Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 53 (29.12.1932)
- Date
- 1932-12-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 Nr. 53 Der Israelit 29. Dezember 1932 sondern viele, fast alle Gruppen für die gemeinsame Sache als Gemeinschafssache, dann wird der milarbeitende deutsche Jude an seiner Arbeitsfront eine Fülle von Verhetzung und Vorurteilen zerstören können, die die Anerkennung jüdischer Menschen und der jüdischen Gmceinschaft bisher immer.wieder er-' schwerten." Unter diesen Voraussetzungen und Erwartungen wollen wir uns auch mit der Amnestie einverstanden erklären. Sie kann, wenn hinter ihr die Macht wachsam bleibt, sie vor Mißbrauch zu schützen, ein weg zur Beruhigung und Befriedung werden. Große und kleine Hilfe. „Das; viele so verkrampft sind, hat verschiedene Ursachen, aber auch die, daß so manche sich mit einem Beitrag an einen Fürsorgeverein loskauften und damit eines Mittels begeben, das vermenschlicht." So zu lesen im Leitartikel eines politischen Weltblattes vom 25. Dezember 1952. wir werden durch diese weichen Töne einer rationalistischen, rein auf das Tägliche und praktische abgestimmten Presse doch stark an unseren Kampf erinnert, den wir vor Jahrzehnten schon gegen den Polizeigeist in der Wohltätigkeit, die Zentralisation der Rächstenhülfe, „die Verkrampfung der Bruderliebe in der Organisation" führten. Dicht gegen die Organisation als solche richten sich die Bedenken. Sie hat, besonders in dieser schweren Zeit, in ihren verschiedenen staatlichen, gesellschaftlichen und genossenschaftlichen Formen Unermeßliches im Kampf gegen Uot und Elend geleistet. Als Freibrief und Ablaß darf aber der Beitrag an die Organisation nicht gelten, nicht als Panzer für das jüdische Herz, daß es vor weiterem Mitleiden und Mithelsen geschützt werde. Die private und individuelle Wohltätigkeit im Kleinen und im Großen geschieht, was unsere alten Schriften immer schon wußten und die große Welt erst heute unter dem fürchterlichen Druck der Umstände einzusehen beginnt, mehr im Interesse des Wohltäters selbst, sie vermenschlicht. Als vor einem Vierteljahrhundert 'etwa die Zentralisation der w a n d e r a r m e n f ü r s o r g e aufkam, nach dem Polizeimotto ungefähr: „Betteln und Hausieren verboten!" kehrten wir in einer Reihe von Aufsätzen all die ethischen und selbsterzieherischen Momente der altgeübten jüdischen np*72 hervor. Heute geht es nicht um Armut, die uns von außen zuwandert, heute geht es um bitterste Rot in unserer nächsten Rähe, rund um uns herum. Die Organisationen, die — man darf es zu ihrem „Ruhme" aussprechen — wirklich menschlich und jüdisch und frei von jedem Polizeigeiste, diese Rot zu erfassen suchen, ohne sie ausschöpfen zu können, erheischen unsere kräftige Mitarbeit. Ihre Unterstützung und Förderung entspricht der npTn nntzwin n^ya, die nach srar darin besteht, daß Subjekt und Objekt des wohltuns einander anonym bleiben. Aber darüber hinaus ist das jüdische n"aA.eine Sache, die man auch selbst und unmittelbar maaai isian zu üben hat. wer irgend in der Lage ist, quittiere diese g'ttliche Gunst in der Zeiten Ungunst durch Mitfühlcn und Mithelfen, wo sich Gelegenheit dazu bietet, und berufe sich nicht auf die Quittung der Hilfsorganisation. Mahnrufe aus Erez Iisroel. Als wir kurz nach den Herbstfeiertagen aus der Feder unseres palästinensischen Mitarbeiters, Menachem L e w i n s k i, ein temperamentvolles Stimmungsbild aus dem derzeitigen Wirtschaftsleben in Erez Iisroel veröffentlichten, gingen uns von mehreren anderen Korrespondenten aus dem heiligen Lande Zuschriften zu, die sich mit großer Entschiedenheit gegen die allzu optimistische Auffassung Zer Dinge, wie sie Herr Lewinski vertrat, wandten und insbesondere darauf hinwiesen, daß in den freien akademischen Berufen die Lage auch heute keineswegs günstig sei, daß nur ganz besonders begabte Persönlichkeiten sich dort durchsetzen könnten und daß auch in den weiblichen Berufen eher von einer starken Uebersetzung und einem Ueberangebot von Arbeitskräften gesprochen werden müsse, als vom Gegenteil. Inzwischen hat die durch Kapitalüberfluß in den Lanken und durch enorme Bautätigkeit gekennzeichnete günstige wirtschaftskonjunktur in Palästina angehalten und die Zahl der jungen Juden und Jüdinnen, die sich unter dem Drucke der europäisch-amerikanischen Wirtschaftskrise anschicken, ihre Zukunft mit aller Entschlossenheit an das heilige Land zu