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Der Israelit · 1932-12-15 · Heft 51 (15.12.1932) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 51 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 12 Seite 3 15. Dezember 1932 für, von den Heldentaten eines Simson bis auf die Leistungen unserer jüngsten Pionierarbeit in Palästina. Die Jugend von heute beginnt zu verstehen, daß es nur eine Möglichkeit gibt, ein organisches Glied dieser Kette zu werden: durch, die Beherrschung der hebräischen Sprache, die zu ihr den Zugang eröffnet. An einem dem Dibbuk entnommenen eindrucksvollen Beispiel versuchte Nachum Lewin zu -eigen, daß es einen Weg zur Vollkommenheit gebe, und dieser bestünde in der Vereinigung der drei Hauptmomente: Boden. Arbeit und Sprache, d. h. Keren Kajemeth. Ehaluziuth und Hebräisch. — Die Tagung selbst fand am 18. September in den Räumen des Beth-Am statt. In das Präsidium wurden gewählt: Nachum Lewin als Vorsitzender, Heini Charas-Vrith Häolim, Feilchenfeld -E s r a , Cutz Schill-Kadimah, Dr. Hans I. Salomon-K. I. V. als Mitglieder. . . . folgt ausführlicher Tagungsbericht . . . Auf der Tagung wurden einstimmig in den Zentralrat gewählt: Nachum Lewin als Vorsitzender, Georg Pape-Brith Haolim, Dr. Hans I. Salomon-K. I. V.-Zi. St.. Max Ziemels-Kadimah, Vrecher-Esra-Zeire Misrachi. An der Tagung teilgenommen haben 71 Delegierte aus 18 Orten und 10 Organisationen, und zwar: Arbeiterkreis, Brith Hoalim, E s r a. Hamakkabi Razair, Haschomer hazair, Dechaluz, Kadimah, K. I. V., Zeire Misrachi, Zi. St. Die Bundesleitung des E s r a, der sich bereit er-, klärt hat, an der g e m einsamen Arbeit sich z,u beteiligen, bittet jedoch, folgende Erklärung zu veröffentlichen (sic!): „Der Esra will sich der Arbeit der Mo'azah anschließen, erklärt aber im Gegensatz zu den anderen Bünden, daß für ihn keine gemeinsame ideologische Basis mit diesen Bünden besteht, auf Grund derer er sich an Erklärungen ideologischer Art beteiligen könnte." Aus der Jüdischen Rundschau Nr. 65 vom 18. Oktober 1952: „Arbeitsgemeinschaft religiöser Jugendbünde. Am 8. Oktober fand in den Sophien-Sälen die erste Kundgebung der religiösen Jugendbünde statt. Die Arbeitsgemeinschaft umfaßt zur Zeit folgende Bünde: Brith Chaluzim Datiim, Brith Hanoar, Esra und Zeire Misrachi. Dr. Werner Silberstein eröffnete die Versammlung mit dem Wunsche, daß sie der Auftakt zu einer engen Zusammenarbeit aller Bünde, die auf dem Boden des thoratreuen Zionismus stehen, sein möge. Er gab dann den Vertretern der Bünde das Wort. Es sprachen: Heinz Grünwald (Zeire Misrachi), Bernhard Brecher (Brith Hanoar). Manfred H itten (Esra) und Jizchak Schwerfenz, der bis vor wenigen Wochen noch Mitglied des Kadimah war und die Gründe darlegte, die ihm eine Arbeit in einem religiös „neutralen" Bunde unmöglich machten und ihn zum Uebertritt in den Brich Hanoar bewogen. Hatte aus allen Reden der Vertreter der Bünde der Wille geklungen, mit dem Nebeneinander ein Ende zu machen und gemeinsam für Erez Jisroel zu arbeiten, so unternahm es der Hauptreferent des Abends, Chawer Dr. Oskar Wolssberg, die Richtung dieser Arbeit aufzuzeigen ..." Diese Beispiele ließen sich noch beliebig vermehren. Das ist also die „Neutralität" des Csra. Alan wundert sich eigentlich nur noch über eines: Sehen denn alle jene Csräer^ die sich agudistisch nennen, nicht, daß diese „positive" Neutralität des Csra gedanklich in derselben Richtung verläuft wie der Alisrachismus? Jede klallorganisation, die dad fundamentale Prinzip der Souveränität der Thora durch ihre praktische Cxistcnz und durch ihr Wirken leugnet oder durch Neutralität die Möglichkeit mehrerer „Richtungen" anerkennt (vgl. Feilchenfelö im letzten Csra-Führerblatt), ist eine unjüdische! Die Neutralität des Csra, der ja kein