Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 49 Seite 3 1. Dezember 1932 sunggebenden 21 a t i o rt-a Iverfa-mmlu n g vertreten, und zwar mit 9 Abgeordneten, die sich auf 4 Parteien verteilten: Deutsche Volkspartei, Demokraten,"Sozialdemokraten und Unabhängige. In den dieser Rationalversammlung folgenden Reichstagen finden wir noch vier Abgeordnete jüdischen Glaubens. Im Reichstag vom 14. September 1950 saßen nur noch zwei, in dem vom 51. Juli ein einziger Jude, und nun ist auch er nicht mehr da. 2Ttan weiß, wie wir über die Rolle von Juden an hervorragender politischer Stelle unter den heute obwaltenden Umständen denken. Aber diese unsere Meinung ändert nichts an der Tatsache, daß die obgenannte parlamentarische Fieberkurve die Krankheit des politischen Lebens Deutschlands, in einem bedenklichen Stadium zeigt. Europa — und gar nicht zu reden von Amerika— wird sich wohl sein Sprüchlein machen über die formelle Gleichberechtigung einer Volksmasse in einem Lande, das für keinen einzigen aus ihrer Mitte Platz in seinem Parlamente hat. Daß übrigens die deutschen Juden durch ihre völlige Abwesenheit im Reichstag politisch Schaden nehmen könnten, ist in einem Lande, das sein Parlament nicht nach Konfessionen und nationalen Kurien, sondern nach politischen Parteien zusammengesetzt, zum Glücke nicht zu befürchten. Mögen andere unsere Interessen wahrnehmen, und zwar als die ihrigen, als die des Vaterlandes, das durch jede Abweichung von Verfassung und Menschenrecht in seinen Grundlagen erschüttert, in seiner Ehre und seiner Zukunft mehr gefährdet ist als der Bevölkerungsteil, gegen den haß und Bosheit jene Tntrechtungspläne schmieden. wir haben es in den letzten Tagen wieder erlebt — seit dem 15. August zum zweitenmal — wie sich an der eisernen Ulauer im Reick spräsid i u m die immer und immer wieder anftürmcnden Mellen brechen. wird der Reichstag, was wir wünschen, arbeitsfähig, so werden die liberalen Parteien doppelt auf der Hut sein, und in Sachen unseres r e l i g i ö s e n R e ch t e s dürfen wir nach wie vor auf Verständnis und Unterstützung des Zentrums und seiner bayrischen Schwesterpartei rechnen. Cs gibt bei allem und allem noch Männer in Deutschland, die, hoch über die Klasse emporragend, die klare Sicht von höherer warte nicht verloren haben. Im Board of Deputies in London wurde vorige Woche als Höchstpunkt der Toleranz (im Gegensätze zu den Vorgängen in Deutschland) hervorgehoben, daß in England ein hoher General eine Parade jüdischer Frontsoldaten abgenommen hat. Gerade das haben wir in den letzten Tagen bei der Uebergabe des Gefallenendenkbuches der R. j. F. auch in Deutschland in vielleicht noch imposanterem Maße erlebt. Crnst genug ist die Lage, aber Paraden und Genc- Segens aufrechtzuerhalten den Bund mit G'tt und den Weg zu wandeln, für den die Weisung gilt: yn iivvi oavm npts nmV, „Sie sollen hüten den Weg zu G'tt, indem sie Liebe und Recht üben." Kann es uns wundern, daß die hl. Schrift uns erzählt: apr jik -nan» npa-n „Ribka liebte den Jakob?" Sie hat sich, wie es eine gute Mutter soll, tief in das Seelen-! leben ihrer Kinder versenkt und ihre Anlagen und Fä-! higkeit'en erforscht. Ihre Vorliebe für Jakob ist voll begründet. „Jakob'hat sich daran gewöhnt, in allem und jedem auf der Mutter Stimme zu hören." Das bedeutet der Söhne Glück, wenn sie der Mutter Worte nachachten. Hierin liegt die Gewähr, daß sie dem Elternhause und seinen Tugenden verbunden bleiben. Ribka liebt Jakob nicht in einer plötzlichen Aufwallung ihres Gemütes, sondern ap»> nrr narm wegen seiner geistigen Anlagen und der Eigenschaften seines Charakters, die die Mutter immer von neuem an ihm in vermehrtem Maße wahrnimmt, inanrr b» nan« ib nsoin» steigert sich von Tag zu Tag der Mutter Zuneigung für Jakob . . . Damit erweist Ribka ihr kluges Urteil und ihren weitgehenden Blick. Sie hat sicher auch für Efau als ihren Sohn Mutterliebe. Sie ist aber nicht blind in ihrer Liebe und erkennt die Fehler und Mängel im Charakter ihres älteren Sohnes, der ihn des väterlichen Segens unwürdig inacht. Jizchak merkt es eben nicht, daß Efau ihn umgarnt, daß der Sohn i'aa *px „ein Jäger mit seinem Munde" ist. So will er ahnungslos ihm einen Segen zuwenden, der