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Der Israelit · 1932-12-08 · Heft 50 (8.12.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 50 (8.12.1932)
Date
1932-12-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. SO Seite 7 8? Dezember 1932 .,,, D e r Israelit überfallen und brutal mißhandelt. Unter den Verletzten befinden sich auch der in Lemberg wohnende „Warifä«r Rabb i" und' ein jüdischer religiöser Funktionär, die sich mittels Pferdedroschke zur Vornahme einer jüdisch-religiösen Handlung begaben. Studenten zerrten den Rabbi und seinen Begleiter vom Wagen und brachten ihnen blutende Wunden bei. Eine blutende Kopfwunde erhielt der frühere jüdische Sejmdeputierte Dr. A. Insl e r. Auch in den Zügen, die zwischen Przemysl und . Lmberg verkehren, wurden jüdische Passagiere fürchterlich mißhandelt. Da sich gegen Abend kein Jude mehr auf die Straße hinauswagte, wurden viele Nichtjuden mit einigermaßen jüdischem Aussehen überfallen und mißhandelt. An dem gleichen Mittwoch mittag wurde eines der jüdischen Opfer, der Postbeamte Hartmann, still und unauffällig, unter polizeilichem Schutz, zu Grabe getragen. Drei Juden, Dr. Rawicz, der Student Ostro - wer und der Kaufmann Jizchak F l i st e r, liegen so schwer darnieder, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Nachdem der Donnerstag relativ ruhig verlaufen war, lebten die Unruhen am Freitag wieder auf. Eine nationaldemokratifche Studentenversammlung forderte die Absetzung des „judenfreundlichen" Lernberger Stadtpräsidenten. Nach der Versammlung kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei. In Verbindung mit der Tötung von Grotkowski wurden drei jüdische junge Peute, Katz, Kaller und Schmer verhaftet. Es hieß erst, daß sie vor ein Standgericht gestellt würden, was aber nunmehr dementiert wird. Sie werden sich vor einem ordentlichen Gerichte zu verantworten haben. In Warschau kam es zu keinen schweren Gewalttaten, aber es gärt überall. Im Museum der Landwirtschaft wurden jüdische Studenten überfallen und Professoren, die ihnen zu Hilfe eilten,- mit Schimpfworten beleidigt. Schlimmer sehen die Dinge in Czenstochau aus. Dort kam es zu wilden Exzessen, wobei es Schwerverletzte gab. Das Passieren der Straße ist dort für jedermann mit jüdischem Aussehen mit Gefahren verbunden. In Posen kam es im Anschluß an einen Trauerg'ttesdienst für Grotkowski zu Unruhen, die die Polizei mit Leichtigkeit unterdrücken konnte. Mit großer Energie verhinderte die Polizei in Krakau ernstliche Ausschreitungen. Auch in Wilna konnte die Polizei Ruhe schasftn. Immerhin gab es in Wilna ein paar Schwerverletzte und die Juden getrauen sich dort vorerst nicht, die Vorlesungen an der Universität zu besuchen. In L e mb erg wurde ein gemeinschaftlicher Aufruf der akademischen Jugend, der Verbände der Frontkämpfer, der Legionäre, der Kriegsinvaliden und der Reserveoffiziere verbreitet, in dem die Bevölkerungim Namen der polnischen Republik und im Interesse des Ansehens Polens in der Welt gebeten wird/ sich durch Hetzagitatoren nicht zu. Ausschreitungen aufstacheln zu lassen, sondern die Ruhe zu bewähren.; : >'' Eine jüdische Abordnung, bestehend aus den Sejmdeputierten Sommerstein und Jäger, den Rabbinern Freund und Oberrabbiner L e w i n und anderen Führern der > Gemeinde, besuchte den Lernberger Wojwoden, der ihr die Versicherung gab, daß alle Maßnahmen getroffen sind, damit die Ordnung in Zukunft gewahrt werde. Mehrere