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Der Israelit · 1932-12-15 · Heft 51 (15.12.1932) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 51 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 51 Der Israelit 15. Dezember 1932* Kommunisten" die Linrciserlaubnis verweigere. Dieser Schritt der patriotischen grauen hat in Amerika und in Europa zwar viel Gelächter hervorgerusen, aber die H i t l e c - p r e s s e in der alten und neuen Welt begrüßt ihn. Lin deutsches völkisches Blatt schreibt: „lyir können die amerikanischen Kranen zu ihrem sicheren Instinkt nur beglückwünschen und der Hoffnung Ausdruck geben, daß ihre berechtigte Forderung sich durchsetze. Ohne damit sagen zu wollen, daß wir den bolschewistischen Juden etwa bei uns behalten wollten!" Und siehe, die zuständige Washingtoner Behörde ließ die Eingabe den normalen „Instanzenweg" gehen. Für Einstein hatte dies die Folge, daß ihm nicht wie bisher das Amerika-Visum durch das Hapag- Büro besorgt werden konnte, sondern daß er von dem amerikanischen Generalkonsulat in Berlin eingeladen wurde, persönlich zu erscheinen. Einstein wurde durch den amerikanischen Generalkonsul der üblichen „Inquisition" unterzogen. Cr wurde gefragt, zu welchem „Zwecke" er nach den vereinigten Staaten reist, welche politische Gesinnung ec hegt, welcher Gruppe er zugehört, wie seine Stellung zum Anarchismus und Kommunismus sei, usw. Die einzige und erschöpfende Antwort, die Einstein auf all diese Fragen geben konnte, war, daß er auf die Ehre der Amerikareise verzichte. Da griff das State Department in Washington rasch ein und erteilte telegraphisch das Visum. Dem Fluch der Lächerlichkeit ist man mit knapper Rot entgangen. Diese edlen Frauen der Patriotenliga im Lande des Kolumbus! Sic fürchten die Einfuhr der „gefährlichen Relativitätstheorie" und fördern die Einfuhr des deutschen Hitlergiftes . . . Eine E r n ü ch - t e r u n g wäre für manche Kreise Amerikas heute wichtiger als eine Aufhebung der Prohibition . . . Arba Arozaus. Von Oberrabbiner Dr. Larlebach in Alkona. (Fortsetzung.) III. Charakteristische Szenen in Cyrnau. Die Gäste sollen den täglichen Schiur des Leiters mitanhören. Sie werden in den Ieschiwaraum hineingeführt, wo zu beiden Seiten des in der Witte stehenden Katheders Stühle für sie bereitstehn. Rach einem Augenblick der Unterbrechung beim Eintritt der Fremden setzt der den Raum eng erfüllende Chor sein Lernen fort, plötzlich ertönt eine laute Stimme durch den Saal: „Iechi adaunenu maurenu werabenu rausch jeschiwaussenu." Alles springt auf von den Sitzen: „Iechi!" tönt es in vollem Chor zurück. Der Rabbi war eingetreten, schreitet durch die lautlos dastehende Schülerschaft zum Podium. Ein Hörer legt die geöffnete Gemoro vor ihn hin. Dann nimmt alles Platz und blickt in die Gemoro, an die Stelle, die durchgearbeitet werden wird. Der Vortrag beginnt.. Stark und kräftig, eindrucksvoll, ig steigender Lebendigkeit. Jedes Wort der Gemoro wird beachtet. In plastischer Gestalt treten Raschi und die Kaschiaus von Taußfaus heraus. Jede Ruance kommt zur Geltung, alle Weforschim, frühere und spätere, werden berücksichtigt. Ehrfürchtig lauschen die Hörer. Der Vortrag ist zu Ende. Roch einmal klingt das Iechi-Worenu aus allen Kehlen. Der Rabbi verläßt, durch die Stehenden. schreitend, den Saal. In Mir. Ein Riesensaal, durchschallt von den Stimmen der Lernenden. Die meisten« stehen. Ganz unbemerkt treten wir ein. Jeder von den Gästen nimmt irgendwo Platz. Vorn an der Ostwand stehen mehrere Rabbonim und Icschiwalehrer, ebenfalls verlleft in ihr „Blatt". Da erscheint vor dem Oraun Hakaudesch ein kleines Wännchen. Langsam blickt die Hörerschaft auf, es wird stiller, die Gemoräus werden zugeklappt. Der Rabbi beginnt. Leise und schlicht, ohne alle Form. Das Problem von Eigentum und Besitz wird an der Suggio von Tokfau Kauhen durch äußerst scharfsinnige Analyse eines Rambam vorgeführt. Rur ein Rischaun wird zum Vergleich herangezogcn, sonst zieht die Diskussion nur Talmndstellen heran. In sich gekehrt, mit kritischer Aufmerksamkeit, hörte man den Vortrag. Formlos erreicht er sein Ende. In Lublin. .