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Der Israelit · 1932-12-15 · Heft 51 (15.12.1932) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 51 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 2 Nr. 12 Der Is r a eI rt Blätter 15. Dezember 1932 in Palestine a national home, in Palästina cm Na-lnischer Traum seinem Ende. Wie öie Bewegung Sab tionalheim für die Juden zu erstellen. Man weiß ja, batai Zwi's feierte auch er feine (Orgien im Kampf männiglich, vor welche, in San Remo noch nicht gcgegen die Thora und fand im großen und ganzen ein ahnte Schwierigkeiten sich die Mandatsniacht gestellt sah, welch' eine Hetzjagd von Interpretationen gegen dieses Mandat veranstaltet wurde. Aber in dem Augenblick, in dem Palästina die Wege Iraks geht, erlischt das Mandat, gehört es zu den Archivalicn ohne aktuelle Bedeutung, erlischt auch jede verpslich tnng des Völkerbundes, der das Mandat erteilt bat Man vergißt nur allzugerne, daß jedes Mandat von vornherein zeitlich beschränkt war und so lange in Geltung bleiben sollte, bis die. Bewohner zur auto nomen Verwaltung ihrer Angelegenheiten ertüchtigt sein würden. Freilich aber gibt es eine Chance für den Völker bund, in dieser Sphäre der Macht auch den Impon derabilien moralischer Forderungen Rechnung zu tra gen. Denn er hat, wer könnte es leugnen, beim Erlaß des Mandats und bei Uebcrtragung desselben an England ungeheure Hoffnungen wachgerusen. Das kann niemand leugnen und es ist in diesem Stadium der Dinge ganz überflüssig, die Frage aufzuwerscn ob nicht gewisse Reservationen von vornherein hätten stutzig machen sollen. Wenn man nämlich die ver Handlungen über Irak genau betrachtet, so findet man daß die Aufnahme Iraks in den Völkerbund als eines selbständigen Gebildes denn doch an gewisse Bedingungen geknüpft wurde, vor allen Dingen ist gefordert und zugestanden": „Genaueste Beachtung des Rechtes der Minoritäten (protection de« minorites) und Gewissensfreiheit (liberte de conscience) (Feststellung des Kommisstonsprästdenten Lange - Nor wegen am l. (Oktober 1952). Doch wir wollen klar sprechen. Wir haben es ja an den „europäischen' neuen Staaten erlebt, wie liberal sie in verheißun gen waren und wie im Lause der Dinge eine söge nannte Staatsraison eine Verwaltungspraxis schuf, welche im ziemlichen Gegensatz zu jenen feierlichen Verheißungen steht. Aber immerhin ist hier ein Anhaltspunkt gege den, und wir sind überzeugt, daß der Völkerbund bei einer eventuellen Ueberführung des Mandatslanöes Palästina in die Form eines selbständigen Staates sich in irgend einer Form an San Remo und an seine proklamierung des Mandats erinnern wird. Denn eine Ingerenz nach vollzogener Aufnahme in den Völkerbund gibt es schlechterdings nicht (vergl. Japan). Soll nun das alles ein vergrämter Unkenruf sein? Rein, durchaus nicht, vielmehr ein Ruf an Israel. Die jüdische Welt soll sich vorbereiten. Jetzt wäre es Zeit, daß die verantwortlichen Menschen zusammentreten, um zu überlegen und festzustellen, was unter diesen Aspekten jüdische Aufgabe ist. Gewiß wird es Maximalisten geben, es werden aber auch Menschen da sein, welche im Vertrauen auf logische Notwendig keiten die alte jüdische Wahrheit: nvvn nüw» nwsn beherzigen. Uns schwebt das transzendente Wort von der durch den Allmächtigen den Völkern auferlegten Verpflichtung vor Augen: