Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1932)
- Date
- 1932-10-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 44 Der I sra e l r r Handhabung ihres Cinwanderungswerkes in den einzelnen Ländern nicht wiederum, wie es selbstverständlich sein sollte, durchaus neutraler Exekütivorgane bedient, sondern als solche vielmehr die r e i n zionistischen Palästina-Aemter mit ihrer scharf parteiischen Einstellung benutzt. Daß ein .zionistisches Palästina-Amt, insbesondere int Osten, mit seiner scharfen Zuspitzung der Parteigegensätze, sich jemals bereit finden sollte, einen agudistischen Zertifikatbewerber als qualifiziert und als „den Regulationen entsprechend" zu befinden, ist vollkommen ausgeschlossen. irictn kann es sogar menschlich begreiflich finden, daß bei der ungeheuren Reberzahl von jungen Menschen, die seit Jahren auf Zertifikate warten, die Palästina-Aemter naturgemäß ihre eigenen Parteigenossen, bevorzugen, auch wenn die agudistischen Bewerber hinsichtlich ihrer Oualifikation durchaus gleichwertig sind. Die Frage, ob jemand das Mindestmaß von Eigenschaften besitzt, die eine gedeihliche Tätigkeit in Ercz Iisroel voraussetzen lassen, läßt sich naturgemäß nicht nach Art eines mathematischen Exempels lösen, sondern ist im hoben Grade von dem freien Ermessen des Beurteilers abhängig. Unter diesen Umständen wäre, solange widernatürlicher weise die Auswahl der Bewerber den zionistischen Palästina-Aemtern überlassen bleibt, praktisch eine Zulassung orthodoxer, von der Aguhas Iisroel empfohlener Bewerber nur dann denkbar, wenn über deren Oualifikation eine paritätisch zusammengesetzte unparteiische Kommission zu urteilen hätte. Das Lade einer Illusion. Von Dir. Dr. 2N. Elias in Frankfurt a. 21i. IV. (Schluß.) Der Zionismus freilich stellt Volk und 'Ration gleich, nach ihm bezeichnet der Uame Volk eine weltlich organisierte Gemeinschaft, in der Religion einen unter vielen anderen Kulturwerten darstellt und als eine der. dem Volk gestellten Aufgaben neben anderen zu entwickeln ist. Daß diese Säkularisierung schon in Palästina und in der Palästinapolitik der Zionisten zu Enttäuschungen geführt hat, ist eine Einsicht, die — wenigstens im Kreise Ernst Simons — auch in den Reihen des Zionismus zu dämmern beginnt. Darüber hinaus muß sie in der Diaspora zu politischen Schwierigkeiten, muß vor allem, was wichtiger als alles Gesagte ist, zur Verwässerung und Aushöhlung des Begriffes des am kodausch führen. Auserwähltes Volk können wir nicht sein, zu ihm können wir nicht gehören durch Verwirklichung eines weltlichen Gedankens, eines von uns selbst gesetzten Zieles, durch individuelle Willensentscheidung, Mehrheitsbeschlüsse und freie Wahl. All das mag zum Leben einer jüdischen Ration, wenn es eine solche gibt, gehören, dem jüdischen Volke kann es nur schädlich sein, ja nirgends so wie bei ihm Zersetzung bringen.*) wenn die französischen Revolutionsheere die Schaffung einer französischen Ration im Auge hatten, so waren sie sich darüber nicht klar, daß das unter Umständen mit der Auflösung des französischen Volkes erkauft werden müßte. Und wenn die gedachte nationale Ausbreitung damals ihre Grenze nicht an der Erhebung der Völker Europas gefunden hätte, das französische Volk als solches hätte sich um feiner Zersetzung zu begegnen, wehren müssen. Ration geht aus die Schaffung von neuem aus, Volk will den Boden seiner Schöpfung erhalten. Richt weil Volk etwas Raturhaftes ist, ist es und macht es stark, sondern weil es und insofern es als G'ttes Schöpfung angesehen wird, wie weit sich danach die nichtjüdischen Völker metaphysisch bestimmen und unterscheiden lassen, ob es überhaupt Menschen möglich ist, mag fraglich sein, Für das Verständnis des jüdischen Volkes gibt es jedenfalls keinen anderen weg. „wer in den Begriffen G'tt, Glaube, Religion keine Wirklichkeit erkennt, steht an der entscheidenden Gestaltung dieses Volkskörpers hoffnungslos vorbei," bekennt Kastein in seiner jüdischen Geschichte. Und die weite Verbreitung und der Erfolg seines Buches ist *) Man vergl. die Folgen der gewaltsamen Jdumäerbekehrung. vielleicht