Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1932)
- Date
- 1932-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450750--79212-2536949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
24. November 1932 Dolen Studentenunruhen. Warschau, 18. Nov. a r s ch auer A n at omis ch en Institut sammelten nationaldemokratische Studenten Unterschriften sür^eine Petition an den Senat, in der der Wunsch ausgesprochen wurde, daß jüdische Studenten gesondert ihre Uebungen machen sollen. Im Verlauf dieser Propaganda wurden mehrere jüdische Studenten und Studentinnen von Nätionaldemokraten überfallen und schwer mißhandelt. . Die jüdischen Studenten und Studentinnen, die daraufhin das Jnstitutsgebäude verlassen wollten, wurden vor dem Tore von sie erwartenden Nationaldemokraten überfallen und zum Teil niedergeschlagen. Erheblich verwundet wurde die Studentin Neufeld und der Student Warm, leichtere Verletzungen erhielten zehn weitere jüdische Studenten. Der Rektor der medizinischen Fakultät verfügte die S ch l i e ß u n g des Anatomischen Instituts so lange, bis Garantie dafür geschaffen sei, daß' sich solche Vorfälle nicht wiederholen. An der W i l n a e r U n i v e r s i t ä t kam es während der Vorlesung von Prof. Chladka zu schweren Unruhen, als nationaldemokratische Studenten versuchten, ihre jüdischen Kollegen gewaltsam aus dem Saale zu entfernen. Die jüdischen Studenten leisteten Widerstand, so daß die Nationaldemokraten einen weiteren Angriff nicht mehr wagten. Tschechoslowakei. Neuerliche Niederlage der Schächtgegner in der Tschechoslowakei. Prag, 14. Nov. Die Stadtoertretung von. E g e r in Böhmen, die am '21. September das rituelle Schlachten am städtischen Schlachthof durch einen' Gemeinderatsbeschluß verboten hatte, ist nach Rekurs der Jüdischen Gemeinde gegen diese Entscheidung gezwungen worden, dieses Verbot aufzuheb e n. Die Bezirksbehörde hat dem Einspruch der Kultusgemeinde stattgegeben, in welchem insbesondere auf die verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte der freien Ausübung religiöser Gesetze und aus die Gutachten führender Wissenschaftler hingewiesen wurde, die erklären, daß das rituelle Schächten weitaus humaner sei als die übliche Art der Tier-Tötung. In einem ähnlichen Fall in Gablonz ist bekanntlich ' ebenfalls gegen die antisemitischen Schächtgegner -entschieden worden. England. Eine neue Schomre-Schabbos-Gruppe in Liverpool. L i v e r p o o l, 18. Nov. Unter dem Eindruck des dringlichen Appells, den -Herr Chies-Nabbi Dr. Unterm an anläßlich der hohen Feiertage an seine Gemeinde gerichtet hat, wurde jüngst auf einer zahlreich besuchten Versammlung eine neue Schomre-Schabbos-Ortsgruppe gegründet. Da sich eine Reihe führender Persönlichkeiten zu aktiver Mitarbeit bereit Erklärt hat, so werden an die Gründung der neuen ■ Ortsgruppe große Hoffnungen geknüpft, Als Auftakt der Arbet wurden regelmäßige Schiurim und religiöse Vorträge am Sabbat eingerichtet. Zugleich wurden die ersten Schritte zur Errichtung eines. Arbeitsvermittlungsbüros eingeleitet. Dem Vorstände wurde insbesondere auftzetragen, auf die jüdischen Kinder enzuwirken, daß sie sich am Sabbat in der Schule des Schreibens enthalten. Der Sabbat- und Feiertagsdispens in Irlands Schulen. , i | Dubl in/14. Nov. Auf, Veranlassung der Zentrale 'd,es Weltoerbandes für (Säbbatfcfyut} „Schomre Schabbos"i hat., Herr Chief-. Rabbi Dr. I. Herzog, Dublin, eine Anfrage an das Unterrichtsministerium des irischen Freistaates gerichtet, um die Befreiung der jüdischen Schüler, an den Sabbaten und Feiertagen in den öffentlichen, Schulen, generell zu regeln. Der, seitens des Ministeriums erteilte Bescheid trägt den jüdischen Wünschen,in' jeder Weisem Rechnung. Es wird darauf 'hingewiesen, daß in den öffentlichen Elementarschulen die jüdischen Kinder in keiner Weise mit hem Sabhat. ist-Konflikt kämen, da hier am Sonnabend ohnehin-kein Unterricht erteilt würde. Was die jüdischen -Feiertage angehe, die offizielle Unterrichtstage find, so zähle zwar das Schulgesetz unter den Gründen, die eine Schulversäumnis rechtfertigten, religiöse Feiern Der Israelit_ | und Veranstaltungen nicht als besonderen