Juden, die im Verlauf der Geschehnisse verhaftet worden waren, sind bis auf wenige wieder in Freiheit gesetzt worden. Tschecho-Slorvakei. Regierungsverordnung über Schächtverbotsfrage? P r a g, 4. Dez. Wie aus Regierungskreisen verlautet, beabsichtigt man, durch eine Regierungsverordnung die strittige Frage des Schächtoerbotes zu regeln. Diese Regelung wird, wie es heißt, durch die wiederholten Streitfälle hervorgerufen, die entstehen, wenn Stadtgemeinden in Böhmen Schächtverbotsbeschlüsse annehmen (Aussig, Eger), die dann auf Grund von Protesten der lokalen Jüdischen- Gemeinden durch Entscheidung der Landesbehörden wieder aufgehoben werden müssen. Die Regierungsverordnung wird, wie die ITA. erfährt, von der Voraussetzung ausgehen, daß, wie die anderen religiösen Gebräuche, auch die rituelle Schlachtung in der Staatsverfassüng verankert und durch diese geschützt ist. Palästina. Das große Legat. Jerusalem, 2. Dez. In Sachen des großen 100 000 Pfund-Legates aus China, über das wir bereits mitgeteilt haben, und das sich gänzlich in dÄ Verwaltung der Sphardim befindet, ist ein Abkommen getroffen worden, wonach die Aschkenasim ein Viertel, also 25.000 Pfund, als Fonds zur Zinsverteilüng erhalten. Die erste Rate ist, wie berichtet, mit 25.000 Pfund eingetroffen. Aus einer Sitzung der Verwaltungskommission wurde nun beschlossen, mit den näheren Versügungsbestimmungen noch abzuwarten, bis der ganze Betrag eingetroffen ist. Der Antrag der Agudas Jisroel, ihr einen Teil von den für die Aschkenasim bestimmten 25.000 Pfund für ihre Anstalten und Armen zu überweisen, wurde ebenfalls vertagt. < Briefkasten. K., AI. Barmizwo ist: Kind geboren am 12. 10. 1920 am 20. 10. 1933; Kind geboren am 16. 10. 1920 am 28. 10. 1933; Kind geboren am 21. 1. 1921 am 3. 2. 1934. — Hirsch, Hawtoros haben wir nicht, wenden Sie sich an eine hiesige Buchhandlung. I. AI., Asm. Der Junge wird am 4. November 1933 nisa :U Vermischtes. Berlin, 1. Dez. Die Wohltätigkeits-Veranstaltung des Eltern ko mite es beim Adaß Jisroel-Schulwerk am Sonntag, den 27. November ds. Js. konnte vor ausverkauftem Haufe stattfinden. Die Künstler, die sich in dankenswerter Weife unentgeltlich in den Dienst der guten Sache gestellt hatten, boten ihr großes Können auf, um dem Publikum einen genußreichen Vormittag zu bieten. Herr Paul Vildt vom Staatstheater reztierte in feiner bekannten meisterhaften Weife „die Kinder von Parma" von Maxim Gorki und ein Kapitel aus dem Roman „Zeitwende" von Samuel Lewin. Herr Opernsänger Wilhelm Guttmann erfreute die Zuhörer außer durch den Gesang der vorgesehenen Lieder noch durch den Vortrag seiner Lieblingsarie aus dem „Figaro" und errang sich dadurch einen Extraapplaus. In launiger Weife verstand es der Satiriker Karl Sdjnoog das Publikum zu fesseln und Lachstürme hervorzurufen. Auch alle anderen Mitwirkenden: Frl. Beate Gold st e i n, Herr Dr. S- Hildesheimer und die beiden Schüler...taten 'ihr Bestes zum Gelingen der Matinee. Alle' Anwesenden konnten den Saal in dem Bewußtsein verlassen, durch ihre aktive oder.passive Teilnahme dazu beigetragen zu haben, daß dem sozialen Hilfswerk an den genannten Schulen ein für die heutige Zeit namhafter Betrag zugeflossen ist. Berlin. 