Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1932)
- Date
- 1932-11-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DerIsraelit Nr. 48 Seite 3 24. November 1932 lieb wahrnehmbaren Fingerzeig, G'tles nicht über- [cb'ctx und nicht eine Gelegenheit verpaffen will, die vielleicht nicht so bald wiederkommt." Diese Pflicht hat nach den in der Erwiderung.cm* geführten Worten Jacob R ofenheims auch folgende Begründung: „ .. Für die Sicherung der geistigen Leistenz des jüdischen Volkes kann Lrez Israel von ungeheurer Bedeutung werden. Abgesehen von deni jibcelieferten Grundsatz, daß die natürliche Ligenart des Landes selbst der Entwicklung des jüdischen Geistes förderlich ist, besteht gegenüber der immerhin noch vorherrschenden arabischen Kultur die Gefahr der Assimilation in weit geringerem Waste als gegenüber den europäischen Kulturen." Um nun aber von diesen Gedanken zur Wirklichkeit des Alltags überzugehen, bedarf es eines klaren Bildes über die gegenwärtige Situation der palästinensischen Iudenheit in ihrer geistigen Existenz. Denn nur auf solchem Wege der Kenntnis des jüdischen Lebens in Crez Israel kann zweckmäßig gearbeitet werden. Die Notwendigkeit eines derartigen Vorgehens beweist selbst der redaktionelle Artikel des „Israelit". Lr schätzt nämilch die Zahl der „schlichten, frommen Juden" in der Tel-Awiwer Bevölkerung aus 70 Prozent, vielleicht dürfte 5 0 Prozent nicht zu niedrig gegriffen sein, 70 Prozent heistt aber mindestens eine Verdoppelung des Tatsächlichen. Ebenso geniestt sicherlich nicht mehr als 3 0 proz. der Tel-Awiwer Jugend einen Unterricht auf Basis der Thora. Woher kommt dieser Irrtum? Der Tourist wird dadurch getäuscht, dast in Tel-Awiw die r o t gedruckten Tage des jüdischen und nicht des christlichen Kalenders gefeiert werden. Maßstab für die Religiösität dürfte Z. B. die Erfüllung der Mikwah -Pflicht seitens der Ehefrauen sein. Die statistischen Zahlen über diese Wahrung der Reinheit der jüdischen Che können für Tel-Awiw, für Haifa, für Pethach-Tikwah und für die Kolonien nach meiner Kenntnis nur die schmerzlichste Ueberraschung allen denen bringen, die optimistischer denken, als es die Wahrheit erlaubt. Die palästinensische Iudenheit setzt sich aus zwei Teilen zusammen: aus dem alten und aus dem neuen Iischuw. Der alte Iischuw umfaßt die, denen das religiöse.Motiv das primäre bedeutet, und der neue Iischuw die, denen das nationale Motiv das primäre, in den meisten Fällen sogar ihr ausschließliches Verhältnis zum Judentum ist. Cs darf bezweifelt werden, ob man heute die Hälfte der palästinensischen Iudenheit zum Milieu, des alten Iischuw zählen kann. Dieser alte Iischuw, den es zunächst zu erziehen gilt, ist überdies noch zerstückelt und kämpft in seinen eigenen Reihen manche erbitterte Fehde. Selten sind in seiner Mitte die Führer und vereinzelt Menschen prna li» i« jima „Sein Gebet, seine Bitte war nicht unbedingt Erfolg verheißend." /in™ snio in /nam nm ib'vrr i»ia' Bei aller ihrer Herzensgute und Seelentugend hätte doch das Mädchen auch mit körperlichen Gebrechen behaftet fein können. Was täte er wohl dann? v> wn npai rrapn„2)od) der Herr wollte ihm wohl und sandte chm Ribka zu . . ." Das wyr wahrlich ein besonderes Zeichen g'ttlicher Huld und beweist, daß auch darin seinem Herrn der Knecht.glich. Seine Treue und