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Der Israelit · 1932-12-29 · Heft 53 (29.12.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 53 (29.12.1932)
Date
1932-12-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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, * -r ' - — - - 29. Dezember 1932 Der Israelit Zeil 49 Wolf Tel. Hansa 2793-' Die Woche. Schaffens für jede echte Symbolik unvergleichlich bedeutsamer als die von pirsch mit Recht wenig beachtete sprachvergleichende Philologie ist. Dieser Gedanke zieht sich als roter Faden durch das Ganze. Exkurse über Willensfreiheit^ über Lhagiga II, a. und Job. 53, 15 (Llihu) bilden den Schluß) und ein ausreichendes Namens-) Stellen- und Literaturverzeichnis erleichtert das Nachschlagen. — Zu jedem Kapitel aber sind die aktuellsten Konsequenzen gezogen, und nicht nur Gemeindeverfaffung und Gesellschaftssitte, sondern auch Sozialpolitik, Pazifismus und Iudenhetze, Mischehe und'Iugendbewgung gelangen zu ganz eingehender psychologischer Würdigung. Ls wäre im Interesse der orthodoxen jüdischen Wissenschaft zu bedauern, wenn diese Publikation unterbleiben müßte und somit die Gefahr entstünde, daß aus dem finanziell leistungsfähigeren freidenkenden Kreise dieses Thema in der bekannten irreführenden Weise zuerst publik behandelt wird. Wer Ln diesem Sinne unserer Sache förderlich sein und Irreführungen verhindert sehen möchte, mag sich an uns oder an den Verfasser wenden, um ihm wenigstens die Herstellung eines Wachsabzugs von einigen 20V Exemplaren seiner Schrift zu ermöglichen. Die Schrift ist dem Andenken des Lehrers des Verfassers, Dberrabbiner Dr. Lerner gewidmet. — Sie ist in der gleichen, unseren Lesern bekannten sachlichen und umschweiflosen Diktion des Verfassers abgefaßt und stellt, so entlegen das Thema ist, keine übertriebenen Ansprüche an die Vorbildung des Lesers, da zu allen Materien die Einführung gegeben ist. flomrpoaaenre« * ßacbricMc». Deutsches Reich. Generalversammlung des Orthodoxen Rabbrnerverbandes. Frankfurt a. M., 27. Dez. Am Sonntag,.den 1. Januar, nachmittags 5.15 Uhr, beginnt im kleinen Saal der Frankfurt-Loge die Jahrestagung des Orthodoxen Rabbinerverbandes Deutschlands, die sich bis Dienstag abend erstreckt. Neben Tätigkeitsbericht, allgemeiner Aussprache und Wahlen enthält die Tagesordnung mehrere . Referate von einschneidender Bedeutung. Herr Rabbiner Josef Hör oo itzFrankfurt a. M., referiert (Montag vormittag) über „Die Bedeutung des Chaüfchem Mifchpot für die rabbinifche Praxis", Herr Rabbinep Dr. Klein, Nürnberg über „Die Abwehr der Angriffe auf die Ehegefetze", Herr Rabbiner Dr. Klein, Berlin über;;StV ideelle Lage der deutschen Orthodoxie", Herr Rabbiner,.Dp Du kas, Altona über „Kaschruthangelegenheiten". Montag und Deinstag finden die Verhandlungen im Hörfaale der Synagoge Friedberger An; läge statt. Anschließend an den Erösfnungsabend findet Sonntag abend 8.45 Uhr im großen Saale der Frankfurt-Loge eine Oeffentliche Kundgebung statt, bei der zwei. Referate, und zwar von den Herren Rabbiner Dr. Klein, Berlin über „Die ideelle Lage der deutschen Orthodoxie" und Rabbiner Dr. A n s b ä ch e r, Wiesbaden über „Die Mitarbeit der Gemeinden an unseren Aufgaben" gehalten werden. Zu dieser öffentlichen Kundgebung sind Gäste,. Damen wie Herren, zugelassen. , Die Verbandstagung der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Frankfurt a. M., 28. Dez. Am Sonntag und Montag tagte hier in der Aula des Phitantropin der Verband, der Jüdischen I u g e ndv e re i n e D e u t s ch l a n ds. Die Tagung war sehr stark besucht und die Verhandlungen zum Teil j recht bewegt. Nach Eröffnung durch den Verbands-1 Berlin. Am 20. Dezember gegen 10 Uhr abends überfielen drei S. A.