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Der Israelit · 1933-01-26 · Heft 4 (26.1.1933) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 4 (26.1.1933)
Date
1933-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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26. Januar 1933 Der Israelit Nr. 4 Seite 7 großer Wichtigkeit wurden gefaßt, u. a. die Herausgabe einer pädagogischen Monatsschrift, mit Hilfe der baltischen Gesinnungsgenossen. Agudas Jisroel in Litauen. Telschi, 12. Jan. Im Anschluß an eine von der „Chaurew"-Schulorganisation in Wilna veranstaltete Gesellschaftsreise nach -Litauen, der von der litauischen Regierung ausnahmsweise die Passierung der polnisch-litauischen Grenze gestattet worden war, besuchten einige ihrer Teilnehmer nach Beendigung der Konferenz der gleichartigen „Jawneh"-Organisation in Kowno auch Telschi zwecks Förderung des Agudohgedankens auf dem steinigen Boden Litauens. Der Führer der Reisegesellschaft, Herr Rabbiner Schub, Generalsekretär desn'm^m -nn zu Wilna, rraf als erster in Telschi ein, um im Anschluß an die jüngst stattgehabte Konferenz aller ivte» noch wichtige Verhandlungen mit der Telscher Jeschiwah zu führen. Dann trafen am Dienstag, den 5. Tewes, gemeinsam die .Herren Rabbiner H i r s ch o w i tz, Roschjeschiwah in Baranowitschi, A. B. E ck e r m a n n, Vorsitzender des polnischen Kooperativbankenverbandes in Warschau und Redaktionsmitglied des „Jüdischen Tageblattes", Hillel Seidmann, bekannter, orthodoxer Journalist und Führer der orthodoxen Akademiker sowie Lehrer Gord i n aus Wilna ein. Zunächst wurden ihnen unter sachkundiger Führung die mustergültigen Telscher Erziehungsinstitutionen gezeigt, das unter Leitung von Dr. Holzberg stehende Mädchengymnasium, das Lehrerseminar, beide der „Jawneh"-Organisation angehörig, sowie die Vorschule der Jeschiwah., Sie mußten sowohl das jüdische wie das allgemein-weltliche Niveau dieser Institutionen als ein ihnen ungewohntes anerkennen und bewundern. Dann besuchten sie die Jeschiwah selbst, gerade während des eifrigsten Lernens, dessen durch nichts zu störende pulsierende Lebendigkeit auch auf diese dem Jeschiwohgeiste nahestehenden Menschen nicht den Eindruck zu machen verfehlte, das es auf alle macht, die irgendwie an der Lebensnahe der Jeschiwah zweifeln. Im Kolel gaben dann anschließend dessen Mitglieder den Gästen die nötigen Erklärungen zum Verständnis der geistigen Grundlagen und der Entwicklung der Jeschiwah. Herr Rabbiner H i r s ch o w i tz wurde als Enkel Rabbi Elieser Gordons, des Gründers der Jeschiwah wie als ehemaliger Schüler zudem mit der Abhaltung eines halachischen Kollegiums beehrt, welches eine Probe seines hohen Könnens lieferte. Die Herren Eckermann und Seidmann sprachen öffentlich in einer von Herrn Rabbiner M. Katz, dem Vertreter des Rabbinats, geleiteten, stark besuchten Versammlung über die Lage der Juden in Polen und die Pionierarbeit der Agudas Jisroel an ihnen auf allen Gebieten, wobei sie besonders den Gegensatz gegenüber Litauen wie seine Ursachen ohne Schmeichelei herauszuschälen suchten. Sie gaben der Hoffnung Ausdruck, daß nach einem Wort des Ponjewefcher an bald «in öffentliches Bekenntnis zum Aguüismus in Litauen nicht mehr notwendigerweise von Schamröte begleitet werden müsse. Der ihnen von Dr. Holzberg ausgesprochene Dank gab in nur geringem Maße dem begeisterten Widerhall, den die Redner gefunden, Ausdruck, mehr jedoch die zahlreichen Neueintragungen als Mitglieder der Agudas Jisroel. Im Anschluß an die Referate fanden dann noch organisatorischen Fragen gewidmete Besprechungen in intimerem Rahmen statt, die zu der Hoffnung berechtigen, daß die Agudas Jisroel in Litauen nun mehr Aktivität entfalten wird. Hoffentlich kann in nicht all-, zulanger Zeit auch über dieses Thema ein erfreulicher Bericht folgen. Rumänien. Schwerste Ausschreitungen antisemitischer Studenten in Czernowitz. Czernowitz, 20. Jan. Czernowitz (Cernauti), die Hauptstadt der neurumänischen Provinz Bukowina mit einer jüdischen Bevölkerung von mehr als 50.000 (bei einer Gesamtbevölkerung von 140 000) Seelen, war am Donnerstag, den 19. Januar, von morgens bis abends Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen Cuzastudenten, die die jüdische Bevölkerung terrorisieren wollten, und jüdischen