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Der Israelit · 1932-12-01 · Heft 49 (1.12.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 49 (1.12.1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 49 Seite 5 1. Dezember 1932 , ' Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Gefahren, für die Heranwachsende Jugend sind groß. Der Hilssverein widmet sich insbesondere der Kinderhilfe; er fördert m Rumänien wie in anderen Ländern Bestrebungen, die ^äuf bei Pro- Duktivierung der Jugend gerichtet find. Die. Gewerbe-Jeschiwoth in Rumänien, die auch zur Berufsausbildung Her Jugned beitragen, haben sich in diesem Jahre weiter gut entwickelt. Es soll demnächst zur Schaffung von neuen Lehrwerkstätten an Jeschiwoth geschritten werden. Die Haffkine-Stistung gewährte Subventionen für hygienisch-sanitäre Einrichtungen, für Mensen,.für den Bau non Internaten und Lehrhäusern, bezw. für Renovierung alter Gebäude, für Anschaffung von Maschinen in den Gewerbe-Jeschiwoth und für Verschickung kranker Zöglinge in den Sommerferien. Dr. Bernhard Kahn hob hervor, daß durch die Förderung des handwerkli che n Unterrichts in d^eN Jeschiwoth in Karpatho-Rußland und im Gebiete von Marmaros-Szighet der Hilfsverein sich >ein besonderes Verdienst erworben habe. Es fei von großer sozialer Bedeutung, daß das Handwerk dort jetzt populärer geworden ist. Dr. Kahn begrüßte es, daß der Hilfsverein der Kinderfürsorge besonderes Interesse zuwendet. So wurden den durch die Überschwemmung Betroffenen in Rumänien, sowie dn eGemeinden in Karpathorußland vom Hilfsverein Mittel für die Unterbrin-; gung von Kindern in Ferienkolonien zur Verfügung ge- ( stellt. Diese Anteilnahme an den Hilfsaktionen hat in den , betreffenden Ländern außerordentliche Anerkennung ge- ' funden. .1 In der Sitzung wurde Frau Lola Hahn-Warburg in den Geschäftsführenden Ausschuß gewählt. Es wurden Bewilligungen für Auswanderer- und Kinderfürsorge vollzogen. Ferner wurde beschlossen, die Jahresversammlung des Hilfsvereins, der eine Gedenkfeier für den verewigten Präsidenten Dr. James Simon vorangehen soll, im Januar 1933 abzuhalten. Polizeiaktion gegen jüdische Gesellschaften. Berlin, 23. Nov. Am Dienstag, den 22. November, abends nahm die 'Abteilung I des Polizeipräsidiums eine überraschende Aktion gegen die „Jüdische Kulturgesellschaft", früher „Jüdischer Arbeiter-Kulturklub" vor. Zwei Schupowagen fuhren vor dem Klubheim in der Kleinen Präsidentenstraße 3 vor, die Beamten drangen in das Lokal ein und untersuchten sämtliche 48 anwesenden Mitglieder, die sich -teils zu einer Sitzung über Klubangelegenheiten, teils zu geselligem Beisammensein eingefunden hatten, nach Paß und Waffen. 30 Anwesende, unter ihnen auch Frauen und Mädchen, die sich nicht ausweisen konnten, wurden ins Polizeipräsidium gebracht und in Haft behalten. Im Berliner Lokal des deutschen Landesverbandes der „Geserd" (Gesellschaft für Produktivierung und Siedlung der Juden in der UdSSR) wurde von der Polizei eine H a u s s u ch u n g vorgenommen, bei der, wie mitgeteilt wird, nichts Verfängliches zutage gefördert worden ist. Im Zusammenhang damit wurde die für 26.^und 27. November geplante Reichskonferenz abgesagt. Man wolle der-Polizei nicht Gelegenheit geben, die Konferenz zu verbieten und verschiebe sie aus einen späteren Zeitpunkt. Antisemitische Bauernfängerei. München, 23. Nov. Die „Nationalsozialistische Landpost", die für die Propaganda unter den Bauern bestimmt ist, schreibt in ihrer Ausgabe vom 20. November u. a.: „Getreide und Vieh, .Grund und Boden, Wald und -Holz und verfälschtes Recht find die Objekte, die dem Juden von je dienten. Mit tausend Fäden verspinnt der Jude die große Not der Bauern zu seinem Geldsack und die Knute des Leihkapitals läßt er unerbittlich auf das Pfandobjekt des deutschen Bauern hernieder, bewußt, deutsches Bauerntum zu vernichten. Moral, Sitte und deutsches Empfinden fehlen ihm. Er lebt nur für den Geldbeutel des „Judas". Reißen die Fäden, dann opfert er nicht, er teilt und herrscht, er gibt und täuscht in der Not und nimmt die Lebensrechte des deutschen Bauern — den Boden. Um aber seine Herrschaft zu verewigen, hat sich der Jude an die Spitze