Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1933-01-12 · Heft 2 (12.1.1933) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 2 (12.1.1933)
Date
1933-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450756-2450758--79320-2537064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 2 Seite 5 12. Januar 193.3 - ’A-V «ottespsaSenre« « ßacbricbuu. Deutsches Reich. Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Frankfurt a. M., 10. Jan. In der Erkenntnis, daß das Winterhalbjahr zur Veranstaltung von Bezirkstagungen nicht so günstig ist wie der Sommer, hat die Freie Vereinigung direkt nach dem Sukkothfeste ineinzelne kleine Gemeinden, vor allem Mittel- und Unterfrankens, Wanderredner entsandt. Vor allem hat Herr Rabbiner Mayer Vortrags¬ und Aussprache-Abende in Thüngen, Dettelbach, Mainstockheim, K l e i n l a n g h e i m, Sugenheim, Sch ein seid, Burghaslach, Marktbreit, Giebelstadt, Uffenheim, Bechhofen und A l t e n m ü h r veranstaltet. Die zuständigen Distriktsrabbinate haben in dankenswerter Weise zu dem erfolgreichen Verlauf dieser Veranstaltungen beigetragen. Der starke Besuch bewies das große Bedürfnis nach einer -religiös-weltanschaulichen Anregung, die wie die Nachrichten aus den einzelnen Gemeinden bekunden, meistenteils auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Herr Rabbiner Mayer verstand es durch Deutung von Bibel, Talmud und Midrasch, modernes Zeitgeschehen zu beleuchten und in das Bewußtsein der Hörer die Wahrheit einzupslanzen, daß nur durch Erstarkung jüdischen Lebens und Denkens in Gemeinde und Familie der jüdische Beitrag zur Wiederbefriedung der verworrenen Verhältnisse der Gegenwart gebracht werden kann. Viele öffentliche und private Aussprachen, erfreulicher Weise manchmal sogar sofortige Berichtigungen bestehender Jrrtümer auf dem Gebiete der religiösen Praxis, die meist aus Nachlässigkeit oder Unkenntnis sich eingeschlichen haben, bekundeten die Notwendigkeit derartiger Veranstaltungen in den Landgemeinden. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Chanukah- Vorträge, die Herr Rabb. Mayer an den Chanukah- Abenden in den Gemeinden Karlstadt, Lautenbach, Wiesenfeld, Urspringen und Homburg a. M. hielt. In einigen dieser Gemeinden sind heute noch Schiurim anzutreffen, die vor 20 und 25 Jahren auf Anregung der Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege der Freien Vereinigung eingerichtet wurden. Wer immer Gelegenheit hat, das außerordentlich große Interesse kennen zu lernen, welches gutjüdische Anregungen in den Landgemeinden Hervorrufen, wird diesen Teil der Tätigkeit der Freien Vereinigung, welcher unter Umständen mehr bedeutet als laute Propaganda und großstädtische Tagungen, aufs lebhafteste begrüßen und gerne bereit sein, dieses Tätigkeitsgebiet mit allen Kräften zu fördern. Gemeinden und Persönlichkeiten, die für diese Arbeit Interesse haben, werden gebeten, sich an das Büro der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 10 zu werden. Tagung des Zentralkomitees des Schomre Schabbosweltverbandes. B e r l i n , 10. Jan. Am Sonntag trat das C.-C. des Weltverbandes Schomre Schabbos zu einer Tagung zusammen, die von Delegierten aus Berlin, dem Reichs und auch aus dem Auslande gut besucht war. Der Präsident, Dr. G r ü n b e r g, berichtete über die Tätigkeit des Weltverbandes seitdem Kongreß und stellte fest, daß der Verband sich als Fundament des Sabbatschutzes in der Welt immer mehr durchsetze, lieber die allgemeinen Richtlinien der Verbands arbei-1 berichtete der Vizepräsident, Dr. R a chmilewitz. Nach dem Finanzbericht des Herrn Alfred Marcus referiert der Präsident über feine Arbeit in Palästina. Die Palästinaregierung lasse es an Verständnis für den Sabbatschutz fehlen, was die Verzögerung der Bestätigung für die Sabbatoerordnung in Tel- Awiw und Haifa zur Folge hat. Bei gutem Willen und besserer Organisation liehe es sich gut machen, daß die jüdischen Beamten am Sabbat frei erhalten. Von einer . .,D er I s r a e l i t Frankfurt a. M. Im Alter von 72 Jahren starb Edüärd Oppenheim, Direktor der Dresdner Bank und Leiter der Deutschen Vereinsbank. Er