ihm nicht zum Segen gereichen kann. Das vereitelt Nun die Mutter mit ihrer Klugheit, die auch die Bedenken Jakobs zu zerstreuen weiß und am Ende Jizchak selbst überzeugt, daß er Jakob zum zweiten Male segnet — und jetzt aus freien Stücken ihm das Heilswort auf den Weg gibt: .yrr yirti nniax nana nrr "ft yi Der Israelit rale sind kein Ulaßstab, da nicht und dort nicht. Das „Gefallenenbuch" ist aber ein wertvoller Dienst an der heute so schwer mißhandelten Wahrheit. Werken wollen wir uns auch ein mannhaftes wort des Reichswehrministers a. D. G r o e n e r,- dem der Tentral-verein das besagte Gedenkbuch mit der Bitte um Besprechung übersandt hat. Der General schreibt: «... Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat den gefallenen Kameraden ein ehrendes und schönes Denkmal gesetzt. Ich begrüße das sehr, weil dem ganzen deutschen Volke in eindringlichster weise gezeigt wird, daß auch unsere 2N i t b ü r - ger jüdischen Glaubens im Kriege ihre vaterländische Pflicht in vollstem 211 a ß e erfüllt und durch schwere Blutopser ihre Volksverbundenheit besiegelt haben. Das Geöenkbuch spricht für sich selbst und bedarf keines Kommentars. In einer Zeit irrsinniger politischer Zerrissenheit des deutschen Volkes sollte die Ehrfurcht vor den Gefallenen e i n u n z e r r e i ß b a r e s Band bilden, das uns alle eint . . ." Hoffen wir, daß auch im judenreinen Reichstag die Stimme des Rechtes in einer dein vaterlande und uns Inden dienlichen weife zu Gehör kommt. Die lieben Studenten. Uebevaü in Ost- und Klitteleuropa hallen die geweihten Räume der Wissenschaft vom Rachechorus: „Juden raus!" wider. Ihre ganz spezielle 21ote haben die Studentenunruhen in Oefterreich-Rngarn, — ja, in diesem Belange gibt cs trotz aller Reuordnung noch ein vereinigtes „Oesterreich-Rngarn" — über die uns der „pester Lloyd" ein anschauliches Situationsbild entwirft: „Unter den Hörern der ungarischen Hochschulen ist das jüdische Element in der Verhältniszahl von höchstens 1:10 vertreten. Das will heißen, daß wenn es auf diesen Hochschulen zu antisemitischen Ausschreitungen kommt, jedem jüdischen Studenten eine Ueberzahl von mindestens 10 nichtjüdischen gegenübersteht. vorweg ausgeschlossen ist es daher, daß diese Unruhen jüdischerseits angezettelt werden könnten, denn mag noch so stürmisches Klakkabäerblut in den Adern der jüdischen Studenten rollen, so werden diese immer vorsichtig genug sein, nicht Gewalttätigkeiten heraufzubeschwören, in denen sie schon vermöge ihrer ziffernmäßigen Unterlegenheit den Kürzeren ziehen müssen. Die Regel ist die, daß man, bevor der Professor den Hörsaal betritt, oder nachdem er ihn bereits verlassen, über die jüdischen Studenten herfällt, sie beschimpft und mißhandelt unö aus dem Hörsaal hinausprügelt. Dabei wird zwischen den Geschlechtern kein Unterschied gemacht. Auch jüngst in Debrecen ist es vorgekonnnen, daß jüdische Studentinnen beschimpft und sogar tätlich insultiert wor- „Cr wird dir den Segen Abrahams geben, dir und deinem Samen bei dir." . . . G'ttesfurcht, Weisheit und Liebe der Frau, das sind die drei Sterne am Lebenshimmel eines jüdischen Hauses. Das lehrt uns das Lebensbild unserer Stammutter Ribka. (Die Palästina-Orange in Deutschland.) Die „Frankfurter Zeitung" bringt an der Spitze ihres Handelsblatts vom Montag einen längeren Aussatz über die Palästina- Orange aus der Feder ihres Jerusalemer Korrespondenten, in dem festgestellt wird, daß die „Jaffa-Apfelsine" durch ihre Größe und Qualität eine Sonderstellung einnimmt und deren Export fast die Hälfte der palästinensischen Gesamtausfuhr (857.000 Pfund von 1,90 Millionen Pfund) ausmacht. Nun steht man vor einer starken Steigerung der Orangen-Produktion und somit auch vor einer starken Ausfuhrsteigerung. Im Sommer 1932 wurde geschätzt, daß in Palästina 150.000 Dunam mit Orangen bepflanzt sind, wovon erst 54.000 Dunam Frucht tragen; von diesem Areal waren 90.000 Dunam in jüdischen Händen, von denen 31.000 Frucht tragen. Von Jahr zu Jahr wird die Zahl der fruchttragenden Bäume rapid steigen. Dazu kommt, daß etwa 30.000 bis 40.000 Dunam jährlich mit Orangen neu bepflanzt, werden. Vor einigen Jahren war England beinahe der einzige Absatzmarkt palästinensischer