Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1932)
- Date
- 1932-11-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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i 3. November 1932 Der Z s r a e l i t Nr. 45 Seite 11 Personalien. Hamburg. 30. Okt. Am m '» 'p um begeht Herr Klausrabbiner Dr. V a m b e r g e r, hier, seinen 60. Geburtstag. Dr. Bamberger ist ein Enkel des Würzburger Raw und ein Sohn des Sennheimer Raw. Wer diesen Mann mit dem ausgeprägten Charakterkopf undden gütigstrengen Gesichtszügen kennt, der weiß genau, daß diese äußeren Merkmale nur ein Spiegel seiner inneren Größe und seines starken Charakters sind. Dr. Bamberger versteht durch sein Vorbild, sein Wirken und Lehren ständig zu beweisen, daß die sittliche Größe unserer biblischen und talmudischen Gestalten uns auch heute noch gewärtig sein kann, er, der so manchem jungen Menschen durch seine herrlichen Mussarreden den nötigen Schwüng und die Begeisterungsfähigkeit gegeben hat, die Gefahren, die ihm draußen im Leben ständig drohen, aus innerer Kraft heraus zu überwinden. Dr. Bamberger ist ein unerbittlicher Feind der Kdischen Politik. Alle Schroffheit ist diesem gütigen Manne zuwider. Für die irrenden Brüder hat er stets ein verzeihendes Wort, und jeder Schritt, der von ihnen zum positiven Judentum begangen wird, wird von ihm mit einer inneren Genugtuung festgestellt, deren Menschlichkeit' stets von neuem warm berührt. Hätten wir nur Charaktere vom Schlage Dr. Bambergers. dann gäbe es kaum einen in der sich nicht durch solche Größe des Charakters angezogen fühlte. Das Bild dieses Großen in Israel ist natürlich im Rahmen dieser Zeilen nicht vollendet wiederzugeben. Es sollte mit diesen Worten nicht nur einer dankbaren Schülerpflicht genügt werden, sondern in erster Linie mögen diese Zeilen dazu dienen, beispielgebietend zu wirken. Dann ist Dr. Bamberger die schönste Gabe in seinem Sinne bereitet! '! ru» »mwi hk» ny Gießen, 31. Okt. Am m'snaw feiert Herr Jsaac Stern, hier, seinen 75. Geburtstag. Herr Stern, seit über 30 Jahren ein treues und eifriges Mitglied der Gießener Religionsgesellschaft, hat sich stets bestrebt, sein Leben in echUr Jüdischkeit zu verbringen und sein Haus gemäß den Anforderungen unsrer nun zu führen. Die drei Grundsäulen des Judentums, nun,nua§ und ni^na nvn, waren es, auf welchen er sein Leben ausbaute, Mögen dem alten Herrn im Vereine mit seiner Lebensgefährtin noch recht lange Jahre in Gesundheit und Wohlergehen beschieden sein. Gießen, 30. Okt. Nach 49jähriger Dienstzeit. 5 Jahre in Pflaumloch i. Wttbg. und 44 Jahre in der hiesigen Israelitischen Religionsgesellschaft, trat Herr Lehrer Bernhard Klein vor einigen Monaten in den wohlverdienten Ruhestand. Am vergangenen Samstag fand in der hiesigen Synagoge ein Abschiedsg'ttesdienst mit Festpredigt statt. Herr Provinzialrabbiner Dr. H i r s ch f e l d schilderte die Tätigkeit unseres Kultusbeamten, der Lehrer, Kantor und Schochet war. Mit Liebe. Sorgfalt und pädagogischem Geschick brachte Herr Klein den Kindern die religiösen Lehren und Pflichten des wahren Judentums bei. In Andacht und Ehrfurcht lauschten die Synagogenbesucher seinen erbauenden und klangvollen kantoralen Lestungen. Auf dem Gebiete des Schächtens war er ein Meister, der seinesgleichen sucht. Sowohl von Seiten des Rabbinats als auch von Seiten hoher christlicher Veamtenstellen fanden hier seine Leistungen reiche Anerkennung. Für all das dankte ihm Dr. Hirschfeld im Namen der Gemeinde und wünschte ihm einen ruhigen, angenehmen und langen Lebensabend in unserer