Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1932)
- Date
- 1932-12-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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;J j. i Ki!' (! . > i Seite 6 Nr. 52 D> r& s t a e f'i t 221 Dezember1932 ihm übertragene Hohe Amt in der heiligen StaÄ zu übernehmen und bitte seine Gemeinde, . ihn in dieser Absicht zu unterstützen, deren Verwirklichung seinem Leöensideal entspreche. Er hoffe in der heiligen Stadt eine Jeschiwo führen, zu können, die dazu beitragen werde, den geistigen Aufbau des heiligen Landes im Sinne von nrri'i nun wesentlich zu fördern. Wie man hört, werden viele der gegenwärtigen Schüler des Chufter Raw mit ihrem Lehrer nach Erez Jisroel übersiedeln, um weiter aus seinem unversiegbaren Thoraquell zu schöpfen. Gleichzeitig mit dem Chuster Raw beabsichtigt der weltberühmteW i schnitzer R e ü b e in Begleitung se ner Söhne, der Herren Rabbiner Mendel Hager, Meier Hager, Leiser Hager und einiger Enkel eine Reise nach Erez Jisroel anzutreten. Der Reiseplan des Wischnitzer Rebbe hat unter seinen Anhängern starkes Interesse er weckt und es werden voraussichtlich zahlreiche Chassidim sich der Reisegesellschaft anschließen. denheit zu Protesten) in großem Maßstabe/gegen die Valuta-Tortur in Rußland zu veranlassen! - - Delegiertenversammlung der orthodox-jüdischen Non fesfion in der Slowakei. — Isidor Pappenheim Bratislava zum Landespräsidenten gewählt. Trencianske Teplice, 21. Dez. (Prioattelegramm des „Israelit ".) Unter stärkster Beteiligung, wie sie nach den wachen langen Vorbereitungen mit zahlreichen Voroersammlun gen zu erwarten war, traten am Montag die Delegier ten der orthodoxen Gemeinden der Slovakei zur Reu wähl der Landesrepräsentanz und der sonstigen konfes sionellen Organe zusammen, insbesondere aber zur Wie derbesetzung der durch den Heimgang von Oberrabbiner Koloman Weber s. A. in Piestany erledigten Stelle des obersten Repräsentanten der Konfession, der Stelle des L a n d e s p r ä s i d e n t e n. Nach aufregen den Kämpfen wurde entgegen einer von Munkacz und von zionistischer Seite ausgehenden Minderheitsopposition vollstes Einvernehmen unter Rabbinen und Laien, oberländischen und unterländischen Delegierten hergestellt, so daß die Wahl des Präsidenten der Bratislavaer or thodoxen Gemeinde, Isidor Pappenheim, zum Lan desprästdenten unter den größten Ovationen fast e instimmig erfolgte. Die Tagung dauert fort. Weiterer Bericht folgt. Rutzland. Man darf schon aus Rußland auswandern. Moskau, 15. Dez. Die Sowjet-Handelsorganisation „Torgsim" teilt mit, daß sie in der Lage sei, Personen, die die Sowjetunion für die Dauer verlassen wollen, Pässe zu besorgen. Die Paßgebühr beträgt für einen Arbeitenden 550 Goldrubel, für einen Nichtarbeitenden 1100 Goldrubel. Man erwartet, daß viele jüdische Sowjetbürger, die in der Sowjetunion unbeschäftigt sind und bei ihren Kindern oder anderen Verwandten im Auslande leben wollen, nunmehr die Gelegenheit zur Auswanderung ergreifen werden Allerdings wird die teure Paßgebühr für sehr viele Auswanderungswillige ein Hindernis sein; für die Auswanderung einer mehrköpfigen Familie müßte man allein an Postgebühren Tausende Goldrubel