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Der Israelit · 1932-12-29 · Heft 53 (29.12.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 53 (29.12.1932)
Date
1932-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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29. Dezember 1932 ..... ■■ ■ . :•••• Generalkonsul Sally Guggenheim aus Basel. - eine nach Form.und Inhalt hinreißende Ansprache von Rabbiner Brunschrv i g - S t r a ß b u r g, in der der Redner die besonderen Nöte und Erfordernisse unserer Zeit geschildert hatte, folgte ein ausführliches Referat von Prof. Marcus Cohn von der Sorbonne in Paris über E rz i e h u n g s f r a g e n und vor allen Dingen über den Mangel an relig lösen Erziehungs- und Lehrmöglichkeiten in Frankreich. Hieran schlossen sich -weitere Referate über die Einzel gebiete des jüdischen Erzieh u n g s w e s e n s von seiten der Rabbiner L e v y - Obernai, Deutsch -Bischheim, Dr. M e y e r -Mülhausen. Hieran anschließend wurde das Projekt«der Gründung einer jüdischen Schule erörtert und der Beschluß gefaßt, mit frischem Mute an die Errichtung einer zunächst mit dem Kindergarten und den untersten Klassen beginnenden jüdischen Aufbauschule in Straßburg heranzutreten. Am zweiten Tage der Versammlung wurden Fragen des Kaschrus, der Sa b b atb e ob a ch tu n g, der Erez Jisroel-Arbeit und der O r g a n i s a - tionsar.beit selber erörtert. Am Abend des Montag hielt Herr S. S p e i e r einentiefgründigen talmuüisch-halächischen Vortrag. . . In Verbindung mit den Arbeitssitzungen fand die Feier des 5 0jährigen Jubiläums der Gemeinde E z C h a j i m und der Gesellschaft K i j u m Emunah in Straßburg statt, die durch Schreiben einer Seser Thora und durch, ein Pankett begangen wurde. Ausführlicher Bericht bleibt Vorbehalten. Es war' ein herzbewegendes , und erfreuliches Bild, die die Straßburger Tage dem Außenstehenden boten. Nach langem Schlummer ist das gesetzestreue Judentum in Frankreich, erwacht und man darf.sich einer jungen Generation von Akademikern und Kaüfleuten erfreuen, in welche die Ideen S. R. Hirfchs. tief eingedrungen sind, und. die der Renaissance-Arbeit der Agudas Jisroel echtes Verständnis entgegenbringen. I , England. Indische Polizisten zum Schutze der Juden von Aden. London, 20. Dez. Das Joint Foreign Co m m i t t e e (vom Jewish Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association gebildetes Komitee zur Wahrnehmung der Interessen der Juden im Ausland) hat von zuständiger Regierungsstelle die Mitteilung erhalten, daß die britischen Behörden in Aden, wo bekanntlich vor einigen Monaten die Moslems in das jüdische Viertel eingedrungen waren und einen Pogrom veranstaltet hatten, beschlossen haben, daß von den 200 in Aden stationierten Polizisten ein Drittel durch in Indien rekrutierte Polizisten ersetzt werden soll. Die Zahl der indischen Polizisten in Aden soll in Zukunst weiter erhöht werden. Diese Maßnahme wurde von der Regierung getroffen auf Grund der Beschwerde -der jüdischen Bevölkerung von 'Aden, in der darauf hingewiesen wird, daß die ausschließlich aus Moslems sich zusammensetzende Äden-Polizei der jüdischen Bevölkerung im Falle von Angriffen seitens der Moslems keinen ausreichenden-Schutz bietet. pesachhttfe für Rußland. ' London, 23. Dez Die „Jewish Relief Federation" hat sich mit üer Frage der Pesach-Hilfe für die russischen Juden befaßt. Nach den vorliegenden Berichten wird der Nahrungsmittelmangel in Rußland immer größer. .In den Monaten Februar und März werde & zweifellos ganz unmöglich fein, Mehl zur Herstellung von Wazzos zu erlangen. Aus diesem Grund haben es die Vortrteer des Verbandes in Rußland für richtig gehalten, 100 Tonnen Mehl, die zur Zeit käuflich waren, zum Preise von Pfund Sterling 3550.