Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1932)
- Date
- 1932-10-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 St* 44 D « r 3 * * a « (ii 27. Oktober 1982 Hotelbetrieb eignen, der Sabbat und der Werktag, die Rübe.am stebenten und die Arbeit an den sechs Tagen, somit das Brot und das Dach, die Cxistenzbasis, das Gleichgewicht und die Freude am Leben genommen werden. Rein, so grausam ist der Schabbos, von G'tt zur Ruhe und Heiligung und geistiger Erhebung eingesetzt, der Schabbos als Symbol für den Crdenfrieden und das Wohlgefallen der Menschen, nicht; die Menschen sind es nur, die sich hier mit all ihren kleinen Interessen gern nuron rvrnp an die Höhenwinkel des Altares klammern und sich unter Vorschützung religiöser Bedenken religio s e v er g e h e n zuschulden kommen lassen. Wir meinen damit nicht gerade die Restaurateure, die schwer zu kämpfen und wirklich gegen das jüdische Publikum viel zu klagen haben, wir meinen viele ähnliche Betriebe, die glauben, mit Rücksicht auf den Sab. bat, viele jüdische Menschen zur Verzweiflung oder zur Sabbatentweihung — vielleicht über die Verzweiflung zur Sabbatentweihung — treiben zu müssen. Aus Lodz kam neulich die Rachricht, jüdische Fabrikanten hätten dort mit Hilfe irgend einer halachisch möglichen Associationssorm ihre Fabriken am Sabbat geöffnet, zu diesem Zwecke aber gleich einige Hundert jüdische Arbeiter entlassen, da Sabbatarbeit doch nur durch nichtjüdische Hände geleistet werden darf. So weit kommt es bei uns nicht — weil wir keine jüdischen Großindustriellen haben, die für die Sabbatarbeit in ihren Betrieben erst einer juristischen Form bedürften. Aber in anderer Gestalt und in kleinerem Maßstabc wiederholt sich jene Lodzer Sabbatgroteske oder besser Tragödie auch bei uns Tag für Tag. Was speziell die Hotels und Restaurationen betrifft, so haben wir aus eigener Anschauung in einem gutgeleiteten jüdischen Hotel auf einem stark -besuchten Rurplatz die Erfahrung gemacht, daß all jene genannten Schwierigkeiten sich durch einen einzigen nichtjüdischen eingestellten, bei einem Gros von jüdischem Personal, leicht und spielend beheben lassen. Im übrigen sei betont, daß wir im besagten Artikel nur deswegen auch das Hotelwesen mit in Betracht zogen, weil der konkrete Fall, der unserer Betrachtung zugrunde lag, Hotelpersonal betraf. Wir geben gern zu, daß im Hotel- und Restaurantbetrieb die Dinge etwas anders gelagert sind, und daß dieses „Kapitel für sich" wohl auch unter anderen Gesichtspunkten behandelt und beurteilt werden muß. vor allem muß immer und immer wieder unterstrichen werden, daß bevor wir unsere Rechnung in Bezug auf jüdisches Personal dem jüdischen Wirt präsentieren, wir von uns aus die jüdische Hotelrcchnung zu zahlen haben. Soll ln dürren Worten heißen: daß wir zuerst die jüdischen Wirte, statt ihnen mit Klagen und Vorurteilen zu begegnen, so zu fördern und zu unterstützen haben, daß. sie überhaupt bestehen, Personal beschäftigen und neben nichtjüdischem auch jüdisches Personal — lieber wäre uns natürlich umgekehrt: neben jüdischem auch nichtjüdisches — beschäftigen können. Cs ist wirklich unerhört und gar nicht genug zu verurteilen, daß, wie es in der Zuschrift heißt, jüdische