Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 42-43 (13.10.1932)
- Date
- 1932-10-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 42/43 D e r Israelit 13. Oktober 1932 Rambam und liegenden Llrbei: Neuschöpfung, von ihm abbog, weil er die Ewigkeit der Welt als mit den Wundern der Thora unvereinbar erkannte, so benutzte er den Intellektualismus des Griechen und seine Auffassung von menschlicher Vollkommenheit, biegt aber wieder im entscheidenden Punkte ab. Dort dient alles dem Wenfchen, hier alles Gstt." (S. 22b.) - Diese scharfe Zielsetzung muß von entscheidender erzieherischer Wirkung auf den Leser sein. Die äußerst scharfe Einstellung des l8ten Briefes von Ben Ustel gegen den Woreh mußte dennoch — wie cs ja auch Klein hecvorgehoben hat — auf Grund des Wißbrauches erfolgen, der mit zu Wißversiänö nisfen Anlaß gebenden Stellen im Woreh bis zum heutigen Tage getrieben wird . . . 11. Die bisherigen Ausführungen über die Arbeit Dr. Klein-Rürnberg: „Rambam oder Waimonides?" haben wir in ihren wesentlichsten Punkten alsbald nach dem Erscheinen derselben in der Rosenheim- Festschrift in unserem Werkbuche niedcrgczeichnet. Inzwischen erschien im Heft 5/6 der Zeitschrift Rachlath Zwi v. I. 1952 die Arbeit von Rabbiner Dr. H. Klein-Berlin: „Die Begründung der Gebote durch ■r: K. Hirsch", die eine Kritik der vor „Rambam o. Waimonides" sein soll. Diese Kritik ist loyaler Weise zugleich eine „Replik" von Rabbiner Dr. A. Klein bcigefügt. Die Kritik von Dr. Klein-Berlin enthält nun in ihrem auf das Allgemeine des Gegenstandes gerichteten Ausführungen zuin größten Teile unseren obigen Gedanken ähnliche Einwendungen, während uns die Replik von Dr. Klein-Rürnberg in unserer bereits früher gefaßten und geäußerten Ansicht bestärkt, daß in der Person des Waimonides selbst, in seiner eigenen Gedankenwelt durchaus kein Zwiespalt gähnte. Auf dem granitnen Felsengrunde der unerschütterlichen Ueberzeugung des Sohnes Waimonis von Thora min Haschomajim mußten sich auch solche 2lnsichten wie aristotelische Weltanschauungsweise und herabgeerbte jüdische Ueberlieserungen zu einem, ihn, den Rambam, allerdings befriedigenden „A u sgleich" — wie es Beit Usiel meint — verbinden! Daher halten wir auch die Annahme des Iawetz, daß der ganze Woreh nicht von Waimonides stamme, oder die des Schlom Hagedolim, wonach derselbe wenigstens Interpolationen erhalte, für eine vollkommen überflüssige Hypothese. war doch schon Jahrhunderte früher etwas Aehnliches geschehen. War doch auch philo, dem Alexandrier, gelungen, bei gleichen Voraussetzungen — denn auch philo stand der g'ttliche Ursprung und die ewige Wahrheit der Thora als über allen Zweifel erhaben fest, wie ihin andererseits wieder auch der Reuplatonismus als aller Wahrheit und Weisheit letzter Schluß galt —, also es war schon philo gelungen, den Glauben an die G'ttlichkeit der Thora mit den Ideen und Idealen platonischer Weisheit zu vereinigen, indem er die Ideenwelt des Reuplatonismus in d i e B i b e l h i n e i n v e r f e tz t e. (Wit diesem historischen Vergleich zwischen philo und Waimonides soll keinesfalls ein Wertungsmaßstab aufgestellt werden. Für uns steht der Rambam in unermeßlicher Höhe über philo und seiner ganzen Richtung in