Umsicht, mit der er sich seines Auftrages zu entledigen suchte, wurzelten in dem Boden des abrahamitischen Hauses, auf dem Elieser zu einem g'ttvertrauenden und edlen Menschen emporwuchs. Auch die Umkehrung: „Wie der Knecht, fo der Herr" trifft vollends zu. An den Blüten und Früchten können wir den Baum erkennen. Eliesers bewunderungswürdige Gesinnung, die ihn mit stolzem Selbstbewußtsein feine Rede vor Laban und Bethuel eröffnen läßt: amaN aas? '2ir>r „Ein Knecht Abrahams bin ich," zeugt für alles Große und Schöne, das Abraham und seine würdige Lebensgefährtin in die Herzen und Seelen ihrer Umgebung zu deren eigenem Heile und Glück hineingepflanzt haben . . . Wenn in unserer Zeit wieder einmal Klassen und Parteien feindselig gegeneinander stehen, statt in Menschenliebe und Harmonie sich zu vereinigen, um die Nöte und Sorgen des Tages zu überwinden, so ist das eine Mahnung für alle, die es angeht: Lernt von Abraham und Elieser, auf Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung euch einzustellen, daß von einem jeden es schließlich gelte: 'iai 'i nana ns?’ „Er gewinnt Segen vom Herrn und Hilfe vom G'tt seines Heils." mit Verständnis der vorhandenen Gefahren und der zu lösenden Probleme. Jüngst hat der alte Iischuw zwei seiner edelsten Führer verloren. Oberrabbiner S o n n e n f e l d und Rabbiner k l a tz k i n , die ein hohes Greifenalter erreicht haben, waren in ihrer Erfassung des. Judentums, ihrem Idealismus und der Reinheit ihrer Gesinnung würdig den großen Führern der großen jüdischen Vergangenheit. Doch die geistigen Probleme, um die es heute geht, haben erst in den letzten z e h n Jahren Aktualität und zwar gleich drängende Aktualität gewonnen. Diese Tatsache kann nicht scharf genug erfaßt werden, ebenso wie die Tatsache, daß es für die Orthodoxie heute um das Problem der Jugend geht. Wenn man in Jerusalem die Hunderte von Talmudschülern mit häufig durchgeistigten, edlen Gesichtern in ihrer traditionell gewordenen Tracht sieht, dann sollte man meinen, es fei ein Verbrechen, an ihre Welt, die sich innerhalb der Grenzen der Halacha bewegt, anzurühren, — und man versteht die ängstliche, liebevolle Sorge von Führern wie Raw Sonnenfeld und Raw Klatzkin. Aber es sind nicht alle Talmudjünger; es gibt auch hier Knaben und Jünglinge, die nicht oder nicht mehr Tag und Rächt hinter Talmudfolianten verbringen, und es gibt auch Mädchen, die künftigen Mütter. In diese Welt ist im letzten Jahrzehnt die neue Zeit vielfach eingebrochen. Auch die Jugend der Jerusalemer Orthodoxie spricht heute hebräisch und ist so mit der Tagespreffe und der Literatur des nationalen neuen Iischuw in Verbindung gekommen. Auch steht diese Jugend jetzt — und noch vor einem Jahrzehnt war es nicht der Fall — tagtäglich den glänzenden Schein sogenannten modernen Großstadtlebens mit Theater, Kino, Radio, Kaffeehäusern und vergleicht unwillkürlich das Glänzende mit der Dürftigkeit in ihrer Mitte. Darum muß selbst die Jugend der Jerusalemer Orthodoxie es jetzt lernen, sich auf die von außen einstürmenden Gefahren, mit denen heute nun einmal gerechnet werden muß, vorzubereiten. Oberrabbiner Sonnenseld und Rabbiner Klatzkin waren, als dieses Reue kam, bereits betagte Greise. Unendlich viel Segenvolles ist bis zuletzt in den schmucklosen vier Wänden ihres Heims gewirkt worden. Was