. U2 ", nsv'4.. Febr. 1933. G e st o r b e n : F au Je'tchen Goldschmidt geborene Strauß, Hochstadt, Kreis Hanau, (67 .Jahre).