Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1932)
- Date
- 1932-11-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 45 Der Israelit ____ - 3. November 1932 , und Seiger war außerdem fern Familienname. Man hörte ihn schon beim Eintreten durch leisen Hellen Gesang, den er wie einen Vorboten aus dünner kehle vorausschickte. (Fortsetzung folgt.) Der angeschossene Hund. Wir haben oft darauf hingewiesen, wie leicht durch Unüberlegtheit ein Tier grausam gequält werden kann. Der unterfränkische Tierschutzverein Würzburg sendet uns nun die Beschreibung eines solchen Vorfalles, der geradezu ein klassisches Beispiel für Tiermißhandlung ist, begangen aus Gedankenlosigkeit. Der Bericht lautet: „Die Arbeitereheleute Schwinn aus Höchberg hatten einen kleinen braunen Hund in der Größe - eines Rattenfängers geerbt, der sich angeblich schlecht an sie gewöhnte und deshalb erschossen werden sollte. Der Hilfsjagdschutzaufseher Stenger nahm zu diesem Zweck den Hund Anfang September mit in den Wald und erschoß das Tier aus einer Entfernung von 20 Schritten mittels einer Kugelbüchse 8,5. Der Hund soll sogleich umgefallen sein und habe sich nicht mehr geregt. Die kleine Bleikugel war dem Tier vorn aus die Stirn aufgeschlagen und hatte hier eine blutende Wunde verursacht. Stenger steckte den Kadaver in einen Fuchsbau etwa 90 Zentimeter tief hinein und füllte das Loch mit Erde aus. Nun kommt das Schreckliche: das arme Tier war durch die aufprallende Kugel nur betäubt worden, das Hirn war nicht zerstört. In dem Fuchsbau kam der Hund wieder zu sich — wie lange die Betäubung gewährt hat, läßt sich nicht sagen — und verschaffte sich durch einen anderen Ausgang den Weg ins Freie. 8 Tage nach seinem angeblichen Erschießen erschien er in völlig abgemagertem Zustand wieder bei seinem Besitzer. Mit der Schußverletzung am Kops machte er einen bedauernswerten Eindruck, und man sollte meinen, menschliche Güte und Barmherzigkeit hätten sich nun warm des Märtyrers angenommen. Weit gefehlt: die Eheleute wandten sich an den Zahnarzt Beck, um von diesem Gift zur Tötung des Hundes zu bekommen. Da diesem Ersuchen nicht entsprochen werden durfte, unterzog sich der Zahnarzt der gewiß nicht angenehmen Aufgabe (so äußerte er sich der Gendarmerie gegenüber), das Tier endgültig zu erschießen. Der Hund hat jetzt in einem Steinbruch 1 Meter tief seine letzte Ruhestätte gefunden. Die Staatsanwaltschaft Würzburg fand leider keine Möglichkeit, gegen Stenger vorzugehen, weil ja eine a b - sichtliche Tierquälerei nicht vorlag. Gleichwohl ist hier eine ernste Kritik am Platz: warum übergaben die Eheleute Schwinn den Hund nicht dem untersränkischen Tierschutzverein in Würzburg zur sofortigen schmerzlosen Tötung? Zur Tötungsstelle hat man von Höchberg kaum dreiviertel Stunden Weg. Es ist wohl überflüssig, hervorzuheben, wie entsetzlich die Leiden des kleinen Hundes gewesen sein müssen, denn dies vermag sich wohl jeder Tierfreund selbst auszudenten. Auch veröffentlichen wir den Bericht nicht, um lediglich Mitleid zu erregen, sondern um nach Möglichkeit zu verhindern, daß eine ähnliche Fahrlässigkeit sich Wiederholt. Schließlich sind doch sämtliche Tierschutzvereine gerne bereit, diejenigen zu beraten, die nicht wissen, wie man ein Tier richtig und sachgemäß behandelt. Dr. Sy. Äindsrecke. Die Tiere in der Arche. (Nach dem Midrasch.) Schreckliche Mühe hatten Noach und seine Söhne mit den Tieren in der Arche! Bevor all die Tierpaare einzogen» hatte G'tt dem Noach genau die Lebensgewohnheiten jedes einzelnen Tieres mitgeteilt. Cr lehrte ihn» wieviel ein Vogel am Tage verzehrt und zu welchen Zeiten» und er machte ihm kund» wieviel jedes Tier frißt und trinkt und welche Nahrung das kleinste Lebewesen braucht und zu welchen Stunden. All die Zeit» welche die Tiere in der Arche zubrachten» bemühte sich Noach um sie; er hatte keine Ruhe bei Tag und nicht bei Nacht und kam keinen Augenblick zum Schlafen» denn es gab viele Tiere» die des Nachts ihr Futter erhalten mußten. Cr