PunP .auf, doch solle die letzte Bestimmung des bezüglichen Paragraphen des Schulgesetzes, derzufolge auch „ein anderer ausreichen- ' der Grund" als Entschuldigung anerkannt wird, auf die 'jüdischen Feiertage angewandt werden. In den höheren Schulen, die am Sonnabend unterrichteten, würde. die Schulpflicht an sich nicht so streng gehandhalst wie inden! Elementarschulen, so däß die Schulbehörden okjne weiteres Die Woche. -Karlsruhe. Die Synagoge in R a st a t t in Baden wurde in der Nacht zum 5. November mit Hakenkreuzen und unflätigen Beschimp- - fungen vollbeschmiert. Auch einige jüdische Häuser wurde auf die gleiche sinnige Art ge- -zeichnet. Corbach (Waldeck).. Eine Gruppe ' radaulüstiger Burschen stürmte das Haus des jüdischen Gemeindelehrers und schlug dort wie -'in der Synagoge viele Fensterscheiben ein. Die Polizei ist auf der Suche nach den Tätern, obwohl kein Zweifel, darüber besteht, in welchen Kreisen, sie zu suchen sind. Wien. Die Leitung der Wiener Nationalsozialistischen Partei hat gegenüber dem Polizeipräsidium die Garantie * bafür übernommen, daß die im Wiener „Bräunest Hause" auf Grund noch laufender Verträge wohnenden drei jüdischen Familien nicht weiter belästigt würden. Daraufhin hat das Polizeipräsidium den Polizeiposten, den es zum Schutze der jüdischen Familien in das Haus , gelegt hatte, zurückgezogen. Warschau. Bei der ' Warschauer E i nstu rz k at a str o p he in der Krochmalnagasse, bei der durch Einsturz eines großen Lagerhauses ein Wohnhaus verschüttet und zerstört wurde, sind unter 18 Personen, auch zweijüdische Familien umgekommen. — In den letzten Tagen kam es im Judenviertel von Warschau zu kleinen Zusammenstößen mit nationaldemokratischen Banden, die dazu führten, daß die jüdischen Kaufleute ihre Geschäfte schließen muhten. In der Provinz nimmt die M o y k o ttb e w e gu n g bedrohliche Formen an. Lemberg. Die antisemitischen S t u de n t e n u n r u h e n dauern fort. Die jüdischen Deputierten fordern Schadenersatz für die geschädigten jüdischen Kaufleute. Inzwischen sind auch Proteste von jüdischen Studentenverbänden in Newyork und Chicago eingegangen. Prag. Nicht nur in Prag (wie bereits berichtet), sondern auch in Brünn haben die Sterbefälle im vergangenen Jahre die Geburten überwogen. Im Jahre 1931 wurden dort 39 Ehen geschlossen und 102 Geburten verzeichnet. Dem stehen 34 Austritte aus dem Judentum und 159 Sterbefälle gegenüber, wobei die Abwanderung von Gemeindemitgliedern nicht berücksichtigt erscheint. Budapest. In Debrecen fanden schwere antisemitische Ausschreitungen an der Universität statt. London. Der Präsident des Board of Dö-puties of British Jews, O. E. d'Avlgdor G o l d s m i d , hat dem Board mitgeteilt, daß er sein Präsidentenamt nied erlegt. Der Board hat sich in seiner am Sonntag, den 20. I November, abgehaltenen Sitzung mit dieser An- | gelegenheit befaßt; es verlautet, daß Anstrengungen gemacht werden, um d'Avigdor Goldsmid, zur Rücknahme des Rücktrittsbeschlusses zu bewegen.,; .Jerusalem. Im Zusammenhang . l;..!tnit-!den- Schlägereien zwischen Mitgliedern der 'Histadruth Haowdim und strichen der revisionistischen Gewerkschaft bei der Biskuit-Fabrik F r u m k i n in,^Jerusalem hatten sich 23 jüdische Arbeiter vor,,Gericht zu verantworten. Das Gericht verurteilte zwei Arbeiter zu je drei Monaten, zehn zu je einem Monat Gefängnis oder einer Geldbuße von je 10 Pfund. Die übrigen elf Angeklagten wurden freigefprochen. Newyork. Zum Präsidenten des American Jewifh Committee wurde Dr. Eyrüs Adler einmütig wiedergewählt. — "• Ino Alter von 55 Jahren verstarb in Newyork der Jude Abraham L e f c o u r t, der als Zei- ' ihingsjunge und Schuhputzer in der Newyorker East Side angefangen hatte und es später, zum großen Bauherrn und Bankier gebracht hat. Seine Hinterlassenschaft wird auf mehr als 100 Millionen Dollar, geschätzt. die. Möglichkeit hätten, den Sabbat- und Feiertagsdispens großzügig zu handhaben. A)ie der deutsche Judenhaß den lveg über den Nana! findet. London, 21. Nov. In einr der letzten Sitzungen des Board of Dezi u t i e s in London wies Leonard G. Montefiore Nr. 48 Seite 5 darauf hin, daß Hitlers „Illustrierter Beobachter" Bilder des englischen Faschistensührers Sir Oswald Mosley gebracht hat, die ihn inmitten seiner Anhänger aus dem Trafalgar Square zeigen.