1. Dez. Der V e r e i n d e r Leiter ü nd Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands hielt am 29. November d. I. im Anschluß an die Tagung der allgemeinen Arbeitsgemeinschaft der Waisenhausleiter (Deutscher Erziehungsbeirat für verwaiste Jugend) in Berlin eine Sondersitzung in den Räumen des Auerbach'schen Waisenhauses ab. Hauptgegenftand der Verhandlungen bildete ein Referat des Herrn Waifenhausdirektor Dr. Feist, Berlin über „Die Besonderheiten der jüdischen Waisenerziehung". An das Referat schloß sich eine ausgedehnte Debatte. — Im weiteren wurden noch andere Berufsfragen in freier Aussprache behandelt und dabei besonders auf die Not der jüdischen, jung im Berufsleben stehenden Waisen hingewiesen, denen in der Zeit der allgemeinen Arbeitslosigkeit zumeist ein bergendes Heim und jede verwandtschaftliche Hilfe fehlt. — Bei der folgenden Vorstandswahl wurden die Herren P e r i tz, Dr. Feist und Bein. Berlin, sowie R o th s. ch'i l d>, Eßlingen wieder und Marx, Frankfurt a. M. und Plaut, Hamburg neu gewählt. An die sehr angeregte Versammlung schloß sich eine Besichtigung des Auerbach'schen Waisenhauses. Berlin, 6. Dez., Das Stellenamt des B. I. A. (Rechtsanwalt Dr. Artur Katz, Berlin C 2, Neue Promenade 3) weist auf eine günstige Niederlassungsmöglichkeit für einen Rechtsanwalt in einem oberschlesischen Amtsgericht hin. Das Amt nimmt Mitteilungen über ähnliche Vakanzen stets gern entgegen. Hannover, 29. Nov. Am Sonntag, den 6. Nov., fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung der „Agudas Jisroel" -Ortsgruppe statt. Der 1.' Vors.. Herr J. L ö b e n st e i n, erstattete den Rechenschaftsbericht, worin besonders der rege Besuch unserer Schiurim hervorgehoben wurde. .Darauf folgte der Kassenbericht. Auch ist es uns gelungen, durch intensives Arbeiten des Palästina-Ausschusses durch Vüchsenleerung Mk. 175.— an die Zentrale abzuführen. Der neugewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzende Herr I. Löbenstein, 2. Vorsitzende Herr I. Balsam, 1. Kassierer Herr Joelsohn, sowie von vier weiteren Herren: Friedler, Storch, Wiesenfeld und Eigermann. — Nach einem Appell Unabhängig von jedermann werden Sie durch den Besitz einer rQEMJHR nur bei Ingenieur A. J. HEINRICH, Elektrotechnik Hanauerlandstraße 38 Telefon 26382 Beste Referenzen im In- und Ausland. des Vorsitzenden, auch im kommenden Jahre die Arbeit der Aguda zu unterstützen, wurde die Versammlung, die sehr anregend und voll Begeisterung verlief, geschlossen. Epe i. W., 28. Nov. Ihr 25. Synagogenjubiläum beging unsere Gemeinde unter starker Beteiligung, unter Anwesenheit der Behörden und der katholischen Geistlichkeit. Nach einleitendem Gesänge des Herrn Bezirkslehrers S a f f r a aus Gemen i. W. sprach Malli Lebenstein einen schönen Prolog, worauf Herr Jsak P a g e n c r namens des Synagogenvorstarrdss die Festgemeinde in kurzen, treffenden Worten begrüßte. Herr Pfarrer Es selb ergriff hierauf das Wort zur Begrüßung und sagte u. a., der weitaus größte Teil der katholischen Bevölkerung stehe trotz der gegenwärtigen Judenhetze der jüdischen Gemeinschaft sympathisch gegenüber. Toleranz wäre für sie selbstverständlich. Die glaubenstreuen Juden hätten als Bundesgenossen im Kreis aller Religiösen mit den Katholiken heute zu gelten beim Kampfe gegen die G'ttlosigkeit. In ebenso herzlicher Art sprach auch der Bürgermeister der Stadt, Herr D ö r r e n k a in p. Nach weiterem Gesänge hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Köhler aus Borken i. W. die Festpredigt. Nach Begrüßung aller Erschienenen, besonders der kirchlichen und städtischen Behörden, sowie, der Beauftragten des Preußischen Landesverbandes betonte