-Leute in der Grenadierstraße den greisen Rabbiner Lazar Friedmann, der in der Gemeinde Adaß Jisroel die Funktion eines Kaschruthauffehers ausübt. Die Rowdies versuchten, den alten Mann zu Boden zu reißen und schlugen ihm den Hut vom Kopf. Pylizei war schnell zur Stelle und nahm die Nationalsozialisten fest. Worms. In Osthofen (Kreis Worms), der Zentrale der nationalsozialistischen Bewegung in Hessen, wurden auf dem Friedhof der Israelitischen Religionsgemeinde zwei schwere Grabsteine umgestürzt. Seitens der Religionsgemeinde ist auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung ausgesetzt worden. Wien. Die Vorgänge am 2. Oktober, dem ersten Rosch Haschana-Tag vor dem „Kaffee Sperl" in Wien waren Gegenstand einer Verhandlung vor dem Strafbezirksgericht 1, vor dem sich der jüdische Schneidermeister Jona Leitner, der einen Sessel auf die Demonstranten geworfen hatte, wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu verantworten hatte. Der Richter verurteilte Leitner „unter. Anwendung äußerster Milde" zu einer Geldstrafe von 5 Schillingen oder 12 Stunden Arrest. So endete die Affäre des Wiener Synagogensturms mit der Verurteilung eines Juden. Paris. Dem von Paul Boncour gebildeten neuen französischen Kabinett gehören zwei I u d e n als Minister an: der Deputierte und Bürgermeister von Le Havre, Leon Meyer, der zum Leiter der Handelsmarine und Senator Alerandre Israel, der zum Unterstaatssekretär im Innenministerium ernannt worden ist. London. Auf Anfragen im Unterhause, wie viele Juden im abgelaufenen Jahre in Großbrilanien eingebürgert wurden, erwiderte der Innenminister, daß bei der Einwanderung, sowohl wie bei der Einbürgerung nach der Religion nicht gefragt werde. Somit könne die Anfrage nicht beantwortet werden und ist dennoch r e st l o s beantwortet. Prag. Im Staatsbudget für das Jahr 1933 betragen die Kosten für den jüdischen Kultus 160 8000 Kc. Warschau. Am 19. Dezember begabensich vom Warschauer Hauptbahnhof wiederum 220 Juden, unter ihnen 150 Chaluzim aus verschiedenen Teilen des Landes, nach Palästina. Hunderte Warschauer Juden hatten sich eingefunden, um von den Palästina-Wanderern Abschied zu nehmen. Mit gleichem Zuge begab sich der „Karliner Rebbe" Elimelech P e r l o w , nach Palästina. Saloniki. In Anbetracht dessen, daß die Juden ein Fünftel der Bevölkerung Salonikis ausmachen (50 000 Juden unter 250 000 Einwohnern), hat der Stadtrat beschlossen, daß von den für phrlantropische und Kulturinstitutionen bestimmten 7 Millionen Drachmen 630 000 Drachmen speziell jüdischen Wohlfahrtsrnstitutionen zur Verfügung gestellt werden sollen. Jassy. Bei . einem Hebers all von kuzistischen Stunden auf eine jüdische Festveranstaltung in Jassy wurden 40 Juden verwundet. Jerusalem. Mitglieder der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation Palästinas (Histadruth Haowdim) und Mit- 8 - glieder der nationalen Gewerkschaft der Revi- 2 sionisten traten am 20. Dezember in Gan Scha- ' ron in den Streik, nachdem die Verwaltung des San Scharon, zum ersten Male seit Bestehens des Hains arabischt Arbeiter eingestellt. hat. In sämtlichen Siedlungen .der Scharon- Ebene herrscht darüber große Erregung. 70 jüdische Arbeiter unter der - Leitung des Histadruth-Führers Ben Gurion bildeten Streikposten und gaben ihre Entschlossenheit kund, die Araber an der Aufnahme der Arbeit zu verhindern. — Palästinensische und auswärtige jüdische Kapitalisten haben sich zufammengetan um eine Zuckerfabrik,' dre erste in .Palästina, zu errichten, die nicht nur Palästina, sondern auch Syrien, Cypern und andere benachbarte Länder mit Zucker beliefern soll. Palästina konsumiert jährlich 12 000 Tonnen Zucker, der jährliche Zuckeroerbrauch in Syrien, Cypern und Transjordanien wird auf 35 000 Tonnen geschätzt. — Die palästinensischen Finanzsachverständigen schätzen die Gesamthöhe der jüdischen Deposita bei palästinensischen Banken auf rund 5 000 000 Pfund, wovon 3 500 000 Pfund in rein jüdischen Banken, der Rest in Varclay's Bank und in der Ottomanischen Bank deponiert sind. — Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope empfing den Sonderkorrespondenten der 'Jüdischen Telegraphenagentür, Boirs Cmolar, und teilte ihm mit, daß die englischen Konsuls in Europa jetzt weirgehende Vollmacht haben, nach eigenem Gutdünken Touristen-Visa für die Einreise nach Palästina auszugeben. / dtx. 53 Sl"' - Präsidenten, Dr. Gustav Löffler, Frankfurt u. M. und'H den üblichen Begrüßungen hielt Dr. Eduard