- Redner wünschte, die deutsche Leserwelt'hätte Gelegenheit, auch andere Bilder aus England zu sehen, Bilder, die z. B. zeigen, wie ein englischer : General bei einer jüdischen religiösen Feier die Parade der jüdischen Frontsoldaten abnimmt; ein solches Bild nämlich spiegele wahrhaftiger das englische , öffentliche Leben wieder. Heber Sir Oswald Mosleys, feine neue faschistische Partei und deren Haltung gegenüber den Juden gibt die Korrespondenz des Board mit Sir Oswald Aufschluß. «Dieser schreibt: „Antisemitismus ist kein Problem des Faschismus und deshalb auch kein Bestandteil der Politik der British Union of Fascists. Wir greifen jene Juden an, die sich mit umstürzlerischer Tätigkeit befassen, wie z. B. Leitung der Kommunistischen Partei, oder Juden, die hinter internationalen Finanztransaktionen stehen, wie die, die kürzlich England erschüttert haben. Nie greisen wir Juden an, nur weil sie Juden sind." Aus das Ersuchen des Board, Juden zu nennen, die sich mit internationalen Finanztransaktionen zum Schaden Englands befaßt haben, verwies der Privatsekretär Mosleys auf Mosleys Buch „The Greater Britain". Darauf schrieb der Board an Mosley, daß in diesem Buch kein einziger Jude und keine jüdische Jnstitu^dn in Verbindung mit England schädigenden Transaktionen erwähnt sind. Mit dieser Feststellung schließt die Korrespondenz vorläufig ab. Wenn schon ein Vergleich zwischen dem deutschen Antisemitismus und dem englischen Faschismus gezogen wird, so wäre dazu zu sagen, daß schließlich auch in Deutschland, wo das Ausland „Pogromluft wittert", Vorkommen kann — und auch vorgekommen ist, — daß ein leibhafter General die Parade jüdischer Frontsoldaten abnimmt. Paraden zeigen selten das Gesicht „hinter der Frönt", hier nicht und dort nicht. Daß der ehrenwerte Sir Mosley und seine Partei lediglich gegen eine „gewisse Sorte von Juden" kämpften, diese aber doch immer und konsequent als Juden bezechnen und bekämpfen, zeigt so recht den wahren Charakter der Internationale des Hasses, deren Kodex seit den biblischen Zeiten mnn kV -iVisi mnn inxp oss J— nur den zufällig auf einen jüdischen Namen hörenden Ausbund alles Bösen als Juden gelten läßt, verdiente jüdische Namen aber ohne weitere Bezeichnung für sich, für das Land und die Welt reklamiert. Im übrigen ist die Rolle der Mosley-Partei in England so unbedeutend, daß es kaum lohnt, darüber zu reden. Aber das Ausland sollte auch die Dinge in Deutschland nicht düsterer sehen und darstellen, als sie sind. Die Lage ist auch so ernst genug, Uebertreibungen machen sie nicht besser und bringen nur Verwirrung in die Massen. Jugosavtten. Für Gleichheit aller Religionen in Jugoslavien. Belgrad, 20. Nov. Laut einer Verordnung des jugostavischen Unterrichtsministeriums ist es jüdischen Schülern an Mittelschulen erlaubt —wenn es die Eltern wünschen — an Sabbattagen von 10 bis 12 Uhr vormittags dem G'ttesdienste in der Synagoge beizuwohnen. >Ap jüdischen Feiertagen haben jüdische Schüler schulfreu Gleichzeitig wird angeordnet, daß alle Schüler ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses ein neutral gehaltenes - gemeinsames Gebet zu Beginn und am Schluß des Unterrichts zu sagen haben. Persien. Zur Lage der Juden in Persien. K o n st a n t i n o p e l, 18. Nov. Der gegenwärtig in der Türkei weilende Außenminister Persiens, Mohammed Ali Firoughi Khan, gab in einem Gespräch mit dem Vertreter der ITA. die folgende Erklärung über die Lage der Juden, in Persien ab: Die Verfassung Persiens kennt keinen - Unterschied zwischen persischen Bürgern und Bürgern irgend eines anderen Stammes oder Angehörigen einer anderen Religion. Auch die in Persien lebenden Juden genießen alle Rechte persischer Staatsbürger. Sie leben in vollkommener Sicherheit, nehmen eine angesehene Position im öffentlichen Leben Persiens ein. In ihrem nationalen und religiösen Leben genießen sie vollkommene Freiheit, in diese Angelegenheiten mischt sich die Regierung nicht im geringsten ein. Es bestehen in Persien jüdische Schulen,