Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 51 Der Israelit 15. Dezember 1932 von Lekcnnern der sogenannten „Kurses Israel" nicht angehören, und das sich noch immer, solange Alan datacmacht und Völkerbund diesem Zustande der Rechtsungleichheit kein Ende machen, der öffentlichrechtlichen Anerkennung beraubt siebt. Hier zeigt sich wieder einmal der Fluch der bösen Tat, die fortzeugcnd Böses muß gebären. Indem man den aus religiösen Gcwissensgründen aus der religiös-neutralen Kurses Israel ausgefchiedenen Orthodoxen zwar Steuerfreiheit gewährt, ihnen aber die öffentlich-rechtliche Anerkennung ihres Gemeinschaftslebens versagt, ergibt sich nun, das; auch das Lrzichungsgesetz ihnen unerträgliche Nachteile zufügt. Lediglich öffentlich-rechtlich anerkannte „Cdos", nicht aber private Ldos sollen auf Grund der Verordnung das Recht genießen, für die von ihnen selbst unterhaltenen Erziehungsanstalten einen entsprechenden Steuerantoil aus der Kommunalkasse zurückfordern zu können. Die Orthodoxen müssen also ihr Schulwesen aus eigenen Rütteln erhalten, gleichzeitig aber ebensoviel Steuern zahlen, wie jeder andere Bürger, um ein Schulwesen mttzutragen, das in keiner XDcife ihrem religiösen Gewissen entspricht. Cs müßte nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn es nicht gelänge, die Regierung, oder, wenn diese versagt, den Völkerbund davon zu überzeugen, daß hier ein offener Widerspruch zu dem allgemein anerkannten Prinzipe der Gewissensfreiheit, aber auch zu dem klaren Wortlaute des Palästina-Rlandates vorliegt. Line scharfe Illustration hat der oben.geschilderte Gewissenszwang, der auf dem Gebiete des Schulwesens innerhalb der Kommunen zu erwarten steht, durch eine Debatte in der Stadtverwaltung Tel - Awiw gesunden, wo ja schon heute die Kosten der jüdischen Schulen zu erheblichem Teile aus kommunalen Rütteln gedeckt werden. Dort hat der orthodoxe Stadtverordnete Fetter zum ersten Riale gewagt, gegen die Förderung unjüdischer, die Heranwachsende Generation zum Abfall von der Ueberlieferung erziehender Schulen aus allgemeinen städtischen Steuermitteln zu protestieren. Cr wies daraus hin, daß dieselbe Stadtverwaltung, die ihre Steuern selbstverständlich von jedermann nimmt, es mit der Gerechtigkeit für vereinbar hält, mit diesen Steuern auf der einen Seite an der Ruinierung des religiösen jüdischen Geistes zu arbeiten, auf der anderen Seite aber den eigentlichen Crziehungsstätten des jüdischen Volkes, den Talmud Thora- Schulen, jedwede Unterstützung zu verweigern. Cr mußte erleben, daß ihm von einer als religiös bekannten, der Stadtverwaltung angehörigen Dame die lakonische Antwort zuteil wurde, die Stadtverwaltung habe sich um „Separatisten" nicht zu kümmern. Orthodoxe Juden also, die ihre Kinder im altjüdischen Geiste erzogen haben wollen und sie des „Separatisten" und haben in einer jüdischen Kommune kein Anrecht auf Gewissensfreiheit und Gerechtigkeit. Wenn dagegen die palästi nenstsche Regierung ganz i m g l e i ch e n G e t st > eines Tages erklären sollte, sie werde künftig d e m jüdischen Schulwesen überhaupt jede Unterstützung verweigern, weil die Juden sich ja freiwillig absonöerten, statt ihre Kinder in die arabischen Schulen zu schicken, so wird zweifellos — und mit Recht — ein Sturm der Entrüstung alle nationalen Kreise gegen eine derartige Haltung der Regierung erfassen. Ja, Bauer, das ist ganz etwas Anderes'. Der Fanatismus, mit dem die heute herrschenden „nationalen" Kreise den religiösen Bedürfnissen der Orthodoxie gegenüber stehn, wird nicht ungerächt bleiben. Diese Kreise werden entweder ihren Brüdern Gerechtigkeit widerfahren lassen oder am eigenen Leibe verspüren müssen,- was es heißt, Opfer der religiösen Intoleranz zu sein. Wir haben auf diesen Zwischenfall in Tel-Awiw, der an sich unbedeutend erscheinen mag, hingewiesen, weil er am besten zeigt, welche Verantwortung die Rlandatarmacht mit der Regelung des Crziehungsrvesens im heiligen Lande auf sich nimmt, und wie sehr dabei das vorsichtige Vorgehen und der Wille zur ausgleichenden Gerechtigkeit Vorbedingung jedes praktischen Erfolges ist. Wie gegen den Legislative Council läuft die palästinensische Presse auch Sturm gegen den Plan der Einführung der bisher in Palästina unbekannten allgemeinen Besteuerung des