Zibbur ist und es auch nicht sein will, geht in ihrer gedanklichen Konsequenz den gleichen Weg. Daß dies praktisch die'gleiche Folge hat, ergibt bk Lektüre der obigen, wörtlichen Auszüge aus der „Jüdischen Rundschau". Videant consules! A. L. Zertifikate. Von Aleier Aller in Warschau. Cin neuer Hoffnungsstrahl drang in die Reihen des religiösen Judentums: Neue Aussicht für religiöse Juden, Zertifikate zur Cinreise in Palästina zu erhalten. Cs ist längst kein Geheimnis mehr, daß die Verteilung der Zertifikate unter den Juden, nachdem sie die englische Regierung genehmigt, in der Hand, der zionistischen Organisation und der Jewish Agencv liegt, bei denen cin religiöser Jude, sofern er nicht der zionistischen, sondern einer selbständigen orthodoxen Organisation angehört, kaum Aussicht auf eine Berücksichtigung findet. Alan verschrie die Orthodoxen, daß sie kein Interesse für das Land hätten, weder die Neigung noch die Fähigkeit besäßen, das Land zu bebauen, daß sie mit einem Worte „Feinde" des Heiligen Landes seien; obwohl Jedermann weiß, mit welcher Aufopferung gerade der religiöse Iuöei Der Israelit Blätter. dem Aufbau zu dienen und wie viele ideelle Bande ihn mit Crez Jisroel verbinden. Gerade ihm sollte die Cinreise versperrt bleiben. So mancher religiöse junge Alann, der ein Fach erlernt hat, in der Heimat arbeitslos ist, in Palästina aber ganz gewiß Arbeit bekommen und sich zum Segen für das Land betätigen könnte, sah den Weg zum Ziele seiner Sehnsucht verbaut. Wie mancher von ihnen erwog, ob er nicht mit Rücksicht auf seine Zukunft, unter Preisgabe feiner Ueberzeugung, sich doch noch der zionistischen Organisation anschließen sollte. Die religiösen jungen Menschen hatten und haben wahre seelische Kämpfe auszufechten. In bestimmten Fällen wurde dem Petenten die Bedingung gestellt, daß er fein Kind erst aus der Agudaschulc Herausnahme und der zionistischen Crziehung anvertraue, bevor ihm ein Zertifikat besorgt werden könne. Das in einer Zeit, wo alle Welt und die Zionisten zu gllererst vom Rechte der Minderheit sprechen, ist eine religiöse Mehrheit unter der polnischen Bevölkerung vollkommen rechtlos in Bezug auf Crez Israel und auf Gnade und Ungnade den zionistischen Alachthabern ausgeliefert. Nach all dem kann man die Helle Freude verstehen, die die orthodoxe Welt ergriff, als sich ihr die Aussicht eröffnete, Zertifikate für die Orthodoxie direkt und unabhängig von den Zionisten zu erhalten. Leider ist die Sache noch nicht restlos geregelt, und es bedarf noch großer Anstrengungen, den Crfolg ganz zu sichern. Um darin für alle Zeiten unser Recht zu wahren, müssen wir unsere Pflicht für Palästina erfüllen und den Nachweis dieser Pflichterfüllung erbringen. Mit Ziffern und Daten müssen wir beweisen, wie groß die Zahl der religiösen jungen Leute ist, die ungeduldig vor den Toren des Heiligen Landes stehen und gewillt sind, mit ihrem Schweiße den Boden zu bearbeiten und am Ausbau mitzuwirken. In ihrem Drange, einen orthodoxen Iischuw zu schaffen, dürfen diese jungen Menschen keine Hindernisse auf dem Wege nach und i n Crez Israel finden. Cine kleine Möglichkeit bezüglich der Zertifikate hat sich uns eröffnet, an uns ist es, diese kleine Möglichkeit zu einem großen Crfolge ausreisen zu lassen. Wege nach Erez Jisroel. Die neuen palästinensischen Einwanderungsbestimmungen. Von Dr. Salomon Ehrmann in Frankfurt a. 21t. Dem Wunsche der verehrlichen Redaktion dieser Zeitung, etwas über Erez Jisroel zu schreiben, komme ich mit gemischten Gefühlen nach; denn die Gründe des in der Aguda in größerer Stärke als bisher erwachenden Interesses für Erez Jisroel sind nicht gerade sehr ermutigend. Sie sind, gestehen wir es uns offen — selbstverständlich von einigen Ausnahmen abgesehen —, vielfach im Wirtschaftlichen