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Der Israelit · 1933-01-05 · Heft 1 (5.1.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 1 (5.1.1933)
Date
1933-01-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1 Seite 5 5. Januar .1933 D e r I s r a e l i t Führung der 40-Stundenwoche zwar nicht zw einer obli- -gatorischen Festlegung der Arbeitszeit auf 5 Wochentage führen werde, daß aber diese Verkürzung auf 5 Wochentage doch aller Wahrscheinlichkeit nach die vornehmste Form der Arbeitszeitverkürzung "sein werdet — Die jüdische Sabbath-Alliance in Amerika hat jüngst eine Anzahl christlicher Geistlicher des Staates Newyork zu einer .Konferenz eingelaüen, in der die anwesenden Geistlichen mallstes Verständnis für die schwierige Situation der Schomre Schabbos bekundeten und sich bereit erklärten, durch ein Komitee von Geistlichen die Befreiung der sabbatfeiernden Geschäftsleute von der Sonntagsruhe bei den gesetzgebenden Körperschaften zu befürworten. — In Amsterdam wurde ein Mittelstandskongreß abgehalten, bei dem der Präsident der holländischen Organisation Schmiras Schabbos, E. Ascher, einen Vortrag über die ö-Tagewoche hielt und der Abgeordnete Vos über seine erfolgreichen parlamentarischen Arbeiten zwecks Erwirkung von Ausnahmebestimmungen zu Gunsten der sabbatfeiernden Geschäfte auf dem Gebiete der Sonntagsruhe "sprach. — In der rumänischen Kammer verteidigte der Unterrichtsminister gegen antisemitische Angriffe seine Verfügung, wonach an Sabbaten und Festtagen in den Staatsschulen die jüdischen Kinder nicht zum Schreiben und Zeichnen angehalten werden dürfen. — In Jugoslawen ist verfügt worden, daß in den Mittelschulen jüdische Schüler auf Antrag ihrer Eltern am Sabbat von 10—12 Uhr vormittags von dem Unterrichte wegen Teilnahme am G'ttesdienst dispensiert werden können. — Die preußische Schuldispensverordnung für Jugendliche ist auf das Memelland ausgedehnt worden. — In Norwegen hat Rabbiner Dr. Samuel die Berücksichtigung der Examenkandidaten, die den Sabbat nicht entweihen wollen, durchgesetzt. — Aus eine Intervention des Verbandes hat das Reichsbahnverkehrsamt der Eisenbahndirektion Breslau mitgeteilt, daß die Reichsbahndirektion bereit sei, bei Erstattung von Wagenstandgeld entgegenzukom- .men, wenn es sich um Beträge handelt, die infolge strenger Befolgung der Sabbatruhe entstanden sind. Voraussetzung sei dabei, daß der betreffende Betrieb aus religiösen Gründen keinerlei Arbeit an den Sabbaten verreichten muß. Tagung des Orthodoxen Nabbinerverbandes. Frankfurt a. M., 4. Jan. Die Tagung des Orthodoxen Rabbineroerbandes fand vom 1. bis zum 3. Januar unter guter Beteiligung statt. Die Verhandlungen waren intern; die Hauptprobleme der -Orthodoxie Deutschlands wurden eingehend behandelt. Ein offizieller Bericht über die spruchreifen Dinge wird demnächst ausgegeben. Zur Führung der Geschäfte des Verbandes wurde vom neugewählten Vorstand ein dreigliedriges .2 irektorium gebildet, das aus den Herren Rabb. Jos. H o r o w i tz, Frankfurt, der zugleich Vorsitzender des Verbandes, Rabb. Dr. Klein, Nürnberg, zugleich 2. Vorsitzender, Rabb. Dr. M e r z b a ch, Darmstadt, zugleich Schriftführer des Verbandes, besteht. „Das Berliner Tageblatt als Zentralorgan der Orthodoxie". Berlin, 30/ Dez. Zu der von. uns in Nr. 52 veröffentlichten Wochenrundschau unter dem Titel: „Das Berliner Tageblatt als Zentralorgan der Orthodoxie" wird uns von gut unterrichteter Seite berichtigend mitgeteilt, daß die Zeitung „Der Deutsche" kein nationalsozialistisches Organ sei, sondern das von Stegerwalü herausgegebene Organ der .christlichen Gewerkschaften. Um so verwunderlicher ist die von uns gekennzeichnete Abstempelung eines bekannten Linksülattes als Zentralorgan der Orthodoxie. Herr S. 'Rast, von dem in dem Artikel die Rede war, ist seiner .Konfession nach Jude und steht dem Naumann'schen Verbände nah. Er ist nicht der Schriftleiter, sondern gelegentlicher Mitarbeiter der Berliner Börsenzeitung. Eine Erklärung der Deutschen Liga für Menschenrechte. Berlin, 2. Fan. Die Deutsche Liga für Menschenrechte veröffentlicht die folgende Erklärung: „Das beschämende Urteil von Rektor und Senat der Universität Breslau, 'die in ihrem pflichtgemäßen Eintreten für einen verunglimpften Kollegen unter fadenscheinigem Vorwand die Waffen strecken und mit der Straße paktieren, weckt in immer wachsendem Maße die Abwehr der akademischen Kreise. Die Deutsche Liga für Menschenrechte lenkt die Die Woche. Berlin. Wie der C.