eilte unermüdlich von Tier zu Tier, von Vogel zu Vogel» von Insekt zu Infekt und brachte jedem feine Speise zur rechten Zeit. Einmal verzögerte er sich etwas und reichte dem wilden Löwen seine Nahrung verspätet» da stürzte sich das Raubtier auf ihn und verletzte ihn am Fuße! Große Sorgen machte ihm ein sonderbares Tier» das hieß Chamäleon, von diesem wußte er nicht» was es verzehrt und war sehr in Angst» es würde zu Grunde gehen und mit ihm würde dann die ganze Art für immer aussterben. Da zerteilte Noach eines Tages einen Granatapfel; die Frucht war wurmig und einer der Würmer fiel zur Erde. Sofort stürzte sich das Chamäleon darauf und verschlang ihn. Von da an und weiter gab Noach dem Chamäleon kleine Würmchen zu'fressen und es blieb am Leben. So hatte Noach unaufhörilch Sorge und Mühe mit den Tieren in der Arche und zu all diesem hatte er noch Og» den König von Baschan zu versorgen! Der Riese Og hatte sich beim Herannahen der Fluten auf einen Baum geflüchtet und von diesem hatte er sich auf das Dach der Arche gerettet. Da faß er nun und bat den Noach flehentlich» ihn nicht verhungern zu lassen. Cr wolle Noach und seinen Söhnen ein Knecht für ewige Zeiten sein! was tat Noach? Cr bohrte ein Loch durch die Wand und die Pechumhüllung und reichte dem Og Tag für Tag die Speise, derer er bedurfte. So überlebte Dg die Flut und war der letzte aus dem Stamme der Riesenmenfchcn. Ein einziges Wesen war unter all den vielen» die Noach zu versorgen hatte» das hatte großes Mitleid mit dom vielgeplagten Noach. Dies war der seltene Vogel "hW" oder Phönix Ls war ein frommes und gutherziges Tier und es betrübte sich sehr über all die vielen Mühen des alten Mannes und sprach zu sich: „Ich kann einem greisen Manne, der fünfhundert Jahre und darüber alt ist» nicht zumuten» sich um mich zu bekümmern!" Cs suchte sich eine Ecke in der Arche und ließ sich dort hungernd nieder. Da fand es am nächsten Tage Noach schlafend in seinem Verstecke, erweckte es und sprach: „Chul, mein Sohn» warum verlangst du nicht auch Nahrung von mir wie deine Brüder?" Da antwortete der Vogel: „Ich sah all die Mühen» mit denen du dich plagst, mein Herr» und da wollte ich dich nicht noch mehr bemühen!" Da reichte ihm Noach Speise und Trank und sprach zu ihm: »»weil du so gut an mir gehandelt hast» so sei es der Wille meines Vaters» unsres G'ttes» daß du auf ewig leben sollst und den Tod nicht kennen lernst!" Und so sagt auch eine alte Sage» daß der Vogel Chul sich immer erneut und nicht sterben muß. J000 Jahre lebt er und am Cnde der 1000 Jahre geht ein Feuer auf aus seinem Nest und verbrennt ihn und übrig bleibt so viel wie ein Li und aus diesem steigt er neu hervor und lebt weiter. * q- * Aber nur der Vogel Chul fühlte Mitleid mit Noachs Mühe. Me andern Tiere verlangten täglich ohne Rücksicht nach ihrer Nahrung und Noach fühlte sich beinahe am Ende seiner Kraft. Da flehte er zu G'tt» der Herr möge doch seine Leiöenszeit abkürzen und ihn bald aus der Arche befreien. Aber G'tt antwortete ihm» er müsse die bestimmte Zeit ausharren, es seien 12 Monate für die Flut festgesetzt und das könne nicht geändert werden! Endlich» endlich begann das Wasser zu sinken und die Spitzen der Berge wurden sichtbar. Naoch rief den Raben zu sich und befahl ihm» nachzusehen» ob die Cröe schon trocken werde. Aber der Rabe weigerte sich» zu gehen und rief: »»warum sendest du gerade mich von allen Vögeln des Himmels? Du willst nur mein Verderben! Von allen Vögeln nahmst du sieben mit in die Arche» nur von uns Raben nahmst du nur zwei — wähle doch einen der anderen Vögel aus» deren es noch mehrere gibt! wenn ich mich hinauswage in die schreckliche Wasserwüste und dem Fürsten der Kälte begegne» so bin ich verloren und mit mir meine ganze Art!" Da antwortete Noach: „Die Welt bedarf deiner auch nicht» du eignest dich weder zur Nahrung noch zum Opfer!" Aber G'tt beruhigte den Raben und versicherte ihm» in zukünftiger Zeit werde man seiner noch bedürfen! „Wozu?" fragte der Rabe neugierig. „Cs