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Der Israelit · 1932-11-03 · Heft 45 (3.11.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 45 (3.11.1932)
Date
1932-11-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 45 Der Israelit - 3. November 1932 nationaldemokratischer Studenten unter Rache-Rufen durch die von Juden bewohnten Straßen, mißhandelten zahlreiche jüdische Passanten und schlugen in jüdischen Geschäftsläden die Fenster ein. Erst spät gelang es der Polizei, die Ruhe herzustellen. An der Warschauer Universität herrschte Ruhe, nachdem die Regierung den Rektoren der Hochschulen mitgeteilt hat, daß jeder Versuch, die Ruhe zu stören, mit Gefängnis und Relegation bestraft werden wird. Rutzland. Notschrei aus Rußland. (Aus einem Privatbrief). Tilsit, 30. Ott. „ ... Ich weiß nicht, wie ich den Weg zu den Hilfquellen im Auslande finden soll. Ich bin die Frau, des in der ganzen jüdischen Welt bekannten Rabbiners R. B. aus .... und Tochter eines ebenfalls weltbekannten Rabbiners. Was nützt mir aber der Adel der Abstammung, wenn die Leiden wie Sturzwellen über uns kommen und alles wegschwemmen, was von einstiger Größe noch da war. Mein Mann, der Rabbiner, starb nach kurzer Krankheit und ich blieb, eine junge Witwe mit sieben Kindern, mitten in dieser Flut vvn Schickungen ganz allein auf mich angewiesen. Mein jüngstes Kind war e i n Jahr alt. Ich suchte mit den letzten Kräften,' meine Kinder vorwärts zu bringen, aber Hunger und Not zehrten an ihnen und nacheinander starben mir zwer weg. Der eine Sohn besuchte das Technikum und bezog bereits 200 Rubel monatlich Stipendium, womit er mich und die anderen Kinder vor dem Schlimmsten bewahrte. Aber die traurige Kindheit hinterlietz Spuren in seiner Lunge, und kurz vor dem Ziele starb er an Tuberkulose. Zum zweiteu Mal ist meine Stütze dahingegangen. Die anderen Kinder sind schwach und kränklich, G'tt gebe ihnen Heilung. Was mir genommen wurde, kann mir durch Menschen nicht mehr ersetzt werden, aber für die Zukunft klage ich mein Leid den unbekannten Menschen und Brüdern im Auslande, die oft wie unsichtbare Engel vom Himmel manchen von uns Hilfe bringen. Vielleicht kann das Los einer Rabbinersfrau, die „deklassiert" und im Lande selbst mit ihren unschuldigen Kindern dem Verhungern ausgefetzt ist, das Los irgendwie erleichtert werden! Vielleicht kann ihrem ältesten Sohne so geholfen werden, 'daß er gesundet, sein Studium vollendet und für die Mutter und Geschwister sorgen kann.--" der Arbeit ferngeblieben. Sogar in Kiew und in anderen größeren Städten waren die Produktionsstätten,-in denen viele Tausende jüdische Kleinhandwerker beschäftigt sind, an den Feiertagen geschlossen. - Rumänien. Der Regierungswechsel in Rumänien und die Juden. B u k a r e st, 24. Okt. Das neue rumänische Kabinett unter dem Präsidüm des nationalzaranistischen Parteivorsitzenden Dr. Juliu Maniu wird, von der jüdischen Bevölkerung Rumäniens mit Sympathie begrüßt. Die. der neuen Regierung angehörenden StaatMsänner gelten durchwegs als aufrichtige Demokraten, von denen zu erwaten ist, daß sie die Beobachtung der die Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied des Bekenntnisses uird der Abstammung gewährleistenden gesetzlichen Bestimmungen in der staatlichen Verwaltung zu sichern wissen werden. Im Zusammenhang mit der Ilebernahme des Portefeuilles für auswärtige Angelegenheiten durch Nicolai Titulescu wird in jüdischen Kreisen daran erinnert, daß' dieser repräsentativste Staats7nann Rumäniens nicht nur in Gespräch mit führenden jüdischen Persönlichkeiten volles Verständnis für die jüdischen Probleme gezeigt, sondern sich auch aktiv aus internationalem Boden für die Befriedigung jüdischer Aspiratonen und die Berücksichtigung jüdischer Lebensnotwendigkeiten eingesetzt