Einkommens. Gegen dieses Projekt, das doch eigentlich nur den Zweck verfolgt, die ganz veralteten und ungerecht wirkenden Stouecformen des sogenannten Oscher und der Werks durch das überall in der Welt sonst anerkannte Prinzip der direkten Besteuerung des wirklichen Einkommens zu ersetzen, wenden sich so ziemlich alle Kreise mit Ausnahme der Arbeiter. Gewiß zahlt niemand gern Steuern, der bisher das Glück hatte, davon verschont zu sein. Aber dennoch glauben wir, daß eine vernünftig aufgebaute und vor allen Dingen mit äußerster Gerechtigkeit durchgeführte Einkommensteuer auch vom jüdischen Standpunkte aus ein wertvolles Erziehungsmittel wäre, aus dem sich allmählich dann auch eine Sanierung der Finanzverhältnisse d e r j ü d i s ch e n K e h i l l o s im heiligen Lande aufbauen könnte. Der jüdische Iischuw muß sich schließlich mit dem Gedanken vertraut machen, wie überall in der Welt, die Bedürfnisse des Gemeindelebens durch pflitchsteuern zu bestreiten, wie es dem Geiste des jüdischen Religionsgesetzes entspricht.- viel erörtert wird in palästinensisch-jüdischen Kreisen endlich zur Zeit auch der Gesetzentwurf über die Stadtverwaltungen. Cr bringt als Neuerung die Möglichkeit der Schaffung von einzelnen Bezirkswahlkreisen innerhalb der Städte, so daß hier Prinzip bei den Kommunalwahlen sehr wesentlich zu modifizieren. Cs werden dadurch Wahlkreise geschaffen werden können, die rein arabische oder rein jüdische sind und auch innerhalb der jüdischen Bevölkerung werden beispielsweise die vorwiegend von Orthodoxen bewohnten Stadtbezirke Jerusalems durch die modernen Bevölkerungsgruppen nicht majoristert werden können und umgekehrt. Allerdings legt der Entwurf hinsichtlich der Festsetzung der vertreterzahl dieser einzelnen Wahlkreise eine außerordentlich weitgehende Machtvollkommenheit in die Hände der Regierung, was wohl auch der Zweck der ganzen wahlkreis-Idee ist. Im übrigen wird die ganze Zusammenarbeit der Juden und Araber in den Stadtparlamenten ein wertvoller Prüfstein werden für die Möglichkeiten dieses Zusammenwirkens auch auf allgemeinpolitischem Gebiete und man kann im Interesse der Zukunft Crez Iisroels nur wünschen, daß dabei auf beiden Seiten die nationalen Chauvinisten den vernünftigen Realpolitikern allmählich das Feld räumen müssen. i Wochenrundschau. halb nicht in zionistische Schulen schicken, sind durch die Möglichkeit besteht, das abstrakte Mehrheits- -,Gewirokratte" oder „Apikorsotrvlie"? Die Veranstalter der Genfer August-Konferenz zur Vorbereitung eines jüdischen Weltkongresses, über deren Verlauf wir zur Zeit ausführlich berichteten^ legen jetzt ein stenographisches Protokoll der Verhandlungen vor, das mancherlei Interessantes zur Erkenntnis der in dieser Weltkongreß-Propaganda wirksamen Ideologie bietet. Vor allem geht aus diesem Protokoll mit völliger Klarheit hervor, daß die geistigen Urheber des planes, Stephen Wise und seine Mitarbeiter, gar nicht daran denken, ihr jüdisches Weltparlament etwa in irgend einer Weise auf a u ß e n p o l i t r s ch e Aufgaben, auf die Abwehr der judenfeinölichen Propaganda, oder nach innen auf ökonomische Hilfeleistung in dieser Zeit der höchsten Rot zu beschränken, was sie wollen, ist nichts anderes als die unbedingteFührung des jüdischen Volkes in seinen höchsten Anliegen, mögen sie nun religiöser, kultureller oder — alles zusammenfassenö — politischer Natur sein. Stephen Wise hat ausdrücklich erklärt: „Lin jüdischer Weltkongreß mag im Anbeginn sich mit dem Unrecht befassen, das dem jüdischen Volke geschieht und mit seiner Rechts- Jakobs Ringen. Bon Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Jakob kehrt heim. Es ist die letzte Etappe des Weges, für den ihm der Herr Schutz und Beistand, Nahrung und Segen und schließlich friedliche Heimkehr verheißen hat. Jetzt naht ihm die Erfüllung des G'tteswortes: Tnix-pni nsin na-iKn Vn. „Ich werde dich zurückbringen in dieses Land." Und G'tt selbst hat ihm geboten: -im^a ps mci nxrn psn 7» ns mp „Aus, gehe fort von diesem Lande und kehre heim nach der Stätte deiner Geburt." Unter den glücklichsten Hoffnungen konnte also der Ahn den Weg antreten. Er erfährt auch bald von neuem die Gnade des Allgütigen in den Auseinandersetzungen, die er mit Laban hat. Gleichwohl geht er nicht sorglos und nicht