—, zu erwerben, wobei man ihnen insofern entgegen gekommen ist, als nur 20 Proz. des Betrages sofort bezahlt werden braucht. Das Mehl soll zur Herstellung, von Mazzos Verwendung finden. Da die Relief Federation jedoch über, den Betrag nicht verfügt und eine Einschränkung der Paketversendung natürlich höchst, unerwünscht wäre, so wird ein öffentlicher Ausruf erlassen werden, um den Betrag zusammenzubringen. Es ist selbstverständlich, daß ein Quantum von 100 Tonnen Mehl in keiner Weise ausreicht, um den russischen Juden zu helfen. Es wird daher notwendig sein, daß alle an dem Schicksal der.' russischen Brüder interessierten Organisationen ihre Hilfsarbeit energisch sortsetzen und :D e r ' I s r a e-l i t auch Vorkehrungen treffen, um die Beobachtung des Pesäch den russischen Juden nach Möglichkeit zu erleichtern. PalSstiua. Einwanderungszertifikate für Rabbiner aus Rußland. Jerusalem, 20. Dez. Die Palästina-Regierung hat dem palästinensischen Rabbinat soeben 50 Einwanderungszertifikate, für Rabbiner aus Sowjetrußland und ihre Familien übergeben. Voraussetzung,für die Einreisebewilligung, der Rabbiner ist, daß sie der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen. Demgemäß wurde für jedes Zertifikat ein Bon von 100 Pfund bei, dem Rabbinat deponiert. Arabisch-jüdischer Zusammenstoß in einer pica- Rolonie. Jerusalem, 22. Dez. In der von Her Palestine Jewish Colonisation Association (PICA) verwalteten Kolonie Pa r d e ß Schana in der Nähe von Hedera kam es zu einem Konflikt zwischen jüdischen' Kolonisten und Beduinen, die mit ihrem Vieh jüdisches Feld besetzt hielten. Zwei Juden, die die Beduinen zum Verlassen des jüdischen Feldes bewegen wollten, wurden von den Eindringlingen angegriffen und schwer verletzt. Einer der Juden gab in seiner Bedrängnis einen Schuß ab, durch den ein Araber tödlich verletzt wurde. Die Beduinen versuchten dann, die Kolonie anzugreifen. Die Polizei traf,rechtzeitig ein und trieb die Eindringlinge auseinander." Die beiden schwerverletzten Juden wurden in das Hospital überführt. Arabisch-jüdischer Zusammenstoß in Neß Ziona. I e ru s a l em , 22. Dez. In der jüdischen Kolonie Neß Ziona kam es zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern, der seinen Ausgangspunkt darin hatte, daß ein jüdischer Orangenzüchter in der Kolonie nur arabische auswärtige Arbeiter beschäftigte und die jüdischen Arbeiter boykottierte. Die jüdischen Arbeiter stellten Streikposten vor den Eingang zu dem betreffenden Orangenhain, die die zur Arbeit kommenden Araber überredeten, die Arbeit in diesem Haine nicht auszunehmen. Der Besitzer des Hains aber rief die' sich bereits entfernenden arabischen Arbeiter zurück und befahl ihnen, die Arbeit auszu? nehmen und sich durch die jüdischen Arbeiter in keiner Weise stören zu lassen. Bei dem Eintritt der arabischen Arbeiter in den Hain' ereignete sich nun ein