Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1932)
- Date
- 1932-11-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Seite 5 . 17. November 1932 - -.- ■" )' - - Zwei, Personen würben.erheblich verletzt. Die nationaldemokratischen Zeitungen Posens wurden wegen Aufreizung zu Unruhen beschlagnahmt. n Die Leitung der Jüdischen Gemeinde mStarogrod, Pomerellen, verbreitet eine Erklärung, die besagt: Die Mitglieder der aufgelösten nationaldemokratischen Gruppe „Obwiepol" treiben eine gefährliche antijüdische Pogromhetze und gefährden durch direkte Angriffe .die Sicherheit der jüdischen Einwohner. In den letzten Tagen wurden in sechs größeren jüdfchen Geschäften die Fensterscheiben eingeschlagen, Türen und Fenster jüdischer Wohnungen werden mit Teer bestrichen. Während des letzten G'ttesdienstes wurden die Fensterscheiben der Synagoge eingeschlagen. Mehrere jüdische Kaufleute erhalten Drohbriefe, in denen sie aufgefordert werden, binnen 7 Tage die Stadt zu verlassen, da sie sonst mit ihren Familien dem Tode verfallen sind. Die Stadt wird überschwemmt mit Flugzetteln, die überschrieben sind: „Schlagt die Juden! Ermordet die Juden! Stecht die Juden nieder!" Die jüdische Bevölkerung lebt in großer Panik. Die .Zeitung „Jllustowani Curjer Pomorski" hetzt direkt zum Pogrom. vom Lodzek rtehillarat. Lodz, 7. Nov. Die neue Leitung des Kehillarates hatte am Dienstag ihre Tätigkeit begonnen. Unter Vorsitz des Herrn Minzb e r g wird die Regierungsverordnung verlesen, wonach die neue Verwaltung das Gemeindevermögen übernimmt. Daran knüpft Minzberg eine Rede in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der zurückgetretenen wie der neuen Verwaltung an. Er dankt den Kollegen von der alten und spricht sein Vertrauen zu den neuen Kollegen aus. Die furchtbare Not in der jüdischen Bevölkerung erfordere es, daß die Parteien weniger das Trennende als mehr das Gemeinsame hervorkehren. Von tendenziöser Arbeit wußte und wisse er sich immer frei. Bekanntlich besitzt die Aguda in der neuen Lodzer Kehillaverwaltung eine absolute Mehrheit.' Nach einer Aeußerung des Führers der AlexandererChass i d i m, Herrn I. M. Woidislawski, wollen die Chassidim, die ebenfalls in der Verwaltung stark vertreten sind, in jeder Beziehung Hand in Hand mit der Agudafraktion Zusammenarbeiten. Sabotage in der Warschauer Aehillaverwaltung. Warschau, 8. Nov. Die Plenarsitzung der Kehillaverwaltung unter Vorsitz des Präses M a s u r litt unter der Sabotage der unversöhnlichen Opposition. Die Verhandlungen wurden gestört durch dauernde Interpellationen und Wortmeldungen, die gar nicht zur Sache gehörten. Die Tumulte verstärkten sich bei der Behandlung des Kapitels „ Unter st ü tz u n g e n ". Die Agudavertreter wenden sich gegen die sinnlosen Vorschläge, den Ratmänern freie Hand bei der Verteilung zu lassen, woraus es sich ergeben müßte, daß Unterstützungsbedürftige, die gerade keine freundlichen Beziehungen zu bestimmten Ratmännern haben, leer ausgingen. Mit der Kontrolle der Unterstützungsvertellungen! ging es schon bisher, wie der Präses mitteilt, infolge der Patendienste der Ratmänner, nicht mit rechten Dingen zu. Nunmehr liegt die Sache in der Hand einer Kommission, die itDÖrfjentficf) Ihre Sitzungen abhält und die Gesuche nach gründlicher Prüfung erledigt. Ratmann Stickgold von der Opposition wünscht die Rückkehr zum alten System. Andere benutzen die Gelegenheit, mit Anträgen und Ansprachen, die gar nicht zur Sache gehören, die Verhandlung lahmzulegen.. Es wird schließlich ein Antrag angenommen, wonach in der nächsten Plenarsitzung von der Zdokoabteilung Bericht erstattet und Reglement über die Verteilungen vorgelegt wird. Den lauten Beschwerden der Oppositionsparteien, daß alle Arbeiten in den Kommissionen und nicht in öffentlichen Sitzungen erledigt werden, dient man vom Präsidium mit dem Hinweis auf die heutige Sitzung, die, weil öffentlich, infolge der Sabotage der gleichen Schreier, sechs volle Stunden andauerte, ohne was Rechtes geleistet zu haben. Nicht einmal der erste