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Der Israelit · 1932-10-27 · Heft 44 (27.10.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 44 (27.10.1932)
Date
1932-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der I s r a e I i t Nr. 44 Seite 3 27. Oktober 1932 _ |ßllc6 stnö Zeichen für zukünftige Schwächung, sie Iwcrden sich noch nicht schon in der Gegenwart aus- I^jrken.; Demgegenüber ist in Linkskreifen (SPD., Reichsbanner, Gewerkschaften) ein gewisser stim- ^imgsmäßiger Antisemitismus bemerkbar in Verbindung damit, daß einzelne jüdische Arbeitgeber 'die Lohnnotverordnung begrüßten. Durch ein Hinüberwechseln von SA.-Massen zu den Kommunisten be- I steht die Gefahr der Ausbreitung des Antisemitismus in der KPD." , Unser Schicksal ist in der Tat nicht bedingt von einem Auf- und Abschwellen dieser Partei oder jener Lcwegung. Deutschland muß im Herzpunkte genesen. Darum wird der jüdische Wähler seine Stimme der Partei leihen, die seiner Ueberzeugung nach jenem Genesungsprozeffe im Ganzen am meisten dient und von der er zugleich den ehrlichsten Respekt vor seinen religiösen Heiligtümern erwarten darf. llnb wieder der Sabbat in Palästina! ... Sind die Feiertage mit ihrem Ernst und ihrer Freude vorbei, so tröstet uns das Bewußtsein: der S a b b a t b l e i b t! wie doppelt schmerzlich aber dann die Tatsache, daß man immer und immer wieder noch um den Sabbat zu ringen hat; im heiligen Lande der Väter, im Lande der jüdischen Erneuerung, am schwersten miö erbittertsten. Eine Korrespondenz in der vorigen Rümmer berichtete von neuen Demonstrationen in Palästina, von neuen Knüppelargumenten der Polizei gegen den Sabbat und seine Verteidiger, von neuen Verhaftungen. Eine frühere Korrespondenz meldete von p rote st m e e t i n g s in Tel-Awiw, Demonftrationsziigen nach der Irija, Versprechungen der Stadtverwaltung, Maßnahmen, die die fromme Bevölkerung Tc!-Awiws zum Schutze des Sabbat auf eigene Flaust beschlossen hat. Jur gleichen Zeit hört man von Kundgebungen des Jerusalemer Oberrabb i n a t e s , die eine Aechtung der zionistischen Sammlungen in der Diaspora androhen für den Fall, daß binnen einer Halbjahrsfrist nicht vom R. F. auf seinem Boden in den Kwuzoth Wandel geschaffen wird Also eine halbjährige Bewährungsfrist, eine Uebergangszeit für den Sabbat, von dem doch das Oberrabbinat am besten weiß, baß er älter ist als die Heimat, daß feine Entweihung schon in der wüste die schwerste Strafe nach sich zog. Werden bis dahin die angerufenen Stellen wirklich cinfehen, daß der Sabbat Grund- und Schlußstein der Schöpfung nb'nn mtfmn ’nvsfa *po ist, jeder jüdischen Schöpfung, auch des zionistischen Aufbauwerkes fein muß? Es gehört schon sehr viel Optimismus dazu, um das zu glauben. die Wahrheit unserer Lehre von G'tt, der Gesetz und Norm gelegt hat in die Natur, daß hier sich alles unterordnend füge seinem Willen. Und was der Menschengeist bewundert als Fortschritte der Kultur und Wissenschaft und Technik, im Keime ist durch den Schöpfer alles vorweg bestimmt. Das Neue ist das seit U r b e - ginn Wirkende, was der Mensch mit dem ihm von G'tt verliehenen Kräften und Fähigkeiten als vorhanden entdeckt und den mannigfachen Erfordernissen dienstbar macht. Das ist es, was eben unsere Lehrer sagen: G'tt schuf v'vvn rw den Himmel und was mit