- ' Im herrlichen Hörsaal der Mchiwa. Ls ist Sabbat nachmittag. Vor dem Oraun ist ein kleines Tischchen mit Stuhl aufgestellt,' darauf sitzt im sollen Schmuck des Ehossid der Rabbi. And etwas--ganz Reues lenkt den Blick auf sicht Galerien, gedrückt voll von Außenstehenden, die den Vortrag als Gäste hören wollen. Eine Brücke zwischen der Ieschiwa und dem Draußen. Wit dem Blick der Liebe hängen alle Schüler an den Lippen des Vortragenden. Oft unterbrechen sie ihn zu Fragen und eigenen Bemerkungen. Auf jeden Cinwurf geht der Lehrer ein. Wanche Anregung wird von ihm besonders lobend hervorgelioben. Aus Sewochim wird ein Stück Gemoro durchgearbeitet. Feierlich, mit sonorer.Stimme tönt es durch den Saal, sich immer mehr vom Text lösend zur Selbständigkeit eines Sachproblems sich vertiefend. Die Spannung steigt, bis die Lösung gegeben, die mit Wonne entgegengenommen wird. Alles strömt auf den Rabbi zu, der, vom Podium steigend, von den Schülern umringt wird und mit ihnen das Erlebnis noch einmal durchkostet ... In diesen Womentbildern spiegeln sich die drei Welten. Im ersten scheue Ehrfurcht, alle Formen äußerer Verehrung und Distanz gegenüber dem Rabbi: im letzten ein Verhältnis der Liebe und Verbundenheit zwischen Schüler und Lehrer; im mittleren der freie Student, der nur der geistigen Ueberlegenheit sich gegenübersieht, die auf alles Eindrucksvolle verzichtet, alles persönliche ausschaltet, um nur das Gewicht der Sache allein gelten zu lassen. Hier die Scheu, dort die Verehrung, im dritten endlich die Anerkennung vor dem Höheren. Im'ersten Fall die äußere Autorität, die gewissermaßen deni Einzelnen räumlich fern gegenübersteht, dort die liebevolle Emporhebung des Größeren inmitten der anderen; in Litauen endlich die republikanisch-demokratische Selbständigkeit, die nur dem größeren Geiste die natürliche Vorrangstellung läßt. Das sind die drei Geisteshaltungen des ungarischen, chassidischen und litauischen Juden. Alle drei Haltungen sind tief in der Geschichte begründet. Litauen ist das Land der Thora, des Lernens, der geistigen Hochkultur. Seit dem Gaon von Wilna, dessen Schule in Wolozin die erste Ieschiwa begründete, seit Iizchak. Clchanan Spektor, dessen liebenswürdige Schlichtheit jeden Unterschied zwischen sich und dem geringsten aus dem Volke verbannte, seit Iißroel Galanter, der in dieser Einfachheit und gütigen Liebe zu Jedermann die Jucht und Seelenkultur des Thoragclehrten proklamierte, ist der Rabbi dort ein „Wann aus dem Volke", nur durch größeres Wissen von der Wenge geschieden, ohne Pathos, ohne Geste, „kein Puder und keine Schminke und kein Lockengekräusel und voll der Anmut". Rur in, der Arena des Geistes glänzt .er, er wertet und wird gewertet nur nach dem geistigen Rang. Die chassidische^Welt ist aus dem Protest gegen diese einzige Wertung und diesen geistesaristokratischen Waßstab geboren. Denn der Geist isoliert; schafft. Differenzen, stuft - ab, erhöht und erniedrigt. Der Chassidismus schuf die Gemeinschaft der Liebe. Liebe verbindet, überbrückt, gleicht aus. Diese Liebe vermag Himmel und Erde wie Wensch und Wensch zu verketten. Die Seele ist das Reich der Liebe; ihr Ausdruck das Gebet, der G'ttesöienst, das verbrüdernde Wahl, .die.hebende. Begeisterung. Der Rebbe, um den sich die Gläubigen in Inbrunst und Zuversicht scharen, schafft alle zu einer Familie um, alle sind sie Kinder, die von seiner Innigkeit umfaßt, von seinem Segen geschützt, von seinem Herzen ^gewärmt. von seinem Sechu's geadelt sind. In der Familie weiß man nicht, welches Kind begabter, welches schwächer veranlagt ist; alle gehören mit gleichem Recht und in gleichem Rang an den gemeinsamen Tisch. Das Familienoberhaupt ist der allen gleich gehörige, gleich geliebte, gleich verehrte Zuerteiler des Lebensrechts. In Litauen gilt der Rabbi als Lehrer, Gelehrter und als Forscher, als primus inter pares; in Polen ist der Rebbe der Vater, der Heilige, der Liebeverklärte; in der ungarischen Welt ist der Rabbi der Wore öeaßre, der Herr der Stadt, der König, der Fürst.. Die Autorität des litauischen Rabbi hat Gründe, muß täglich neu befestigt und bestätigt werden, die des EhassidimrabbF ist «selbstverständlich, ste wächst aus der Seelenhingäbe des Anhängers hervor, dessen Seele eine andere Ratur annehmen müßte,, wenn sie aufhören sollte. In Ungarn..ist sie absolut, gesetzt, auferlegt, .wie etwas G'ttliches. Diesem küßt man die Hand, erwartet seine Entscheidung; jenen bittet man um eine Brocho, um ein Wort der