Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1932)
- Date
- 1932-11-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 47 Seite 7 17. November 193? schaftlichen Leben, so sollte man glauben, daß der Sieg der von der Orthodoxie vertretenen Sache sicher sein müßte. Man kann ^Äaher hoffen, daß der Versuch des Waad hair lejehude jerüfcholajim durch Massenaustritte im nächsten Jjar beantwortet werden wird. ' * * Wie verlautet, hat die Regierung den Entwurf eines neuen Gesetzes über die Kommunalverwaltungen vorbereitet und einzelnen Instanzen des Jifchuws zur Begutachtung übermittelt. Abgesehen von weniger wichtigen Bestimmungen, die das aktive und passive Wahlrecht der Stadtbewohner, auch der ausländischen, betreffen, regelt der Gesetzentwurf auch das Steuerrecht der Kommune, das sich nicht nur auf die unbestrittenermahen neutralen Zwecke, wie Wasserbeschaffung, Beleuchtung, Kanalisation, Straßenbau erstrecken, sondern auch das Erziehungswesen umfassen, soll. Hiermit greift die Regierung in ein Wespennest, denn es ist bei den scharfen weltanschaulichen Gegensätzen innerhalb der Einwohnerschaft Palästinas eine unmögliche Zumutung, daß sämtliche Schulen ohne Unterschied der religiösen Richtung von der Gesamtheit der Steuerzahler unterhalten werden sollen. Es würde wohl nicht unmöglich sein, organisatorische Formen zu finden, die auf dieses Bedenken gebührend Rücksicht nehmen. Die Jerusalemer Lehrer greifen zur Selbsthilfe. Jerusalem, 10. Nov. Mehr als 100 Lehrer der in diesem Schuljahre noch nicht wieder eröffneten hebräischen Schulen der I ewish Agency drangen am 9. November morgens in die Büroräume der Jewifh Agency ein, stellten Posten vor die Ausgänge und erklärten, daß sie es nicht erlauben werden, daß ein Mitglied der Exekutive der Jewifh Agency das Gebäude verläßt, bevor nicht die rückständigen Gehälter für die Monate Mai bis August 1932 bezahlt worden sind. Von den Mitgliedern der Exekutive befand sich im Gebäude einzig und allein der Schatzmeister Dr. Werner Senator, die Mehrheit der Exekutive- Mitglieder weilte in Tel-Awiw, wo über die Beilegung der durch die, inzwischen zurückgenommenen, Austrittserklärungen Farbsteins und Neumanns geschaffenen Krise beraten wurde. Die Führer der eingedrungenen Lehrer verweigerten Dr. Senator die Erlaubnis, sich zum Frühstück in seine Wohnung zu begeben, es mußte ihm das Essen cms einem benachbarten Restaurant gebracht werden. Am Abend wechselten die Lehrer die Wachen und erklärten, daß sie das Gebäude besetzt halten werden, bis die Gehaltsfrage entschieden sein wird, und wenn es auch Tage dauern sollte. Zu später Abendstunde würde Dr. Senator erlaubt das Büro zu verlassen, das Gebäude wird aber auch heute von den Lehrern besetzt gehalten. Die aus allen Städten und Kolonien in Jerusalem eingetroffenen Lehrer hielten eine Versammlung ab, in der die Frage der Gehaltszahlung und der Stellung der Schulen unter die Kontrolle des Waad Leümi beraten wurde. Die Lehrer sind daran interessiert, daß die Schulen je eher je lieber in die Verwaltung des Waad Leumi übergehen. In den Kreisen der Lehrer und in denen der Eltern der Schulkinder ist man über die Zuspitzung der Schulkrisis sehr deprimiert; die Hoffnung, daß die Schulen bald wieder geöffnet sein werden, scheint sich nicht erfüllen zu wollen. Amerika. Oer Wechsel im Weißen Hause. N e w y o r k, 8. Nov. Die Wahl von Franklin D. R o o s e v e l t zum P r äsideuten der Vereinigten Staaten und der Sieg der Demokratischen Partei lösen in jüdischen Kreisen große Genugtuung aus, womit nicht gesagt sein soll, daß man gegen das Regime der Republikaner unter H o o v e r etwas zu klagen hatte. Aber man hofft von der großzügigen Politik der Demokraten eine Belebung der Wirtschaft und eine Milderung der Krise, unter der die Juden schwer zu leiden hatten. Ueberdies wissen die Zeitungen vom neuen Präsidenten Roosevelt zu berichten, daß er in seinem persönlichen Verkehr vollkommen frei von Vorurteilen sei und bei vielen Gelegenheiten Juden zu seinen intimsten Freunden und Mitarbeitern machte. So seinen Sekretär Herbert Lehman, der an die Stele Noosevelts als Gouverneur des Staates Newyork treten wird. Dieser Herr Lehman, der nunmehr den nach dem .Weit über 1000 schreibfertige