-V. mitteilt, wurden in Königsberg i. P. und in Mosbach r. B. Nationalsozialisten, die jüdische Passanten überfielen und schwer mißhandelten, zu zwei bis drei Monaten Gefängnis verurteilt. Warschau. Der polnische Staatspräsident Prof. M o s c i ck i hat den jüdischen Oberst der Krakauer Garnison, Bernhard Mond zum Generalbrigadier der polnischen Armee ernannt. _ Vuoapest. Das Ungarische Jüdische Landesmuseum ist seinem Zweck übergeben worden. Im Nahmen der Eröffnungsfeier hielt der Ungarische Jüdische Landesmuseum-Verein im Prunksaale des Stammhauses der Jsr. Religionsgemeiude seine erste ordentliche Jahresplenarversammlung ab. Par.'s. Auch Coty der bekannte Parstnnfabcikant und Inhaber einer für judenfeindlich gellenden Tageszeitung erklärt, er habe mit Antisemitismus als Partei und Lebensanschauung nichts zu tun. In England und in Frankreich schämt man sich wenigstens, einen Judenhaß zu machen. London. Von revisionistischer Seite wird mitgeteilt, daß .in Schanghai ein Bataillon jüdischer Freiwilliger als Bestandteil der internationalen Schuhbrigade für Schanghai gebildet worden ist. — Sir Oswald Mosley der mit seiner faschistischen Partei „British Union -of Fashrsts" soviel von sich reden gemacht hat, legt in einem Briefe an Lord M e l ch e t t Wert daraus zu erkläern, daß gemäß seiner Definition seine Partei mit dem Antisemitismus nichts zu tun hätte. Antisemitische Propaganda sei den Parteigruppen verboten. — 'Anläßlich des Jahreswechsels hat König Georg von England an drei Persönlichkeiten die P a i r - W ü r d e verliehen, unter ihnen an zwei Juden: an Sir Jsaac I s a a c s, Eeneralgouverneur von Australien und früheren Chef des Obersten Gerichts Australiens, und an den berühmten Londoner Kunstsammler und Philontropen Sir Joseph D u v e e n. Sofia. Im Staats-Budget für 1933 ist ein ziemlich großer Posten für die jüdischen Schulen in Bulgarien ausgeworsen. — Das bulgarisch-jüdische Konsistorium gibt zum 70. Geburtstag des sephardischen Historikers Salomon Abraham G r o z a n e s, dessen hebräisches Monumentalwerk „Die Geschichte der Juden im türkischen Reiche", heraus. Jerusalem. Im Monat November kamen 1192 Juden ins Land, von denen 111 mit mehr oder weniger Kapital sich ansiedeln wollen. — Bewaffnete Araber überfielen am 26. Dezember das Weideland der jüdischen Kolonie B e 1 h Alpha im Tale Jezreol und führten aus der Schafherde der Kolonie 57 Schafe weg. Die Polizei, die sofort Nachforschungen anstellte, fand 21 Schafe der Beth Alpha-Herde in benachbarten Höhlen vor und verhaftete drei Araber als am Schaf-Raub beteiligt. Newyork. lieber 3000 jüdische und nichtjüdische Studenten der Newyorker Hochschulen demonstrierten vor dem polnischen Generalkonsulat gegen die Ilniversitätskrawalle in Polen. Führer der Demonstration war Dr. Arthur Kraus, der vor kurzem zum Proteste gegen Polen in einen Hungerstreik eingetreten, war. Berittene Polizei' mußte cinschreiten, um den Demonstrationszug aufzulösen. Rom. Der Verwaltungsrat der Jüdischen Gemeinde Rom hat in einer Sondersitzung den langjährigen Vorsitzenden der Gemeinde, Adv. Angelo Sereni, zum Ehrenpräsidenten der Gemeinde gewählt. Angela Sercni stand von 1895 bis 1931, also 35 Jahre lang an der Spitze der Gemeinde und organisierte deren Wohlfahrtswerk. — An den Folgen der Verletzungen bei einem Autounglück verstarb in diesen Tagen der hervorragende jüdische Gelehrte und Professor der Zoologie an der Universität Padua, Paolo Enriques. ,Dem verstorbenen Professor..Paolo Enriques wurde vor einigen Jahren von der päpstlichen Wissenschaftlichen Akademie für seine Forschungen auf dem Gebiete der Vererbung die höchste Auszeichnung der Akademie verliehen.. Livorno. Im Nahmen der Kunstausstellung der Provinz Livorno wurde dem bekannten jüdischen Maler Ulvi Liegi die Goldene Medaille der Pro-, vinz Livorno als Anerkennung seines künstlerischen Schaffens