Mitte. Sein Nachfolger, Herr Lehrer Erich N e u m a n n aus Kassel, wie Herr Lehrer Klein, ein Schüler des Würzburger Seminars, tfat vor den hohen Feiertagen die vakante Stelle an. Altona, 11. Okt. Am Kolnidre-Abend entschlief plötzlich Frau Chana Dörfler. Es wird wohl kaum einen Altonaer oder in Altona bekannten Juden in der Welt geben, der nicht Augenzeuge des echten Gemilus Chessed wäre, das im Hause Dörflers geübt wurde. Da gab es keine Ruhestunden und keine Hast, wenn es galt, tags oder spät abends noch armen Gästen wohlzutun, — am Sabbat, der hier strengstens beobachtet wurde, oder bei noch so dringender Geschäftszeit jedem Vorüberziehenden eine abrahamitische Stätte der Gastlichkeit, — einem zugereisten Flüchtling neue Lebensmöglichkeit zu bereiten. Hier spürte man in Zeiten glänzendster Konjunktur keinen Stolz, bei trübster Depression keine Verärgerung. G'ttesfurcht und Menschenfreundlichkeit beherrschten das Haus. Und das Alles, obwohl Frau Chana Dörfler seit vielen Jahren verwitwet war. Vollverwaist trauern ihr dren in ihrem Geiste erzogene Töchter nach, denen sie selber brave und fromme Männer mit ganzem Herzen gewünscht und besorgt hat. Auch die Kehillo weiß, was sie an Frau Dörfler verloren hat. Unser seliger Oberrabbiner Dr. Lerner pflegte am liebsten bei ihr seine Erkundigungen einzuziehen. Möge ihr msr in schwerer Zeit ihren Kindern und Enkeln beistehen. -rnoxan Reinheim» 1. Nov. Plötzlich und unerwartet verschied unser Gemeindemitglied Abraham Morgenstern im Alter von 76 Jahren. Die Gemeinde erleidet durch dessen Ableben einen schweren Verlust, da sich der Verstorbene immer in der uneigennützigsten Weise in den Dienst der Gemeinde gestellt hatte. An hohen Feiertagen übte er regelmäßig die Funktion eines Hilfsvorbeters und vpm aus. Ein Beweis dafür, daß Morgenstern sich nicht nur die Liebe und Achtung seiner jüdischen Mitbürger erworben hatte, war die große Beteiligung aller Kreise der hiesigen Bevölkerung bei seiner Beerdigung. Herr Lehrer V o r e n b e r g-schilderte in der miv die Tugenden des Verstorbenen, da er mit Rücksicht aus «nin vrn von einem won am Begräbnistage absah. maxan- Vermischtes. Berlin, 31. Okt. Am Abend des 16. Tischri fand in den Räumen des Czortkower Beth Hamidrasch zu Berlin eine von den Agudogruppen Berlins einberufene zahlreich besuchte Versammlung statt, die sich mit der brennenden Frage der religiösen Erziehung des ostjüdischen Nachwuchses befaßte. Die Versammlung wurde von Herrn Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe der A. I., geleitet. In seinen einleitenden Ausführungen kennzeichnete Herr Dr. Hildesheimer die Agudas Jisroel als die berufene Organisation, Erziehungsfragen im Geiste der Ueberlieferung zu erörtern und die sich aus solchen Erörterungen ergebenden Möglichkeiten auf ihre Verwirklichung zu prüfen. Agudas Jisroel hat hierfür durch ihren rabbinifchen Rat die Legitimation und durch ihren Keren Hathora die Erfahrungen. Der erste Referent. Herr Rabbiner Dr. I. Jakobov i t s, charakterisierte in eindringlichen Worten die Lage, in der sich die Ostjuden Deutschlands befinden, denen das Erbe der Väter heilig und die Erziehung der Jugend höchste Sorge ist. Die schwere Wirtschaftslage, der täglich drückender werdende Kampf ums Dasein darf die Eltern nicht taub sein lassen gegen die fremden Stimmen, die in Herzen und Hirnen ihrer Kinder vernehmbar werden. Verzweiflung und Mutlosigkeit führen diese Jugend jenen Kreisen zu, die in sozialer Umgestaltung der Menschheit oder im nationalen Aufbau des jüdischen Volkes das Glück zu