bereitftellen. Palästina. Bialiks Anklage gegen Sowjetrußland. Tel-Am iw, 18. Dez. Der berühmte hebräische Dichter Chaim Nachman Vialik fährt in seiner Anklage gegen die sowjetrussischen Behörden, denen er Verfolgung und Marterung von Juden im Zusammenhänge mit der Suche nach ausländischer Valuta vorwirft, fort. Bialik übergab der ITA. eine Anzahl Dokumente betreffend solche Judenverfolgungen, wobei er erklärte, daß er sich für deren absolute Zuverlässigkeit verbürgt. In einem aus Kiew an Bialik gerichteten Appell wird mitgeteilt, daß in dem Städtchen Korosten in der Nähe von Kiew 30 Juden verhaftet und chrei Tage lang bei strengem Frost unter freiem Himmel bewacht gehalten wurden, wobei ihnen nicht gestattet wurde, Nahrung zu sich zu nehmen, dies alles, um sie zur Herausgabe eventuell in ihrem Besitz befindlicher ausländischer Valuta zu zwingen. Vier Fünftel der auf solche Weise Gepeinigten sind so schwer erkrankt, daß Lebensgefahr für sie besteht. In dem Städtchen Chabne verstarb der Jude Wolf Lutzky an den Folgen der gegen ihn zur Erpressung von Valuta angewandten Torturen. Auch aus Moskau erreichte Bialik ein Appell, die Ju- Jerusalemer Brief. ' ' - \ J e rü salem, .«8. Dez. - Dütch die vom High Commissioner den -Prefsevertretern gegenüber bei seinem Aufenthalt in, Aegypten abgegebenen Erklärung über den Plan des Legislative Council ist der künstlichen Erregung, die man wegen der früheren Mitteilung in Gens ins Publikum hineingetragen hatteziemlich rasch ein Ende bereitet worden. Der ganze Plan ist — was übrigens schon mit voller Klarheit aus der Genfer Erklärung hervovging — kein es w egs. aktuell, sondern soll sich erst aus den Erfahrungen heraus entwickeln, die man mit dem. auch noch nicht unter Dach gekommenen neuen Gemeindeverwaltungsgesetz im Laufe' der Jahre machen will. Wozu also der-Lärm? Es wäre wirklich nützliche wenn die misrachifUfche und revisionistische Presse ihre: politischen Nervositätbei künftigen Anlässen etwas mehr Zügel anlegte. ' •- '' / - Der Dampfer, der am. letzten Montag ,.in. Jaffa ankam. brachte unter Hunderten von Chaluzim modernen Schlages, auch zehn neue Hörer der Jeschiwo Bejs Josef, der Pflanzstätte von Novarodo k. Die neuen Ankömmlinge, denen in Kürze Weitere 24 Kollegen folgen werden wurden in einer eindrucksvollen Feier, die tags daraus innerhalb der Jeschiwo in Tel Awiw stattfand mit besonderer Herzlichkeit begrüßt. Der Leiter der Jeschiwo, Rabbi Hilel Witkind, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es der „Agudas Jisroel" gelungen sei, die Einreiseerlaubnis für diese 34 Bachurim unmittelbar von der Palästina-Regierung zu erlangen und dankte außerdem dem Misrachi, der weitere 30 Einreiseerlaubnisse von der Agency erwirkthabe. Eine glänzende Rede hielt der Raw von Pethach Tikva, Rabbiner K a tz. Namens der Agudo sprach Rabbi. Mosche Blau. Er gab seiner besonderen Freude Ausdruck, daß die jugendlichen Träger der Thora sich nicht mehr, um Eingang nach Erez Jisroel zu finden, als Arbeiter verkleiden müßten, sondern daß es endlich gelungen sei, offen unter der Fahne der Thora den Boden Erez Jisroels zu betreten. Es sprachen noch die Herren Oberrabbiner Usiel, Sch. Kuk, Rabbi I. M. Tükazinski. Rabbiner