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Der Israelit · 1932-10-27 · Heft 44 (27.10.1932) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 44 (27.10.1932)
Date
1932-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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27. Oktober 1932 Nr. 44 27. Tischri 569; is orthodoxe Mutant Begründet von Dr. Lehmarm in Mainz» SS Abonnenrent ab Juli 1939: Deutschland 1L0 Mark monatlich: Ausland: Vterteliahrpreise (entsprechend dem deutschen. Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sb.; ab 1 Juli Frankreich33 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belgab. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.38.18Lire; Ingo» slavien 85 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab i. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold, mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpsennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die fiebengespalten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Textsette 3.50 Ml.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefpoctos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« Verlag des> Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch fämtl. Anhüneen-Exved. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschästsanz.: Jnl. Schmidt, vstendstraße 83 Te'.. 45866, Platzoorfchr. ohne Verbindllchk, Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) ittc. 198J4. - Angecdem an: Poitsparkaise Wien N^79ö0ö.-Postsparkassena nt Budapest Rr. 18434.-PM-eckko'N" Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VlU 7334: - Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 - Postscheckamt Prag Nr. 79.000 - Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre samt!. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. _ In nächster Nummer beginnen wir mit dem Abdruck einer längeren Erzählung unter dem Titel »Licht aus dem Westen" j von S. Schachnowih. l Das Licht, das mit einem Sabbateingang zwischen den 'Festen im Iahre 1763 im Jranksurler Ghetto erstrahlt, sodann wachsend den Triumphzug nach dem Osten unternimmt, um von dort wiederum in die gesamte jüdische Welk zu leuchten — es ist Frankfurts größter Sohn der letzten Jahrhunderte. Rabbi Moses Loser, genannt „Lhakam Loser". Er. sein Werden, sein Lernen, sein Leben und sein Lehren stehen im Mittelpunkte des Geschehens. Dieses selbst umfaßt aber die jüdische Gasse in der Zeit der Ghettodämmerung, an der Wende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts, von Frankfurt bis Preßburg. und von Preßburg bis Posen, wo mit Rabbi Akiba Eger die Parallelquelle des jüdischen Geistes in lebendiger Frische sprudelt. " In den Kapiteln aus der Werdezeik Rabbi Mosche Lösers ersteht die Persönlichkeit und das Milieu Rabbi Nathan Adlers lebendig vor dem Auge des Lesers. Die historische Wahrheit, die dieser Roman zu vermitfein sucht, zieht ln spannenden Bildern von künstlerischer Gestaltung daher, die die Erzählung zu einer angenehmen und zugleich aufschlußreichen Lektüre machen. Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. h. Jüdische Geschäfte — judenrein. Ein Echo und ein Appell. »• Das (Eifto, das der vor kurzem unter dieser Ueber» schrist an anderer Stelle unseres Blattes erschienene Artikel in weiten Kreisen der Leser, der Geschäfts-^ Inhaber wie der Angestellten, gefunden hat und.sich in Zuschriften an die Redaktion ausörückt, zeigt, von welch -brennendem Interesse die hier angeschnittene Frage ist, wie hier tatsächlich die Hand auf eine klaffende Wunde gelegt wurde. -Möge sie die Heilung bringen. Eine offene Aussprache über diesen wunden Punkt kann nur nützlich sein. Leider muß aber auch hier die Erfahrung gemacht werden, daß es dem Einzelnen schwer fällt, sich von der Perspektive seiner eigenen Interessen und der seiner Berufsgruppe freizumachen und darüber hinaus das Gesamt i nte r e s s e zu sehen, das wir mit jenem Artikel im Auge hatten und dem wir einzig dienen wollten Sympathisch berührte uns zunächst das Schreiben eines besonders sozial denkenden und sich betätigenden Mitarbeiters, in dem es u. a. heißt: »Ihr Artikel in der letzten Nummer zum Thema „Jüdische Geschäfte — judenrein" hat in den interessierten Kreisen jungjüdischer Menschen — wie ich jstzt schon erfahre — einen lebhaften und freudigen Eindruck erweckt. Mit der endlichen Aüfrollung dieser brennendsten Fragen haben Sie sich ein wahrhaftes Verdienst erworben. Hier muß mit offenem Visier weitergekämpft werden. Unsre jungen Juden müssen sehen, daß es ernst wird mit diesem Kampf. Angesichts der beschämenden Tatsache, daß auch in diesem Jahr zu -i«i große jüdische Geschäfte ihr jüdisches Personal trotz dringendster Bitten nicht beurlaubt oder nur teilweise („zum G'ttesdienst nennt man das!!) beurlaubt haben, während andererseits gerade die nichtjüdischen Geschäftsinhaber ihren jüdischen Angestellten gegenüber mehr religiöses Verantwortungsbewußtsein ausbringen, darf der Kampf um die letzten Reste unsres Judentums nicht