ohne Vorbereitung Esau entgegen. Schließlich 05.1 by roaio rrr soll man sich aus Wunder nicht verlassen. Darum trifft er Vorbereitungen, sobald er es vernommen, daß sein Bruder wie zürn Kampfe ausgerüstet mit vierhundert Mann heranrücke. o'-rn nvbvb myy 7'PN,1, Er stellte sich auf drei Dinge ein: auf Geschenk, Gebet und Kamps." Das ist ihm das erste. Er möchte durch Geschenke Esau versöhnen. Will dieser aber doch den Kampf, kann er selber ihm nicht ausweichen. Auch dafür will er gerüstet sein. So erfleht er zunächst den Beistand des Herrn und richtet sodann sein Lager für den etwaigen Angriff seines Bruderfeindes ein. Nach dem dritten Stammvater nennt sich unser Volk und zwar mit jenem Namen, den sich Jakob ' im nächtlichen Kampfe mit dem Engel errungen hat. Es ist dies kein Zufall. Jakobs Kämpfen und Siegen ist das Urbild des Ringens und Bestehens unserer Gemeinschaft im Wandel der Geschlechter und -in der Flucht der Zeiten. Unsere Weisen erklären in sinniger Weise das heilige Schriftwort: ,invn i? 12p rx P28", itV „Jakob blieb allein, da rang jemand mit ihm, bis der Morgen heraufzog." Wie kam es denn, so fragen nun Israels Lehrer, daß Jakob allein zurückblieb? Er hatte ja sein ganzes Lager bereits über den Fluß gebracht? Was führte ihn nun allein wieder zurück? Sie antworten: o-wp d-ob by tw:( Die kleinen Krüglein, die versehentlich zurückgelassen waren, holte der Ahn nachträglich zurück. Diese Gelegenheit benutzte der bv u? der Sachwalter Esaus, um mit Jakob zu kämpfen. .]sna» iw aai»» B.-r^y cnp'isi' p«n Daraus ist zu folgern, daß den Frommen ihr Hab und Gut so wertvoll ist, daß sie dafür ihr Leben einsetzen — und das aus dem Grunde. d;v>t pvviL prrv, weil sie sich von jedem Unrecht zurückhalten. Der sein nur das nennt, was er mit eigener Hände Arbeit gewonnen, sieht in allem G'ttes Segen und schätzt es, wäre es auch noch so gering und unbedeutend. Das ist für unser Volk gar bedeutsam. Israel ist wirklich in seinem guten Kerne nicht von jenem Materialismus erfüllt, den die anderen so gerne uns andichten, wenn sie von Esausgeist erfüllt nach Vorwänden suchen, um uns zu befehden und uns niederzuringen. Das Jakobsvolk hat immer doppelt schwer den Lebenskampf zu führen, um sich durchzuringen und zu bestehen, da auf allen seinen Wegen und in allen seinen Bestrebungen die größten Schwierigkeiten und Widerstände hindernd sich ihm auftürmen. Darum liebt ein jeder in Israel das. was er besitzt, was er in treuer Arbeit und Pflichterfüllung dem Boden seiner Tätigkeit als Frucht und Erfolg seines Fleißes wie als Beweis des himmlischen Segens abgerungen hat. Ist das wohl Materialismus, wenn wir streben und schaffen getreu dem G'ttesworte: „Er wird dich segnen in allem, was du tust?" Wer hat ein Recht, uns darob zu bekämpfen? Und doch, wie hat es sich da an unserem Volke gezeigt und ist das ein charakteristisches Merkmal unserer Geschichte, daß sie uns befehdeten und befehden, wie der w? bv -w der Vertreter Esaus mit unserm Stammvater Jakob gerungen . . . Man nahm die Gestalt an eines „Hirten", eines, der belehren wollte, sprach von Moral und Sitte, die wir ändern müßten, um „andere" zu werden. Und da wir dem uns widersetzten und die Treue zu G'tt und zu unserer hl. Lehre ins Treffen führten und uns auf diesem Wege siegreich erwiesen, änderte man seine Ge-- statt und Haltung und kehrte sein eigentliches Wesen heraus. Man wandte jetzt unverhohlen Gewalt gegen uns an und suchte auf alle Weise uns niederzuhalten. Jedes Mittel — und mochte es noch so verwerflich sein — war gut genug, um den Juden zu entrechten und jeder Freiheit zu berauben und in seinem Besitz zu schmälern, um nicht des Frevelmuts und der Hinterlist zu gedenken, mit denen man wehrlose, entrechtete und entkräftete Juden zu verderben strebte. Der Feinde Pläne wurden aber zunichte. Israel wappnete sich dann immer wieder mit dem Schild seiner Lehre und wurde mit seinem Duldermute und mit seiner Glaubenstreue und Selbstzucht Beispiel und Vorbild und teilte so mit von den Gaben, di,e ihm verliehen, inn den anderen, die das. Judentum wohl nicht würdigen wollten, aber doch in seiner Kraft und Weihe G'tt wider Willen wirksam sahen. Wie oft hat da Israel mit seinem Ahn gebetet: TS TIS Y>» N3 '2i"SN „Rette mich doch von der Hand meines Bruders, von