zu suechn. Es ist so. als ob erst der ganze Ansturm wirtschaftlicher Krisen, politischen Antisemitismus, als Begründung dafür herangezogen werden müßte, daß weite agudistifche Massen dem Problem der Erez-Jisroel-Arbeit nähertreten. Die Aufrufe, welche Agudas Jisroel in Oesterreich und Polen heute veröffentlichen, kommen reichlich spät. Aber immerhin wollen wir uns freuen, daß sie überhaupt kommen, möchten aber vorneweg die Behauptung aufstellen daß unsere »Erez-Jisroel-Tätigkeit sich nicht prinzipiell orientieren darf an der Tatsache, daß es heute so viele jüdische Menschen gibt, die sich aus materiellen Gründen in Europa entwurzelt fühlen, ja, nicht einmal daran, daß wir in der Zionistischen Organisation und in ihrer Monopolstellung in Erez Jisroel die größte Gefahr für die Anerkenunng der Thora im jüdischen Volke erblicken. Würde über Nacht durch ein Wunder die wirtschaftliche und politische Situation der Juden in der Gloa gesichert, würde durch irgend!welche Verkettung politischer Konstellationen die Zionistische Organisation gezwungen sein, ihre ganze kulturelle Tätigkeit in Erez Jisroel einzustellen und auch die Sabbatentweihung nicht mehr zu fördern, so wäre damit kein Jota weniger an Verpflichtung der Agudas Jisroel, ihrerseits, mit dem ganzen Aufgebot ihrer Kräfte sich für Erez Jisroel einzusetzen, den dortigen Gesinnungsgenossen nicht nur durch Geldspenden, sondern durch Zufluß neuer, frischer Kräfte Sukkurs zu leisten. Aber sei es nun, wie schon so oft in der jüdischen Geschichte, daß der Weg nach Erez Jisroel nach dem -alten Weisheitsworte, in Schmerzen beschritten wird und auch in diesem Sinne fps '211, und daß diese Schmerzen der europäischen, amerikanischen Juden der Antrieb dafür sind, sich mit Erez Jisroel ernstlich zu beschäftigen, so wollen wir hoffen, daß allmählich die Zeit heranreift, in welcher es dieser Stimulanten gar nicht mehr bedarf und in welcher gerade die Gesinnungstreuesten und Besten unter uns einsehen werden, daß der Kampf mit der zionistischen Ideologie auch in der Gola, gewiß aber in Erez Jisroel erfolgreich nur durch aktive Betätigung, nicht aber dadurch siegreich ausgekämpft werden kann, wenn Aguda ihr Erez-Jisroel-Programm bloß als eine Dekoration betrachtet. Soviel über die g e i st i g e n Wege nach Erez Jisroel. — — Unter der Fülle der aktuellen Fragen, welche uns im Augenblick interessieren, steht wohl in erster Linie die Frage der E i n w a n d e r u n g s m ö g l i ch k e i t. Ein neues Einwanderungsgesetz, das vor einigen Wochen erst erlassen wurde, formuliert die bisherigen Einzolboftimmungen und muß gekannt werden, um eine Reihe irriger Ansichten über diesen Punkt zu berichtigen. Nach dem neuen Einwanderuugsgesetz bedarf es bestimmter Voraussetzungen zur Einwanderung von Emigranten aus allen Ländern, mit Ausnahme von Transjordanien, aus welchem Lande die Einwanderung frei ist. Ob diese Ausnahme auch bestehen bleiben würde, wenn sich zunächst die Möglichkeit einer Masseneinwanderung nach Transjordanien ergeben würde, ist natürlich fraglich. Die Einwanderungsbestimmungen für Emigranten aus allen Ländern sehen vier Kategorien von Einwanderern vor: A) Personen mit einem Kapital von nicht weniger als Pfd. 1000. Diese Bestimmung war schon lange. Neu ist eine Klasse, welche vorsieht, daß diese Pfd. 1000 auch auf Pfd. 500 ermäßigt werden können, wenn die zuständige Behörde auf Grund eines Antrages zu der Ueberzeugung gelangt, daß mit diesen Pfd. 500 die Ausübung eines für das Land nötigen und erwünschten Berufes möglich ist und dem Antragsteller eine Existenz verschaffen kann. Ferner können ohne weiteres Angehörige freier Berufe, die über ein Kapital von Pfd. 500 verfügen, nach Erez Jisroel immigrieren, wenn und solange Bedarf für Ausübung dieses Berufes nach der