Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1932)
- Date
- 1932-11-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 47 Der Israelit 17. yiooember 1932 Die Woche. Semestereröffnung der Frankfurter Jeschiwa. Zu Beginn des Cheschwanmonats wurde das Wintersemester der Jeschiwa durch eine Ansprache des Rektors, Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer, eröffnet. Er würdigte vor allem die großen Aufgaben, deren Lösung die Jeschiwa in unserer schweren Gegenwart erwachsen. Gegenüber den geistigen und wirtschaftlichen Nöten gelte es die jüdische Jugend immer tiefer in den jüdischen Lebensboden zu verwurzeln, aus dem allein sie sich die Kraft holen könne, den Forderungen der Zeit als jüdische Persönlichkeiten zu begegnen. Im Mittelpunkt aller Lehrtätigkeit steht daher die biblische und talmudische Wissenschaft, die in den Schiurim und Uebungen des Rektors und der drei hauptamtlichen Dozenten behandelt wird. Darüber hinaus werden in Arbeitsgemeinschaften unter Leitung der Herren Dir. Dr. Elias, Dr. Jfaac Breuer, Redakteur S. Schachnowitz, Studienrat Dr. Moses Breuer, Dr. S. Ehrmann und Studienrat Max Munk Kurse jüdischer Geschichte, hebräischer Grammatik und vor allem jüdischer Religionsphilosophie behandelt. Diese Kurse geben Gelegenheit, die Hörer der Jeschiwa über die großen weltanschaulichen Fragen zu orientieren und in Abwehr der zersetzenden Einflüsse unjüdischer und das Judentum bedrohender Erscheinungen das Werk der Jeschiwa, die Bachurim zu bewußten jüdischen Persönlichkeiten im Geiste der unabhängigen Orthodoxie zu erziehen. zu fördern. ■ Die stattliche Zahl von gegen 100 Hörern, darunter etwa 70 aus Deutschland und Westeuropa, legt beredtes Zeugnis für die Bedeutung, die dieser Thorastätte vor allem für Deutschland zukommt, ab. ' Vortrag im Mekor Ehajim. Die Reihe der Vorträge auswärtger Redner eröffnet am Sonntag abend 6 Uhr im Vereinslokale Herr Rabbiner Dr. A n s b a ch e r, Wiesbaden, über „Ethische Gedankentiefe talmudischer Streitigkeiten". Gäste willkommen. Ein Festmahl. In später Nachtstunde kam ich vom Festmahle heim, so gehoben und so angeregt, als - wäre ich Gast einer königlichen Tafel gewesen. Und eigentlich war ich es auch. Ort der.Handlung: Ern östliches Lehrhaus in Rechneigrabenstrahe 10. Anlaß: Ein stiller Talmudgelehrter, nur einem vertrauten Kreis unter dem Namen B. G. bekannt, lernte den größten Talmudtraktat. „Sabbat", mit allem, was dazu gehört, nach langjähriger Geistesarbeit zu Ende. Ueber 50 Gäste, die Elite der östlichen Gelehrtenkolonie und auch einige Frankfurter Freunde des Ostens, waren anwesend. Beim Festmahle wurden im Ganzen konsumiert: Sieben Heringe, in kleine Teile zerlegt, sechs große einfache Brote, eine Flasche Bier für den Segensspruch beim Tischgebet. Dazu gab es ein Dutzend Reden, die alle Tiefen und alle Höhen des talmudifchen Schrifttums nahmen. Gesungen wurde bei dieser Festtafel, als hätte man ganze große Fässer geleert, und auch getanzt natürlich, wie eben Chassidim tanzen, wenn sie ihre Geliebte, die heilige Thorarolle, im Arm haben. Und so wurde es Mitternacht, und noch später. Ein Festmahl, zu dem ein König geladen hatte, an dem nur Fürsten und, Prinzen teilnahmen. Man tat sich gütlich an Speis und Trank, die unsichtbar blieben. Die Freude, sie kam von innen heraus, nicht erst durch den Duft gefüllter Platten und den Knall aufftiegendsr Sektpfropfsn geweckt, und rauschte in breitem Strome. Wer das nicht miterlebt hat, der kennt den Osten nicht, der kennt auch die rein e Freude an der Thora nicht, der weih auch nicht, welche Bewandtnis es mit dem „heiligen Feuer", das von innen her leuchtet, hat. im Gegensätze zum „fremden Feuer", das von außen kommt und bei lebendigem Leibe die Seelen verbrennt. Lange nach Mitternacht, fast den ganzen Rest der Nacht mußte ich über dieses seltsame Königsmahl Nachdenken. Ein stiller bescheidener Talmudgelehrter im Hintergründe der nächtlichen Altstadt feiert ein Fest, und wir feiern mit ihm. Er feiert aber Tag für Tag, Abend für Abend und Nacht für Nacht dieses Fest, für sich allein, in seiner stillen Klause. Wer weiß um seine Not, wer um seinen Kummer, wenn es am Nötigsten für ihn und seine Frau im Hause fehlt, an Brot und Kohlen, und an Medikamenten für seine kranke Lunge?! ... Wir könnten täglich teil haben an seinem F e st e, wenn wir dazu beitrügen, daß