Punkt der Tagesordnung konnte verabschiedet werden. Die Leitung des Beth Jakow-Seminars. Krakau, 15. Nov. Mit der Vollendung des Seminargebäudes war selbstverständlich das Werk nicht vollendet, hatten die Aufgaben, die sich Beth Jakauw mit dieser Zentralisation und Konzentration gestellt hät, erst begonnen. Ein Leh- D t v 3 s v a e i i t Die Woche. Berlins Der Vortragende Legationsrat im Auswärtigen Amt, Heinrich W o l f f, wurde zum deutschen Gener. alkonsul in Jerusalem ernannt. Der bisherige deutsche Generalkonsul in Palästina, Dr. Nord, geht als deutscher Gesandter nach Vangkog, der Hauptstadt von Siam. Er hat sich während seiner Wirksamkeit "als Generalkonsul in Palästina die Sympathie weiter Kreise der Bevölkerung erworben. — Der vor zehn Jahren vom damaligen Reichspräsidenten Ebert verbotene „ D eu t s ch v ö l k i s ch e Schutz- und Trutzbund " ist jetzt in mehreren deutschen Ländern wieder zugelassen worden. Das Verbot erfolgte seinerzeit wegen der gefährlichen antisemitischen Umtriebe des Bundes. — In der Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung vom 11. November beantragte die Nationalsozialistische Fraktion „Verfügungen" über den Unterricht, in denen verlangt wird, 8 daß die „jüdische Bibel" aus dem 8 Unterricht in den Schulen ganz 8 aus geschaltet wird. In den .Religions- 8 stunden soll gemäß den „Verfügungen" darauf 8 hingewiesen werden, daß „der Stifter ein Ger- 8 mane. G'tt ein Deutscher ist." Höchste Zeit! 8 Breslau. Am Donnerstag, den 10. November, 8 kam es an der Breslauer Universi- 8 t ä t zu schweren Ausschreitungen nationalso- 8 zialistischer Studenten gegen den aus Frank- 8 furt a. M. nach Breslau berufenen Professor 8 für Bürgerliches und Handelsrecht, Dr. Ernst § Cohn, so daß vom Rektor die Polizei 8 herbeigeholt werden mußte. Wien. Im Bor- 8 dertrakt des Braunen Hauses zu Wien 8 wohnen auf Grund noch laufender Mietver- 8 träge u. a. auch drei jüdische Familien. Das Kommando des Braunen Hauses versucht, durch allerlei Schikanen diese Familien los zu werden. Es wird in ihre Wohnungen durch die Schlüssellöcher Tränengas hineingeblasen. Spät nachts werden diese Familien telefonisch angerufen, bsechimpft und bedroht. Einige SA- Männer wurden wegen Erpressung und Beschränkung der persönlichen Freiheit verhaftet. Das Polizeipräsidium hat zum Schutze der jüdischen Mieter eine Patrouille in das Haus gesetzt. Aus der Nachbarschaft des Braunen Hauses ziehen jüdische Geschäftsleute fort, um der Terror-Atmosphäre zu entgehen. — Der Landrabbiner von Tirol, Dr. Josef Link, ist im Alter von 53 Jahren gestorben. Er galt als bedeutender Orientalist und wurde erst vorige Woche wegen seiner sozialen Verdienste vom Bundespräsidenten mit dem Goldenen Verdienstorden beehrt. Budapest. Nachdem in samt- 8 lichen Fakultäten der Universität Ruhe einge- 8 treten ist, dauern die Kravalle an der Tech- 8 nischen Hochschule noch weiter in sol- 8 chem Maße an, daß es den jüdischen Studie- 8 renden nicht möglich ist, die Räume der Hochschule zu betreten. — Von der Nationalbank ist dem Hofrat Stern die Verständigung zugegangen, daß für die im Ausland studierenden jüdischen Hochschüler, Opfer des Numerus clausus, monatlich die Ueberwcstung pp^ insgesamt 50ooo Psngö. .und 50 OOlx ^rf^UJinq über das Devisengesetz hinaus bewilligt 8 den wird. Bukarest. Nach Intervention der "''-I.. Jüdischen Partei beim Innenministerium wurde > zugunsten der im Ausland studierenden Hochschüler, denen die Inskription an einer rumänischen Universität nicht möglich war, verfügt, daß ihre Paßgebühren auf ein Viertel der normalen Gebühr ermäßigt werden; ferner wird ihren Angehörigen ermöglicht, ungeachtet der bestehenden Devisenvorschriften Unterhaltsbeiträge in ausländischer Valuta an die im Ausland Studierenden zu überweisen. London. Am Sonntag, den 6. November, fand in London eine Parade der jüdischen Frontsoldaten zur Erinnerung an die Kriegsgefallenen statt, an der über 4000 ehemalige jüdische Soldaten, die im Weltkriege an der Front gekämpft haben, unter Führung