Ansicht der Jmmigrationsbehörden vorhanden ist. Endlich werden sogar Personen mit einem frei verfügbaren Kapital von Pfd. 250 zur Einwanderung zugelassen, wenn diese in bestimmten Gewerbezweigen oder einem Handwerk ausgebildet sind, welche die ökonomische Aufnahmefähigkeit des Landes aufzunehmen gestattet. Die Summe von Pfd. 1000 kann bei Emgiranten, die sich in der Landwirtschaft betätigen wollen, auch statt in freiem Kapital den Gegenwert in Boden, Geräten, landwirtschaftlichem Inventar oder in Maschinen bei industriellen Unternehmungen einschließen. Neben diesen drei Gruppen (Landwirte oder Industrielle. Angehörige freier Berufe, Personen aus bestimmten Gewerbezweigen oder ausgebildete Handwerker), welche selbständige Berufstreibende umfassen, sehen die Einwanderungsbestimmungen auch noch die Zulassung von Arbeitnehmern vor. die außer ihrem Arbeitseinkommen ein nachweisbar gesichertes Einkommen von nicht weniger als Pfd. 4 monatlich beziehen (damit für den Fall der Arbeitslosigkeit die öffentliche Fürsorge nicht in Anspruch genommen werden muß.) Alle bisher genannten Emigranten fallen unter die Kategorie A der neuen palästinensischen Einwanderungsbestimmungen. Zuständig im einzelnen Fall sind die betreffenden englischen Konsulate, welche ihrerseits wiederum die Gesuche an die palästinensische Einwanderungsbehörde weitergeben. Kategorie B umfaßt Personen, deren Unterhalt in Erez Jisroel durch Außenstehende gesichert ist. wie Rabbiner, Waisenkinder, die in öffentlichen Institutionen erzogen werden, Bachurim, Studenten usw., alles unter der Voraussetzung, daß die Garantie dafür gegeben ist. daß die Emigranten edr Oesfentlichkeit nicht zur Last fallen werden. Kategorie E umfaßt Personen, die eine definitive Aussicht auf Beschäftigung in Erez Jisroel haben. Diese Gruppe ist die einzige, welcher bislang die Einwanderungszertifikate der Jewish Agency zur Verfügung gestellt wurden. (Von den 6570 Zertifikaten, welche von der Jewish Agency für Oktober 1932 bis März 1933 verlangt wurden, sind 4500 bewilligt worden, und zwar 3000 für Männer und 1500 für Frauen. Vorher schon wurden auf Rechnung dieses Halbjahrs 233 Zertifikate bewilligt.) Für diese Gruppe hat, wie in der Presse bereits berichtet, Agudas Jisroel sich bemüht, eine Anzahl Zertifikate gesondert zu erhalten. Die Verhandlungen hierüber, welche direkt zwischen dem High Eommissioner und der palästinensischen Aguda - Zentrale erfolgten, sind zwar noch nicht abgeschlossen, lassen aber einen günstigen Ausgang erhoffen. Voraussetzung sind Anträge mit genauer Beantwortung der von der Einwander u n g s b e h ö r d e formulierten Fragen. Die Antragsformulare hierzu sind von der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel und ihren Filialen in allen Landesorganisationen zu beziehen. Gruppe D umfaßt Angehörige von ständig in Erez Jisroel lebenden Einwohnern, bezw. Verwandte van Einwanderern der obengenannten Kategorien. Hierfür find die englischen Konsulate, resp. die Einwanderungsbehörden direkt zuständig. Aus alldem ergibt sich für Agudisten, welche der Gruppe A, B oder D angehören, daß der Weg nach Erez Jisroel für sie nicht schwerer und nicht leichter ist als für Nichtagudisten. Es dürfte sogar auch aus anderen hier nicht näher zu begründenden Ursachen wünschenswert sein, daß gerade Angehörige des Mittelstandes oder des Handwerks, welche die nicht unerschwingliche Summe von Pfd. 500, resp. Pfd. 250 besitzen, in allererster Linie sich an der agudistischen Immigration beteiligen. Durch die Niederlassung solcher Immigranten ist naturgemäß das beste Mittel gegeben, um späterhin auch aaudistischen Arbeitnehmern Arbeitsstellen und damit die Möglichkeit einer ungehinderten Immigration zu beschaffen.

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