er, der in seinem stillen stolzen Adel seine Not nie auf die Gasse trägt, in einer wärmeren Stube, be.i einer Nahrung und Wartung, wie sie sein schwacher Gesundheitszustand erfordert, seinen Studien obliege. Nähere Auskunft, wie und auf welchem Wege diesem stillen Gelehrten zu helfen ist, kann Herr Abraham Saffra, Rückertstraße 48, der sich seit Jahren für ihn interessiert, am besten erteilen. Wirtschaftsprüfer. Von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M. — Hanau wurden die von dem Herrn Preußischen Minister für Handel und Gewerbe unter den öffentlich bestellten Wirtschaftsprüfern auch die Herren Friedrich Bodenheimer, Dr. Walter Guttmann und Carl Weil, Frankfurt a. M. beeidigt. Frankfurter Vereinskalender. Verein Vlekor Ehajim. Freitag abend nach Schul im Hörsaal: Mikrovortrag, Herr Dr. M. Schlesinger — abends 8 Uhr bei Herrn I. Lewin, Uhlandstr. 58 UI, Chumisch mit Raschi. Samswg morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr Dr. E. Posen — nachmittags % Stunde vor Mincho im Vereinslokal Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr im Vereinslokal (ebenso Sonntag morg. 8 Uhr) Gemoro, Herr I. Soffer- — 8l/2 Uhr abends m'VV, Herr Dr. 1' Lange. Sonntag morgens nach Schul im Hörsaal (ebenso Mittwoch), cik "n, Herr S. Schachnowitz. Sonntag abends 6 Uhr im Vereinslokal: Herr Rabbiner Dr. Ansbacher aus Wiesbaden über: „Ethische Gedankentiefe talmudischer Streitigkeiten."- Montag morgen nach Schul (auch Donnerstag): Mischna- Mitgliederlernen, abends 7 Uhr im Vereinslokal (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabb. Dr. I. Breuer, abends 874 Uhr im Vereinslokal (auch Donnerstag) Gemoro, Herr Dr. E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr Dr. E. Posen Jeden Morgen nach Schul im'Sitzungszimmer, Gemoro Herr Dr. S. Ehrmann.; Sonntag, Dienstag und Mittwoch.; abends 8.15 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Iahrzeitsstiftungen. Dienstag, den 22. November: Dr. Marcus Hirsch-Stiftung. Donnerstag, den 24. November: Avigdor Posen-Stistung. Agudas Iisroel-Ortsgruppe. Schiurim des Herrn Herz Holpern - Täglich von 9 — 12 Uhr: Lernen jsgleicher Art. 12-1 Uhr: Daf Jomi — Am anschließend am Daf Jomi agadischer Vortrag. Agudistische Frauen-Orlsgruppe Frankfurt a. 7N. Montag, den 21. Nov., abends 8 45 Uhr, spricht im Hörsaal der I. N. G., Friedberger Anlage 5. Herr Jacob Rosenheim über: „T'ftlloherläuterungen." Gäste, Damen willkommen. Agudistische Schülergemeinschaft (Ä. S. G.). Am Mauzoe Schabbos, dem 20. November, um 8.30 Uhr, findet im Heim Schwanenftraße 12 der nächste Vortrag statt. Es spricht Herr Rechtsanwalt Är. Josef Fr a n k über: „Die rote Assimilation." Jugendliche Gäste willkommen. Liwjalh Ehen. Samstag nach Mincho, 4.15 Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S Schachnowitz, („Auf dem Wege nach Sodom"). Arbeitsgemeinschaft der Agudas Jisroet-- Iugendgruppe. Der Geschichtskurs unter Leitung des Herrn Red. S. Schachnowitz beginnt s. G. w. am Sonntag, den 20. November, 8.30 Uhr 'im Heim. Jüdischer Turnerbund E. V. Am vergangenen Mittwoch fand das Wetturnen unserer Mädchenabteilungen statt, das bei einer Beteiligung von über 60 Mädels ein schöner Erfolg war. Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes Frankfurk a. 21t. Donnerstag, den 24. November vormittags 10 Uhr, Langestr. 3 I. Arbeitssitzung. — Samstag, den 26. Nov., 20.30 Uhr Ortsgruppenabend bei Frau Irma Rosenthal, Paul Ehrlichstr. 28. Vortrag von Frau Loew-Tachewer: Wo steht der deutsche Lionismus? Gäste willkommen. Gebetzeiten. n-pi raw Freitag abend 4.10 Samstag naswn 6.45 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 und 4.00 Samstag abend 5.25 W o ch engottes dienst: Morgens 6.45 Nachmittags 4.00 Montag und Donnerstag Morgens 6.25 Hörsaal 1.15 T efillin-Legen am Morgen 6.35 Statt Karlen Rechtsanw-Drjur- J. GRÜNFELD Dr.phil. JUDITH GRÜNFELD-ROSENBAUM Vermählte Würzburg, Theresienstr. 6, II Trauung, Bad Mergentheim, Kurpension Gerstner Mittwoch, 24. Marcheschwan 5693 — 23. November 1932 Statt Karten n"3 Wir beehren uns, die Vermählung unseret'Kinder FRIEDA und DAVID ergebenst anzuzeigen. JOSEF STERN Eschwege (Datterode) M. A..FORMANN Frankfurt a. M., Rechneistr. 12 Trauung, Sorihtag, 20. November 1932,1 Uhr nachmitt., int Hause der Frau M. Herz, Zeil 14, 3. 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