Studenten, die sich den antisemitischen Angreifern entgegenstellten. Anlaß zu den Ausschreitungen der Cuzisten gab ein Prozeß gegen neun junge Juden, die sich angeblich kommunistischer Propaganda schuldig machten. Schon kurz nach Beginn des Prozesses versuchten nationalistische Studenten, Anhänger des Antisemitenführers Cuza, in Massen gewaltsam in den Gerichtssaal einzudringen. um das Gericht zu terrorisieren und gegen die angeklagten jungen Juden einzunehmen. Polizei, unterstützt von Gendarmerie, drängte die Studenten zurück. Als dann bekannt wurde, daß der Prozeß auf den 26. Januar vertagt wurde, formierten sich die antisemitischen Studenten zu einem Monstre-Zug, der durch das Zentrum der Stadt in die Richtung der Universität und des jüdischen Nationalhauses zog. Auf dem Wege wurden jüdische Passanten überfallen und niedergeschlagen. Es gab auf beiden Seiten eine Anzahl Verletzte. Das jüdische Mitglied des Stadtrates, Dr. Nosenzweig, der zwischen den Parteien zu vermitteln versuchte, wurde ebenfalls erheblich verletzt. Nach einer kurzen Ruhepause erneuerten sich die Zusammenstöße, als die antisemitischen Studenten vor den Redaktionen „Vorwärts" (sozialistisch) und „Czernowitzer Morgenblatt" (fortschrittlich) demonstrierten und wiederum jüdische Passanten niederschlugen. Auch hier leisteten jüdische Studenten und andere junge Juden energische Gegenwehr Es gab auf beiden Seiten Verletzte. Schwerverletzt wurden zwei Cuzastudenten und der jüdische Beamte Hasenfratz. Erst spät am Abend trat Ruhe ein. Tschechoslowakei. Agudas Jisroel im Rarpatho-Rußland. Chust, 20. Jan. Am Sonntag und Montag fand in Chust die erste Landeskonferenz der.Agudas Jisroel-Jugendgruppen in Karpartorußland statt, die, schon an sich von größter symptomatischer Bedeutung, einen herrlichen Verlaus nahm. N»ch Begrüßungsansprachen durch die Herren Jeschaja Weiß und Akiba ll n g a r. der zugleich die Leitsätze der Agudas Jisroel im Allgemeinen und der Jugendarbeit erläuterte, folgte eine große Reihe von Begrüßungsreden, die bewiesen, daß die Agudaideö auch hier schon tiefere Wurzeln gefaßt hat, als man es ahnen konnte. Nach Verlesung vieler Schreiben und Telegramme folgten die Referate. Herr Jacob Joel Braun, Bratislava, referierte über Ziele und Grundsätze der Aguda-Bewegung, Herr Dawiv L i s s a u e r setzte sich in seinem Referate mit den verschiedenen Gegnern der Agudas Jisroel auseinander. Nach dem Lernen des Daf Jomi wurden Referate über die einzelnen Gebiete der Agudatätigkeit und die Ausgaben, die speziell der Jugend zufallen, von den Herren Weiß, Reiner, Braun-Frankel, Segall, Liebermann, Rizm ü v e s, M. Groß u. a. gehalten. Heber den Inhalt der Referate, wie überhaupt über den Verlauf der bedeutsamen ersten Aguda-Versamm'ung in Karpartorußland soll noch in den „Blättern" ausführlich berichtet werden. Palästina. Die religiöse Jugend Palästinas für den Sabbat. P e t a ch - T i k w a h . 12. Jan. An einer Konferenz der religiösen Jugend, genannt „Hanoar Hadati" in P. T. beteiligten sich über 80 Delegierte aus verschiedenen Städten und verschiedenen Vereinen und Organisationen. Hauptreferate hielten Herr Elias Munk, Vorsitzender des Organisationskomitees, der Direktor der Schule „Dorefh Zion", Baruch Rabin o w i tz, I. B. Bernstein, Dow Katz und Jehuda S ch e ch t e r. Die Sitzung schloß mit einer längeren zündenden Rede des Rabbiners von Petach Tikwah. Die Organisation klappte in allen Teilen und wurde von allen Gästen die liebe Gastfreundschaft der Kolonisten von P. T. anerkannt und lobend hervorgehoben. Aus den Resolutionen seien folgende genannt: Alle orthodoxen Jugendorganisationen haben die heilige Pflicht, die Sabbatheiligung im öffentlichen Leben des Jifchuws zur Geltung zu bringen. Die Jugendorganisationen verpflichten sich, auf dem Wege von S.chiurim und Kursen, auch mittels einer guten jüdischen Presse ihr jüdisches Wissen zu vertiefen und ihren jüdischen Willen zu stärken Aufgabe der Jugend ist es, bei der vielfachen Arbeit für den Sabbat in den Kreisen der Gesetzestreuen eine Einheitslinie zu schaffen. Besonderes Augenmerk fei dabei auch auf die orientalischen Gemeinden zu lenken. Zuletzt spricht noch die Konferenz einen Protest gegen die Rellgionsversolgungen in Sojwet-Rußland aus. palästinensische Schulprobleme. T