nur ein Zeichen dafür, beweist vielleicht, daß das Gefühl vom metaphysischen.Eharakter des jüdischen Volkes heute allgemein geworden ist. Ein solcher, das Volk verhaltender Glaube, muß in der Brust des einzelnen verankert sein. So entsteht eine starke- Wechselwirkung, ein Rückoersicherungsverhältnis zwischen Volkstum und religiösem Individuum. „Rur durch G'tt, vor dem der einzelne steht, wird und bleibt Volk. Die Auflösung, die das Volk zersetzt, beginnt am einzelnen, der aushört, als Geschöpf vor G'tt zu stehen." Damit ist auch der geistige Inhalt des jüdischen Rationalismus, den Krojanker im Duukel läßt, dem Kerne nach wenigstens ausgesprochen: heilig, ö. h. durch G'tt gebunden, mit G'tt verbunden. Der Liberalismus hat den Begriff der Freiheit des Menschen verfälscht und die Einheit des Judentums im Individualismus aufgelöst. -In der „Humanität" hat er einen Ersatz dafür zu schaffen versucht. Huinanität wurde selbst zur Religion und schloß die Zugehörigkeit zu einer Konfession so ziemlich aus. „Zn welcher Religion ich mich bekenne? Zu keiner von denen, die du mir nennst. Rnd warum? Aus Religion". Dieses Wort Schillers enthielt das Glaubensbekenntnis des Liberalen, und keiner hat dieser Religion so viel und gern geopfert, wie der liberale Jude. In seinem heiteren Traum erschien anstelle des prophetischen Messianismus der Einklang mit den aufgeklärten Kindern einer jeden Zeit. Humanität, Pazifismus, und — gegen Ende des Jahrhunderts — Sozialismus, stellten die Verwirklichung des letzten Tages in.nahe Aussicht. Es war die Umkehrung des Bildes, das sich die Propheten vom Ende der Tage gemacht hatten. Diese hatten die Völker der Welt zum Heiligtum Israels hinpilgern sehen. Die jüdischen Liberalen und Grgelprediger aber spannten Israel an den wagen der Völker. Sie reformten am Judentum so lange, bis es dem Jahrhundert als pure Humanität vorgestellt werden konnte. Dann stellten sie mit Genugtuung fest, daß die nachgeahmte Umwelt. sich zu jüdischen Idealen bekannte. Gemeint waren damit die Ideale der französischen Revolution und Aufklärung, für die Lessing und Herder, Schiller und Goethe sich erklärt hatten, und die zum politischen Katechismus des Bürgertums wurden. Seit Jahr und Tag gilt der Katechismus als überlebt. Die Raturwistenschaft hat den Kampf aller gegen alle in der Ratur aufgezeigt. Die Politik hat sich den Entscheidungen von „Blut und Eisen" angeschlossen, und selbst eine Philosophie findet sich, die im stolzen Raubtier mehr Moral als im friedlichen Bürger, in dem Haß mehr Menschentum als in der Liebe steht. Die Humanitätsidee wird heute als List der Schwachen, als Feigheit der Dekadenten, als Erfindung der Juden geächtet. In Wirklichkeit ist die Humanitätsiöee, wie sie das 19. Jahrhundert begründet und entwickelt hat, alles eher als jüdisch, überhaupt nicht religös gewesen: sie mußte daran zerbrechen. Als sie 1781 in Amerika ihren ersten großen politischen Sieg errang, war sie noch biblisch. Aber auf dem weg von da nach Frankreich, Westeuropa und zurück hat sie eine gründliche Wandlung erfahren. In Amerika waren die Menschenrechte von den Puritanern unter ausdrücklichem Hinweis auf G'ttes Bindung und G'ttes Befreiung als religiöse Heilsbotschaft verkündet worden. Aber in Frankreich hatte inzwischen die Aufklärung und Revolution G'tt aus dem öffentlichen Leben verbannt. Das religiöse Pathos, das im Worte „Verkündigung der Menschenrechte" mttschwingt, rvar eine Anleihe der Politik bei der Re-- igion, um den Prozeß gegen sie besser führen zu können. Cs galt gegen die religiöse Idee der G'tteskind- 'chaft, gegen die in konkreten Liebestaten sich erweisende Liebe zu dem Schöpfer einen abstrakt aus der Philosophie gewonnenen Begriff zu fetzen: Ein Weltbürgertum, das nirgends verhaftet, in der ganzen Welt zuhause, ohne Vorurteil, aber auch ohne Verpflichtung, ohne Standesvorrechte aber auch ohne Verantwortung, sich auswirkt. Die stärkste Macht war der freie Geist. Die Religion blieb draußen. Menschlich verständlich, daß die Märtyrer der Religion sich dafür begeisterten. Denn die Religion war bisher in den Händen der Völker