des Obersten I. H. Levey teilnahmen. General Sir Webb G i l l m a n n, das militärische Oberhaupt des Tastern Command, nahm die Parade ab. Warschau. Am 9. November kam es an; der Warschauer Universität zu schweren antisemitischen Unruhen aus Anlaß des ersten Todestages des in Wilna während der mehrtägigen antisemitischen Exzesse von unbekannter Hand getöteten polnischen Studenten Waclawsky. Äie Judenwehrten sich tapfer ihrer Haut, Mehrere jüdische Studenten.wurde verletzt. Ihrer drei erlitten so schwere Verletzungen, daß sie ins Hospital gebracht werden mußten. £ DINGES DIABETIKER-BROT NACH DR. SEN FTN E ft Bekommt ausgezeichnet - Schmeckt vorzüglich Bewirkt günstiges Absinken des Zucker-Gehaltes! Machen Sie noch heute einen Versuch. Laib nur 50 Pfennig. DINGE rerinnenseminar, das im modernen Sinne diesen Namen verdient, dabei aber in der Hauptsache darauf abzielt, Pionierinnen des alten jüdischen Geistes im edelsten Sinne hervorzubringen und jede Disharmonie zwischen den Lebensidealen der chassidischen Welt und den Gesinnungen und dem Charakter der künftigen Gattinnen und Mütter uuszuschliehen, erfordert eine Summe von Umsicht und konzentierter Arbeit. Wichtig schien die Frage der Leitung des Seminars. Nunmehr wurde auf Veranlassung der Warschauer Beth Jakauw- Zentrale die Leitung des Seminars in die Hände des bekannten Pädc-gogen und Thoragelehrten I. L. O r - l e a n gelegt. Der neue Direktor wird sein Amt demnächst antreten, und man ist berechtigt, an diese Wahl die weitgehendsten Hoffnungen zu knüpfen. Rußland. Beschneidung nicht strafbar in Sowjetrußland. Moskau, 8. Nov. Vor dem Moskauer Rayonsgericht als Revifionsgericht hatte sich der Moskauer „Mohel" E l k i n wegen des „doppelten Verbrechens" zu verantworten, daß er erstens die Beschneidung eines Kindes gegen den Willen des Vaters und zweitens durch diese Beschneidung eine medizinische Operation, ohne daß er ein Recht aus medizinische Praxis besitze, vorgenommen hat. Nachdem sich herausgestellt hat, daß Elkin zwar in Abwesenheit des Vaters, aber auf Wunsch der Mutter und Großmutter des Kindes den Beschneidungsakt vollzog, wurde er vom Erstgericht von diesem Punkt der Anklage freigesprochen, aber wegen des zweiten Punktes zu 400 Rubel Geldstrafe verurteilt. Das Revisionsgericht sprach nun Elkin gänzlich frei mit der Begründung, daß eine Beschneidung unter Beobachtung der hygienischen Vorschriften von einem Fachmann, auch wenn dieser das Recht auf medizinische Praxis nicht besitze, vorgenommen werden dürfe. England. Seltsame Berichterstattung. London, 11. Nov. Die „Föderation jüdischer Hilfsorganisationen" (sogenanntes Ukrainisches Komitee) hatte ihren Vorsitzenden,- - 3)r. 3 o dj e [ m a n n, seinerzeit beauftragt, an der sogenannl^,,^^fer Weltkonferenz teilzunehmen, wohl als einzige nia/t ausgesprochen zionistische größere jüdische Institution. Herr <?>,. Jpchelmann berichtete nun in einer Sondersitzung des Vo^^s der Föderation über seine Eindrücke, die der „Jewy», Ehmmele" wiedergibt. Danach soll Dr. Jochelmann dahin Wferiert haben, daß auf der Konferenz keinerlei Opposition ^en Gedanken des Weltkongresses zutage getreten je., Hesonderes Interesse hätten die Berichte der d e u t s ch e unlegierten erweckt, so des „Präsidenten der Berliner jü^, schen Gemeinde", Georg K a r e s k i, Dr. Alfred Klees und eines hohen Beamten des deutschen Auswärtigen Amtes, Prof. S o b e r n h e i m. Die Tatsache, daß diese Herren der Konferenz beigewohnt hätten, sei ein Beweis für die Unrichtigkeit der Stellnngahme des englischen Board of Deputies, der die Genfer Konferenz bekanntlich boykottiert und sie für bedeutungslos erklärt hat. Der Verlauf der Genfer Konferenz habe vielmehr gezeigt, daß kaum eine Meinungsverschiedenheit über die Notwendigkeit des Weltkongresses bestehe. Es müsse eben eine Stelle geschaffen werden, an die sich das jüdische Volk zu wenden vermöge, eine „zentrale Autorität für das ganze jüdische Volk." Nur die jüdische „Bürokratie" widerstrebe, wie sie früher auch dem Zionismus wider-