gehörte viele Jahre dem Vorstände der Israelitischen Gemeinde an und machte sich besonders auf dem Gebiete der .Finanzverwaltung sehr verdient. — Jakob Nuß bäum, der bekannte Frankfurter' Kunstmaler, wird aus Anlaß seines 60. Geburtstages in der Tages- und Fachpresse als einer der größten Künstler unserer Zeit gefeiert. Berlin. In einem Aufruf des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde an die Mitglieder werden diese dringend gebeten, ihre Steuerrückstände zu entrichten, da sonst angesichts der Krisis die Gemeindeverwaltung keine Möglichkeit sieht, den Etat durchzuführen und ihren Verpflichtungen nachzukommen. — In den Tagen des bürgerlichen Festes fand in Freienwalde ein Jugendtreffen des „Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" statt, das einen guten Verlauf nahm. — Die kaufmännischen Angestellten Herbert Sommerfeld!- Berlin-Schöneberg und Siegmund Urbach, Berlin O. 27, beide Juden, retteten am 18. Juni in der Nähe der Sieversbrücke in Lankwitz eine Ertrinkende aus dem Teltowkanal. Der Polizeipräsident bringt „diese von Mut und Entschlossenheit zeugende Tat" mit dem Ausdruck seiner Anerkennung zur öffentlichen Kenntnis. Hamburg. Der Zustand Esriel C a r l e b a ch s . auf den ein Revolverattcntat verübt wurde (siehe Wochenrundschau), hat sich so weit gebessert, daß direkte Lebensgefahr beseitigt ist/ Die Polizei setzt die Nachforschungen mit großem Eifer fort, ohne bisher ein greifbares Resultat zu erzielen. Fulda. Im nahen H e r s f e l d wurden vier jüdische Reisende aus Frankfurt von einr S. A.-Gruppe überfallen und mit Schlagringen und Messern übel zugerichtet. Danzig. Rabbi Schneersohn, der Familie des Lubawitscher Reüben gehörend, wurde auf der Straße von Hitlerleuen überfallen und so schwer mißhandelt, daß er bewußtlos zusammenbrach. Die Polizei hat bis jetzt keine Schritte zur Ahndung des Ueberfalles unternommen. Dien. Zur Verhütung von Universitütsunruhen wird die Errichtung einer Akademischen Legi o n geplant. Von jüdischer Seite wird gefordert, daß auch jüdische Studenten in diese Legion eintreten und ausgenommen werden. — Rabbi Schlomo Baum garten, Sohn des vielverehrten Dajan Rabbi Josef Baumgarten, wurde vom Vorstand der Adaß Jisroel im Einvernehmen mit dem Rabbinat zum Dajan ernannt. Warschau. In Kielce wurde eine regelrechte Pogromorganisation, die einen Ueberfall auf die Juden in allen Teilen vorbereitet hatte, entdeckt und aufgelöst. — Am 31. Dezember 1932, dem letzten Termin für Anschaffung von „Gewerbepatenten" für das Jahr 1932, hotten erst 50 Proz. der jüdischen Kaufleute und Handwerker Polens die Gebühren für die Patente erlegt. Von den übrigen 50 Proz. wird angenommen. daß sie die Gebühren für die Patente nicht aufbringen konnten und deshalb auf die Ausübung des Gewerbes verzichten müssen. Lemberg. Der Rektor der Lemberger Universität hat den Verein der jüdischen Philosophie-Studenten wegen seiner Resolution gegen die antijüdischen Ausschreitungen in Lemberg für a u f g e l ö st erklärt. Der Rektor hat dem Verein mitgeteilt, daß er die ihm übermittelte Resolution wegen ihres „frechen Inhalts" dem Senat nicht vorlegen werde. In jüdischen Studentenkreisen wird versichert, daß die Resolution in würdiger Form abgefaßt worden ist. Bukarest. Infolge der schwierigen Finanzlage kam es in der Gemeindeverwaltung zu einer Krise, die durch den Austritt von Dr. Filderman n und einiger seiner Mitarbeiter aus dem Vorstand noch verschärft wurde. Saloniki. 249 jüdische Familien erhielten auf Grund eines Uebereinkommens zwischen der spanischen und griechischen Regierung die spanische Staatsbürgerschaft. Ihr Bürgerrecht war bisher infolge des Uebergangs der Stadt Saloniki an Griechenland strittig. Ihrer viele begeben sich nach Palästina. Jerusalem. In Verbindung mit dem Doppelmord in N a h a - l a I, dem der Kolonist Josef Jacobi und dessen neunjähriger Sohn; zum Opfer gefallen - sind, wurden in Haifa 20 Araber verhaftet, nachdem man bei einigen von ihnen Metallteile von der beim Attentat verwendeten Bombe gesunden hatte. gemeinsamen Jnterdvention mit Agudas Jisroel und der Zionistischen Organisation in