hat. Nach innen bietet die abermalige Betrauung des bisherigen Ministers für Kultus und Unterricht, Prof. D. Gusti mit der Leitung des Unterrichtsministeriums Gewähr für eine verständnisvolle Haltung dieses Ministeriums gegenüber den Bedürfnissen des jüdischen Kultus und des jüdischen Schulwesens. Auch die Tatsache, daß der Unterrichtssekretär im Unterrichtsministerium, Petre Andrei weiter im Amte verbleibt, wird mit Genugtuung verzeichnet. Unbeschadet des' dein gegenwärtigen Kabinett entg eg engebrachten Vertrauens wird eine endgültige Stellungnahme der jüdischpolitischen Kreise zur Negierung Maniu erst möglich sein, wenn man erkennen wird, wie sich diese in der Praxis zu den wichtigsten die jüdische Bevölkerung bettesfenden Fragen, wie Oranisgation des jüdischen Kultus und Schulwesens, Lösung des Staatenlosenproblems und wirtschaftspolitische Maßnahmen' zum Schutze des durch die Krise besonders schwer betroffenen jüdischen kleinstädtischen Elements, verhalten wird. (I. T. A.) Der Kampf um den Jüdischen Gemeindekongreß in Rumänien. als sich ein merklicher Rückgang der Nationalszial i st e n zeigt. Die - Londoner Presse berichtet über die Aussichten der kommenden Wahlen, unter der Ueberschrift „Dämmerung des Hitlertums." Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die kommenden Tage diesen leisen Optimismus rechtfertigen. Aus dem Bilde in den anderen Ländern greift er die Universitätsunruhen in Oesterreich heraus und die Hoffnungen, die sich an die neue Regierung in Rumänien knüpfen. Zur Begegnung der auch in anderen Ländern Eingang findenden antisemitischen Verläumdungen würde zur Zeit von verschiedenen Organisationen die Schrift „Die Wahrheit über^ die Protokolle der Weisen von Zion" in verschiedenen Sprachen, auch in die spanische, übersetzt. Litauen. Cinweihungsfest in Telfch. Tel sch, 31. Okt. Am 7. und 8. Marcheschwan findet die Einweihung des neuen Gebäudes für das d»:d-> Ww in der Telscher Jeschiwa statt. Dieser Kolal besteht bereits seit zehn Jahren, dazu bestimmt, den bereits ansgebildeten Rabbinen die letzte Abschlußschulung zu geben und die Führcrqualitäten zu verschaffen. Der Kolal ist aus einer Stiftung der Frau Pefse Müller-Feigim in Philadelphia in Amerika hervorgegangen, das herrliche neue Heim ist von einer anderen Dame, der Frau Rachel Le ah Katz in Johannisburg (Südafrika) gestiftet. Das Institut trägt den Namen der beiden Philanthropienen. D en 2. "[Man 5 69 3. Der Vorstand des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands tritt zur Beratung zusammen, nachdem er durch den Heimgang seines Vorsitzenden wiederum führerlos dasteht. In diesem Augenblick, in dem die Worte sich uns auf die Lippen drängen, beugen wir uns dem Satze unserer Weisen: rms im dtk Vp uix“) dem Witten eines Menschen sich fügen, das ist seine Ehre. Wir schweigen und treten, mit der nban.an unsere Arbeit, daß das mm aller Früheren uns beistehen möge. Der Vorstand des Verbandes orth odoxer Rabbiner Deutschlands. Dieser Notschrei aus Rußland in der Form eines Privatbriefes ist von der Frau eines wirklich großen,' auch aus bekannten Rabbinen unterzeichnet. Den Namen wollen wir aus begreiflichen Gründen nicht angeben. Zwischen den Zeilen des Briefes kann man all das heranslefen. was die Unglückliche nicht schreiben darf. Kein Wort der Anklage gegen die Menschen und Mächte/ die an ihrem Unglück schuld sind, die die Menschen ins. Elend hineinführen und sie dann als „unproduktive Elemente" einfach der Pein überlassen. Wir erhalten den Brief durch den uns als durchaus vertrauenswürdig bekannten Herrn S. Bengis, Tilsit, Elausiusstr. 