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Der Israelit · 1932-12-22 · Heft 52 (22.12.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 52 (22.12.1932)
Date
1932-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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22. Dezember 1932 Der I sra e l i 1 Nr. 52 Seite 6 . . / Der Kampf! um die Gemeindesatzung. - ///•,: ../■.:/;//'./> Dor-/tmümd10/ Dez. . - Jnnderst letzten- -Gitzung der Repräsentantenversamm- Ilungji der, ^hiesigen-' Synagogengemeiplsst! j j üru^e,:. >in: Att- WesWeit seines zah^^chstttirZuhöM^ÜWürllsstLer! rwei-! texe!jKreise schonstlänge Zeit'.beschäftigende; -Konflikt verhandelt, der im Zusämmenhang mit der von der. Regierung verlangten Neugestaltung der Gemeindesatzung ausgebrochen ist. Es handelt sich, im - wesentlichen um die Frageob die vom stlleligionsgesetz sowohl wie. von dem geltendenpreußische^j.'Judengesetz / von 4jS£7; geforderte <3 l e i ch b e r e ch t i g M n g ja l l e r G e^ m' e i n d e m i t. - g l i.e d er ohne' Nu ck s iH t allst, i h r /e H e r k u n s t und ihre staatsbürgerliche Zugehörigkeit - weiterbestehen, oder ob durch einschränkende Satzungsbestimmungen > der Einfluß der ostjüdischen Gemeindemitglieder künstlich zurückgedrängt werden soll. Vorstand und Repräsentanten hatten beabsichtigt, das Wahlrechtabhängig zu. machen von der fünfjährigen Zugehörigkeit r zu einer jüdischen Religionsgemeinde i n ne r h a lb D e utf ch l a n.d s, wogegen sich sowohl die ostjüdischen/GetneiNüemitglieder selbst, als insbesondere ihre zionistischen- Führer mit großer Schärfe wandten. Von zionistischer--Seite, wurde, da gegen die liberale Mehrheit auf demokratischem Wege nicht aufzukommen ist, die R e g i e r u n g angerufen, die denn auch geneigtschien, zum mindesten -auf eine starke Einschränkung.der beabsichtigten Karenzzeit hinzuwirken. Daraufhin wandte sich der Gemeindevorstand in einer vom.Gemeindevorsitzenden verfaßten Gegeneingabe ebenfalls an die Regierung und entwickelte in dieser Eingabe .Gedankengänge, die von keinem Standpunkte aus zu rechtfertigen sind. Die- Eingabe klingt, als ob die Ostjuden und ihre zionistischen Führer geradezu eine -Gefahr bildeten. für den deutsch-vaterländischen Charakter der Gemeinden, so daß die Absicht, dstrch diese. Verdächtigung bei der Regierung Oberwasser zu gewinnen, tri höchst angenehmer Weise hervortritt. In der Debatte, die nunmehr in der Repräsentantenversammlung stattfand, zeigte sich, daß auch ein großer Teil der liberalen Repräsentanten mit dem Tenor der Eingabe durchaus nicht einverstanden ist, wenn man den Tadel auch in die vorsichtige Form gekleidet hat, daß Wendungen der Eingabe zu Mißdeutungen Anlaß geben könnten. Im übrigen hat sich die Gemeindevertretung natürlich hinter den Vorstand gestellt und-es wird wohl nur durch einen.starken Druck von oben gelingen, die durch nichts zu rechtfertigende differentielle Behandlung der ostjüdischen Gemeindemitglieder abzuwehren. Man sollte auf liberaler Seite von allem Rechtsgefühl abgesehen, doch eigentlich klar darüber sein, daß nichts .geeigneter ist, ein Hineinwachsen der aus dem Osten eingewanderten Elemente in die deutsche Kultur zu fördern, als ihre völlig gleichberechtigte. Teilnahme am Gemeindeleben. Echächtverbot ab Juli 1933. Wei ma r , 