im» naynEr kVif *tna- Die Grenzen dieses '81» nw'müßten fixiert und daraus die notwendigen Maßnahmen abgeleitet wer den. Eine solche Konferenz dürfte aber nicht unter dem Zeichen der Iewish Agency stehen. Denn diese bei ihrem zionistischen Grundcharakter müßte wohl füglich maximalistisch sein und das. wäre nicht gut. Menschen oder Gruppen müßten führend werden, die nicht nach Popularität Haschen, sondern den Mut haben, die Forderung des Augenblicks zu künden und zu erfüllen. Ist die Aguda geeignet hierfür? Sie wird ja sicher auch gehört im Rate der Völker. Man kennt ihre Tendenzen und glaubt ihr. Deshalb sind diese Ausführungen in erster Reihe ein Appell an die Aguda. Sie meint es ernst mit der Lösung der Gegenwartsaufgaben im Geiste der Thora. Sie birgt in ihrem Schoße Thorakunde und politische Erfahrung. Bleibt die Aguda auch in dieser Stunde sie selbst, aufrecht und ihrer Pflicht bewußt, so ist sie die Stelle, die im gegebenen Augenblicke dem Heile des Ganzen dienen kann. Findet sie keine Gefährten aus anderen Lagern, die besonnen und ehrlich genug sind, der Situation Rechnung zu tragen, nun, so wird, so kann Agudas Iisroel allein es versuchen, zu raten und zu tun. Ist das nun alles fader und schaler Defaitismus? schwaches Geschlecht. Es sind auch die äußeren Verhältnisse nicht unähnlich. Damals die wirtschaftlichen Folgen und politischen Umwälzungen des dreißigjäh rigen Krieges, heute die Depression und die politischen Experimente. Damals auch die Verstrickung eines gro ßen Teiles der gequälten und geplagten Iuöenheit in die Ekstasen und Verwirrung der Sabbatianer. Aber es tagte bald, und finden wir das rechte Wort zur rechten Zeit, so wird sich auch uns in den Spuren Iraks ein freundlicher und klarer Morgen erschließen Dij?n nvt 'Si nxsr- Und wieder einmal wird die Welt die Wege des Allmächtigen dankbar ahnen. P. K. Esra — Agudas Zisroel — Erez Zisroel. Von Dr. Michael Munk in Berlin. Die Entwicklung der orthodoxen Jugendbewegung in Deutschland drängt zur Entscheidung. Als prob lem wird in der Regel die Alternative bezeichnet Neutrale oder jüdisch-politische Erziehung der Jugend i Soll die Heranwachsende Jugend allen in politischer Beziehung sie festlegenden Einflüssen ferngehalten werden, mit dem Ziele, ihr selbst in gereifterem Alterunvoreingenommen die Entscheidung zu überlassen — öder mag das junge Kind schon frühzeitig im Rah men einer jüdisch-politischen (Organisation zu deren Gesamtausgaben, also auch den politischen, mit her angezogen werden? So lautet die Fragestellung, die keine befriedigende Lösung gefunden hat, weil man das Unzutreffende der beiden Begriffe „neutral" und „jüdisch-politisch" nicht erkannt hat. Es gibt keine neutrale, und es gibt keine jüdisch-politische Erziehung Es gibt keine neutrale Erziehung — das lehrt der Abstieg des Esra. Wir selbst hatten ursprünglich an die Zweckmäßigkeit einer neutralen Jugenderziehung geglaubt, die sich auch in den ersten Jahren zu be währen schien. Doch mehr und mehr setzten sich im Esra-Bunö palästinensische Bestrebungen durch, die sich als zur Esratendenz gegensätzlich erwiesen. Gegensätzlich, weil die Erez Iisroel-Arbeit nicht nur als eine — selbst wesentliche — der 615 Gebote erachtet und behandelt, sondern eine neue Betrachtungsweis eingeführt wurde, nämlich fub specie der Palästina Arbeit. Wenn Menschen und