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Der Israelit · 1933-01-26 · Heft 4 (26.1.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 4 (26.1.1933)
Date
1933-01-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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26. ..Januar-1933 ""f — . ’ mehr,' wie - sie die unruhigen Geister 'bis zur Heirat beschäftigen sollen. Das Tragische daran ist nur, daß sie ihren Töchtern durch die höhere Schule den Weg Jum Heiraten im Sinne und im kreise ihrer Familie,' ja überhaupt den Weg zum Verständnis mnö zur Weiterfü^rung dessen, was sie Hochhalten/selber versperren. ,-Das europäische Lildungsgut ist christlich und weltlich bestimmt. Die Jugend, die es. sich aneignet» yorliert notwendig den. seelischem Kontaft ml den Eltern, die nicht wie wir durch einen S.' R. pirsch zur Synthese erzogen wurden, und damit-den Anschlüßen eine Gesellschaft, die glut- und lebensvoller und gemeinschaftsbewußter - als wir, ihnen einen starken Rückhalt gewähren und eine tiefere Verwurzelung rm natürlichen Erdreich jüdischer Seele ermöglichen könnte/ '■ Wir wünschten Orlean von Herzen, daß'er mit seiner warnenden Stimme bei der dortigen Elternschaft Gehör' finde! Wir wünschten der wissensdurstigen polnischem/Iugend, einmal eine der vielen europäischen Reuerscheinungen zur Kulturkrise zu Gesicht - zu bekommen. Sie würden staunen, wie der gebildete Westen heute über die verkopsung der Männer und die-verschulung der Frauen spricht, und daß mehr und mehr-! die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß nur der Rationalismus der letzten Generation an dem heutigen kullurellen Lhaos Schuld fei. Und den Litern möchten wir wünschen, daß sie aus den- Crziehungsfehleriff die wir in Deutschland gemacht haben, ler- . neu. Sie sollen die Weltbildung nicht überschätzen. Sie sollen sie aber auch nicht unterschätzen. Die Warnung vor dem Gymnasium genügt nicht. Sie müssen wohl oder übel daran gehen, allgemein bildende und -praktisch fördernde Anstalten zu errichten, welche die Mädchen nach ihrem Abgang von den Beth Zaakow- Schulen beschäftigen. Wie aber steht es bei uns?. Die Beth Iaakow- Schulen heben immer wieder und sehnsüchtig die Lrsolge hervor, die. der Westen mit seinen nach S. R. hirsch's Vorgang errichteten Schulen errungen hat. Wie steht es nun tatsächlich em unsere Jugend und um unsere Erziehung? (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen « nne&ricwen. Deutsches Reich. Landwirtschaftliche Ausbildung für agudistifche Aulim. Berlin, 25. Jan. Das agudistifche Lehrgut bei Mlawa (Polen), das -nur ll/2 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt liegt, bietet fünfzehn deutschen und fünfzehn polirischen Agudisten die denkbar b e st e und dabei b i l - ligste Ausbildungsmöglichkeit für Erez I i s r o e l. Bis zum 15. Februar können fünf, bis zum 15. März weitere zehn deutsche Agudisten dorthin fahren, die vom Erez Jisroel-Amt der Jugendorganisation (Heinz Weichselbaum, Berlin NW. 6, Albrechtstraße 14) auf Vorschlag der zuständigen Gruppe ausgewählt werden. '' Rheinisch-westfälische Rabbinerkonferenz. ■ Duisburg, 22. Jan. Heute fand hier eine Bezirkstagung der Traditionell - gesetzestreuen Rabbinervereinigung statt, der eine besondere Bedeutung dadurch innewohnte, daß hierbei, wohl zum ersten Male, eine gemeinsame Beratung deutscher orthodoxer Rabbiner mit h^n >in verschiedenen ostjüdischen Kibbuzim fungierenden Räbbonim und Dajonim stattfand. Gegenstand der Konferenz waren hauptsächlich Jugenderziehungsprobleme, die gerade innerhalb der ostjüdischen Jugend des Industriegebietes heute von größter Aktualität sind. Großrabbiner Markus F r i e d m a n n aus Sadagora, der zur Zeit im Rheinland weilt, begrüßte die Versammlung namens des Geschäftsausschusses der „Agudas Jisroel" und beteiligte sich lebhaft an den Beratungen. - Der Israelit Weiterer Ausbau der jüdischen Darlehnskassen. 