ihm verbunden ist, was von ihm stammt n»i und auch die Erde mit allem, was aus ihr und auf ihr keimt und wirkt. An diesem Glauben unbedingt festzuhalten und für ihn zu werben, das ist die uns zugewiesene Aufgabe. Sie erstreckt sich auch auf die Verkündigung der Lehre, die unsere Weisen in Anlehnung an das Wort mvxia etwa so zum Ausdruck bringen. Schon der erste Buchstabe der Schrift deutet an: nwbi» -a vr> „Zwei Welten gibt es." Wo Widersprüche und Gegensätze zu walten scheinen, dort werden wir über diese Welt hinausgeführt, in ein in eine zweite Welt, in der der Schein vor der Wirklichkeit zerfließt und wir der reinsten Wahrheit und Befeligung teilhaftig werden. Dieser Gedanke gibt dem hiniedigen. Leben einen besonderen Sinn, eine höhere Weihe: es sei Saatzeit für die Welt der Ewigkeit . . . (Die Revuen zur Iudenfrage.) Wenn gedruckte oder gesprochene Worte Taten bedeuteten, dann müßte es der über alle Länder zersprengten jüdischen Gemeinschaft außerordentlich gut gehen, denn die sogenannte Judenfrage bietet fortgesetzt den Schriftstellern und Journalisten aller europäischen Sprächet! reichlichen Stoff für ihre Man macht aus dem heiligen Gebote, aus dem Gebote, das vom Sinai herab nur in Erinnerung gerufen wird, weil es noch älter ist als der Sinai und Israel von den Uranfängen seiner Geschichte an durch sein werden begleitete, man macht aus diesem zentralen Gebote des Judentums eine Frage, eine S a b Ta t f r a g e, mit der sich auch die Kulisse der Golah dauernd und lebhaft zu beschäftigen hat. Die „Jüdische Rundschau" läßt sich über die Vorgänge in beachtlich objektiver weise berichten. Es geht nicht um das bißchen Fußball, es geht um zwei Welt- und Lebensanschauungen, von denen die erstere, die kämpfende, sich wehrende, die alte traditionelle, d. h. die jüdische ist. Die andere, die von den zionistischen Er Ziehungsinstitutionen der Iugend systematisch eingeimpft wird, sie bedeutet nur die Anlehnung an die europäische Kultuvwelt, an die Zeit, und man muß nicht ausgesprochen orthodox oder auch nur konservativ fein, um diese Strömung, gegen die die positiv eingestellte jüdische Welt in Palästina sich einmütig auflehnt, als nationalen Selbstmord zu empfinden. Erkenntnis in den leitenden Kreisen? - Zu dieser Erkenntnis scheint uns sehr schlecht folgender Fall, zu passen, der im Gesamtrahmen der Vorgänge eigenes Licht und eigene Bedeutung erhält: Der Oberbürgermeister von Tel-Awiw, D i z e n g o f f, ein sonst netter, aufrechter alter Herr, weilte vor kurzem in Warschau. Cr besuchte dort in Begleitung jüdischer Persönlichkeiten am Sabbat verschiedene Institutionen undfteß es sich nicht nehmen, mit Rämensunterschrift sich in den Büchern zu verewigen. Die Warschauer jüdischen Blätter brachten die Meldung, ohne ein Dementi zu finden. Die „Orthodoxen Iugendblätter" in Warschau empfehlen ironisch, man möge die Feder, die der Stadtvater von Tel-Awiw für den Sabbatpakt in Warschau gebraucht hat, als Geschenk der, warschauer jüdischen Gemeinde dem „Rationalen" Museum in Tel-Awiw überweisen. Uns ist dabei gar nicht zum Scherzen, wir fragen ganz ernstlich:^ Welchen wert haben noch die Versprechungen der Irija in Tel-Awiw an die bei ihr anklopfenden Sabbatschützler, wenn zur gleichen Zeit das Oberhaupt der gleichen Irija anderswo mit eigener Hand den Sabbat