Männer in öffentlicher Stellung, im Dienste von Organisationen, die von Juden für Juden gegründet sind und zum Teile sogar jüdischer Wohlfahrt und sozialen Aufgaben dienen, daß solche Funktionäre von ihrem Hotelfenster auf das jüdische Hotel in der Rachbarschaft herabschauen. Es ist tieftraurig und beschämend, daß über solche Selbstverständlichkeiten überhaupt noch ein Wort gesprochen werden muß. Die jüdischen Zeitungen sollten diese Männer und die von ihnen vertretenen jüdischen Behörden und Instanzen, die die Hotelrechnungen zu zahlen haben, bei R a m e n n e nn e n , genau so wie sie die Orte und Häuser nennen, wo Juden nicht erwünscht sind. Wir aber haben in der Hauptsache nicht die Hotels, sondern.die jüdischen Geschäfte und die jüdischen Angestellten im Auge. Es darf nicht sein, daß jüdische Bewevber unberücksichtigt bleiben, nur weil sie Juden sind, weil sie zum Sabbat halten. Es darf nicht sein, daß der jüdischen Bewerbung schon » priori mit einem Vorurteil begegnet wird, weil angeblich der Jude weniger leistet. Willst du, jüdischer Kaufmann, daß dein wirklich treuer und guter Dienst am Kunden von diesem ohne Vorurteil und ohne bösen Blick auf deinen jüdischen Firmennamen anerkannt wird, so lege' dieses Vorurteil zunächst deinem Angestellten gegenüber ab. Man verlange von dem sabbathaltenden Angestellten in irgend einer Form einen Ersatz für den ausgefallenen Sabbat, aber nicht mehcalsöas. Man nehme nicht den Sabbat zum Anlaß einer „Leuteschinderei" und „Gehaltsdrückerei", um, wenn der Angestellte sich dagegen wehrt, mit dieser wehr seine „Unfähigkeit" und seine „Unwilligkeit" zu beweisen. Cs darf nicht ferner sein, daß jeder die Forderung auf Berücksichtigung der jüdischen Arbeit nur soweit anerkennt, als sie ihm selber dient. Cs darf nicht sein, daß sich ein jüdischer Kaufmann über den jüdischen Kunden beschwert, der an seiner Türe vorübergeht, und zur gleichen Zeit den jüdischen Angestellten vor der Türe steh-en läßt oder zur Türe weist! Es muß' endlich vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer, vom Kaufmann, Konsumenten und Angestellten, vom Handwerker, Gehilfen und Kunden in gleichem Maße erkannt und anerkannt werden, daß der Sabbat eine Sache des Einzelnen und auch der jüdischen Gemeinschaft ist und daß das „Gedenke des Sabbattages" und das „Hüte den Sabbattag, ihn zu heiligen", so ge. meint ist, daß auch des Nachbars und de, Bruders Sabbat zu gedenken, zu hü. ten und zu erhalten sei! So lange diese allgemeine Erkenntnis nicht durch, gedrungen ist, werden wir, unbeirrt, von allen Ein- Wendungen, kämpfen— kämpfen, nicht um die Im teressen einzelner Gruppen, sondern u m ö e n S a bbat für alle! Vochenrundschau. Was haben wir von einer Vahiniederiage der NSDAP, zu erwarten? Vor dem Optimismus, der sich vielfach in jüdj, scheu Kreisen nach einem übertriebenen pesstmismu» breitmacht und der sich in der Hauptsache auf die za erwartende Wahlniederlage der Rationalsozialisten stützt, wird von zuständiger erfahrener Seite gtwarnt. Wie uns scheint, mit vollem Rechte. In einer vom E. v. einberusenen Pressekonferenz schildert Dr. R e i ch m a n n die Ratlosigkeit des jüdischen wäh. lers, der aus Lebensanfchauungsgründcn nicht