zu einer schmerzhaften Geißel geworden. Sie hatte sich mit der Politik verbunden. Die Staaten hatten sich als Beauftragte der Kirche gefühlt, die Kirche Hatte ihr kanonisches Recht zum maßgebenden Sittengesetz erhoben. Unter der Herrschaft dieses Rechtes,waren die Juden als Antichristen zu Unmenschen ^gestempelt worden, alg Feinde G'ttes vogelfrei, als Untertanen höchstens Knechten des heiligen römischen Reiches erklärt worden. von der Kirche war ihnen das ewige Heil abgesprochen, von der Masse der Fluch von G'ttcsmördern aufgeörückt, vom Kaiser die Kammerknechtschast als dauerndes Los zugedacht. Da konnte von Menschenrecht und menschenwürdiger Bildung, von Gemeinschaftsarbeit und' 'Gemeinschaftsziel inmitten der Staaten nicht die Rede sein, wo die Kirche als alleinige Ouelle aller Rechte und Pflichten angesehen war. . Erst als sie dem Staat nichts nrehr zu sagen hatte, als dieser zur Grundlage staatlicher Ordnung die vor und über allen positiven Religionen bestehende Freiheit des durch Ratur und Vernunft selbständig gewordenen Individuums und die natürliche Gleichheit aller Glieder der Menschheit machte, konnte über fein Judentum hinweggesehen werden. Die aufgeklärte, von allen, historischen und religiösen Bindungen sich lossagende, freie Gesellschafts- und Staatsordnung brachte ihm Erlösung von vieler Pein. Die Loslösung von der Kirche, die von der Revolution an ihrer Stelle erlassene Botschaft von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die sich auf Freiheit und Gleichheit des Denkens im Durchschnitt der Menschen stützte, gab dem Juden alle Chancen, mit allen Gliedern der Rationen konkurrieren zu können, ohne wegen seiner jüdischen Abstammung Rede stehen zu müssen, was wunder, wenn Juden mit dicferIdee sich identifizierten, aus öeni-ian^L: eine politische Weltanschauung machten, und wenn Judentum und Humanität und Liberalismus in den Augen der Richtjuden in eins verschmolzen. So hat die geschichtliche Entwicklung den Juden, der um seiner Religion willen gelitten hatte, und der nur um seiner politischen Befreiung willen die Humanitätsidce und den Liberalismus in Anspruch nehmen mußte, in Parlament und Presse zum Kämpfer für die Ideen des Liberalismus und Sozialismus gemacht, obwohl die Religion in deren Reihen am wenigsten Verständnis fand. Während das Christentum unter dem Cinfluß jener Bewegungen zu einer Vertiefung ihres Humanitätsideals kam, mußte sich die altjüdische Humanität eine Verflachung und das Judentum eine Verengerung und Verweltlichung gefallen lassen. Dagegen ruft Rlaybaum zur Ueberwlndung der Verweltlichung durch Rückgewinnung des religiösen Judentums. Daß danttt und nur dadurch auch eine Vertiefung des Humanitätsideals Hand in Hand gehe, daß aus der Anerkennung des einen Vaters aller Menchen das Ideal der einen wenschheit und aus der Verwurzelung im Volke der Bibel das Ideal der menschlichen Persönlichkeit zur vollen Entfaltung komme, das ist es ja, was wir an unseren heiligsten Tagen gebetet haben: „Cs mögen alle geeinigt werden in einem Bund, den willen ihres Schöpfers zu erfüllen." HMezponSenre« Kschttcbtes» DeNßfchss Reich.' „Ketzereien am Wochenende". Berlin, 25. Oktober. Ein Vortrag des nationalsozialistischen Redakteurs Koehn im Berliner Rundfunk am letzten Samstag abend unter obigem Titel, der der von rüden antisemitischen Ausfällen geradezu strotzte, hielt und hält mit Recht die Öffentlichkeit in Aufregung, nicht allein die jüdischen Hörer, sondern alle Kreise, die die Objektivität des Rundfunks für ein Gebot des Anstandes unb der Verfassung halten. Die gesamte liberale Presse nimmt Stellung zu diesem unerhörten Skandal und fordert kategorisch, daß die derzeitigen Leiter des Rundfunks, an ihrer Spitze der Rundfunkkommisfar Dr. Scholz, zur Verantwortung gezogen werden. 2? 3 beut rvuv Dire Du von prüf daß inen legei iin i nichi träg es d eine trän n e t gan! k ar Ve g er 1 Jüd bis der übei des gescl Ano Gef brai spro wie kam Han ven gekl Str Ma r i c Au Fro des dab rall best Off' Ur fpo, 3tx; Fre Vor daß tior An Fre still NE tret test soz> haf vor Ha ten Ver jäh btcf luv Elk elt( wu