Zusammenstoß, beim dem fünf Juden und vier Araber leicht verletzt wurden. Die herbergerufene Polizei verhaftete neuen Mitglieder der jüdischen Streikposten und mehrere Araber. Die Vorletzten wurden in das Hospital gebracht. Für jüdisch-arabische Verständigung in Palästina. Jerusalem, 23. Dez. Ch. Kalvarisky, der frühere Leiter der Sektion für arabische Fragen in der Zionistischen Exekutive, hat an einer Reihe einflußreicher' arabischer Führer ein umfangreiches Memoradum versandt, in dem eine Basis für eine Verständigung Zwischen den Juden und den Arabern in Palästina Umrissen wird. : . In dem Memorandum wird sestgestellt: a) da Inden und Araber ein und derselben?'Rasse angehören, kanp die Neubelebung der einen Rasse keineswegs der anderen schaden sondern nur beiden Nassen nützenb) das Ideal der Juden: Jüdisches Nationalheim in Palästina und Arabischer Staatcnbund widerstrebt einander nicht. Wird ein arabischer Staatenbund gegründet, so wird ihm Palästina als Mitglied beitreten, vorausgesetzt, daß die Rechte! der Juden .innerhalb, des Staatenbundes gesichert sind. Kalvarisky schlägt eine arabisch-jüdische Allianz auf folgender Basis vor: 1. Die -beiden Völker, Araber und Inden, verpflichten sich, einander 'in allen Zweigen menschlicher Tätigkeit, auf wirtschaftlichem, sozialem und geistigem Gebiete, zu Helsen. 2. Die Araber begrüßen die in den Orient zurückkehrenden!Juden und öffnen vorbehaltlos ihre Länder jüdischer Einwanderung. 3. Die Juden ihrerseits verpflichten sich, den semitischen Orient mit Hilfe ihres Kapitals, ihrer Energie und ihrer Kenntnisse so zu entwickeln, daß er. einer großen Zukunft entgegengeht. 4. In allen -Ländern des semitischen Ostens, in denen Juden leben werden, werden sie die gleiche Rechte genießen, wie sie laut interantionalen Verträgen den nationalen Minderheiten in zivilisierten Ländern, wie Tschechoslowakei usw. zustehen. 5. Palästina wird ein autonomer Staat mit eigener Verfassung, laut der das vä Seite 7 Weit über ,1000 schreibfertige FÜLLFEDERHALTER mit 14 Karat Goldfeder ab RM. Z.50 zur Auswahl Hausmarken Ceka u. Juwel, sowie die bek. Markenhalter f'ASSI Ifl KAISERSTRASSE 75 «V#ß-i«'SL> if^iwt ■ B Gbi Schreibwaren jeder Art Land beiden Völkern in einem gleichen Grade gehört, ohne Rücksicht darauf, welches der Völker die Mehrheit -oder die Minderheit der Gcsamtbevölkerung bildetdiese Regelung gilt für alle Zeiten. 6. Die Hebräische und die Arabische Sprache sind in Palästina gleichberechtigt; arabische und hebräische Kultur entwickeln sich harmonisch nebeneinander. 7. Die Juden proklamieren den Grundsatz, daß sie nicht eine Vorherrschaft in Palästina und nicht die Verletzung der Rechte anderer , erstreben, aber auch wünschen, daß auch sie nicht beherrscht und daß ihre Rechte nicht verletzt werden. 8. Die Juden verpflichten sich, den arabischen Fellachen nicht zu schädigen und die Rechte , des arabischen Arbeiters nicht zu verletzten; mehr noch, sie versuchen mittels ihrer ausgedehnten zivilisatotorischen Arbeit und des von ihnen eingesührten Kapitals die Position der arabischen Fellachen zu verbessern und dem arabischen Arbeiter mehr Arbeit als bisher zu verschaffen. 