London verspricht sich Dr. Grünberg greifbare Erfolge. Jsaac N u ß b a u m (Berlin-Halberstadt) referiert über die S i e d l u n g als wirtschaftliche Erleichterung der Sabbatheiligung. Er schildert im einzelnen die Arbeitsformen der jüdischen Siedlung in Groß-Gagl 0 w UNd würdigt die Verdienste des Führers der jüdischen Landarbeit G. m. b. H. Prof. Frankfurt, bedauert aber das Fehlen religiöser Antriebe in dieser Siedlung. Alfred Marcus ergänzt das Referat durch Daten aus der Entstehungsgeschichte des R e i ch s b u n - des für jüdische Siedlung in Deutschland. Das Zentralkomitee faßte alsdann einmütig folgende Beschlüsse: 1. Das Zentralkomitee begrüßt die Haltung des Präsidiums in der Frage der fünftägigen Arbeitswoche und beauftragt das Präsidium, seine Bemühungen dahin fortzusetzen, daß die internationalen Bestrebungen zur Kürzung der Arbeitszeit im Interesse der Erleichterung und Besserung der Sabbatbeobachtung fruchtbar gemacht werden. 2. Das Zentralkomitee begrüßt die Bestrebungen zur Siedlung sabbattreuer Juden auf dem Lande und beauftragt das Präsidium, die nötigen Vorarbeiten alsbald in Angriff zu nehmen unter Ausniltzung der von den Organisationen für jüdische Siedlung gemachten Erfahrungen. 3. Es soll ein Gesamtverzeichnis der am Sabbat geschlossenen Gewerbebetriebe aufgestellt und in geeigneter Form verbreitet werdsa. 4. Das Zentralkomitee begrüßt die vom Präsidium geplante Herausgabe eines ständigen Verbandsorgans und fordert alle Freunde des Weltverbandes und der Sabbatschutzbewegung zu tatkräftiger Unterstützung dieses Unternehmens auf. Prof. Dr. Moritz Sobernheim gestorben. Berlin, 5. Jan. Professor Dr. Moritz Sobernheim, der bekannte Orientalist, Erster Legationsrat im deutschen Auswärtigen Amt, ist am Donnerstag, den 5. Januar verstorben. Prof. Sobernheim wurde am 13. August 1872 m Verkitt geboren und war über Deutschland hinaus als Orientalist bekannt. Er war Schriftführer der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft. Vor allem wandte er sich der semitischen Epigraphik zu, bereiste u. a. als Mitglied der Baalbek-Expedition der preußischen Negierung und im Aufträge des Institut F r a n c a i s d'Archeologie Orientale mehrfach Syrien und Palästina und veröffentlichte im Anschluß daran seine als grundlegend bekannten Arbeiten über die Tripolitaner, Baalbeker, palmyrenifchen und famaritanifchen Inschriften, sowie die Inschriften in Damaskus (Syrien). Außerdem veröffentlichte er die Chronik der „Jbn Jyas" in Gemeinschaft mit Prof. Kahle. Seit dem Jahre 1918 wirkte Prof. Sobernheim im Auswärtigen Amt. Prof. Dr. Moritz Sobernheim stmrd auch mitten im jüdischen Leben Deutschlands. Er war feit 1924 Präsident des Deutsch-Israelitischen G e in eindebundes, der 1872 konstituiert wurde, .Präsident der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Vorstandsmitglied des Kolonisationsvereins „ E s r a " und Präfidiuinsmitglied des Deutschen Komitees Pro Palästina. Er.war auch Mitbegründer und Vor-, sitzender der Religiösen M i t t e l p a r t e i für Frieden und Einheit in der Gemeinde. Prof. Sobernheims Sachkenntnis und Tatkraft werden in all diesen Institutionen stark vermißt werden. Prof. C. 5). Becker, Staatsminister a. D., der hervorragende Orientalist und demokratische Politiker, widmet dem verstorbenen Professor Moritz Sobernh e i m einen längeren Aufsatz in der „Vossischen Zeitung", in dem er u. a. ausführt: Mit Moritz Sobernheim ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der, ohne ein offizielles Lehramt innezuhaben, im gelehrten Leben Berlins eine soziale Funktion erfüllte. Von ihr, nicht von seinem reichen und schönen Privatleben, soll hier die Rede sein. Sein Haus bildete gemeinsam mit dem seiner ihm eng verbundenen Schwester Frau Dr. Georg Hahn seit Jahrzehnten den gesellschaftlichen Mtitelpunkt der Berliner Orientalisten. Was Institutionen meist nur unvollkommen erreichen, war hier dank lebendiger Initiative, Güte und Opfersinn privater Personen Wirklichkeit geworden. Als mit der. Balfour-Deklaration das Judenproblem zu einer offiziellen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.