bieten scheinen. Es gilt, die Jugend gegenüber diesen Lockungen, die aus dem Judentum herausführen, widerstandsfähig zu machen, sie zu den jüdischen Quellen zurückzuführen und ihren jüdischen Stolz zu wecken. Individuelle Unterweisung, eine der altjüdischen pädagogischen Forderungen, sie sei heute aktueller denn je, sie muß wieder ins Bewußtsein der jüdischen Eltern eingehen, sollen echtjüdische Kinder weiter ihr höchstes Glück bleiben. Die durch geistvolle Auslegungen vertieften Ausführungen des Referenten wurden durch das Korreferat des Herrn Wolf S. Jacobson ergänzt. Dieser ging von den Erfahrungen aus, die der deutsche K e r.e n H athora im Rheinland-Westfalen mit seinen Talmudthoraschulen gemacht hat. Dort sei es gelungen, eine religiös bewußte. Jugend wieder heranzubilden, obgleich die Berufensten schon alle Hoffnungen aufgegeben hatten. „Vergeht nicht, daß eure Kinder in Europa leben, daß ihr wollt, daß sie Europäer werden. Wenn ihr die Wissenschaft Europas ihnen durch die besten Vertreter dieser Kultur, durch Lehrer, die auf der Höhe ihres Berufes stehen, vermitteln lasset, dann traget auch dafür Sorge, daß unsere Kultur, die Thora, ihnen durch die besten Sachkenner erschlossen wird, durch Menschen mit pädagogischem Geschick und feinstem Verständnis für jugendliche Nöte. Soll die Jugend der Grenadierstraße, wo immer sie sich aufhält, die geistige Luft dieser Straße, das ist die Luft einer östlichen Heimat, wo der Thorageist noch stark und lebendig ist, .in sich spüren, dann ' orget für Lehrer, die die Jugend von der Lehre ins Leben führe n." Es ist zu erhoffen, daß als Erfolg der Zusammenkunft die bereits in Angriff genommenen Maßnahmen zur Schaffung einer Talmud Thora unter Zugrundelegung moderner Erfahrungen eine starke Förderung erahren. Hamburg, 1. Nov. Am heutigen ri»m» nm kann der Mekor Chajim aus ein 70jähriges Bestehen zurückblicken. Des von den Begründern des Vereins gesetzten Zieles ist der Mekor Chajim sich im Laufe dieses Zeitabschnittes stets bewußt und ihm treu geblieben; ja darüber hinaus die Leistungen nach jeder Richtung hin zu steigern, war das stete Bemühen aller um den Verein verdienten Lehrer und Verwaltungsmitglieder. So war und ist der Mekor Chajim das geistige Zentrum des jüdischen Hamburg, so war und ist er der Stolz unserer Gemeinschaft und trägt in Ehren den Titel o«n mp». Den Quell wahrhaft jüdischen Lebens der Heranwachsenden Jugend zu erschließen, ihr das v"n w» unerer nwnpn mm zu vermitteln, sie dadurch gleichzeitig für den schweren und harten Lebenskampf zu stärken, ist seine einzige und ausschließliche Aufgabe. Dieser wird der Verein durch die regelmäßig stattfindenden und jedem zugänglichen v'mx'v. die alle Gebiete jüdischer Geisteswissenschaften behandeln, gerecht. Mit Stolz und Befriedigung darf rückschauend sestgestellt werden, daß Hamburgs beste Baale Batim stets aus den Reihen des Mekor Chajim hervorgingen. Aus der reichen Geschichte des Vereins seien anläßlich seines Ehrentages nur einige wenige Daten erwähnt. Der erste Lehrer des Mekor Chajim war Dr. S. P. Nathan ^.'der 43 Jahre ununterbrochen — bis kurz vor seinem Heimgang — innerhalb des Vereins min paiu war, einen großen Kreis von Schülern um sich scharte, die heute — bereits zur älteren Generation gehörend — sein Wissen und seine Lehren wiederum der Jugend vermitteln. Fanden in den ersten Jahren nach der Gründung nur an einigen Tagen der Woche v'mp'v statt, so zeigte sich bald der Wunsch ür Einrichtung weiterer und heute wird in den Räumen des Mekor Chajim täglich zu verschiedenen