entweiht? Ein anderes Erlebnis, das grotesk anmuten würde, wenn es nicht so tieftraurig wäre. In A m - st e r d a m trifft der Korrespondent eines warschauer Blattes einen jungen Menschen aus der polnischen Organisation „Hechaluz", der auf einem Gut in der Räche bei einem holländischen Bauer arbeitet und sich für Erez Israel vorbereitet, natürlich bei Verletzung der Sabbat ruhe und Speisegefetze. Es gehe nicht anders bei der Hachfcharah. Cr sei zwar von chassidischer Abstammung und es Auseinandersetzungen. Ein Sonderheft der Europäischen Revue, das der Judenfrage gewidmet ist (Berlin SW. 68, Wilhelmstr. 37—38), hat es schon zu einer zweiten Auflage gebracht, da die erste sehr schnell vergriffen war. Im Gegensatz zu dem berüchtigten Buche des Züricher Zinnen-Berlages, in dem von wirklicher Objektivität wenig zu spüren war, kommen hier vorwiegend Juden freunde zu Wort, zum Teil auch Juden Verschiedener Richtungen. Allerdings fehlt, genau wie auch in dem oben erwähnten Buche, die Repräsentation des historischen Judentums, der Orthodoxie, völlig. Das Judentum wird vertreten von Leo Baeck, Jakob Wassermann, Hans Kohn. Ernst Kahn, Josef Nadler und Arnold Zweig. Bon antisemitischer Seite kommt Hans Blüher zu Worte. Außerdem äußern sich der bekannte Karl Anton Prinz Rohan, der katholische Philosoph Erich Przywara, Albrecht Erich Günther und Graf Wenzel Gleispach. Ein scharfer Kampf und Notruf wegen des den deutschen Juden drohendem Schicksals ist das August- September-Heft der in Genf erscheinenden Revue des Nationalites et des Minorites Nationales- An Hand von authentischen Dokumenten wird die ganze Kulturgefahr der Innen- und Außenpolitik Hitlers gekennzeichnet und an das Weltgewissen appelliert, das hier einmal zeigen müßte, ob das Helotenschicksal einer der Uebermacht preisgegebenen Minorität in der Tat noch aufrüttelnde Kraft besitzt. (Die Ausgrabungen in Sichem.) Professor Ernst Sellin von der Berliner Universität hielt in Jerusalem einne Vortrag über die Ausgrabungen in Sichem, der aus der Zeit der Niederlassung Israels in Palästina bekannten kanaanitischen Stadt cnv> die später die Hauptstadt des nördlichen Reiches Israel wurde. Prof. Sellin hat bis zum Mai 1928 die Ausgrabungen in Sichem selbst geleitet: diese werden seither über 25 Jahre altbewährte« $«uS« ntrt Einreibemittel bei Rheuma, gSchiaS, Kopf-, Rem»«» v. Errältungbfehmerren 0*:«*«•*«, Gpart. »ermelttrrgttst Mm»l in «Se» ylpetheke« mt> Dr«,«tten. falle ihm nicht leicht, aber die Erez Israel- Liebe mach ealleswett. So habe die Organisation entschieden und alles gutgeheißen; später, in Erez Israel selbst, würde sich schon alles finden . . . And zur gleichen Zeit erscheint in der Redaktion des „Rieuw Israelitisch weekblad" in Amsterdam ein holländischer Bauer und fragt treuherzig, wie das möglich sei, daß die bei ihm beschäftigten jüdischen Ehaluzim am Sabbat arbeiten, wo sie es doch gar nicht nötig hätten, da ihm und dem Felde mit der Sonntagsarbeit viel eher gedient wäre? „wie," fragte das Bäuerlein, „wollten solche Menschen später Palästina, das Land der Bibel, aufbauen? kannitverstan! ..." wie sollte es der holländische Bauer verstehen, wenn wir es selber nicht verstehen. Oder doch? Rach den Handlungen des R. F., des Oberbürgermeisters der jüdischen Stadt, der polnischen