e l - A w i w, 10. Jan. Die Volksschulen Tel-Awiws werden in dem jüngst begonnenen Schuljahre von 5400 Schülern und Schülerinnen besucht. Diese Zahl umfaßt auch die misrachistischen Schulen, nämlich „Tachkemoni" (für Knaben), Talpioth (für Mädchen) und die Jemenitenschule. Etwa 60 Prozent der Kinder besuchen diejenigen Volksschulen, bei denen reine nationale, u n r e l i g i ö s e Einstellung der Lehrer und Zusammenziehung von Knaben und Mädchen charakteristisch sind, und 40 Proz. fallen auf die misrachistischen Schulen. Ferner besuchen 500 Jungen die Talmud Thora-Schulen. Diese Schulen werden bisher von der Stadt mit einer lächerlich geringen Subvention abgefunden, und das klebrige muß die private Hilfe orthodoxer Kreise bringen. Natürlich wird auf solche Weise die Leistungsfähigkeit stark gehemmt. Die Gerechtigkeit hätte der Stadt die Pflicht auferlegen sollen, diesen Schulen gleichfalls ihren Beitrag sowie den der Regierung für die Volksschulen (ca. 4 und 1 Lst. — ca. 5 Lst. pro Kind) zu gewähren. Eine ausreichende Subventionierung der Talmud- Thora-Schulen würde auch die Frequenz dieser Schulen vermehren, da sie ihnen bessere Lehrkräfte und Vermehrung der Clementarsächer gestatten würde. Doch das paßt der rein nationalen Mehrheit des Stadtrates nicht. Merkwürdigerweise zeigt sich auch Frau Dr. Persitz als Gegnerin eines orthodoxen Schulwerks. Frau P., die im Stadtrat dem Schulressort vorsteht, beobachtet streng Sabbat und Kaschruth. Sie sieht aber in den rein nationalen Schulen keine Schädigung, und nach ihr dürften die Kinder der religiösen Kreise scheinbar ruhig diese Schulen besuchen. Reben den Volksschulen bestehen auch höhere Schulen. Das Netz der höheren Schulen — sie sind sämtlich Privatunternehmungen — hat sich in den letzten Jahren sehr vermehrt. Früher gab es lange Jahre nur das Herzl- Gymnasium; heute aber zählt man mindestens neun höhere Schulen mit mindestens 1500 Schüler und Schülerinnen. Von dieser Zahl kommen nicht mehr als 10 Proz. auf die Tachkemoni-Realschule und das noch junge, in eigenem modernem Vau wirkende Talpioth-Gymna-. fium für Mädchen, beide ein Oberbau der gleichnamigen Volksschulen. Ohne Zweifel würde ein Gymnasium orthodoxer Tendenz für Knaben in einem eigenem, modernen Bau und mit guten Lehrkräften Hunderte Schüler finden. Leider begnügten sich die religiösen Kreise bisher mit der in gemieteten alten Häusern herumwandernden und vom Direktor ihrer Volksschule geleiteten Tachkemoni-Realschule. Ungünstige Wohnverhältnisse und häufige Lehrerkrisen, beide ein Produkt der schlechten Finanzlage, haben die Schule so heruntergebracht, daß sie jetzt mit 60 Schülern nur etwa die Hälfte ihrer vorigen Frequenz zählt. Selbst diese 60 Schüler verdankt sie nur dem Zwang der Eltern, die ihre Kinder nicht einer religiös destruktiven Schule übergeben wollen, nicht aber dem Willen der Schüler selbst. Von den 40 letzten Absolventen der Tachkemoni- Volksschule sind mindestens 10 ins Herzl- oder ins Balfour-Gymnasium oder in ähnliche Schulen übergetreten. Man vergegenwärtige sich den Unterschied hinsichtlich Milieu (z. V. mit und ohne Kopfbedeckung) und Lehrer (religiöse und antireligiöse). Auch diese Tatsache muß die Notwendigkeit einer höheren Schule der Orthodoxie von im panieren der Aufmachung jedem, der es ernst mit der Zukunft des orthodoxen Judentums meint, vor die Augen führen. Eine schwierige Frage der orthodoxen Schulen sind die Lehrer an ihnen. Es gibt nur ganz wenige Lehrer, die als bewußt orthodoxe Juden zu den Problemen der Zeit Stellung nehmen könne n. Ein Beispiel: Der neue Jischuw hat jüngst Spinoza gefeiert. Die Tageszeitungen brachten zum Sabbat Festnummern mit zahlreichen Spinoza verherrlichenden Aufsätzen. Dabei war Spinoza, weil er eben ein Genie war, einer der gefährlichsten Apikorsim, die je das jüdische Volk hervorgebracht hat.' Es genügte schon sein Pantheismus, daß Juden ihn nie hätten feiern dürfen. Auch Kronzeuge für die Bibelkritik ist er geworden. Läßt er doch Esra die Thora verfassen, — 1000 Jahre nach ihrer Offenbarung! Die intelligente Jugend.der Orthodoxie liest die verherrlichenden Artikel der Tageszeitungen, — und keiner ihrer Lehrer klärt sie a u f, — und so saugt sie das Gift ein. Denn diese

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