des Bolschewismus gestellt und sein Werk soll dadurch' gekrönt werden, daß er den deutschen Bauern genau.so wie den russischen zu einem kollektiven Arbeitstier versklavt. Der Israelit Die Woche. .'Berlin. Auf einem Gesellschaftsabend des Hilfsvereins im Hotel „Der: Kaiserhof" hielt u. a. Staatsminister a. D. Prof. Dr. C. H. Becker, der hervorragende Orientalist und frühere preußische Kultusminister, einen Vortrag mit Lichtbildern: „Durch biblische Lande. Reiseeindrücke aus Persien, dem Irak und P alästina". Mit dem Wunsche, daß alle vier Vevölkerungsschichten Palästinas, Moslems, : arabische Christen, Juden und Deutsche, sich zum Besten des Landes gut miteinander vertragen, schloß Staatsminister Prof. Dr. Becker feine Ausführungen unter dem herzlichen Beifall der Zuhörerschaft. — In der Nacht vom 23. zum 24. November -wurden zum dritten Male innerhalb weniger Tage mehrere Fensterscheiben der Synagoge in der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf durch Steinwürfe zertrümmert. Bon den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die Polizei hat beschlossen, in der Umgebung der Synagoge in der Prinzregentenstrahe nachts einen besonderen Schupoposten zum Schutz des G'tteshauses patrouillieren zu lassen. — Die Zeitungen berichten über einen Fragebogen der Leipziger Studentenschaft, der auf allen deutschen Universitäten zirkuliert und festzustellen sucht, wie viele jüdische oder nicht rein deutsch- . stämmige Professoren und Dozenten an den deutschen Hochschulen tätig sind. Wien. In einem Kommunique der Polizeidirektion in Wiener - Neustadt wird über nächtliche Ueberfälle auf jüdische Geschäftslokale und Privatwohnungen berichtet. Vielfach wurden Schaufensterscheiben zertrümmert, Firmenschilder zerstört und die Fenster in Privatwohnungen von Juden eingeschlagen. Die polizeilichen Erhebungen haben eine gewisse Planmäßigkeit dieser Sachbeschädigungen seststellen können, wobei rassepolitische Motive zu vermussen sind. Amsterdam. Der holländische Landesverband der Alliance I s r a e l i t e Universelle hielt in Amsterdam seine Jahrestagung ab und wählte das Parlamentsmitglied I. H. I Vos zum Präsidenten wieder. Eine Resolution betreffend M ilderung der Sonntagsruhe für jüdische Ladenbesitzer und Handwerwerker wurde angenommen und der Zweiten Kammer des holländischen Parlaments zugeleitet. Riga. Die einzige jüdische Landwirtschaftsschule in Lettland mußte ihre Tore schließen, nachdem die Regierung ihr die staatliche Subvention entzogen hat. Anstelle der Schule sollen Abendkurse für Landwirtschaft eingerichtet werden. Bukarest. In der Dreptaiistrahe des vorwiegend von Juden bewohnten Viertels Calicimea zu V o t o s ch a n i wurden zahlreiche Häuser und die Synagoge durch Feuer vernichtet. Ein Teil der Thorarollen wurde ein Raub der Flammen. Zugunsten der Opfer der Katastrophe wurde eine öffentliche Sammlung -eingeleitet. Buda» pest. Auf der Sitzung der Distriktspräsidenten wurde Herr Hofrat Samuel Stern zum Präsidenten der neologen Israelitischen Landeskanzlei gewählt. — Der Strafgerichtshof verurteilte den Führer der einen ungarischen Hitlerpartei, Zoltan V ö s - zörmenyi, wegen konfessioneller/ Aufreizung mit Bewährungsfrist zu zwei Monaten Gefängnis. Paris. Ministerpräsident H e r r i o t hat sich bereit erklärt. den Vorsitz in dem im Rahmen der internationalen Konferenz der Liga zur Bekämpfung des Ant'isemitismus stattfindenden Bankett zu führen. Die Teilnahme französischer Premiers an solchen Banketten wird bereits traditionell; im vergangenen Jahre wurde das Bankett der Liga von Joseph Caillaux geleitet.