26, der die näheren Verhältnisse der Rabbinersfrau kennt und bereit ist, auch die Möglichkeit hat, Gaben oder sonstige Hilfe in jeglicher Form an sie weiterzuleiten. Jom Kippur in Moskau. Moskau, 27. Okt. Am Jomkippur waren die wenigen Synagogen in Moskau derart überfüllt, daß ungeheure Mengen Andächtiger wegen Mangels an Raum auf den Plätzen und Straßen vor den Synagogen an den G'ttesdiensten teilnahmen. Die jüdischen Kommunisten veranstalteten am Jom Kippur in Fabriken und in anderen Betrieben, die eine große Zahl Juden als Arbeiter beschäftigen, zehn antireligiöse Massenversammlungen. Moskau, 26. Okt. Die jiddisch-kommunistische Presse veröffentlicht Berichte aus allen Tellen Rußlands, in denen die Korrespondenten klagen, daß die aus Anlaß der hohen jüdischen Feiertage eingeleitete antireligiöse Aktion nur geringe Resultate gezeitigt hat. In der Provinz sind die meisten jüdischen Arbeiter und Bauern an den Feiertagen Bukarest, 28. Okt. Als Antwort aus das Communigue der Jüdischen Partei, in welchem diese gegen die Einberufung eines Jüdischen Gemeindekongresses im jetzigen Stadium Stellung nimmt, veröffentlicht der Verband der Jüdischen Gemeinden in Alt-Rumänien eine Erklärung, die u. a. besagt: Rach dem Kultusgesetz bildet die Gemeinde den Elementarorganismus des mosaischen Kultus: auf Grund desselben Gesetzes und mit Zustimmung des Kultusministeriums haben sich die Gemeinden des Alten Königreichs zu einem Verband zusammengeschlossen. Dieser Verband allein ist verpflichtet und berechtigt, öie' Gemeinden, die er repräsentiert, zu einem Kongreß zusammenzurufen. Der Gemeinüeverband hat die Gemeinden zu einem Kongreß einberufen, damit dieser ein Projekt für ein Reglement prüfen soll; fast alle Gemeinden haben ihre Teilnahme an diesem Kongreß angemeldet. Die Jüdische Partei ist ein politischer Organismus, nicht aber ein Organismus des Kultus. Politische Parteien haben nicht das Recht, sich in die inneren Angegelegenheiten irgend eines Kultus einzumengen, da die Kulusgemeinfchaften autonom find. Die Jüdischen Gemeinden wessen die Einmischung der Jüdischen Partei ebenso zurück, wie alle Kultusgemeinschaften die Einmischung politischer Parteien in ihre inneren Angelegenheiten zurückweisen. England. Die Lage in Deutschland in der Beurteilung der Welt. London, 1. Nov. In der zum Monatsende stattgefundenen Sitzung des Board of Deputies ließ sich der Vorsitzende, .Leonard G. Montefiore, über die Situation der Juden in den verschiedenen Ländern aus. Er konstatiert in Deutsch- Ianb einen b e de utsamen Ilmschwang, insofern, Briefkasten. L. in H., HI. in K., I. in Z3. und zahlreiche andere Leser. Der Heimgegangene Herr Dajan Posen V~st hat in der bündigsten Form schon seit langem seinen Willen dahin bekundet, daß über seinen Heimgang in keinem jüdischenZeitUNgsorgan berichtet werden,und dakauch keinerlei Trauerkundgebungen stattstnden dürfen. Wirgedachten nichtsdestoweniger wenigstens die Tatsache seines Hinfcheidens zu veröffentlichen, weil wir von vorneherein darüber klar waren, daß — insbesondere nach dem taktlosen Nachruf, der in einem andern jüdischen Organ erschien — unser Schweigen falsch'gedeutet werden würde, mußten uns aber einer Entscheidung des hiesigen Rabbinates fügen, wonach wir nicht berechtigt feien, über den ausgesprochenen Willen des Heimgegangenen auch in der beabsichtigten harmlosen Form hinweg zu gehen.. Daß es der Familie nicht gelang, die übrigen jüdischen Blätter zur Respektierung des Wunsches des Heimgegangenen V'S) zu veranlassen und dadurch die nichtgewollte Bloßstellung des „Israelit" zu verhindern, ist nicht unsere Schuld. P. in Ziein heim. Wir bitten um Überweisung von Mk. 1.36 lt. Ihrem Schreiben. Wochenkalender. vom 8. — 12. Nov. 1832 - 6. — 13. Marcheschwan 8693! I 'Vl' rp >7**7 Samstag Okt. 5 '*7V77 6 r . ni Sonntag 6 7 ' n Montag 7 8 o Dienstag 8 9 ' 1 Mittwoch 9 10 8' Donnerstag 10 11 2' Freitag 11 12 Samstag 12 13 1'

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