allerlei Beziehungen.) Und so geschah es auch bei Waiinonides, nur noch in weit meisterhafterer Weise. Cs war eben ein W e i st e r wu r f des Waimonides, daß es ihm für seien Persönlichkeit gelungen war, solche auseinanöerstrebende, einander fliehende Weltanschauungen, wie arabisch-griechischer Aristotelismus und urwüchsiger Judaismus, zu eine m einheitlichen Weltanschauungssysteme zu verarbeiten. Das aristotelische weltanschauungsbilö galt ihm wie all seinen Zeitgenossen als der letzte Schluß aller Wahrheit und Weisheit. Bei derartigen Voraussetzungen mußte nun unentrinnbar zu einem „Ausgleich" die Zuflucht genommen werden. Aber ein notwendiger historischer Denkprozeß läßt sich nicht mit Gewalt unterbinden. Die mit dem genialen Kunstgriffe einer „starken Hand" künstlich vereinten und zusammengeschweißten, jedoch nicht ans der Ratur ihrer innersten Wesenheit einander zustrebenden gedanklichen Elemente in dem f ü r W a i m o n ides wohl einheitlichen Systeme mußten bei den Rachfahrcn, die zum großen Teile weder die „starke Hand",- die geniale Konzeption, noch den granitnen Felsengrunö der unerschütterlichen Ueberzeugung von Thora min Haschomajim des Weisters besaßen, wie der auseinander streben, einander fliehen! Die Einen hielten den Wischneh Thora des Rambain in den hoch erhobenen Händen, die anderen hingegen glaubten mit dem Woreh Rebuchim in Händen sich der Wacht fphäre des Iad Hachasakah entwinden zu können. Die zahlreichen Fäden, die vom Iad Hachasakah zum Woreh und vom Woreh zum Iad liefen und deren Vorhandensein Dr. Klein rechtmäßig hervorhebt, erwiesen sich aber im Laufe der späteren geschichtlichen Entwicklung als zu schwach, uni den Cpi Zonen ein einheitliches Gesamtbild vom Lehrsystem des Weisters darzubieten. Und so entstand nun der tiefe Riß zwischen denen, die den Iad Hachasakah und denen, die den Worch hochhielten und sich zum Pfadweiser erkürten ... Und es war dann eben eines der größten historischen Verdienste Ben Ustels, daß er zur Wahrung unassimilierter jüdischer Denkweise, großen Vorgängern folgend, seinen Gegnern, den Gegnern des echten Thorabcgriffes, den Woreh, womit sie den größten Wißbrauch getrieben haben, aus den Händen gerissen hat! Liber vor dem tiefen Forscherblicke Ben Ustels enthüllt sich auch die große Wahrheit, die dem sieben Jahrhunderte früher lebenden Waimonides noch nicht offenbar sein konnte: die Wahrheit, die Waimonides und seinen Zeitgenossen gewiß als die größte wissen schaftliche Ketzerei erschienen wäre: daß der Aristotclismus wohl das wiffenfchafliche Denken der Wenschheit, und vor allem die Philosophie, mit einigen ewigen Gedanken bereichert hat, aber daß derselbe als System im großen Ganzen keinesfalls als die ewge Wahrheit" pur exoellence gelten kann! Daher protestierte Ben Ustel nicht bloß gegen den maimoniöischen „Ausgleich" zwischen Judentum und Aristotelismus, sondern überhaupt gegen jedweden „Ausgleich" zwischen Iudentmn und fremden Geisteskulturen. Wie schon Dr. I. Wohlgemutst in seinem Ieschurun XIV, 0. 