Liebe; der litauische Rabbiner tritt als solcher nur in die Erscheinung, wenn man ihn braucht als den Wehrwissenden, wenn man einen Din begründet, eine schwierige Talmuöstelle erläutert haben will. Der litauische Raw hat äußerlich keine besondere Tracht; höchstens daß sein Gehstock etwas länger ist; er sicht wie ein Unwersitätspröfessor aus. Der chast stdische Rebbe ist wie alle Ehassidim in seinem Aeußeren der Ausdruck der chassidischen Lebensgemeinschaft, der Lebenseinheit aller in Gewand und Tracht. Der ungarische Raw hat auch im Aoußeren die ihn über andere emporhebende rabbinische Form in Kleid, Haar und Bart. Diese Stellung des ungarischen Rabbiners erwuchs als Notwendigkeit in den Kämpfen mit der Reform. Denn Ungarn war wie Deutschland, am meisten von der Assimilation bedroht. von der Regierung gefördert, von der Gesellschaft begünstigt, von den Verhältnissen getragen, konnte der Liberalismus sich leicht an das Herz herandrängen, empfahl sich eine Anpassung an die Umgebung in Lehre und Leben als der natürliche Ausweg aus allen Konflikten und Schwierigkeiten. Es entbrannte daher ein leidenschaftlicher Kampf um die jüdische Seele ,im jüdischen Lager. Die Frommen Ungarns unter Führung des Ehaffam Sofer machten einen tiefen Trennungsstrich zwischen sich und den Reformgelüsten. Cs ging hart auf hart. Kein Kompromiß, kein Pakt, keine Nachgiebigkeit. Die Frommen schloffen sich eng zusammen, weil ste nur sich selbst gehören, sich selbst folgen, ihre eigene Unversehrtheit retten wollten und I mußten. Sie ließen sich mit niemand in Diskussion « ein. Die Autorität der im Rabbiner verkörperten i Halacha mußte unbedingt jenseits jeder Kritik und > jeder Rechtfertigung sein, denn man wußte nicht, aus I welcher Ouelle die Kritik, die Forderung zur Begründung kam. Ein Produkt dieses Kampfes, seine Hauptburg, seine sicgessichcre Waffe war die Absolutheit des Rabbiners nach außen und innen, seine Jenseitigkeit gegenüber dem Publikum, seine Wacht zu entscheiden, widerspruchslos die theoretische Gesamtauffassung des Judentums, wie die Führung der Gemeinden im Einzelnen festzulegen. Daher ist in Ungarn alles streng geordnet, in feste Form gebannt, an der nicht gerüttelt werden kann. Das System fordert volle Unterwerfung. Es hat gewaltige erzieherisch-bindende Kraft. Aber es ist unpersönlich. Cs wird vom Geist der Disziplin getragen, es empfängt aus dem Ernst der Abwehrstellung, des Kampfes und des Selbstschutzes sein Recht und seinen Adel. Es verpönt aus dieser,Notwehr jede Berührung mit den Andersdenkenden, sogar eine Auseinandersetzung mit ihnen, den Versuch der Gewinnung und Heranziehung der Andren lehnt es entschieden ab. Es. ist eine feste Form, unbiegsam; durch die' staatliche Sanktion noch härter geworden; Wie ist das Verhältnis bei den Ehassidim Polens? Der Ehossid kämpft nicht; er ignoriert den Gegner. Alle Energie wendet sich in den geeinten inneren Kreis. Eine staatlich-organisatorische Abspaltung der.Reformlüsternen fehlt. Wan läßt sie ihres Weges gehen. So stark ist das Land, das die in Liebe Geeinten zusammenschmiedet, daß sie von aller Polemik absehen. Um so stärker betont man alle Formen gemeinschaftlichen Lebens, um so wertvoller und teurer wird jedem seine ihn afs Ehossid charakterisierende Tracht, um so ausschließlicher gilt die Herrlichkeit ihrer religiösen Freudenmahle, als diese ^gleichzeitig der Panzer nach außen sind,, der unangreifbar gegen den Feind macht. Auch hier verschmäht man die Polemik, auch hier'läßt niemand an dem Gestalt gewordenen Ausdruck jüdischen Seinswillens rütteln. Jedem ist die Entscheidung des Alles oder Nichts aufgegeben, ganz der Gemeinde des Rebbe anzugehören oder gar nicht. Aber es ist irrational, außerweltlich, dieses Band der Vereinigung, nicht rational, überlegt, kühl wie das ungarische. Am schwierigsten ist das labile Gleichgewicht Litauens. Keine äußere und keine innere Trennung voi we Sil -des .legl dar dur Gei äuf das nich lisr ma gar lock dah un( Wa We die ist i une ohn Rek Era Sto Ora der The vers die uem Dü T Gern nie.de der S der j nendi Kam Ko h so r i W ä i Aufei und " Vol Mens nen < den $ Mer versoi reiche ihren funkt! Vorst Mark Not t bei. Li F r a Kinde versor dorn, schenk Das Da Hörde lunger lm Fe lung d bgung

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