Strauß das erste Referat Über das Thema: „Jüdische Antwort -auf die Frage der; Zeit". Er analysierte den jüdischen Kollektivbegriff und legte dar, daß nach außen hlndjdder Jude in gutem und schlechtem Sinne für das Gesamtjudentum handle. Man könne sich sehr weit vom Judentum entfernen, ein Entfliehen sei aber unmöglich. Da die Außenwelt jede Handlung als eine Tat des jüdischen Kollektivs betrachte, falle dem einzelnen Juden eine! .große Verantwortung zu. Der Kampf gehe um die Erneuerung des Judentums. Dr. Paul E p p st e i n, Mannheim sprach über „Wirtschaftskampf und Lebensgestaltung des jungen Juden". Die Berufsaussichten der jungen Juden in Deutschland sind recht trübe. Redner belegte seine Untersuchungen über die Juden als ethnische Gruppe mit eingehendem statistischem Material über Berufsgliederung,! soziale Umschichtung, Deklassierung des Mittelstandes usiv. und forderte 1. materielle Hilfe für die Jugend durch die Gemeinden, Gemeindeverbände und die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, 2. konstruktive Hilfe in ideologischer Ausrichtung. Als Ausweg wurde die politische Einordnung in die Klassenlage unter Einschluß des Jüdischen empfohlen.' In der Aussprache kam es zu einem Zusammenprall zwischen politisch und sozial links gerichteten und anderen Gruppen, der dazu führte, dcfß einige konservative Mitglieder offiziell ihren Austritt aus dem Verbände erklärten. Von den Beschlüssen sind zu nennen: Auch die kleinsten Gemeinden sollen zur kulturellen Arbeit herangezogen werden. Ein Jugendhilfswerk wird errichtet, das durch Beiträge in Form der Selbsteinschätzung erhalten wird: Es wird Einordnung der Jugend in den Kampf gegen den Antisemitismus gefordert. Verschiedene Amtsstellen werden zur Durchführung der Beschlüsse geschaffen. (Wir werden demnächst über die prinzipiellen Gegensätze innerhalb des Verbandes einem unserer Mitarbeiter, den der Gang - der letzten Verhandlungen zum Austritt veranlaßt hat, das Wort geben. D. Red.). Der Delegiertentag des Csra. Fulda, 27. Dez. Am 25. und 26. Dezember führte eine Delegiert e n t a g u n g Esraführer aus ganz Deutschland in Fulda zusammen. Die Aufgabe der Tagung war vornehmlich die Klärung der in der letzten Zeit immer schärfer hervorgetretenen Differenzen hinsichtlich der vom Statut geforderten Fernhaltung der Gruppen von den politischen Organisationen. Das vollkommene Fehlen einer nichtzionistischen Hach schar ah in Deutschland (der Brith Chaluzim Dathiim, in dessen Händen das Lehrgut Geringshof liegt, hat mit seinem kürzlich erfolgten Bekenntnis zum „Misrachi" niemanden überrascht) bezw. das bisherige Versagen der agudistischen Kolonisationsarbeit hat diejenigen Esräer, die unbedingt nach Erez Jisroel gehen wollen, zum Misrachi getrieben. Sie forderten nun, geführt von 'Erich Ro.fenblüth, Berlin, eine Aenderung der Statuten, derzufolge im wesentlichen allen Gruppen die Zusammenarbeit mit den zionistischen Organisationen freigestellt werden sollte. Der entsprechende Antrag fand bei weitem nicht die zu einer Statutenänderung erforderliche Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen. Für die Beibehaltung der bisherigen Satzungen setzte sich Josef Goldfchmidt, Frankfurt a. M. ein, der in scharfer Kritik am Misrachi und an denjenigen Esragruppen, die unter Bruch der geltenden Bestimmungen zu ihm Beziehungen gepflegt hatten, zeigte, wie die Gewährung der „politischen" Freiheit den Sinn und die Arbeit des Esra zerstören müsse.. Obwohl diese Position den außerordentlichen Nachteil Hatte, daß sie noch kein gesichertes Programm für die a u ch v o n ihr gewünschte Erez Jisroel-Arbeit vorlegen konnte, erlangte sie in der zur Orientierung durchgeführten Abstimmung eine knappe absolute Mehrheit. Da die Gruppe um Erich Rosenblüth hieraufhin austreten wollte, konnte eine Spaltung des Bundes nur vermieden werden, indem fast alle. Delegierten (die Gruppe um Josef Goldschmidt unter Verzicht auf ihren Sieg) dem Antrag von Max Feuchtwanger, Breslau-Frankfurt a. M. znftimmten, daß im nach ft en halben Jahr noch

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