9) bemerkte, war es eben S. R. Hirsch, der mit einzigartiger Konsequenz unter sämtlichen jüdischen Denkern die Forderung aufstellte, das Judentum ohne jegliche Rücksichtnahme auf fremde Gedankensysteme, aus sich Aber geistig zu erfassen und als System auszubauen. Und so entstand der 18. Brief, der einen grandiosen Abriß in fast prophetischem Pathos über die Wethode echtjüdischer Erfassungsweise des Judentums enthält. Dieser Abriß wendet sich nur scheinbar gegen Waimonides und Wendelssohn. Denn er ist bedeutend mehr als bloße Polemik. Cr ist die aus tiefstem Urborn jüdischen Bewußtseins hervorquillende Wethodik über echtjüdisches Erfassen des Sinnes vom Judentum. Eine Wethodik, die einerseits die Crfasung des Judentums als leblosen Wechänismus, als bloßes „opus opsvaturu" verwirft, zugleich aber auch die Wethode verurteilt, die mit „von außen", gebrachten Ansichten, die „anderweitig feststanden", das Judentum ergründen zu können wähnt. Die Frage ist nun: Bedarf B e n U s i e l s Urteil über die eigentümliche G e i st e s r i ch t u n g des Waimonides einer Revision, oder gar etwa eines gänzlichen Widerrufes? Haben wir darin bloß eine Widerspiegelung grundfalscher Auffassungen maimonidischer Ideen und Lehren zu sehen? Diese Annahme scheint schon aus dem Grunde sehr schwer einleuchtend zu sein, weil uns doch bereits der jugendliche Ben Ustel und nicht erst der ganz gereifte S. R. Hirsch, als äußerst b e d äch t 1 g in all seinen Wägen und wogen, geschweige denn einer solch gewaltigen, von des unermeßlicher Verehrung der ganzen Ration getragenen historischen 'Persönlichkeit gegenüber wie Waimonides bekannt ist. Und in der Tat braucht man nur die a l l e r n e u e st e n wissenschaftlichen Forschungen auf diesem Gebiete zu verfolgen, um zur Ueberzeugung gelangen zu müssen, daß Ben Usiel bei Rieöerschreibung jener Charakterisierung nicht bloß die zersetzenden historischen Folgen, die infolge des mißverstandenen, oder des zu Wißverständnissen Anlaß gebenden Woreh, entstanden waren und noch immer entstehen können, vor Augen schwebten, sondern daß der Standpunkt Ben Ustels auch in der objektiven..ID i [ senschaft seinen unangreifbaren Rückhalt finde; (wir wollen hier uns in aller Kürze auf die Aus führungen in dem Sammelwerke „Woses ben Wat mon usw." von der G. z. F. d. W. d. I, Band II 0. 225 u. f. 0. 251, 252—256, und: I. Heine mann, Die Lehre von der Zweckbestimmung des, Wenschen usw. 0. 69 u. f.. Hinweisen. Siehe auch „Wo ses b. W. usw. w. o. I, 0. 61.) Die Feststellung Dr. Kleins, daß Waimonides im entscheidenden Punkte vom Aristotelismus a b biegt, ist gewiß sehr richtig und unwiderlegbac.1 Dessen ungachtet bildet aber dennoch der flammende Protest Ben Ustels dagegen, daß Waimonides nur „ausglich", nicht aber schöpferisch das Judentum aus sich selbst entwickelte, — eins der größten historischen Verdienste des erstercn. Denn unzählige Beispiele lehrten und lehren es, daß die Epigonen ü b e r den großen Weister, der im „entscheidenden" Punkte „abbiegen" konnte, hinausgingen und diese Kunst des „Abbiegens" nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollten, vielleicht auch aus dem Wangel an einer der des Weisters ähnlichen Verwurzeltheit int Glauben und Festhalten an dem Ueberlieferten nicht konnten. Daher bleibt es eine der größten historischen Verdienste Ben Usiels in den Spuren großer Vorgänger, wandelnd, die innere g e i st i g e Autonomie und 2l u t a r k i e des Judentums aufs neue proklamiert zu haben! (Ein abschließender Artikel zu der Auseinandersetzung aus der Feder des Herrn Rabb. Dr. Klein in Nürnberg folgt.) Vücherbesprechungen. Lexicon hebraicum et chaldaicum in libros Veteris Testamenti ordine etymologico compositum edidit E- F. Leopold. Lipsiae sumptibus succ. Ottonis Holtze. 