Dworetz. Alsdann wurde eine beträchtliche Summe zum Besten der Jeschiwo gesammelt. Ein empörender Artikel mit geradezu verleumderischen Anklagen gegen das jüdische Volk im Altertum, den Jthamar ben Awi im Doar Hajom veröffentlicht hat, gab Oberrabbiner Kuk Anlaß zu einem scharfen öffentlichen Protest gegen diese Art von literarischer Brunnenvergiftung, der starken Widerhall im ganzen jüdischen Publikum gefunden hat. Umso aussichtsreicher darf vielleicht die schon seit längerem geplante Herausgabe einer streng orthodoxen, auf agudistischem Boden stehenden hebräischen Tageszeitung gelten, die nunmehr von der Regierung, nachdem die erforderlichen Garantiesummen hinterlegt wurden, genehmigt worden ist. Das neue Blatt soll bei strikter Festhaltung der agudistischen Grundlage doch auf Einigung aller gesetzestreuen Elemente hinwirken und seine Kampffront, soweit seine solche notwendig ist, im wesentlichen gegen die liberale und zionistische Assimilation wenden. In Pethach-Tikva fand die feierliche Grundsteinlegung zu einem neuen Anbau an die dortige 'Talmud Thora der Agudas Jisroel „Scheeris Jisroel", statt. In Anbetracht der Vermehrung der Schülerzahl '"3 haben sich einige tatkräftige Freunde der Schule in Pethach-Tikva selbst entschlossen, die nötigen Summen iür den Neubau zur Verfügung zu stellen. Bei der Einweihungsfeier sprachen Rabbiner Katz, der Leiter der Lomzaer Jeschiwo, der Vertreter der Agudas Jisroel, Herr Porusch. Es herrschte gehobene Stimmung. Amerika. Newyorker Brief. New y o rk, 10. Dez. Die Wahlen haben, wie bereits bekannt, zwei-weitere Juden auf den hohen Beamtenposten von Staatsgouverneuren befördert: -außer dem Colonel Lehmann in Newyork auch den Richter Hornör in Illinois. Zusammen mit den von früher im Amt befindlichen und wiedergewählten Herren sind vier Juden Staatsgouverneure. Dem Repräsentantenhaus gehören 11 jüdische Mitglieder an. Der Antisemitismus spielte in der Wahlbewegung so gut wie gar keine Rolle. Nur in Illinois, versuchten, einige einflußlose Kreise gegen Horner an die antisemitischen Instinkte zu appellieren:; Man inimmt an> daß der ineuer Präsident, Mr. Roofevelt,' den bekannten• »jü-ischM^8an» kisr- Bernhard Äarüch, zum Schätzsekretär berufen/ wird. ..s Mtzcherrl siEimryAmehr bemerkbar---imrchesideN j^Lirkungen der Wirtschaftskrise tritt auchhier in Amerika das Probleml einer) Rationalisierung) dds j ü d i s e n Gemein d e I e b e tf s immer mehr in den- Vordergrund. Zwei Pläne liegen in dieser Hinsicht vor. Der eine von dem Richter Horrace Stern stammend, der andere von Prof. Cyrus Adler. Bei dem praktischen Sinn der Amerikaner ist. anzunehmen; daß einer dieser Pläne, die beide eine stärkere- Zusammenfassung und Konzentration der verschiedenen 'Synagogen Und Vereine vorsehen, in nicht allzu langer Zeit, verwirklicht werden wird.. Leider ist dabei keineswegs anzunehmen, ‘ daß diese; Konzentrationsbewegung, die durch die Finanzlage vielleicht erzwungen wird, nun auch einer Vertiefung des geistigen und religiösen Lebens zugute kommen wird. Im G'egentell, die Unterschiede werden sich immer mehr abschleisen und man wird. schließlich überhaupt nicht'mehr wissen, was orthodox, liberal oder zionistisch ist. In der .in