Orangen, neben dem nur noch Aegypten von Bedeutung war. Nun hat Aegypten durch hohe Schutzzölle den eigenen Orangen-Anbau geschützt. England ist noch immer der weitaus wichtigste Markt geblieben, aber Deutschland gewinnt von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung, und daneben treten Skandinavien, Holland und andere Staaten, in letzter Zeit auch Rußland, als Absatzmärkte auf. In der jetzt beginnenden Orangen-Saison werden 4.50 Millionen Kisten zur Ausfuhr gelangen. Schon 1936, wenn 110.000 Dunam Frucht tragen werden, werden es bereits 11 Millionen Zigarren A Q Wolf Zeil Tel. Hansa 27930 den sind: eine vorgangsweise, die der Herr Kultusminister Valentin Homan eben erst als „infamste Feigheit" gebrandmarkt hat. All das ist aber nicht eine spezifisch-jüdische Sache, auch nicht im besonderen eine Sache der jüdischen Hochschüler, sondern unzweifelhaft ist es eine Sache der gesetzlichen Ordnung des ungarischen Staates. Der Herr Kultusminister hat erklärt, er erwarte den einverlangten Bericht des Rektors der Rniversität Debrecen und werde nach dessen Empfang das Weitere und Rötige zu veranlassen wissen. Er hat hinzugefügt: Es brauchen bloß drei Schuldige ermittelt und eingesperrt zu werden, dann würden alle Zwischenfälle von selber aufhören, und überdies würden die Betreffenden nach Abbüßung ihrer Strafe für immerwährende Zeiten von allen Hochschulen des Landes relegiert werden. Das sind sehr löbliche Vorsätze. Die Auffassung des Herrn Ulinisters deckt sich durchaus mit der Gesinnung des Herrn Klinisterpräsidenten Gömbös. 21ur scheint es, daß die Hochschuljugend in Debrecen sich nicht viel um die Doktrinen und Auffassungen der verantwortlichen Staatsmänner kümmert, vom hochlöblichcn Universitätsscnat ist ein jüdischer Student, den hundert nichtjüdische Kameraden blaugeschlagen hatten, für zwei Semester relegiert worden. Der Kultusminister hat über diesen Scnatsbeschluß und seine lllotive vom Hefter einen ausführlichen Bericht einverlangt, wie wir aus seiner heutigen Erklärung erfahren, steht dieser Bericht noch immer aus. Rektor und Universttätssenat haben es damit anscheinend nicht sehr eilig, was Wunder, wenn mittlerweile die Studentenschaft daraus nur den Ansporn schöpft, in ihren gesetzwidrigen Umtrieben fortzufabren? In derartigen Füllen ist jedwedes Zaudern unzulässig. Der neue Regierungskurs wird deshalb vertrauensvoll begrüßt, weil man das Gefühl hat, daß nunmehr ein Regime der starken Hand mit allen willkürlichkeiten und Unzukömmlichkeiten aufräumen werde. Dieses allgemeine vertrauen sollte nicht durch Saumseligkeit beeinträchtigt werden." Dazu paßt gut, was aus Wien berichtet wird: Professor p ö tz l, der 21achfolger Wagner-Iaureggs, brachte zu einer Vorlesung einen Paranoiker, einen verfolgungs- und Größenwahnsinnigen, um an ihm die Kennzechen der paranoica zu demonstrieren. Der Irrsinnige hielt eine kurze Ansprache an die Studenten, in der er sagte, er wisse das Wittel gegen die Wirtschaftskrise. Es handle sich um ein ebenso einfaches wie probates Verfahren: man müsse Wien unter Wasser setzen, Oesterreich an Ungarn anschließen und die Juden h i n a u s w e r f e n. Kisten sein. Das Absatz-Problem wird sich immer ernster gestalten, wenn auch die Palästina-Orange durch ihre Schönheit und Qualität stets ihren Rang auf dem Weltmarkt behaupten wird. Jede Zollerschwerung bereitet den Orangen-Pflanzern Sorgen, so auch die Ausschaltung Palästinas aus dem System der Vorzugszölle, die britische Reichsprodukte in England genießen. Um so heftiger wird es die Pflanzer treffen, wenn auch die Einfuhr nach Deutschland aus Schwierigkeiten stoßen würde, die in diesem Fall sich wohl nicht, wie ln England, auf einen kleinen Teil der Saison beschränken werden. (Taschenausgabe des kizzur Lchulchan Aruch.) Zu der in der vorigen Nummer veröffentlichten Besprechung der neuen Taschenausgabe des Felümann'schen Kizzur S ch u l ch a n Aruch sei noch mitgeteilt, daß der Ladenpreis des schmuck ausgestatteten Buches Mk. 3.— beträgt. Wochenkalender. vom 3. - 10. Dez. 1833 ' 4. - 11. Kislew 6693 'M' sp N"1 Samstag 3 4 tl* Sonntag 4 5 a v'nw Montag 5 6 Ä Dienstag Dez. 6 i^>va 7 “T Mittwoch 7 8 n Donnerstag 8 9 1 Freitag y 10 T Samstag 10 11 n