453-S. geb. Mk. 3.50. Dieses zwar lleine, aber durchaus vollständige, nach Stämmen geordnete Taschenwörterbuch für alle Teile der Bibel darf jedem Schüler unbedenklich empfohlen werden, sofern er nur des Lateinischen mächtig ist. An manchen Stellen wird aushilfsweise auch auf die deutsche oder griechische Uebersetzung hingewiesen. Im Einzelnen wäre freilich auch in dieser zweiten Auflage dieses preiswerten Wörterbuches noch einiges zu verbessern. Wenn z. B. unter Hinweis auf Lev. 24, 7, 9 für nM eliam sacrificium non cremandum gesagt wird, so beruht diese Uebersetzung auf mißverständlicher Beziehung des Wortes auf ' DnV statt richtig auf Dah N2Z Num. 22, 6 nicht infin. Pi, sondern durchaus Hiph. fut. plur. sein soll, ist keineswegs ausgemacht, denn Autoritäten wie Onkelos («Ms-). Jonathan (mmvt.rri,) und Jbn Esra lt>visn ov) haben sich für die erstere Möglichkeit entschieden. Da also adhuc sub judice lis est, hätte die abweichende Meinung wenigstens als alii . . . erwähnt werden müssen. Zum Pi fehlt die Bedeutung execrari, die an Stellen wie 1. Reg. 21, 13 Job. 1, 5, 11. 2, 5, 10 zweifellos vorliegt. Das mvi-y bei ns'^n müßte mit triginties statt mit ter übersetzt werden. Uebrigens lag näher das Beispiel Gen. 45, 22 jns’Pn c?nn mVnw Auch für findet sich ein Beleg nicht erst Jes. 31. 1K sondern schon/Exod. 12, 42. nxi Lev. 1, 16 ist nicht entschieden excrementum, es kann auch penna heißen. Die Angabe Jud 13, 16 bei -vn ist in 13, 5, zu verbessern. Daß, für dieses Wort auf Rum. 6 ohne Angabe des Verses hingewiesen wird, ist verständlich, weil es in diesem Kapitel an zahlreichen Stellen vorkommt. Die Unterlassung der Versangabe wird man auch dann noch billigen, wenn es sich um den ersten handelt, wie etwa bei mvss Am 9, nw Pf. 60, 80, oder um einen der ersten, etwa den vierten wie irs’?« Prov. 14, den sechsten bei Esr. 4 —'bei*n?2 Ps. 63, 2 hätte füglich die Berszahl 2 wegbleiben dürfen — Wenn aber in einem Kapitel der 20. (bei nn?K Ez. 21), der 30. (bei ’k von Jab. 22) oder gar bei nr\? aus dem 70 Verse starken Kapitel Esr. 2 der 59. und aus dem 73 Verse umfassenden Kapitel Neh. 7 der 61. in Betracht kommt, dann darf die Zahl des Verses nicht wegbleiben, da doch die Rücksicht auf den Schüler maßgebend sein soll. Ihm ist auch bei einem bapaz legomenon nicht gedient mit einem einfachen semel, er verlangt mit Recht Angabe dieser Belegstelle. Eine begrüßenswerte Hilfe beim Aufmchen schwieriger Wortformen findet er am Schlüsse )es Lexikons im Index vocabuiarum analyticus, der steilich noch etwas erweitert werden könnte. Beispielsweise sucht man dort vergebens das Adjektiv r» und ündet es im Lexikon auch nur, wenn man seine radix inus. arab. km kennt, was aber nicht bei jedem Schüler vorauszusetzen ist. Als Druckfehler seien schließlich noch angemerkt: S. 6 pta und pis, die beide den falschen Schlußbuchstaben -1 Haben und S. 12 'n«, aber nicht 'W- E. F. '