- Als Redner auf dem diesjährigen Bankett sind angemeldet: Romain Rolland, Henri Barbusse und Victor Marguerite. London. Der junge Lord Melchett eröffnete die Melchett-Gedächtnishalle in dem Hause der Talmud Thora in der Commercial Road und enthüllte eine Gedenktafel für seinen Vater, den ersten Lord Melchett, einstigen Sir Alfred Mond. „Für mich," sagte Lord Melchett, „wie für meine Schwester Lady Erleigh bedeutet es einen-großen Vorzug,)das Werk unseres Vaters auf den verschiedenen Gebieten des jüdischen Lebens und im Besonderen für Palästina weiterzuführen." Jerusalem. Die Palästina-Regierung hat dem Rabbinat in Jerusalem 4 0 Einreise-Visa für ausländische Nab b in er zur Verfügung gestellt. Das Rabbinat wird die meisten dieser Visa nach Rußland schicken, damit russischen Rabbinern mit ihren Familien die Möglichkeit gegeben werde, sich in Palästina anzusiedeln. Deutscher Bauer, gib acht, der Jude will dich in der bolschewistischen Flut ertränken. Die. Reaktion aber reicht bereitwillig ihre Hand diesem Juden." Vergessen wurde zu'sagen, daß das schlechte Wetter ebenfalls einzig und allein von den Juden gemacht sei . . . Thüringens Schächtverbot vertagt. Weimar, 29. Nov. Im Gesetzgebungsausschuh des Thüringischen Landtags wurde heute die von der nationalsozialistischen Regierung eingebrachte Gesetzesvorlage über den Tierschutz mit den Stimmen der Nationalsozialisten und des Landbundes gegen die der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Indessen hat die Landbund-Fraktion, um Schädigungen der thüringischen Landwirtschaft und des thüringischen Fleischergewerbes zu vermeiden, beantragt, daß das im Gesetzentwurf mitenthaltene Schächtyerbot, für die Nationalsozialisten selbstredend das Kernstück der Vorlage, vertagt werde, bis auch in den Nachbarstaaten, so besonders in Preußen, die Frage diskutabel wird. Aus der Breslauer Gemeinde. Breslau, 20. Nov. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde Klage darüber geführt, daß der Vorstand kein genügendes Interesse für die Ausdehnung der jüdischen Genossenschafts- und K r e d i t k a s s e n - B e w e g u n g zeigt. Von Vorstands-Seite wurde demgegenüber daraus hingewiesen, daß man der jüdischen Darlehenskasse M. 100.000 Betriebskapital beschafft habe, daß es aber nicht Sache der Gemeinde sein könne, sich an riskanten geschäftlichen Unternehmungen, wie' es die Genossenschaft sei, zu beteiligen. Viele Mitglieder der Versammlung wünschten eine redaktionelle Ausgestaltung des Gemeindeblattes, die indessen an der Schwierigkeit der finanziellen Lage scheitert. Erneut wurde die Forderung -erhoben, während des Winters G e m e i n d e a b e n d e zu veranstalten, wobei man allerdings daraus sehen müsse, nur solche Themata zur Diskussion zu stellen, die nicht geeignet sind, Gegensätze aufzureißen und die Parteileidenschaft zu steigern. Weitere Rundgebungen gegen Professor Cohn in Breslau. -Breslau, 25. Nov. In der Nacht zu Freitag, den 25. November, explodierte vor dem Hause Wölfelstraße 16, in dem sich die Wohnung des Universitätsprofessors Dr. Ernst Cohn befindet, ein Feuerwerkskörper mit lauter Detonation, richtete aber keinen besonderen Schaden an. Professor Dr. Ernst Cohn nahm am 25. November seine infolge der nationalsozialistischen Demonstrationen unterbrochenen Vorlesungen wieder auf, nachdem er mit den praktischen Hebungen schon nach der Wiedereröffnung dre Universität am Mittwoch begonnen hatte. Die Vorlesungen verliefen in voller Ruhe. Gegen Mittag aber sammelte sich in dem Durchgang hinter dem Portal II der Universität eine Menschenmenge an, die in der Ueberzahl aus nichtstudentischen Elementen bestand, und sang nationalsozialistsiche Kampf- und Hetzlieder. Einer Aufforderung des Rektors, den Lärm zu unterlassen, leisteten die Versammelten nicht Folge. Daraufhin rief der Rektor Polizei ins Haus, die den Durchgang säuberte. Die Menge zog sich nun in das benachbarte Konviktgebäude zurück. Auf Grund dieser Vorgänge haben Rektor und Senat verfügt, daß die Universität vorläufig abermals geschloffen werde. Es wird darüber beraten, ob eine Schließung für das Wintersemester nunmehr erfolgen soll. Nazistudenten und SA-Leute belagerten die Universität,- bildeten Sprechchöre, sangen Hetzlieder und hinderten stundenlang Pros. Cohn am Verlassen der Universität. Erst als berittene Polizei die Straßen räumte, konnte sich Cohn in feine Wohnung begeben. Bei Räumung des Konviktgebäudes griffen Studenten die Polizei an. Polen. Der Präsident der warschauer Rehilla und der „Jüdische Rsngreß". Warschau, 29. Nov. Wie oorauszusehen war, fand die zionistische Opposition im Kehillorat keinen besonderen Gefallen an dem neutralen und reservierten Verhalten des Präsidenten

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