16. Dez. ,/ Der thüringische Äändtast - hat das oqn - der -Nationalsozialistischen Landesregierung vorgelegt^//Gesetz/ üher den Tierschutz", dessen Kernstück ein,Schächtverbpt ist,, mit den Stimmen st er Nationalsozialisten, des Land- Hunds und.der Deutschnätionalen bei-Stimmenthaltung des Vertreters der Tieutschen Volkspartstf.'g^gen demotraten und Kontsnutzisttzn! in zweiter Lesung - anW nommen. Während nach dem Gesetz Tierquälereien mit Geldstrafen bis zu 150 Mark belegt werden,, wird die Uebertretung.des Schächtoerbots mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bezw. mit Geldstrafe bedroht,/Das Gesetz soll erst am 1. Juli 1933 in Kraft treten, in der Zwischenzeit will die Landesregierung mit-Preußen und dem Reich wegen Erlasses eines allgemeinen Schächtoerbots verhandeln. — Die Debatte über das Gesetz, über das das letzte Wort noch nicht gesprochen .ist, verlief außerordentlich erregt. Ein Bericht hierüber folgt demnächst Oesterreich. wiener Orthodoxie. Wien, 18. Dez. In der letzten Ausgabe, des „Israelit" erschien anläßlich der Kultuswahlen ein Artikel über Orthodoxie und Kultusgemeinde, in dem -die Verhältnisse ziemlich richtig wiedergegeben worden sind. Der Klarheit wegen soll aber noch folgendes erwähnt werden: Der Verfasser des Artikels glaubt, was in. Warschau möglich war,- liegt: auch' in-Wien nicht außerhalb der ... . .Berlin. Im Alter pon . 83 Jahren starb Eduard .Bern'stein, einer' der. füljreriben Köpfe in der deutschen Sozialdemokratie/ In den Jahren seines Kampfes seinem Volke ganz entfremdet, suchte er in/den alten - Tagen wieder/ Westirijzum Judentum- und; landete auf halbem Wegeim Po äl e Zionismus, in dem er uzstletzt mitarbeitete. /— Vor kurzem, hat/der Provinzialverband für1 jüdische Wohlfahrtspflege in der' Provinz Oberschlesien, in der./Aeil- und . Pflegeanstalt Branitz . (O.-S.) -- eine,! ritu elle Küche eingerichtet und. in . Betrieb genommen. Köln. In Frenz-bei -Düren im Rheinland wurden auf dem jüdischen- Friedhof zwei Grabsteine / zerstört,' mehrere Gräber beschädigt und die eiserne Eingangstür - zum.!! Friedhof zertrümmert/ - Da..an dem Ort nurstnoch wenige jüdische.,Familien wohnen und det!! Friedhof selten ausgesucht wird, kam man detst/SchändUng - erst später auf die Spur.. SchwiLNtt. Ein hiesiger Friseur verbreitete- Flugblatts und Handzettel des. Inhalts: Deutsche, kauft' nur bei Deutschen!.!. Kauft ihr beim Juden,, so helft ihr dem Bolschewismus!" Auf Antrag;jüdischer Geschäftsleute wurde unter Androhung der üblichen Strafen die Verbreitung der Flugblätter untersagt. In der Begründung wird-;ausgeführt,' ein solchex Angriff sei rechts- . widtrg, da er in die Rechte der- Antragsteller, die;'deutsche Staatsbürger sind und ihr-Geschäft rechtsmäßig betreiben, eingrcift. und ihre Vermögenslage beeinträchtigt, Gießen. Am. letzten Sonntag mittag während des regsten Geschäftsbetriebs warfen ' S. A.