verliehen. Madrid. In San Sebastian, Spanien, verstarb der bekannte marokkanische Jude N a h o n und wurde dort, als erster Jude, bestattet. Da keine anderen Juden in San Sebastian wohnen begaben sich der Rabbiner und zehn Juden der benachbarten französischen Stadt Bayonne nach San Sebastian, um das religiöse Begräbnis durchzusühren. Aufmerksamkeit der verantwortlichen Stellen und der IOessentlichkeit vor allein aus die große Gefahr, die das klägliche Versagen der Breslauer Universitätsoerwältnng für den geordneten Lehrbetrieb aller deutschen Universität ten herausbeschwört. Der billige Erfolg einer verhetzten Minderheit niuh an vielen Stellen wie eine Ermunterung zur Fortsetzung der entwürdigenden Universitätskrawalle wirken. Diese Gefahr gegenüber fordert die Deutsche Liga für Menschenrechte von den verantwortlichen Stellen ein energisches Eingreifen, von allen freiheitlich Gesamten die dringend notwendige Abwehr dieser Umtriebe." Sruppenvertretertag der Agudas Jisroel-Jugend- Organisation in Halberstadt. Halber st adt, 1. Jan. Wie bereits gemeldte fand Freitag und heute eine Tagung der Vertreter der agudistischen Jugendgruppen statt, in der folgende Beschlüsse gefaßt wurden: I. 1. Die Agudas Jisroel-Jugendorganisation betrachtet es als ihre Aufgabe, mit ihrer Erziehungsarbeit im schulpflichtigen Alter zu beginnen. In den Jugend- und Mädchengruppen sollen daher, den örtlichen Verhältnissen entsprechend, Pirche Agudas Jisroel (Agudistische Schülergruppen) eingerichtet werden. 2. Die Ein ihtung der P. A. I. erfolgt durch besondere Dezernenten im Einvernehmen mit der Leitung . er Jugendgruppe. 3. Der Organisationsleitung wird ein Dezernat der Pirche Agudas Jisroel angegliedert, dem die örtlichen D Zementen verantwortlich sind. 4. Die Erziehungsarbeit der Pirche Agudas Jisroel geschieht bewußt im Sinne der Agudistischen Ideologie. Darüber hinaus ist eine Politisierung zu vernreiden. II. Die Agudas Jisroel-Jugendorganisation erstrebt .die Bereitstellung des jüdischen Volks und des jüdischen Landes für den G'ttesstaat. Sie gliedert daher ihrer Organisationsleitung ein „Erez Jisroel-Amt" an, dem die Durchführung eines alsbald zu veröffentlichenden Arbeitsprogramms für eine geistige und praktische Erez Jisroel-Arbeit, insbesondere Hachschara, obliegt. Gnlndsätzliche Entscheidungen werden im Einvernehmen mit der Organisationsleitung getroffen. Die Agudas Jisroel-Jugendorganisation richtet an alle sich zur agudistischen Idee bekennenden jungen jüdischen Menschen die Aufforderung an der Verwirklichung dieses Programms praktisch mitzuarbeiten. III. Die in Halberstadt anwesenden Vertreter der AJJO. beschließen, daß die einzelnen Gmppen das Limmudamt des Esra auf das tatkräftigste unterstützen. Es wird jedoch vorausgesetzt, daß ein Agudist dem Limmudamt beigeordnet wird. IV. Es ist Pflicht einer jeden Agudistischen Jugendgruppe im Rahmen ihres Arbeitsprogrammes soziale Arbeit zu leisten, die nach den Gruppen zugehenden Richtlinien durchzusühren ist. Der Sitz der Jugendorganisation wurde nach Berlin verlegt und in die Organisationsleitung berufen: Dr. Kalman Kahan, Arthur Munk und Rudolf Leibowitz. Zum Leiter des Erez Jisroel-Amtes wurde Heinz Weichselbaum-Bcrlin bestimmt. Die Leitung des neuen Schülergruppendezeruats wird durch die OL nach Ilebereinkunft mit. den örtlichen Führerschaften der bereits bestehenden Schülergruppen innerhalb zweier Monate berufen. Ein ausführlicher Bericht folgt. Holland. Amsterdamer Brief. Amsterdam, 28. Dez. Ihr Artikel „Der Einbruch" in der jüngsten Nummer gibt mir Veranlassung, etwas über Holland im Allgemeinen und Amsterdam im Besonderen zu schreiben. Bei uns kennt man keine Reform, die Bestrebungen der Herren Dr. Lasker, Dr. Norden u. a. berühren nur die Oberfläche, sie dringen zum Kern nicht durch und werden auch nicht ernst genommen. Die Herren bedienen sich eines Vorbeters von sehr frommen Eltern, dessen Vater und Großvater in Amsterdamer jüdischen Kreisen zu den Besten und Edelsten gezählt wurden, der jedoch selbst, mit einer Nichtjüdin verheiratet, natürlich nur nichtjüdische Kinder hat. Für solche Abnormitäten ist Hol-

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