wird einmal ein großer Prophet erstehen» der wird Trockenheit über das Land bringen in meinem Namen und er wird sich verbergen müssen und die Raben werden ihm Fleisch und Brot bringen." Da freute sich der Rabe dieser Zusicherung und verließ nun eilig die Arche. Cr flog hin und her» umkreiste auch wieder besorgt die Arche» damit seinem Weibchen kein Leid geschähe und wartete» bis die Cröe wieder getrocknet war. Und als nun endlich die Oberfläche der Crde wieder trocken war» da öffnete Noach die Decke der Arche und die Riesenschar der Tiere und Vögel und Insekten verließ unter Brüllen und Brummen und Singen und Summen endlich die Arche, Zur Hafkoro. „Ich werde dich gründen auf Saphiren" 7- Du mußt nicht meinen» sagt R. Pinchas» daß dieser Edelstein weich sei! Cs war einmal ein Kaufmann» der brachte einen solchen Stein nach Rom zum Verkauf. Der Stein funkelte und glitzerte» aber der Käufer zweifelte doch an seiner Cchtheü. Da holte man einen eisernen Amboß» legte den Saphir darauf und ein starker Mann schlug mit einem schweren» eisernen Hammer» so fest er konnte» auf den Edelstein. Und siehe» der Amboß wurde. gespalten» der Hammer sprang in Stücke» aber der Stein blieb unversehrt. Da wußte man» daß es ein echter Saphir war. Glaubst du nun» daß es ein mächtiger Stein ist» auf den Zion gegründet wird? * "b*T3 ’flafcn „Und an deine Sonnenfenster gebe ich den 13'73" ... was für ein Stein ist dieser herrliche 13N3' der an der Zionsburg leuchten soll — keiner dev weisen konnte sich ihn so recht vorstellen. Da bat R. Ioschuah b. Levi den Propheten Cliahu» er möge ihm doch diesen seltenen Stein zeigen. Das konnte aber nur durch ein Wunder geschehen. Cs fuhr einmal ein Schiff auf dem großen Meere» darin saßen lauter Nichtjuden» nur ein einziges jüdisches Kind war unter ihnen. Da erhob sich plötzlich ein furchtbarer Sturm» die Wellen gingen haushoch und das Schiff war in größter Gefahr. - Auf einmal erschien dem Kinde der Prophet Cliahu und sprach: „Siehe» ich hole einen Stein herauf vom Grunde des Meeres» das ist der N313 und diesen sollst du dem Rabbi Ioschuah ben Levi bringen. Zeige ihm den Edelstein und sage zu ihm: siehe»' dies ist der 1313! wenn du es übernimmst» den Auftrag auszuführen» so sollen um deinetwillen all die Männer auf dem Schiffe errettet werden!" Das Kind aber antwortete: „Rabbi Ioschuah ist so groß und berühmt unter seinen Genossen, wird er denn hören auf die Worte eines Kindes und wird er mir glauben?" „Gewiß wird er das»" antwortete Clijahu Hanowi» „denn er ist ein sehr bescheidener Mann. Cr wohnt einsam in einer Höhle in der Nähe der Stadt Ludd, dorthin sollst du gehen und ihm den Stein bringen." Als nun das Kind sich entschloß» nach den Worten des Propheten zu tun» da geschah ein Wunder» der Sturm legte sich und spiegelglatt wurde das Meer. Das Schiff gelangte glücklich in den Hafen und das Kind machte sich sofort auf den Weg zu Rabbi Ioschuah. Cs traf den Rabbi in seiner dunklen Höhle» zeigte ihm den Stein und sprach: „Dies ist der 73*73' so läßt der Prophet Clia dir sagen." Als nun der Rabbi nach ihm griff» da erstrahlte der Stein in wunderbarer Helle und erleuchtete die Höhle und strahlte weithin über die Stadt Ludd. In seinem Schreck ließ der Rabbi den Stein fallen —- er grub sich in die Crde ein und ward nicht mehr gesehen. Aber eines Tages wird er wieder aus dem Dunkel gehoben und wird prachtvoll erstrahlen an den Zinnen von Zion. „Einiges über die Zizis." Ihr erinnert Cuch doch bestimmt an all das Interessante» das Ihr kürzlich unter diesem Titel über das Knüpfen der Zizis erzählt bekamt. In diesem Aufsatz stand auch» daß ein Arbakanfaus sowohl aus Wolle als aus Leinen» Baumwolle oder Seide angefertigt fein kann, wir vergaßen aber» hinzuzüfügen» daß ein Arbakanfaus aus Leinen keine Jizis aus Wolle Haben darf; in diesem Falle müssen die Zizis aus Leinen- oder Baumwollfäden bestehen. Meistens aber nimmt man Wollfäöen für die Zizis und fertigt dann das Arbakanfaus aus wolle oder Baumwolle an.