-Männer Tränengasbomben in mehrere jüdische Kaufhäuser, die zu einer/Panik und Geschäftsstörung führten. . Ganzähnliche Attentate fanden genau zur gleicher Zeit auch in Mainz, Darmstadt und' Worms statt. Wien. Auch in Wien würden am sogenanüten Goldenen Sonntag während der Geschäftszeit Tränengasbomben injüdische - Geschäfte geworfen, Man hat Grund, anzunehmen, daß die Attentäter mit denen, die am gleichen Tage in den/'deutschen Städten Gießen,' Mainz, D a r m st a d t und Worms ähnliche Anschläge verübt haben, in Verbindung stehen. Warschau. Die/polnische Regierung hat dem Bürger- Komitee zur Unterstützung.jüdischer Arbeitsloser; 300: Waggon Kartoffeln und 100 Waggon Kohle zur Verteilung an jüdische Arbeitslose in /' diesem Winter zur Verfügung gestellt. Amsterdam,. Im Wertheim-Park im Zentrum von Amsterdam wurde eine Gedenkfeier für den holländisch-jüdischen Philantropen Abraham Earel Wert he im aus Anlaß seines 100, Geburtstages abgehalten, der Hunderte hervorragende Persönlichkeiten Hollands beiwohnten.. Unter den Teilnehmern befanden sich auch eine Abordnung der Stadt Amsterdam und Vertretungen der jüdischen Gemeinden. — Es wurde beschlossen, in der südlichen fsiexivherie- Amsterdams eine neue Sh na- , g:y $ e' zu errichten. Brüssel, Im neügewählten:.; belgischen Parlament sitztjnpn auch ein. Jü,de,. MW./S o m m e r h a u s e n', der auf der-Lrste/n .der szjiSozialistischen Partei - gewählt -wurde.' . Sompzerhausen 'entstammt einer Rigaer jüdischen '' FMllie. Pisa. Der itas> ienisch K 8 n i g; PiWrio. Enranuelo empfing in seiner' Residenz/,, in/S^n Rössore eine Abordnung; der. jüdischen Geiiftmde voni vor n o,/,unter/Führung des ' Oberrabbinev Dr. Alferdo ÜT o a f f. Der König unterhielt sich mit seinen Gästen mehr als eine halbe Stunde über Angelegenheiten allgemein - Mischen Interesses. 'Madrid.' Don' A n g e To Pulido verstarb im Atter von 80 .Jqhren in . Madrid. . Don Angelo Pulido. war es, der noch Hin der 'Zeit der spanischen Monarchie . und/ / spätest nach Ausrufung der. Republik dafür gekämpft hat, daß das moderne Spanien das vom alten Spanien an den, Juden begangene Unrecht/der Austreibung wieder gut mache und die -itz verschiedenen Ländern zerstreut lebenden sephatdischen Juden in die Heimat ihrer. Väter zurückruse. Cairo. Der im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag gegen das Palais des / -britischen High E o m m i s s i o n e r für Aegypten, Sir Percy Lorraine, vor einigen Tagen verhaftete Jude ist aus der Haft ent- . lassen worden, nachdem sich herausgestellt, daß er mit dem Attentatsplan nichts zu tun gehabt hat. Seine Verhaftung erfolgte nur darum, weil er sich zur Zeit des Attentatsversuchs in der Nähe des Palais aufgehalten hat. Entwicklung. Dagegen.Muß. eingewandt werden, daß in Warschau sicher 75 Proz. der Juden orthodox, sind/ während in Wien 95 Proz. der jüdischen Bevölkerung n ich torthodox sind. Wenn sich. « l.l e ^orthodoxen Juden zusammenschlössen und sich hundertprozentig an der Wahl beteiligtest-! .so: wären von den 36/Mandaten hychststri-S'/. 4 Mandate für die Orthodoxie.zu. erringen. Es ist/nach menschlicher Voraussicht gänzlich ausgeschlossen, daß in den Kültusvorstand eine orthodoxe Vertretung in einer solchen" Stärke entsendet wird, daß sie entscheidenden Einfluß, auf die Gemeindeverwaltung ausüben - könnte. Von einer orthodoxen Mehrheit zu sprechen -wäre Utopie.