Füllfederhalter mit 14 Karat Goldfeder ab RM. 2.50 zur Auswahl Hausmarken Ceka u. Juwel, sowie die bek. Markenhalter AB3I Ml IDDffl KAISERSTRASSE 75 (««rrbli Schreibwaren jeder Art Präsidenten bedeutendsten Posten in der amerikanischen Verwaltung einnehmen wird, ist bewußter Jude, der an allen philantropischen Aktionen aktiv teilnimmt und dem Präsidium des American Joint D is' t r i b u t i o n Committee angehört. Die Familie stammt aus Deutschland. Sein Vater mußte als „Achtundvierziger" mit Karl Schurz und anderen aus Deutschland nach Amerika flüchten. Weitere hohe Aemter werden unter der Präsidentschaft Roosevelts an Juden übertragen. So ist der bekannte Bankier Bernhard M. Baruch für den Posten des F i n a n z m i n i st e r s ausersehen. Richter Henry Horner wurde zum Gouverneur des Staates Illinois gewählt. Es ist nach Newyork der zweitgrößte Staat der Union. Noch zwei jüdische Gouverneure hat Amerika, im Staate Oregon und in New- Mexiko, mit den Herren Julius M. Meier und Arthur Seligmann. Chicago, die Hauptstadt von Illinois, mit einer jüdischen Bevölkerung von rund 400 000 Seelen, ist voller Jubel über die Wahl des jüdischen Gouvernurs Henry Horner, der ein Chicagoer Kind ist, obwohl er im jüdischen Leben bis jetzt nicht hervorgetreten ist. Auch Horner entstammt einer deutch-jüdischen Familie. Ferner sei nach mitgeteilt, daß im neugewählten Kongreß 12 jüdische Mitglieder, darunter Männer von Ruf auch im jüdischen Leben, sitzen werden. Eine zu früh geplatzte Granate. (Letzte Nachrichten.) Breslau, 15. Nov. In Schweidnitz ging diese Woche ein Prozeß zu Ende, der ein Seitenstück zu dem A l l e n st e i n e r Bombenprozeß bildet. Zwei Nationalsozialisten warfen eine Bombe gegen den sozialdemokratischen Redakteur P a e s ch k e in R e i ch e n b a ch ab. Die Bombe platzte aber zu früh und riß einen der Werfer, den SA- Mann I a e n k e, in Stücke. Der .Mittäter Wagner konnte im Auto eines nationalsozialistischen Führers zunächst flüchten, wurde aber verhaftet und saß nun auf der Anklagebank. Bei Gericht wurde erwiesen, daß die Burschen auf höheren Befehl handelten. Von wem der höhere Befehl ausging, konnte keine Frage fein. Es war Herr Heines, der aus den Femeprozessen rühmlichst bekannte Leutnant a. D. und nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete, der den Befehl ausgab und seine Leute geradezu zu der Tat zwang. Vor Gericht behaupteten die Angeklagten, das Attentat sei nicht gegen den özialdemokratischen Redakteur, sondern gegen die Synagoge von Neichenbach geplant gewesen. Die Synagoge, die Juden seien quasi Schuld daran, daß ein braver SA-Mann in Fetzen gerissen wurde. Das Urteil war merkwürdig genug. Wagner erhiell ' ünf Jahre und ei ne Woche Zuchthaus. Sein Freund, der ihm mit dem Auto zur Flucht verhalf, P o - Iomsf i, ein Jahr Zuchthaus. Beide werden der Begnadigung zu Gefängnis und dem späteren Straferlaß empfohlen, weil sie „aus jugendlichem Idealismus" und „auf höheren.Befehl" gehandelt hätten. Dieser höhere Befehlshaber, Herr Heines, kommt aber, nur wegen Begünstigung, mit sechs Monaten Gefängnis davon. Es gibt noch Richter in Schlesien! Briefkasten. F. G. Eaileloun. Barmizwohtag und Sidroh ist am 11. November, nn® -»n 'a. Familiennachrichken. Geburten: Ein Sohn, Justin Adler und Frau Lina geb. Schönfärber am 9. November 1932, Theresienklinik Würzburg. — Ein Sohn, Oberrabbiner Dr. Gomer und Frau, Reval-Tallinn/Estl. Verlobte: Else Oppenheimer, Goch/Rhl. mit Ludwig Willner, Dormagen/Köln, am 19. November 1932. Personalien. Rhina, 10. Nov. Der frühere langjährige Schochet der hiesigen Gemeinde, Her Samuel Vuxbaum, wird am 27. November 78 Jahre alt. Burgpreppach (Ufr.), 13. Nov. Als Bezirksrabbiner von Burgpreppach wurde Herr Rabbiner Dr. Saul Munk, Berlin, berufen. Duna Lzerdahely, 4. Nov. Wohl selten hat die altberühmte und sehr bekannte Gemeinde Szerdahely ein solch großes Geleite und Gefolge hinter einem Toten gesehen, wie dies hinter der Bahre von Gerson N e u - w i r t h der Fall war. Ein Abkömmling von Sprößling von na® nivvin und ein Enkel von dem bekannten R. Simon Toter >21» hat der Verstorbene viele Vorzüge in sich vereint, die ihm einen großen Freundeskreis erwarben. In Alistal, wo der Verstorbene lange