Hechaluz-Organisation und vieler anderer in der Führung versteht man die Jungen wohl. Aber wie versteht man die verführten Führer? Einwanderung orthodoxer Aulim «ach Erez Jisroel. Zu der Nachricht, daß der High Commifstoncr von Palästina feine Bereitwilligkeit erklärt hat, wegen der Gewährung von Zertifikaten für agudistifche Lhaluzim mit der „Iewifh Agency" zu verhandeln, erklärt die „Jüdische Rundschau" folgendes: „Von zionistischem Standpunkte ist hierzu zu sagen, daß die-Exekutive der Jewish Agency niemals der Einwanderung orthodoxer Ehaluzim Schwierigkeiten gemacht hat und schon früher wiederholt ihre Bereitwilligkeit erklärt hat. Bewerber um Zertifikate, die von der Agudas Jisroel empfohlen werden, in gleicher Weise zu berücksichtigen wie andere, natürlich sofern sie den sachlichen Erfordernissen entsprechen, die in Regulationen festgelegt sind und auf alle Bewerber in Anwendung gebracht werden müssen." Cs ist vollkommen richtig, daß der Vertreter der „Jewish Agency", in Ierusalent, mit dem von agudistischer Seite wiederholt wegen der Gewährung von Zertifikaten verhandelt worden ist, hierbei eine durchaus loyale Haltung eingenommen und die grundsätzliche Bereitschaft erklärt hat, orthodoxe Ehaluzim, die von der Agudas Jisroel empfohlen werden, in die Bcwerberlistcn cmzurcihcn. Die Schwierigkeit liegt nur darin, daß die „Jewish Agency", die doch ihrer Bestimmung nach eine durchaus neutrale und unparteiliche Organisation sein soll, sich zur praktischen von dem deutschen Archäologen Dr. Weiter weitergesührt. Die Ausgrabungen bewiesen, daß Sichem vier Umwallungen hatte, von denen eine große geböschte Zyklopenmauer und eine niedrigere grade in die Höhe aufsteigende Doppelmauer schon bekannt waren. Weiter hat eine dritte pyramidenförmig in die Höhe gehende Mauer und eine vierte Mauer entdeckt, die nach Funden der mittleren Broncezeit angehört. Prof. Sellin hält diese Mauer für die älteste, sie gehört der Zeit von 2000 v. d ü. Ztr. an und ist wahrscheinlich bei dem Siegeszug der Hyksos um 1800 o. d. ü. Ztr. zerstört worden: die Hyksos haben dann die pyramidenförmige Mauer gebaut. Die Äußere Zyklopenmauer, die nicht vollendet wurde, ist zur späteren Broncezeit um 1400 v. d. ü. Ztr. erbaut worden, die jüngste ist die Doppelmauer. Sellin vermutet aus Grund eines Hinweises in den Tel-el- Amarna-Briefen und auf Grund der Bibelerzählung vom Kampf der Stämme Simeon und Levi gegen Sichem, daß ihr Ueberfall damals die Vollendung der Zyklopenmauer gehindert habe. Rach dieser zweiten Zerstörung Sichems wurde unter Leitung des Adelsgeschlechtes der „Vnei Lhamor" die Doppelmauer gebaut, bis schließlich um das Jahr 1100 v. d. ü. Ztr. das im neunten Kapitel des Richterbuches erzählte Ende des kanaanitischen Sichem kam, als es Abimelech zerstörte? Prof. Sellin weift darauf hin, daß der so anschauliche Bericht des Richterbuches durch die Ausgrabungen voll bestätigt wurde. In dem biblischen Bericht wird erzählt, daß Abimelech die Bewohner Sichems. die aus der Stadt herausgekommen waren, in mehreren Treffen geschlagen habe. Dann heißt es weiter in Vers 45: „Da stritt Äbimelech wider die Stadt denselben ganzen Tag, und gewann sie, und erwürgte das Volk, das darinnen war, und zerbrach die Stadt, und säte Salz darauf."

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