Buffalo, stattgehabten Jänuarkonserenz des Misrachi wurde der Beschluß gefaßt, -an die Mandatarmacht mit der Forderung heranzutreten, den Samstag als, Ruhetag bei den jüdischen Arbeitern in Palästina öffentlich anzuerkennen. Ferner faßte man Resolutionen zu Gunsten der gesamten Kontrolle der jüdischen Einwanderung nach Erez Jisroel durch die Jewish Agency und gegen den Legislative Council. Endlich verlangte die Konferenz nach stürmischer Debatte -einen Kongreß aller orthodoxen Elemente ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit in Palästina, damit eine einheitliche orthodox-jüdische Frönt im heiligen Lande her-gestellt werden könnte. Sprechsaal. Berichtigung. Amsterdam, 13. Dez. Ihr Korrespondent hat vor einigen Wochen, berichtet, daß die hiesige jüdische Gemeinde im Jahre 1931 mit einem Defizit von ca. fl. 120.000 abgeschlossen habe und auch für 1933 auf einen großen Fehlbetrag rechne. Es wird Ihnen und Ihren Lesern sicher angenehm sein, zu hören, daß dies ein Irrtum ist und der Abschluß pro 1931 einen Ueberschuß von fl. 10 700, ausgewiesen hat, während das noch festzustellende Budget pro 1933 natürlich auf beiden Seiten gleiche Beträge aufweist. Die Zahlen Ihres Korrespondenten sind, trotzdem korrekt, nur muß man - statt Nederl. Israel. Hoofüsynagoge (d. i. der offizielle . Name der Israelitischen Gemeinde) Ned. Jsr. Armbestuur (d. i. der offizielle Name der Jsr. Armenverwaltung) lesen. Letztere empfängt von der Israelitischen Gemeinde 25 Prag, des von ihr empfangenen Steuerbetrages, ist aber sonst vollständig unabhängig. Unsre Armenverwaltungen arbeiten schon jahrelang mit großen Verlusten und fühlen sich trotzdem ganz wohl dabei, die Fehlbeträge werben stets in vereinen - oder anderen Weife gedeckt, ohne daß die Öffentlichkeit hiervon etwas weiß. ,, Personalien. Fulda, 20. Dez. Frau Jettchen Vacharach in Rhina (Kr. Hünfeld) wird am 28. Dezember sie ist, noch sehr wohlauf' und rüstig. . 98 Jahre alt, «rsNö». Flörsheim a. M., 16. Dez. Seinen 70. Geburtstag beging eines der ältesten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr- Josef Jakob B i r n z w e i g, ein Jehudi alten Schlages, der immer bestrebt ist, das Minjan in unserer kleinen Kehillo aufrecht zu erhalten. Immer ist er der erste beim Glltesdienst, der Jugend mit gutem Beispiel vorangehend. Lange Jahre war er Vorsitzender der Ehewra Kadischa und ruhte in unserer an Kohanim reichen Gemeinde fast auf ihm allein der letzte Liebesdienst an den; Toten. Am letzten Sabbat wurde er beim Aufrufen , mit einem besonderen Mischeberach geehrt. vermischtes. Lüneburg (Provinz Hannover), 10. Dez. Man schreibt uns: Am 4. Juli'1932 starb hier ein Herr Sally Spielmann. geboren am 15. Mai 1668 in Dobczyn, Polen- Bei dessen Lebzeiten wußte man nicht, ob er Jude war, er kam nie zur Synagoge, auch, nicht an den hohen Feiertagen. Als er starb, stellte es sich heraus, daß er Jude war. Die Behörde teilte es der Jsr. Gemeinde mit und er wurde auch auf dem Jsr. Friedhof beerdigt. Er galt zu Lebzeiten als armer Mann, er ernährte sich von seinem Schneiderhandwerk und Handel. Nach seinem Tode fand man ein Kassa-Buch auf seinen Namen über ca. 5000 Mk. Da in Lüneburg keine Erben vorhanden; -V‘j