Jahre lebte, hat er. trotz der größten Armut der Gemeinde, für die Aufrechterhaltung aller jüdischen Institutionen Sorge getragen. Ein besonderes Verdienst erwarb sich der Verstorbene durch die Errichtung einer r-npü' für die Kronen und Heller gesammelt wurden. Sein Haus stand für alle Bedrückte und Bedürftige stets offen. Eine große Stütze haben viele, viele Bne Tauroh an dem lieben Heimgegangenen verloren. Nicht weniger als 15 Vachurim wöchentlich, haben an seinem Tische gespeist. Verschiedene junge Leute ließ er an den Jeschiwaus ausbilden. Dem tiefen Schmerze gab zunächst der ältere Bruder Ausdruck. Er schilderte ihn als einen bescheidenen, von G'ttesfurcht durchdrungenen, von der Liebe zur Tauroh begeisterten Jehudi, der bereit war, alles für das überlieferte Judentum zu opfern. Hiernach ergriff der jüngste Bruder, Nabb. Dr. A. Neuwirth, Berlin das Wort, um seinem tiefen Schmerze beredten Ausdruck zu geben. Mit ergreifenden Worten erzählte 'er von dem Bitochaun,«das allen vorbildlich war. von der Menschenliebe' und Selbstlosigkeit, die den Verstorbenen zierten. Zuletzt betonte in einem groß angelegten ioon Rabbiner Katz die große Trauer, die die ganze Gemeinde ergriffen, die große Lücke, die entstanden und den schweren Verlust, den weite Kreise beklagen und lange noch beweinen werden. rraiun. Amsterdam. 16. Nov. Der Tod Eduard P 0 l a k s b'M, in Groningen, der in den ersten Cheschwantagen plötzlich von uns ging, wird auch weiteste Kreise der deutschen Judenheit in tiefste Trauer versetzen, denn mit Eduard Polak ist einer der Vesten unserer westeuropäischen Orthodoxie dahingegangen. In seinem äußeren Gebühren ein typischer Holländer — ruhig, bescheiden, sachlich und gediegen, von einem Fleiß und einer Zielstrebigkeit, die seine großen wirtschaftlichen Erfolge sicherten, mutete dieser Mann in seiner seelischen Haltung und in der Führung seines Hauses, in seiner Thoraliebe und in der Erziehung seiner Kinder, in der unnachahmlichen Selbstverständlichkeit, seines grenzenlosen Wohltuns wie ein dem wärmeren 'Klima des jüdischen Ostens Entstammter an. Und dennoch war er Glied einer alten holländischen Familie — und stolz daraus. Und das, was uns „östlich" an seinem Wesen schien, war nichts anderes als die Bereitstellung seiner Seele für den K l a l I i sr 0 e l. Nicht mit Worten, die ihm nicht lagen, sondern durch Taten. Die Jeschiwaus des Ostens. Beth Jakob und Keren Hatorah, vor allem, die von ihm voll begriffene Agudas Jisroel, sie alle legten von ihrem Leisten in seine Seele, erfüllten und bereicherten sie., Dies gab seinem Wesen das besondere Gepräge, wirkte sich ans in der Führung seines Hauses, das er mit der völlig gleichgestimmten Gattin zu einem rechten Jakobszelt geftalete, tat sich kund in der thoranahen Erziehung aller seiner Kinder. Wir sind im Westen sehr arm an solchen Menschen. Darum ist der Verlust sehr groß. Trost für die Gesamtheit. Trost für die Gattin zumal, ist die Gewßheit, daß alle Kinder völlig den Weg des Vaters, diesen Höhenweg des vollen Judentums weiterwandeln werden. -rrasan vermischtes. Groh-Karben, 15. Nov. Die israelitische Gemeinde Groß-Karben (bei Friedberg i. Hessen) hat in diesem Jahre ihre alte Synagoge einer gründlichen Renovierung unterzogen. Die kleine, 26 Familien zählende Gemeinde. mit einem rührigen Vorstand an der Spitze, hat damit bewiesen, daß es auch in dieser so schweren Zeit möglich ist, aus eigener Kraft etwas Großes zu schaffen. Gern und freudig' hat jeder Einzelne gegeben, um das von den Vätern ererbte G'tteshaus vor dem Verfall zu schützen und in würdigem Zustand zu wissen. Der Lehrer der Gemeinde, Herr M a r k u s , der eigentliche Vater des Projektes, hat dessen Kosten aus freiwilligen Spenden innerhalb der Gemeinde gesammelt und sich mit diesem Werk ein bleibendes Verdienst um seine Gemeinde erworben. Am 1. Abend Roschhaschono dankte Herr Markus in einer gehaltvollen Ansprache den Gemeindemitgliedern und pries deren Gebefreudigkeit. Die Groß-Karbener Juden aber sind stolz auf ihr Werk und auf ihre Synagoge. Skraßburg, 15. Nov. Der Verein „Les Amis de la Tradition Juioe" hat in seiner-letzten Vorstandssitzung beschlossen, dem Weltverband für Sabbatschutz „Schomre. Schabbos" korporativ beizutreten.