Arbeit nur noch nach dem Grade ihres Eintretens für palästinensische Ideen gewertet werden, so bedeutet dies nichts anderes als zionistisches Treiben unter der Kappe des Esra. Das Fiasko des Esra beweist zur Genüge die Unbeständigkeit der „Neutralität" Statt die Jugend von rechts und links sernzuhalten und sie den geraden Weg reinen Tauroh-Ideals zu führen, weist ihr der Esra beide Seitenwege, sanktioniert auf seinen Bundestagen beide Richtungen, macht aus Neutralität — Utralität. In diesem Zwiespalt hat Agudas Iisroel den kür zeren gezogen, weil ihre Tendenz verkannt wurde. Man vermeinte, in Agudas Iisroel einen dem Mis rach und anderen zionistischen (Organisationen gleichwertigen Partner zu sehen, also in der Heranziehung zu ihr „jüdisch-politische" Arbeit zu leisten. Nach den Ausführungen in den letzten Heften des Fürther Aguda-Blattes bedarf es wohl keiner erneuten Betonung, daß es für Agudas Iisroel in Wirklichkeit keinerlei politische 2lrbeit gibt. Tendenz, war und bleibt, alle uns betreffenden Angelegenheiten im Sinne der Tauroh zu lösen, mögen sie sich auf Volk, Haus oder die eigene Lebensgek a l t u n g beziehen. Erziehung zum Ideale der Agudas Iisroel bedeutet nichts anderes, als den Menschen daran zu gewöhnen, sein ganzes Leben jederzeit nach dem Maßstab der Tauroh zu werten und zu lenken. Was im Sinne der Taursh gelöst wird, ist keine Politik, sondern religiöse Lebensführung. Zu dieser auf dem Wege über Agudas Iisroel unsere Jugend heranzuziehen, ungeachtet der nicht umgänglichen, scharfen 2lblehnung aller andersgearteten politischen Richtungen, ist Pflicht unserer aller. Ist heute besondere Pflicht, da die von Jahr zu Jahr hinausgezögerte klare Stellungnahme des Esra angeblich demnächst erfolgen oll und endlich Gelegenheit gegeben sein wird, den Bruchteil der im Esra von der zionistischen Strömung noch nicht erfaßten jungen Menschen als Nach- Wir glauben, nein, wiederum naht ein pseudomessia-> wuchs für Agudas Iisroel zu erhalten. I Wenn ein Agudist es wagt, sich gegen gewisse überhanönehmende propalästinensische Betätigungen auszusprechen, wird ihm sofort Sinn und Liebe für Erez Iisroel abgesprochen. Bedarf es wirklich der regelmäßigen Betonung, wie sehr uns Allen das Land am Herzen liegt, in dessen Rahmen die Mizwaus erst volle Bedeutung erlangen, wie sehr in den Tagen schwerer Entscheidung über zukünftige Gestaltung unseres Berufs- und Familienlebens die Sehnsucht nach Erez Iisroel eine Rolle spielt?! Und doch wagen wir es, vor einer Ueberbetonung der Umstellung auf Erez Iisroel zu warnen. Auch Mizwas Iischuw Erez Hakdauschoh ist keine als Ideal und Ziel des Lebens zu bezeichnende absolute Mizwoh. Mag sie im Rahmen der Tauroh eine gehobene Stellung einnehmen, auch ihre Erfüllung dient gleich den übrigen Mizwaus nur der Vervollkommnung, der Veredlung unserer Seele. Die politischen und wirtschaftlichen Realitäten lassen nun einmal nicht zu, daß größere Mengen des Volkes nach dem Heiligen Land auswandern: Und. wer will dann die Gewähr bieten, daß die Herzen der auswandernden Jugendlichen rein und unbeeinträchtigt bleiben, also gerade der Endzweck auch der Mizwas Iischuw E. I. nicht verletzt werde! Und wer gibt das Recht, in Ehuzo Loorez, wo der Aufgaben noch weitaus zahlreichere der Lösung harren, wo an Veredlung der Jugend noch so unendlich zu arbeiten ist, diese