9. Die Juden widersctzen sich nicht den nationalen Aspiration der Araber. Wird ein arabischer Staateubuud ganz oder auch nur teilweise gegründet, so tritt Palästina ihm bei. 10. Kalvarisky weist aus die Nachteile der Schaffung eines Legislative Council in Palästina hin, versichert aber, daß die Juden sich der Schaffung eines Legislative Council, nicht widersetzen, wenn sie Garantien dafür bekommen, daß die Araber diese Institution nicht zur Schädigung der Juden und zur Störung des Aufbaus des Jüdischen Nationalhelms benutzt werden. Personalien. Leipzig, 26. Dez. Hier verstarb nach längerem Leiden kurz vor der Vollendung seines 73. Lebensjahres der bekannte Philantrop Ehaiin Etting on, zu dessen großartigsten Stiftungen u. a. die prächtige orthodoxe Synagoge „Ez Chaim" und das mit allen modernen Errungenschaften ausgestattete „Israelitische Kranlenhaus" in Leipzig gehören. Bei der Beisetzungsfeier, die unter ungeheurer Beteiligung der Leipziger Judenhcit am Montag erfolgte, fand der Schmerz über den Verlust dieses um die Allgemeinheit so hochverdienten Mannes durch Vertreter der verschiedensten Körperschaften und Orm>- nisationen ihren beredten Ausdruck. -n-axir. Bad Kifsingcn, 23. Dez. Dein Kultusbeamtcn;u i Schachet, Herrn Gustav N eu st ü d t er , wurde vvu Hen-.i, Rabb. Dr. S. Bambergec der nan-Titel verlieheu. Bad Kissingen, 22. Dez. In Rhina beging Frau Jettcheu Bodwa!:d am 28. ds. Mts., geistig uud körperlich gesund, den 93. Geburtstag. -v-vivs Euskirchen, 23. Dez. Aill 1. Januar 1933 begeht Herr Moses Schweizer, hier, seiuen 74., Geburtstag in körperlicher' und geistiger Frische. Gleichzeitig ist es ihm vergönnt, auf .eine 50 jährige Tätigkeit als Rendant der hiesigen man zurückzublickcn, welches Ehrenamt er mit vorbildlicher Treue uud Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit, ausübt. Durch seine imiige Frömmigkeit, seine stete hilfsbereite Menschenliebe hat er sich auch über den Kreis seiner Elaubcusbrüder hinaus eine große Anzahl von Freunden erworben. In Anerkennung seiner Verdienste um das Wohl seiner Gemeinde und seines vorbildlichen jüdischen Lebenswandels gepaart mit jüdischem Wissen wurde ihm schon vor Jahren der nan-Titel verliehen. Möge cs dem Jubilar vergönnt sein, an der Seite seiner treuen Lebensgefährtin, umhegt von der Liebe seiner Kinder, noch viele Jahre in Gesundheit ungetrübt leben zu können., -wy m » Mainz, 27. Dez. Die Jsr. Religions-Gesellschaft hat den Heimgang von Adolf Frankel eines ihrer ältesten, treuesten und wertvollsten Mitglieder zu beklagen, der im 82. Lebensjahr am 1. Chanukah von uns gegangen ist. Der Verstorbene gehörte einer altmainzer Familie an, die treu die überlieferten Traditionen wahrte; lange Jahre war er Mitglied der Verwaltung unserer Kehilloh. Es verdient Erwähnung, daß sein bis vor Kurzem betriebenes Ladengeschäft am Schabbos streng geschlossen war. Besonders vorbildlich war das innige Familienleben der Familie, die Einmütigkeit von Eltern und Kindern, in der das anias hv D’aa al>i D’ia V» matt ai> a'vni bereits seine Erfüllung im besten wahrhaft jüdischen Sinne gefunden hatte. Vor der Bestattung ehrte Herr Rabb. Dr. Vamberger den Heimgegangenen, der allezeit ein aiv nan gewesen war, durch Verleihung des nan-Titels. Der Allgülige tröste die gleichgesinnte Gattin, den Sohn und die Tochter, deren Häuser im Sinne des Vaters, im Geiste von min und nun' geführt werden, -mann

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