sich aber am A.bend ihres gesegneten Lebens draußen vorbereitete, wartete auf neue Führer. „Ein neuer Samson Raphael Hirsch müßte für Palästina kommen," sagt — wohl als Niederschlag der Eindrücke des Herrn Redakteurs Schachnowitz von feiner palästinareise — der „Israelit". Die orthodoxe Iudenheit kn Lrez Israel hat eine Fülle von Rabbinern, Lehrern und Gemeinöeführern. Diese Persönlichkeiten, unter denen es bedeutende Gelehrte und vorbildliche Charaktere gibt, entstammen meist den Iudengaffen des ehemaligen Rußlands. Ahnenstolz und Ahnenkugend. Bon A. Mannheimer in Dekkelbach. (Schluß.) Wie sticht hier die g'ttliche Devise für das Abrahamsgeschlecht ab: „Ich (G'tt) habe Abraham deshalb erlesen, damit er seinen Nachkommen gebiete, zu üben Gerechtigkeit und Recht." Und Josephs wundervolles Wort in der schweren Stunde der reizendsten Verführung: „Wie sollte ich ein so großes Unrecht tun und wider G'tt sündigen?" Nach dem Midrasch war auch hier schon der Ahnenstolz, die Quelle der Ahnentugend geworden, der Joseph treu blieb. Einen Moment war-Joseph wankend und schwankend geworden: das Schalschelet aus isw'i deutet den Seelenkampf an. Da tauchte plötzlich die Gestalt seines Vaters Jakob vor seinem Geiste auf, Joseph schrak zurück und blieb standhaft. Wenn wir in unserem Gebet immer und immer wieder die Wendung umm ’pVN gebrauchen oderapr?’i pvr’ av->aN ’p^so tauchen diese Gestalten wie bei Joseph als starke, hinreißende und bezwingende Autoritäten vor uns auf. Wenn wir vom niaN mar reden, in Bußgebeten und anderen v^sv uns darauf berufen und stützen, so soll damit das Gefühl und Bewußtsein unserer Verbundenheit mit den großen Ahnen bezeichnet werden, denen wir nacheifern, deren wir würdig sein möchten. Erst so wird deren Frömmigkeit zu einem ewigen Kapital, von dem wir ewig gehren dürfen. Niemals, nie und nimmermehr soll der Irrwahn Nahrung finden, als könne der viarr mar wie ein gütiges Fatum automatisch fortwirken und schließlich eine Art Freibrief bilden für kommende Geschlechter. Das würde einer Außerkraftsetzung des Kardmalsatzes von der.ii'va, der Willensfreiheit des Menschen gleichkommen und schließlich ihn der Verantwortung für gut und böse ent- Ihrer ganzen Schulung nach können sie der Jugend auf Fragen und Zweifel nicht die Antworten geben, die ihr genügen. Denn auch die Jugend der Orthodoxie verlangt, nachdem nun die Zeitströmungen ihre Wellen bis zu ihr schlagen, von ihren Erziehern kegntniö und Beherrschung der Zeit. Vach dieser Richtung hapert es, wie gesagt, noch sehr. Darum ist der Orthodoxie bisher aus den Absolventen der Misrachifchulen kein uennonswerter Vachwuchs zugefloffcn. Diese Schulen vermitteln ihren Schülern Kenntnis des Talmud und der Dinim und ermöglichen es ihren Absolventen, wenn sie abirren, sich doch einst wieder der Lehren ihrer Jugend zu erinnern — ans ihnen können noch Baalei Tcschuwah werden, während die Kinder der Schulen des-neuen Iischuw ohne Kenntnis des Talmud und der Dinim, überhaupt ohne religiöse Unterweisung, aufwachsen. Aber nicht nur im Milieu des Misrachi, sondern auch der Agudas Israel-Orthodoxie wachsen — wenn bei letzterer auch in. geringerem Prozentsatz — immer mehr junge Menschen heran, die sich von den Traditionen ihres Elternhauses entfernen. Zur Zeit Samson Raphael Hirschs hatten in dem mit der