dem unmittelbaren Ziel der Tauroh zweifelsohne mindestens gleichwertige Tätigkeit aufzugeben! Wollen wir ernstlich im Sinne der Tauroh arbeiten, so suchen wir, wo auch immer wir hingeftettt werden, Iehudim zu erziehen, die gewillt sind', allen Strömungen von außen zum Trotz, für das Ideal der Tauroh sich einzusetzen und zu wirken! Dies wird für die, die vorerst den Weg nach Erez Iisroel leider nicht bcschreiten können, der größte Dienst sein, den, sie der Tau roh und ihrem Lande erweisen können. Das eigentliche Forum für jüdische Erziehungsarbeit wären Elternhaus und Kehillo. Doch die moderne Methode organisierter Bünde, die unsere Jugend zu Zionismus und Radikalismus hinüberführen, zwingt auch uns, zur Stärkung der Tanroh einen äußeren Rahmen zu schaffen, unsere Kräfte zusammenzuhaltcn in der unpolitischen, taurohdurchdrungenen Agudas Iisroel. Der Weg des Esra... (Tatsachenmaterial aus den letzten Monaten.) Aus der I ü d i s ch e n R u n d s ch a u Nr. 75vom 20. September 1952: „Hamburg.. (Viertes nationaljüdisches Jugendtreffen.) Vom 9. bis 10. September fand in der Nähe Hamburgs das traditionelle Treffen der nationaljüdischen Jugend Hamburgs statt. — Am Sonntag sollte das große Treffen nationaljüdischer Jugendlichen stattfinden. Das schlechte Wetter verhinderte viele jugendliche -Schüler am Erscheinen. Trotzdem konnten von Dr. Marx ca. 400 Jugendliche begrüßt werden, darunter besonders 30 Kieler, Lübecker' und Harburger Gäste und zum 1. Male auf einem n at i o n a l j üd i s ch e n Jugendtreffen ein größerer Kreis des „Esra". Für diese dankte Alex Cohn in hebräischer Spräche und betonte, daß ein nicht kleiner Teil des „Esra" sich estg verbunden mit dem Ausbau (gesetzestreuen) in Palästina fühle. Das rege Interesse des „Esra" werde sich in tatkräftiger Mitarbeit an der hebräischen Tagung in Berlin zeigen . . . Mit der Hatikwah wurde das Treffen beendet." Aus der I ü ö i s ch e n R u n d s ch a u Nr. 76 vom 23. September 1952: „Hebräische Jugendtagung in Berlin. Die erste hebräische Jugönütagung Deutschlands wurde am Sonnabend, dem 17. September, im Rahmen einer großen ionistifchen Kundgebung mit dem Motto: Arbeit — Boden — Sprache eröffnet. Ungefähr 1500 Personen, zum überwiegenden Teil Jugendliche, nahmen an der 'eierlichen Eröffnung teil, die Nachum Lewin, der Voritzende des hebräischen Jugendrates, mit einer kurzen Ansprache einleitete. Nachdem Nachum Lewin die wuchtigen Worte des Propheten Ezechiel, Kap. 37, vorgelesen hatte, ging er auf die Tagung selbst ein und führte ungefähr folgendes aus: Trotz der größten Schwierigkeiten von außen sowohl wie von innen ist es doch gelungen, diese Tagung einzuberufen. Zu ihrer Begründung, gerade in der heutigen Zeit, sei gesagt: Der Zionismus, die jüdische Renaissancebewegung, beruht auf drei Fundamenten, auf Land, Sprache und Menschen. In der hebräischen Sprache finden sie alle ihren Ausdruck. Der Zionismus ist keine losgelöste Bewegung. Wir sind Glieder einer langen Kette, die sich durch die Generationen hindurchzieht und der wir organisch verbunden sind. Die jüdische Jugend von heute beginnt den Sinn dieser ununterbrochenen Kette zu verstehen, die ausgehend vom Liede der Prophetin Deborah, sich fortsetzt bis zu den neuesten poetischen Schöpfungen der hebräischen Litera-

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