1' \ Berlin, 20. Jan. ' Vom Ausbau der ^jüdischen. Darlehnskassen und dev Gründung von Bezirksda r l e hnskafsen in den letzten Wochen/zeugen folgende Angaben!' ' Bran d e n b u r g : Der Prövinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege und der Verband der Synagögengemeinden im Bezirk Brandenburg hielten eine gemeinsame Tagung ab, die sich U. a. mit der Gründung einer Bezirks-Darlehnskasse beschäftigte. Nach ausführlicher Diskussion, in der sich besonders die Vertreter der Gemeinde' Spandau für. diesen Plan einsetzten, wurde die Gründung einer Darlehnskasse auf ein^r Basis von Mk. 6000 beschlossen. Sowohl die Gemeinden. Spandau als auch Frankfurt a. O. haben bereits größere Beträge für diesen Zweck zur Verfügung gestellt, so daß in aller Kürze mit der Eröffnung der Bezirks-Darlehnskasse zu rechnen ist. O b e r s ch l e s i e n: Die Tagung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege unter dem Vorsitz von Justizrat Kochmann begrüßte den Plan der Errichtung einer Bezirks-Darlehnskasse und beschloß, evtl, durch den Ausbau der in 'Beuchen bestehenden Darlehnskasse diesen Plan in Kürze zu verwirklichen. wurde eine Kommission ernannt,,die bis Mitte Februar die notwendigen Vorarbeiten soweit geleistet haben wird, daß die baldige - Eröffnung der Bezirks-Darlehnskasse' zu erwarten ist.' ■; Südbayern: Die in Nürnberg stattgefundene Versammlung der größeren bayerischen Gemeinden unter dem Vorsitz von Justizrat Dr. Straus befaßte sich eingehend mit dem Plan der Gründung bayerischer Bezirks-Darlehnskassen, die. für Nordbayern bereits vor einigen Monaten beschlossen worden sind. Es wurde eine Resolution angenommen, die durch die Bezirksausschüsse des Landes und Spezialausschüsse der größeren Gemeinden bis Mitte Februar die Beteiligungsmöglichkeiten der Gemeinden feststellen lassen will. Es wurde ferner zum Ausdruck gebracht, daß vorerst für die zu gründenden Kassen die Vereinsform gewählt werden soll, die aber später in die der Genossenschaft umgewandelt werden kann. O st p r e u ß e n : Der Synagogengemeinde-Lerband Ostpreußen sbeschloß in einer Tagung den Ausbau der Könrgsberger Darlehnskasse zur Vezirksdarlehnskasse. Zu diesem Zweck soll die finanzielle Grundlage der Kasse auf Mk. 60.000 erhöht werden. Die Vorbereitungen für die Aufbringung des dazu notwendigen Kapitals sollen bis Ende . Februar abgeschlossen werden. Württemberg: Der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinden Württembergs hat beschlossen, die Errichtung von Darlehnskassen, nicht nur für die Stadt Stuttgart, sondern auch für die Landgemeinden zu fördern und will zu diesein Zweck einen Kreis von Persönlichkeiten zusammenschließen, der sich mit den einschlägigen Fragen bereits befaßt hat, und von dein erwartet wird, daß ihm in absehbarer Zeit die Gründung der ersten württembergischen Darlehnskassen gelingen wird. An allen Sitzungen-der genannten Verbände haben Vertreter der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen teilgenommen. Weitere Gründungen von Bezirksbezw. Darlehnskassen sind in Aussicht genommen im Rheinland, in Westfalen, Schleswig-Holstein, Bremen, M a n n h e i m,' H a l l e usw. Im übrigen haben nunmehr die ersten 'Kreditvermittlungen in größerem Umfange begonnen. Die Zentralstelle für jüdische Darlehnskaten hat den Darlehnskassen in Hamburg, Leipzig, Chemnitz, Aschaffenburg u. a. m. bereits größere Kredite vermittelt und steht mit einer größeren Anzahl weiterer Kassen vor dem Abschluß ihrer Kreditverhandlungen. Ausgestaltung des Jüdischen Lehrerseminars in Uöln zu einer Relrgisnslchrer-Akademie. K ö l n , 25. Jan. Das Kuratorium des Jüdischen Lehrerseminars in Köln teilt mit: Unabhängig von der künftigen endgültigen Gestaltung der Volksschullehrer-Ausbildung in Preußen, hat das Kuratorium des Jüdischen 'Lehrerseminars in Köln sich entschlossen, einem in weiten Kreisen der perußischen Judenyeit seit langem gehegten Wunsche zu entsprechensidesseii Durchführung auch schon dem Heimgegangenen Studiendirektor- Dr. Emanuel