- ' -Die' der Adas ' Jisroel-Schiffschul angehörenden und ihr nahestehenden orthodoxen Juden erblicken in der Israelitischen' Kultusgemeinde nicht ihre Kehilläh Und lehnen die religiösen Einrichtungen-'dieser Kultusgemeinde ab. Das Gesetz zwingt sie, dieser-Gemeinde Steuern zu entrichten-und sie tun dies, weil die Kultusgemeinde sonst gegen sie Exekution führen würde/ Als „Kehilläh" besteht feit 80 Jahren m Wien die/Schiffschul, obwohl sie staatlich als „Gemeinde" nicht anerkannt ist. Ob daran die politischen Verhältnisse in Oesterreich oder, die Ünsähigkeit der orthodoxen-Führest schuld ist, soll hier nicht unter' sllcht rverL-stn. Ob j e tz t' die Orthodoxie! „die Kraft in sich fühlt, beh gesetzlichen Austritt aus dev Gemeinde zu vollziehen," oder nicht, hat keinen Einfluß auf die prinzipielle Einstellung der Orthodoxie. -Tatsache ist es, daß der größte Teil der agUdistischen Orthodoxie nicht „gemeindeorthodox", sondern „trennungsorthodox" eingestellt ist, unabhängig davon,-/ob die-gesetzliche Regelung des Austritts erüungen wird- oder nicht. Die Orthodoxie hat sich ihre religiösen Einrichtungen in mühevoller Arbeit selbst geschaffen und' konzentriert ihr ganzes Interesse auf diese eigenen Institutionen. - An der Entwicklung der Kultusgemeinde ist sie — zumindest was die religiösen Einrichtungen betrifft — desinteressiert. (Das gilt lediglich für den Schiffschulkreis, nicht für -die zahlreichen polnischen Orthodoxen. Red.). Belgien. Agudas Jisroel und Msrachi. .! l A n t w e r p e n, 16. Dez Der hiesige Rabbiner Amiel setzt in dem Jerusalemer Misrachi-Organ: ' „ S) a t o r " seine vielbeachtete Artikelreihe über Erfolge und-Mißerfolge des Misrachi mit einer Sonderbetrachtung über die Beziehungen zwischen Misrachi und Agudäs Jisroel fort. Rabbiner Amiel neigt zu dem Gedanken, daß die bisher erziellen Ergebnisse der fraktionsmähigen Zugehörigkeit des Misrachi zur. zionistischen Organisation gänzlich unbefriedigend seien,' und daß die Idee einer selbständigen Misrachi-Organifation nicht von der Hand. zu weisen sei. Was die Beziehungen zur „Agudas Jisroel" anbetrifft, so tadelt Rabbiner Amiel die Taktik des Misrachi, der die weitgehende weltanschauliche Gemeinsamkeit, die ihn. mit. Agudas Jisroel verbände, allzu häufig vergessen habe-und dadurch teilweise jedenfalls selber daran schuld sei, -wenn auch von ägudistischer. Seite dem Misrachi häufig ,in ungerechtest und unfreundlicher Weise begegnet werde. Die eine Mizwä von Jisch-uw Erez Jisroel, die allerdings nicht bloß eine Mizwa, sondern Lebensbedingung des jüdischen Volkes fei-und die den Misrachi mit dem Zionismus verbinde/ dürfe 'das Band der übrigen 612 Ge- und Verbote, das- Agudas Jisroel nnd Misrachi zusammenschließt, . unmöglich übersehen lassen. Spezrellder polnische Misrachi habe stich viel zu sehr ins Schlepptau Jzchak Grünbaüms nehmen lassen, der'fein wahres Gesicht erst jetzt wieder durch einen schäüdlichen Artikel im; „Haolam" zu Gunsten des Chillul Schabbos ln Erez Jisroel gezeigt habe. ' . Die Artikelreihe wird fortgesetzt/ (Wir behalten uns vor, auf die Aufsätze Rabbiner Amiels nach Abschluß zurückzukömmen. -Röd.)/ Tschecho-Slowakei. (vberrabbiner Ouschinski über steinen Amtsantritt in Jerusalem. Chust, 15. Dez. Vorige Woche erschien eine Deputation angesehener Ehuster Gemeindemitglieder bei Oberrabbiner Duschinski, um die Bitte an ihn zu richten, seine Gemeinde nicht zu verlassen und auf das Oberrabbinat in Jerusalem zu verzichten. Oberrabbiner Duschinski erwiderte, er fei fest entschlossen, mit G'ttes Hilfe nach dem Pesachfeste das

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