knüpfen, wächst nach unseren Beobachtungen geradezu ins Unermeßliche. Demgegenüber ist cs Pflicht, doch auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß selbst in zionistischen Kreisen, in denen gewiß ein starkes propagandistisches Interesse dafür vorhanden ist, die Dinge möglichst rosig darzustellen, immer ernstere Bedenken gegen eine Ueberschätzung der derzeitigen wirtschaftlichen Möglichkeiten in Palästina-und vor allen Dingen gegen ein allzugroßes Vertrauen auf die Solidität der wirtschaftlichen Unterlagen der heutigen Situation geltend gemacht werden, wir finden beispielsweise in der „Jüdischen Rundschau" vom 20. Dezember einen der Kolonistenzeitschrift „Boustenaiü entnommenen Alarmruf/von Mosche Smilanzky,. der auch in orthodoxen Kreisen beherzigt werden sollte und aus dem wir einige Sätze wiedergeben möchten. Cs heißt da: ■ . „Es scheint mir, daß wir vor einer neuen Auflage' der Vierten Alijah mit allen ihren verhängnisvollen Folgen stehen. Die Kennzeichen der Alijah sind heute folgende: Anhäufung der Gelder in den Banken ohne die Möglichkeit,, sie in sicheren und rentablen Unternehmungen anzulegen; fieberhafter Häuserbaü; Steigen der Mietsprei.se; Konzentrierung vieler Arbeiter im Baugewerbe und Vermehrung der kleineu hauptsächlich für diese! Arbeiter bestimmten Kaufläden. Und. um all dies icherum der Schrecken und Teufelstanz einer schmählichen Spekulation in Grundstücken und schmutzigen Geschäften aller. Arten von Agenten. 'Dies ist bas in die Augen springende Bild der. Alijah in den Städten. Und'im Dorf? Dieselbe'Sache in etwas veränderter Fassung: Konzentrierung in den bestehenden Kolonien, Beschränkung auf den einen einzigen Erwerbszweig, Steigerung des Bodenpreises zum Hellen Wahnsinn, auf das Dreifache jedes wirtschaftlich gerechtfertigten Preises. Woher sollen die Mieten, auf die die Häuserbauer hoffen, gögahlt'werden, wenn nicht neue Produktionszweige im Lande geschaffen werden, von denen die Mieter leben können? Es ist fast unvermeidlich, daß eine" Stockung im Häuserbau eintreten wird und dann werden tausende Arbeiter und hunderte Beamte und' Kaufleute, die mit dem Baugewerbe verbunden sind, arbeitslos werden. Sogar heute in den Tagen der -„Blüte" gibt es schon viele hunderte Familien, die auf keine Weise eine E r w e r b s m ö g li chk e i t f i n.d e n können. Viele Beamte, die keine Stellung haben, viele selbständige Mittelständler und Landwirte, die infolge der schweren Zinsenlast verarmt sind, viele Einwanderer, die fälschlich glaubten, man könne hr Palästina mit einigen hundert Pfund eine Existenz gründen und bereits die Hälfte ihres mitgebrachten Geldes aufgegessen haben. Wenn man irgendeine Stelle in Stadt oder Dorf ausschreibt, melden sich Hunderte von Bewerbern und kämpfen -mit allen Mitteln einer gegen den anderen, um die Stelle zu bekommen. Wenn-das„über jetzt schon so ist, wie wird es erst fein, sobald die ersten Zeichen eines. Niederganges eintreten? Und der Niedergang muß ja kommen, wenn wir nicht alle unsere Kräfte äüfbieten, um.Präventivmittel anzuwe-iden. '■* l' Der Verfasser führt dann aus. daß diesmal, wahrscheinlich kein so -plötzliches Versiegen des Einwandererstromes eintreten wird wie 1925, einfach aus dem Grunde, weil die Verhältnisse in den Galuthländern sich so verschlechtert haben, daß die. Juden - zur Auswanderung gezwungen find. Man soll sich aber mit dieser Feststellung nicht begnügen. Trotzder fortgesetzten Einwanderung wird schließlich die Krise kommen, und wir fürchten, baß sie um so schwerer sein wird, je später sie kommt." wir sind hinsichtlich der in einer weiteren Zukunft möglichen Entwicklung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit Palästinas und feiner Rebenländer durchaus nicht pessimistisch, aber es darf doch nicht vergessen werden, daß auch im allergünstigsten F'a l l e nur ein kleiner Bruchteil der jüdischen Massen aus -den Ländern der Diaspora, solange nicht -die messianischc Zeit anbricht, seine Verwurzelung im heiligen Lande wird finden können. Es wäre ein katastrophales Unglück für die jüdische Gesamtheit, wenn die Energie des planensünd des De nkens für das Schicksal der D i a s p o r a - I u ö e n h e i t Nachlassen oder wenn auch nur innerhalb der heutigen Iugendgeneration ganz allgemein der Gedanke in den köpfen Platz griffe, außerhalb Erez Iisroels sei ein wahrhaftes jüdisches Leben nicht mehr möglich. Die Orthodoxie insbesondere, so sehr