EarlÄbach s. A. vorschwebte, nämlich in Zukunft'die in Köln vorhandenen Einrichtungen Nr. 4 Seite 5 und Erfahrungen in den Dienst der sachgemäßen Heranbildung von Religionslehrern, Kantoren und sonstigen Kultusbeamten nach modernen Grundsätzen zu stellen. ' Einzelheiten über die Dauer des Bildungsganges, über die an die aufzunehmenden Kandidaten zu stellenden Anforderungen hinsichtlich ihrer jüdischen und profanen Vorbildung, sowie über den der Ausbildung zu Grunde zu legenden Lehrplan werden demnächst bekannt gegeben. Bereits heute ist aper darauf hinzuweisen, daß zum 1. April 1933 nur eine ganz beschränkte Anzahl von Bewerbern Aufnahme finden kann. Freistaat Danzig. 400 Handwerkerfamilien in Danzig in ihrer Existenz bedroht. ° Danzig, 15. Jan. Mehr als 400 im Territorium des Freistaates Danzig! ansässige Handwerker-Familien aus Pol n! mit über 2000 Seelen, in der Mehrzahl Juden, 'sind dadurch in eine verzweifelte Lage geraten, daß das Danziger Polizeipräsidium eine Bestimmung getroffen hat, daß nur solche Handwerker ein Recht haben, ihr Gewerbe aüszuüben, die bis zum Jahre 1926 ihre Handwerkerjllltente bekommcu haben Das Polizeipräsidium beruft sich darauf, daß 1956 das Patentgesetz in Polen in Geltung gekommerr ist, p.M zieht, nichtin Betracht, daß die betroffenen Handr.erker erst nach dem Jahre 1926 sich in Danzig angesiedM haben. Auf eine Eingabe der in ihrer Existenz bedrohten 400 Handwerker befaßt sich das Danziger Berwaltmmsgericht gegenwärtig mit dem Fall. (ITA.). Oesterreich. Frauen Wahlrecht in der wiener Rultusgememde. Wien, 23. Jan. Wie zu erwarten war, hat die aus einem wilden Wahlkampf heroorgegangene zionistische Mehrheit im Vorstand der Kultusgemeinde sich gleich an die Arbeit gemacht, mit einer W a h l r e ch t r e f o r m, die — entgegen dem einmütigen Votum aller rabbinischen Autoritäten der Welt — das passive Wahlrecht der Frauen im Kultusvorstande vorsieht. Schlecht paßte zu diesem unerhörten Attentat auf die religiösen Gefühle der Gemeindemitglieder die Eröffnungsrede des neuen Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. F r i e d m ä n n , die mit einer Verbeugung vor den religiösen Postulaten der Gemeinde begann und mit dem Versprechen, „die religiösen Wünsche aller Schichten der jüdischen Bevölkerung zu berücksichtigen," schloß. lieber die Einzelheiten des verhängnisvollen Beschlusses ist folgendes zu berichten. Die Wahlrechtreform stand als Dringlichkeitsantrag auf der Tagesordnung. Er wurde von Herrn Dr. Ehrlich und M. Singer begründet und befürwortet. M i s r a ch i ließ durch Dr. Rosenberg erklären, daß er aus religiösen Gründen das passive Wahlrecht der Frauen ablehnen müsse, zur Frage ihres aktiven Wahlrechtes aber keine Stellung nehme. Für die „Union" bekämpfte Dr. Josts T i ch o den ganzen Antrag, mährend Dr. Löwy für die mit der „Union" verbundenen „Werktätigen" sich für die Wahlrechtreform, aber gegen Frauenwählbarkeit aupsprach. Dr. P l a s ch k e s führte Aeußerungen des verstorbenen Oberrabbiner Dr.. C h a j e s zu Gunsten des Frauenwahlrechtes an. Die Abstimmung ergab die A n - nähme des gesamten Antrages, einschließlich des passiven F r a u e n w a h l r e ch t e s , mit den Stimmen der zionistischen Mehrheitsparteien. Die misrachistischen Vorsteher enthielten sich der Abstimmung. Wir kommen auf diese erste Heldentat der zionistischen Mehrheit im Vorstande der zweitgrößten Gemeinde Europas noch einmal zurück. Holland. Brief aus Holland. A m st e rd a m , 18. Jan. Mit großem Interesse las ich in der Festschrift für Jacob Rosenheim den Artikel von Herrn Rabb. Dr. Esra Munk, Berlin betreffend die Verhältnisse in den jüdischen Gemeinden Preußens. Hier bei uns in Holland ist die Trennung zwischen Staat und Kirche so ungefähr 100 Jahre durchgeführt, die verschiedenen Religwnsgesellschasten genießen die Subsidien, welche sie s. I. vom Staate erhielten, in unveränderter Form auch jetzt noch,

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