Emanzipation beglückten Westeuropa Rabbiner, Lehrer und Gemeindeführer der Orthodoxie es nicht verstanden, den Anschluß an die Jugend, auf die neue Lebensbedingungen einwirktcn, zu finden. Da erstand in Samsdn Raphael Hirsch der Retter. Heute ist in Crez Israel fast plötzlich — wie sich jetzt in der Welt alles mit rasender Eile vollzieht — die gleiche Problemstellung wie in den Tagen Samson Raphael Hirschs eine Tatsache geworden, mit der ernst gerechnet werden muß. Doch auf den Genius einer Gemeinschaft läßt sich nicht warten; er muß plötzlich wie ein Meteor sein Geschlecht überraschen. Der „Israelit" hat in seinem mehrfach erwähnten Artikel das Wort „Privatinitiative" gerufen. Auch dies war von ihm ein Wort zur rechten Zeit. Glücklicher Weife machen sich bereits die schüchternen Versuche einer solchen Privatinitiative bemerkbar und zwar gerade in Tel-Awiw. Unabhängig von den Organisationen zeigt sich ein Fühlen, ein Tasten, ein Suchen bei den Gezählten, die unter Samson Raphael Hirschs „Thora im derech erez"-parole ihre jüdische Seele gebildet haben. Freilich muß vom Auslande her Stütze kommen. So sollte die Beth Iaakow-Schulorganis a t i o n eine ihrer besten Kräfte nach Crez Israel schicken, um an Ort und Stelle die Probleme der Mädchen-Erziehung zu studieren und auf Grundlage der gewonnenen Resultate die organisatorische Arbeit zu leisten. Die Pädagogin würde sowohl in Jerusalem wie in Tel-Awiw einige Damen als verständnisvolle, freudige Beraterinnen vorfinöen. ziehen: es dürfte weder Lohn noch Strafe geben. Unerschüttert muß bleiben das Thorawort by mas mm’ o’aa, Eltern können nicht wegen der Kinder verurteilt werden und umgekehrt: m»i’ irwna e?’n jeder hat für seine Vergehen persönlich einzustehen. Wäre ivdn niat von fatalistischer Kraft, so müßten Moschehs Söhne in höchste Rangstufen emporgestiegen sein und der fromme König Ehiskijahu hätte nicht Vater eines Menasche sein können. Und wie oft in allen Jahrhunderten ist der Kontrast festzustellen! Im Talmud Traktat Sabbat, Fol. 55a, findet sich eine interessante Kontroverse darüber, ob tvuk rnar von Dauer ist. ja es werden Perioden angegeben,' in denen eine Unterbrechung stattfand, das mar tatsächlich außer Wirkung blieb. Wann hörte das maN mar auf? an sagte: Seit den Tagen Hoseas, des Sohnes-Beeris, ^nibe? meinte, seit den Tagen Ehasaels: p xir?in’ 'i behauptet, seit den Tagen Elijahus; und pni’ rn behauptet, seit den Tagen des Königs Ehiskijahu. Alle bringen Belegstellen für ihre Behauptungen. Samuel führt die Stelle im 2. Bch. d. Könige 13, V. 22 an: anw m inv ,'iai oniaN n« mma nn^s pi vvni’i „Der Herr begnadete sie und erbarmte sich ihrer und wandte sich zu ihnen wegen seines Bündnisses mit Abraham, Jsak und Jakob und wollte sie nicht verderben wegen seines Bundes . . ." Treffend bemerkt hierzu in maam Rabbenu Tam: Samuel sagt mma wegen Seines „Bundes" ward das Verderben abgehalten, nicht aber miar Demnach nnn nV via« nma Vsk n»n maK mar» das /vot der Väter endete, nicht aber das Bundes- Verhältnis, der mau nma* Heißt es doch auch (3. Bch. M. 26): •'iai VN ejNi pnx» wia VN *]Ki aipj?’ ’v’ia VN ’vvari Ferner: (2. Bch. M. 2, B. 34): inan anpNa vN a’pVN rvv’i »aps?’ VN1 pnx’ VN omaN VN Iv'ia VN v’pi>N „Er gedachte Seines v’ia mit Abraham, mit Jsak und Jakob". — Zu der Stelle nm ’ion iam in der Schmone