Zeiten ge- Bei einer Wahlkundgebung des Landesverbandes Rheinland - Westfalen im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am 30. Oktober 1932 in Cssen führte der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Rrombach, in seinem Schlußwort folgendes aus: Aber das könne er mit aller Bestimmtheit fordern, daß es mit der Würde eines Juden nicht vereinbar sei, seine Stimme der Deutschnationalen Volks- Partei zu geben, die keine Juden als Mitglieder aufnehme und das Wort vom „zersetzenden Geist der Juden" geprägt habe. Dagegen beständen keine Bedenken für einen Juden, seine Stimme der Zentrumsparkei zu geben. Die Verhandlungen des Zentrums mit den Nationalsozialisten hätten zwar im ersten Augenblick einige Bestürzung hervorgerufen. Aber jeder Jude, der Zentrum gewählt habe, müsse sich sagen, daß das Zentrum diese Verhandlungen führen mußte, umSchlimmeres zu verhüten. Maßgebende Führer des Zentrums hätten Vertretern des C. V. erklärt, daß das Zentrum auch in Zukunft unter keinen Umständen den Grundsatz preisgeben würde, daß alle Staatsbürger gleichgestellt seien. Die Entscheidung des 6. November: Wählt Zentrum 4 Feld -8^ ,V lernt. War der Verein in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens darauf angewiesen, gemietete Räume zu benutzen, so besitzt er seit nahezu 20 Jahren ein dank der besonderen Unterstützung des Hauses Marburg für feine Zwecke errichtetes, ihm gegen mäßige Miete überlassenenes eigenes Vsreinslokal. — Auch schwere, den Bestand des Vereins gefährdende, Zeiten blieben nicht aus. Das ürchtbare Weltenringen 1914/18 nahm dem Mekor Chajim der Besten Viele und die ersten Nachkriegsjahre stellten ihn vor so manche schwierige Aufgabe. Mit Freude darf aber ausgesprochen werden, daß der Mekor Chajim allen Stürmen trotzen konnte und aus ihnen nur gefestigt und gestärkt hervorging. — Im Mekor Chajim wirkten 'tets fast alle in Hamburg lebenden Talmide Chachomim, erwähnt seien Oberrabbiner Hirsch, Rabbiner Dr. Nobel, Rabbiner Dr. Jacobson, Dr. David Schlesinger, Nathan Horrvitz b'xr, deren der Verein in Ehren gedenkt. Die zur Zeit stattfindenden täglichen Schiurim stehen unter Leitung der Herren: Oberrabbiner Dr. Spitzer, Rabb. Dr. Bamberger, Robb. Dr. Lewin, Rabb. Dr. Lichtig, Rabb. Joffe, Rabb. Rabinow, Jskar Emanuel, Bernh. Sal. Jacobson, Jacob Katzenstein. — Von der Veranstaltung jeglicher Feierlichkeiten anläßlich des Ehrentages hat die Verwaltung im Hinblick auf den besonderen Ernst der Zeit abgesehen. Das Verständnis der großen Zahl der Freunde des Vereins ist ihr für diese Maßnahme gewiß. — Die Jugend wa.r es, die sich in erster Linie stets um das Banner des Mekor Chajim scharte. Möge sie auch fernerhin die Fahne der Tauroh hochhaltend das Banner des Mekor Chajim von Generation zu Generation — unbeirrt und unbeeinflußt v^? allen sie umgebenden thorafremden Einflüssen — tragen, in dem tiefen Bewußtsein, daß 'n nnrn n»sn n’Ptn und in der festen Erkenntnis nirr mini nix» ni Fürth i. B., 31. Okt. Das „Mitteilungsblatt", herausgegeben von der Jüdischen Jugend- und Mädchengruppe in Fürth i. B. für den Monat Tischri umfaßt neun eng beschriebene Folioseiten. An leitender Stelle steht ein Aufsatz über die Sabbatheiligung von Oberrabbiner Dr. Hartwig C a r l e b a ch in Baden. Es folgen Artikel über Jugend und Politik, über die Jugendarbeit,^ über politische Neutralität u. a. sowie einige lokale Mitteilungen. Zwischendurch sind Gedanken und Abhandlungen aus früheren Werken agudiftischer Führer wiedergegeben und einiges über die Bedeutung des Tischrimonats gesagt.