er, daß das Bestehen eines G'tteshauses und einer organisierten Gemeinde in judenarmer Gegend etwas Besonderes sei. Die Gemeinde Epe halte ihre regelmäßigen G'ttesdienste ab, besitze ein erst vor kurzer Zeit erneuertes Ritualbad, die Kinder genießen einen regelmäßigen Religionsunterricht durch den Bezirkslehrer, der Friedhof fti durch eine würdige Mauer verschönt worden und nun habe auch die Gemeinde ihr G'tteshaus renoviert. Zum Schlüsse gedachte der Herr Rabbiner der verstorbenen Mitglieder, die am Bau s*r Synagoge leitend sich betätigt haben und eifrig' im Dienste der Gemeinde standen. Ein Psalmengeftng schloß die wirkungsvolle.Feier. Konstanz. 4. Dez. Wie sehr heute diejenigen jüdischen Kreise, welche früher den religiösen Problemen des Judentums nur wenig Interesse enGegenbrachten, sich für jüdische Dinge erwärmen und begeistern können,' das bewies der überaus zahlreiche Besuch aus allen Kreisen der hiesigen großen Gemeinde anläßlich des Vortrages, den am 30. November Herr Rabbiner Dr. Bohrer aus Gailingen hielt. Wie der'Redner gleich zu Beginn seiner mit Andacht-mnd wahrer Spannung aufgenommenen Einführung in den Talmud hervorheben konnte, ist es eine nicht alltägliche Erscheinung, wenn eine religiös „liberal" eingestellte Gemeinde wie Konstanz in so großer Zahl sich einfindet, um über den viel genannten, aber bis heute in vielen jüdischen Kreisen noch wenig bekam.- ten Talmud etwas zu erfahren. In klaren, allgemein verständlichen Erklärungen vermittelte der Redner oh Bild vom Ringen des Judentums in alter Zeit, von der gelehrten und konservativen Tätigkeit der-großen Rabbinen des Altertums, von der allmählichen Entstehung und vom Wfchluß des Talmud. Zum ersten Male erfuhren viele Zuhörer bei dieser Gelegenheit, welche Bedeutung Mischna und Gmora für das jüdische Volk besitzen. Wenn es Menschen gab, die vielleicht zur Veranstaltung gekommen waren, um sich in ihrer Neugierde etwas belehren zu lassen, so verstand es Herr Dr. Bohrer meisterhaft, seinen heiligen Enthusiasmus und die hohe Ehrfurcht, die aus allen seinen Worten klang, auf alle Hörer zu übertragen. Was Wunder, wenn der Leiter des Abends. Herr Lehrer Brav m a n n, auf allgemeinen Wunsch der großen Hörerschaft in Bälde einen zweiten Vortrag über das gleiche Thema in Aussicht stellen konnte. — In der Diskussion fiel es vor allem recht angenehm auf, daß die religiös-suchende Jugend verständnisvolle Fragen stellte. Es wurde beschlossen, recht bald einen Kreis von jungen Menschen zu bilden, der sich uüt dem Talmud näher vertraut machen will. Es ist ein gutes Zeichen für den Vortragenden und für die Zuhörer, daß dieses Referat eine solche Wirkung hervorrief, die vor einigen Jahren wahrscheinlich kaum eingetreten wäre. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch andere Gemeinden sich entschließen könnten, ihre Mitglieder endlich einmal mit dem bedeutendsten religiösen Gesetzeswerk aller Zeiten vertraut zu machen. Wer unternimmt es? Melbourne, 1. Dez. Sir Daniel Levy, der Vorsitzende des Parlaments der australischen Provinz Neusüdwales, verklagte eine in Sidney erscheinende Arbeitertageszeitung, die über ihn geschrieben hatte, er habe während seiner Amtszeit als Oberstaatsanwalt in einem gewissen Falle als Shybock gehandelt. Das Gericht gab der Klage Folge und verurteilte den Redakteur der beklagten Zeitung zur Leistung einer Geldbuße von 100 Pfund.

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