sozialdemokratisch wählen kann. Raumanns Empfehlung, deutschnational zu wählen, lehnt Reichmann als würdelos,ab. Die „Enttäuschungen" mit dem Zentrum nimmt er ernster, als wir es für richtig halten. Die künftige Situation für die Juden be! einem Stimmen- und Mandatenrückgang der RSDAP. scheint er aber durchaus'zutreffend zu beurteilen: „Die Führer der Rationalsozialisten selbst rech» neu mit einem Verlust von 6O Mandaten bei den Wahlen zum kommenden Reichstag. Ein solcher Verlust wird sich psychologisch auswirken, indem er den Glauben an die Unbesiegbarkeit der Bewegung zerstören wird. In protestantischen Kreisen ist der Glaube an Hitler als den vermeintlichen Interessenvertreter des Protestantismus erschüttert, nachdem er ein» Frontbilöung mit dem Zentrum versucht hat. Bezeichnend hierfür sind Ausführungen , des Hofpredgers Doehring im Berllner Dom, die sich gegen den Rassenwahn wenden und Hitler prophezeien, daß Hochmut vor den Fall kommt. Die besseren Kreise des Beamtentums haben sich von Hitler seit dessen Salidaritätstelegramm an die Mörder von Potempa abgekehrt. Industrielle haben der Partei die finanziell» Unterstützung entzogen. Innerhalb der Partei selbst machen sich Gegenätze scharf genug bemerkbar. Das am Jm Anfang«. Von Rabbiner Dr. M. Cenria in tyambtttf, ®»®n mn ,9awn »21 Die Sonne geht unter, die Sonne strahlt auf, — das ist das beglückende Erlebnis Israels am nmn map- Wenn sich der Reigen der Feste im Monat Tischri schließt und ein gewisses Gefühl der Wehmut uns beschleicht im Gedanken, an den Alltag mit seinen mannigfachen Sorgen und Nöten, bann quillt uns Beruhigung aus der Ueberzeugung: eines ist und bleibt uns unvergänglich als Born unserer Kraft und Weihe. Die Thora, die wir am Feste der Gesetzesfreude beendet, erprobt sogleich mit ihrem ersten Blatte von neuem ihre segenbringende Wirkung an uns. Sie ist eben für uns die Sonne, von deren Strahlen unser geistiges Leben Licht und Wärme erhält und auch unser Gemüt Keim und Nahrung zu allem Guten und Edlen. Mit unserer hl. Lehre fehlt auch mitten im Kampfe des Daseins, mitten in unfern Aufgaben und Pflichten des Lebens uns nicht bas stärkende Brot für unser Herz und der Labetrank für unsere Seele. Wir nehmen G'ttes geheiligtes Wort mit hinüber von der festlichen Zeit, damit haben wir den Stab und die Stütze, daß wir uns aufrecht erhalten und nicht den Stürmen erliegen, die ba mächtig und gefahrdrohend uns umtosen. Wunderbar singt König David in seinem unvergleichlichen Preisgesang auf Israels Erbgut: -p-ni wis. mm» „Der Eingang schon deiner Worte erleuchtet, macht verständig bie Toren." Die Weltanschauung des Judentums, die Grundlage unseres Bekenntnisses lehren uns gleich die ersten Worte unserer Bibel: /p»n nxi o'vsw nx -pbrr »12 r>'v«i2 „Im Anfang schuf G'tt den Himmel und die Erde." Die Natur mit all' ihrer gewaltigen Wesensfülle ist die Schöpfung des in Freiheit schaltenden und waltenden einig-einzigen G'ttes; der nach seinem Willen alles ins Dasein gerufen. G'tt ist der Urquell alles Seins, das in seiner Mannigfaltigkeit und Harmonie die Allmacht und Allweisheit des Schöpfers bezeügt. Diese so schlichte und klare Lehre löst alle Zweifel und beantwortet alle Fragen nach dem „Woher" und „Wozu". Mit dem Glauben an G'tt als den Schöpfer und Gestalter der Welt siegt, auch der Gedanke von der Zweckmäßigkeit der Welt, den der weise Prediger kündet: m»2 rm» nvy b2n nx „Alles hat der Herr so schön gemacht zu seiner Zeit." Nichts ist Zufall oder Willkür, alles Absicht und Weisheit, Zweck und Zielsrichtung. Eine Fülle von Gedanken lehnen die Weisen des Midrasch an das erste Wort der Bibel an. „Im Anfang" war die G'ttes t a t. Warum beginnt die hl. Schrift mit dem Schöpfungsbericht und setzt dann die Erzählung von den ersten Menschen und den Stammvätern fort? Sie will doch in erster Reihe den Willen des Herrn offenbaren. Da hätte sie doch an bie Spitze setzen sollen das Kapitel von der Bestimmung des jüdischen Kalenders. Was antworten da unsere Lehrer? 102 5'iin^ <i-2p,i bp, „Es galt vor allem kundzutun die Schöpferkraft des Heiligen, gepriesen sei er." Das ist auch in Wahrheit die Grundlage unseres Glaubens, auf der sich dann unser Judentum mit all' seinen Ideen und Wahrheiten, wie mit seinen mannigfachen Satzungen und Bindungen aufbaut. Nicht nbnm „zuerst" gebraucht die hl. Schrift für die Zeitbestimmung, sondern „im Anfang", um anklingen zu lassen „den Anfang der Welt" an Israel, das auch mvxi genann wird „der Erstling seines Ertrages" und auch an die min von der das Weisheitswort kündet: '211 mtfx-i '22p ", „Der . E. schuf mich als Anfang seines Weges." Zu ihrer Vollendung und Krönung bedurfte die Schöpfung der erlösenden Offenbarung G'ttes, wie sie in der hl. Lehre gekündet ist, aber auch Israels, des Trägers des geoffenbarten Wortes. Damit die Erde nicht «in Tummelplatz nur sei wilder Leidenschaften und finsterer Mächte, und nicht das Recht des Stärkeren gelte, ..der alles Schwache in den Grund bohren dürfe, hat'der himmlische Vater Israel zu seinem Sendboten an die Menschheit bestimmt, und diesem seinem auserkorenen Volke bas Kleinod seiner Lehre zur ewigen Hut überantwortet. Israel (als Volk der G'tteswahl) ist wie bie Natur draußen eine Schöpfung des Allmächtigen und dazu bestimmt, zur Verherrlichung G'ttes, seines Herrn und Gebieters, zu leben und zu wirken und im ewigen Dienst« an Welt und Menschheit seine Aufgabe und Bestimmung zu suchen und zu finden. Das lag im Heilsplane des Herrn, als sein machtvolles Schöpferwort wvx-,2 „im Anfang" Himmel und Erde ins Dasein rief. Sollte da nicht Israel seiner besonderen Verpflichtung und Verantwortung sich bewußt sein? Mögen auch die anderen mit ihren philosophischen Systemen zu Zweifeln und Irrlehren ihre Zuflucht nehmen, — Israel, bas Vy-k G'ttes und der Träger der hl. Offenbarung, hat immer wieder und wieder mit seinem königlichen.Sänger sprechen: ' nxVa mry ov2N2 r>!>2 n -ppy» 12-1 na „Wieviel sind deine Werke, Herr, sie alle hast du mit Weisheit gemacht. Voll ist die Erde deiner Besitztümer." Jeder neue Tag und jede regelmäßig herau^iehende Nacht wie der ewige Wechsel der Jahreszeiten bezeugen 27 alles lvcr« wirk Keii MI' dun £olv iped; eine Ben Dar pai Ger von rclic Fre S c daß Sa im rich neu Sa gen t e Zäc toa (Tel des ku bi sch ani feil )0t Be bai 6a sch XOi ein 6e\ sisi we im die Nc ori gei gi G' en m> Ich '/st mi ihi Si dil eti ftc gi w fü S ste G S de gc ül cn fr al