erlahmen und Nachlassen! Die jüdischen Angestellten können nichts machen. Wenn sie nicht parieren, fliegen sie. Darum ist es unsere Pflicht, zu Beginn dieses neuen Jahres mit allen Mitteln die Auseinandersetzung mit der jüdischen Gottlosigkeit auszunehmen. Bitte, lassen Sie nicht nach." Ls wurden auch gegenteilige Stimmen laut. Lin Frankfurter Kaufmann beklagt stch über den f ch l e cht e n Nachwuchs unter den jüdischen kaufmännischen Angestellten. Auf ein Stellenangebot, das er in gelesenen jüdischen Zeitungen veröffentlichte, meldeten sich im Ganzen sieben Bewerber, bezw. Bewerberinnen, von denen fünf als vollkommen ungeeignet ausschteden. Die zwei anderen stellten solche Bedingungen und legten ein so anspruchsvolles Benehmen an den Tag, daß ihre Anstellung nicht erfolgen konnte. Auf ein Inserat in Tageszeitungen kamen Dutzende von Bewerbungen, darunter nur wenige von jüdischer Seite, deren Berücksichtigung, wiederum aus den dben geschilderten Gründen, nicht möglich war. — Sollte dieses wirklich zutreffen,' so wäre es öer;fOtlnfic wert, den Gründen dieser jüdischen Abstinenzin einer Zeit der erschreckenden Arbeitslosigkeit mitj'all ihren materiellen Schäden und moralischen Gefahren nachzugehen. Oder ist der Umschichtungsprozeß, die „verländlichung" usw. in der jungen jüdischen Generation bereits so weit gediehen, daß inan dem Kaufmannsberuf schon einfach den Rücken kehrt? Das wäre nicht unerfreulich, wenn es stch wirklich so verhielte, was wir aber mit guten Gründen leider bezweifeln müssen. Die Sabbatverbände und S t e l l e n v erin i t t l u n g s v e r e i n e wären die berufenen Instanzen/ biese Angaben, die uns auch von anderer Seite bestätigt werden, zu prüfen und der Sache auf den Grund zu gehen. Lin anderer Kaufmann mit einem Reisegeschäft, das bei strenger Sabbathaltung viel Fleiß und große Umsicht zu seiner Anfrechterhaltung erfordert: „Wenn ich draußen in einem nichtjüdischcn Hotel wohne, wo ich selbstverständlich nichts genieße, ergibt es sich von selbst, daß der Hotelier mich nach meinem Gewerbe fragt unb bei einer Wiederholung des Besuches mir eine Bestellung macht. Wenn ich bei einem nichtjüdischen Möbelhändler, oder sonst in einer Fabrik, Werk-, stätte größere Einkäufe mache, so ist es ganz selbstverständlich, daß ich ganz oder zum Teile mit der von mir geführten Ware bezahlen kann. Geschäft gegen Geschäft! Was ich mit jüdischen Betrieben in dieser Beziehung erfuhr, möchte ich hier im Einzelnen nicht erzählen. Alle sind sie dafür, daß man bei Juden kauft, d. h. bei ihnen. Und sie selbst? Jahre hindurch wohnte und speiste ich bis zu meiner Verheiratung in einem jüdischen Hotel. Mein Geschäft ist aus Hotelierkundschaft angewiesen. Mein jüdischer Wirt wußte aber alle meine günstigen Angebote stets mit verbindlichem Lächeln und der stereotypen Berufung auf anderweitige Verpflichtungen zu erledigen." Hier scheint uns auch der Kern des Problems zu liegen: Rämlich daß einzelne Interessengruppen das moralische Gebot, bei Juden zu kaufen, einseitig gern zu ihrem vorteil in Anspruch nehmen möchten, ohne aber den Anspruch des Bruders von der anderen Fakultät auf das gleiche Recht anzuerkennen. Von dieser Einseitigkeit scheint uns auch ein längeres Schreiben des Vorstandes des V e r c i n s jüdischer Hoteliers und Restaurateure, das uns von Oberhof in Thüringen zuging, nicht ganz frei zu sein. Im Schreiben wird bittere Klage über das jüdische Reiscpublikum geführt, das die jüdischen Hotels nicht oder nicht genügend unterstützt. Die scharfen Ausdrücke scheinen uns in diesem Falle berechtigt. Kein Wort ist zu stark, um das ungerechte und lieblose Verhalten derer zu brandmarken, die an Plätzen, wo gutgcführtc jüdische Hotels bestehen, diese umgehen und sich lieber in nichtjüdischen Häusern vom Hotelier dulden und von den anderen Gästen über die Achsel hinweg anschauen lassen. Cs gehört schon ein großes Maß von Mangel an Selbstachtung und an Solidarltätsgefühl dazu, mn solche „Sünden wider das eigene Blut und die eigene Ehre" zu begehen. Stellen wir diese Leute an den Pranger, nicht allein unter dem Gesichtspunkt der Geschäftsinteressen des jüdischen Hoteliervereins und seiner Mitglieder! Aber auf der anderen Seite? ... n' Hundert Gründe wissen die Herren in der Zuschrift dafür anzugeben, daß sie selber keine jüdischen eingestellten beschäftigen können noch dürfe.n. Hier wird sogar aus der „Rot" eine „Tugend", d. h. aus der Rot des Bruders eine eigene religiöse Tugend gemacht. Cs sei wegen der S ch a b b o s k u n d s cha f t, die bezahlt, von der aber der jüdische Kellner doch kein Geld am Sabbat annehmen könne; wegen der G e t r ä n k e der frommen Gäste, die der jüdische Kellner doch nicht aufschreiben könne; von wegen des G cf ch i r r s , das das jüdische Küchcnpersonal doch am Sabbat für die nächste Mahlzeit nicht reinigen dürfe. Mit einem Worte, d e r S a b b a t s e l b st sei schuld daran, daß vielen jüdischen Angestellten, die sich aii sich für den

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