sie im heiligen Lande nicht nur für sich und ihre materiellen Lebensbedürfnisse, sondern für G ' t t und sern Ge s e tz einen Kampf Aus Leben und Tod zu führen verpflichtet ist, würde doch ihrer Bestimmung untreu werden, wenn sie über dieser Konzentration der Energien auf Erez Iisroel die Wahrheit vergäße, daß wir nach g'ttlichem plane auch im Golus unser Dasein weiter auszuleben und . dort in Zähigkeit und Geduld das jüdische Leben unserer Kinder und Kindeskinder vorzubereiten haben. Jüdische Anbewußtseinsle hre. (Bitte bevorstehende Neuerscheinung. Rach langjährigen Studien aus dem Gebiete der talmudtsch-midraschischen Unbewußtseiuslehre beabsichtigt unser Mitarbeiter, Herr Dr. B. Cohen in Friedrichstaöt, eine Schrift zu publizieren, die uns über die' Beziehungen unseres traditionellen Wissens zu den neuesten Bereichen der Psychologie Aufschluß geben soll. Die Schrift heißt: „Clihu, das überindividuelle und unbewußte Seelenleben als weg und Inhalt jüdischer Tradition; Versuch einer zugleich historischen und psychologischen Grundlegung der Osfenbarungslehre." Ueber die Grundvoraussetzung des Verfassers bedarf es wohl keines Hinweises. Rur in durchaus verneinendem Sinne befaßt sich seine Schrift mit den vielen früheren und heutigen Theorieen, die-den Akt- und Inhalt des Sinai-Wortes in subjektive Stimmungen auflösen. Er spürt zunächst den Beziehungen zwischen babylonischer, biblischer und platonischer Geschlechter- Entstehungslebre nach, die schon von Freud selber, Ziegler und Manasse ben Israel aufaeöeckt -wurden. Er gelangt sodann zu den frappantesten tannaitischen Vorwegnahmen heutiger Psychologie: zu einigen Traumdeutungen in Berachoth 55/6 und einigen in Ccha rabbati l, 15—18. Eine stattliche Zahl von Mischna-, Talmud- und Midraschstellen, halachischer und rabbinischer Vorschriften erweist uns danach, daß auch 'diese Deutungen keine vereinzelten Genie- Taten, sondern Zeugen davon sind, daß in gewiss e n D i n g e n die Denkweise der b"iri' der der heutigen Psychoanalyse nahekam. Der Verfasser zeigt jedoch, unbekümmert um die tiefen Differenzen zwischen den heutigen Psychologenschulen, auch eine große Reihe jüdisch-traditioneller Anklänge an die Kollektiv-Psychologie E. G. Jungs auf. Unwillkürlich gelangt ec hierdurch zu neuen Ausblicken auf die in diesen Blättern vor 7 Jahren behandelte Frage „abrahamitisches oder mosaisches Judentum", über die inzwischen auch I. Heinemann Beachtenswertes geschrieben hat, das hier zur Erörterung kommt. Auch die Unterschiede zwischen maimonidischer und nachmanidischer Offenbarungslehre (Ritbas Büchlein Sikkaron) sind hier, ganz wie von selbst, aufs Reue zur Diskussion gestellt. — Die Grundfragen der .Autonomie und Heteronomie und des vortannaitischen Traditions-Modus sind ja gleichfalls von, selber gegeben, sobald der Begriff „Volksseele" oder /„Rationalgeist" eben kollektivpsychologisch entwickelt wird. Roch grundlegender zur Erkenntnisder tiefen Weisheit' unserer weisen dürfte das .sein, was im dritten Teile über die parallelen zwischen der biblisch-talmudischen und der modern psycho-biologischen Weltentstehungslehre zutage tritt. S. F e r e'n c z i hat die Erkenntnisse der Psychoanalyse auf die Pflanzenlehre und Artengeschichte übertragen, und obgleich er von der bald geradezu altbackenen Deszendenztheorie nicht völlig loskommt, hat er doch nach eigenem Geständnis „einen neuen Sinn in der alten Weisheit von der Erschaffung des Menschen durch ein denkendes Wesen" entdeckt; wie dieser „neue Sinn" nun auch in vielen anderen parallelen zwischen jüdischer und moderner Kosmogonie zum Ausdruck kommt, — das eben zeigt die Lohen'sche Schrift im Einzelnen. Sie stützt sich in vielem auf die Werke von A. Marcus. Sie sichtet ferner, was für uns an der Golöberg-Unger'schen Kollektivitätslehre brauchbar ist und'sogar von unseren weisen gebilligt wird. Endlich zieht sie aus allem Obigen das Fazit in einer pfychologischenReusunöierung der Hirschischen Symbolik auf dem Gesetze des Anklangs, der als wichtigste Funktion seelischen n Schaf deutso tete ff zieht über 53, 1 chendc erleich aber nicht sondei hetze, eingeh L Wisse, unterl daß a den f rendei diesen sühru, oder die H Lxem; ist de; rabbii der gl umsch stellt, Ansp! Mater Gen An beginn Jahr tag al Ausspi rere. \ Rabbi (Mont biner- Angris Berlin angele handln läge s An tag o furt-Li bei de: biner deutsch Wiesb belasse' Die X An, des P Inge war se recht I