Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 42-43 (13.10.1932)
- Date
- 1932-10-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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«Rambam oder Maimonides" «und - Ben Ustel". j Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospalak. I. Die in der'zu Ehren Jacob Rosenheims herausgegebenen Festschrift unter dem Titel „Rambam oder lllaimonides?" erschienene Arbeit von Herrn Rabbiner Dr. A. Klein- Nürnberg hat mein besonderes Interesse gehabt, da ich mich s. Z. ebenfalls recht viel mit diesem, Problemenkomplex befaßte, und in einem wesentlichen Punkte, nämlich bezüglich des Verhältnisses des Alaimonides zum Tempel- und Opferkultus, mich bemühte, die heiligen Alanen dieses Geistesriesen vor dem Verdacht zu schützen, als dürste man ihm mit Fug und Recht solche irrige Gedankengänge unterschieben, wie es Herr Dr. B. Ldelstein, Rabbiner in Ofen und Dozent am Rabbinerseminar in Budapest vor einigen Jahren tat. Dieser hatte nämlich in dem in Budapest erscheinenden neologen Wochenblatte vom 30. Alärz d. I. 1929 die kühne Behauptung aufgestellt, daß nach Alaimoni - d e s: „das Aufhören der Opfer, die Zerstörung der Heiligtümer und Altäre eine geschichtliche Rotwendigkeit war, damit Israel und mit ihm die Menschheit zu dem prophetischen Grade des G'ttesdienstes sich entwickeln soll: Zu der Stufe der Andacht des sich demütigenden Geistes, zur Erhabenheit echten Gefühls." Und wir haben damals im Zstdo Ujsag (1929, Rr. 16—20) in fünf Artikeln die bodenlose Vermessenheit dieses, das Andenken des Alaimonides schändenden Angriffes gegen die historische Wahrheit, wie auch die Unhaltbarkeit der später zu seiner Rechtfertigung angeführten Scheinbeweise des Herrn Dr. Edelstein auf Grund der Duellen im Riore und Iad Hachosakah aufs unwiderlegbarste nachgewiesen. Diesem Umstande zufolge, hatte die Arbeit Rabb. Dr. Kleins, die ebenfalls die Tendenz verfolgt, die unsterbliche Gestalt• des großen Führers auch in seinem Al o r e h für uns Orthodoxe festzuhalten, ein doppeltes Interesse für uns. Ob allerdings ein solches Vorhaben sich ganz restlos durchführen läßt, ist schon eine andere Frage. Das eine steht fest, daß viele Stellen im Aloreh zu dem Allerheiligsten der jüdischen religionsphilosophischen Literatur gehören. Hierzu gehört auch die von R. M. I. in der Einleitung zum Schulchan Aruch, O. Eh. zitierte wunderbare Stelle, worauf Dr. Klein am Schluffe seiner Arbeit Bezug nimmt. (Diese Worte sollen übrigens nach R. Israel Tauber in seiner Schrift Esrah Ranon, prchburg, 8622, Fol. 17 identisch mit einer Stelle im Sohac zu pVa sein.) Auch darin hat Dr. Klein zweifellos recht, so er von dem Standpunkte ausgeht, daß für die p er - sondesRambam selber durchaus kein Zwiespalt oder Widerspruch zwischen dem Alischne Thora und dem Aloreh vorhanden sein mußte. Die naiax des Ramb a m an die g ' ttliche Offenbarung der schriftlichen und Mündlichen Lehre war ganz gewiß ebenso festverwurzelt in der historischen Ueberlieserung seiner Väter, wie. diejenige @. R. Hirschs , so daß für Rambam se l b e r die absolute Verpflichtungskraft der p",TUv der Ursachen und Zwecke, des Sinnes der gütlichen Gebote ebenso selbstverständlich war, wie für Hirsch in seiner klassischen Einleitung zum Ehaurew. Auch ich bin vollkommen überzeugt, daß in den Augen S. R. Hirschs selbst die Persönlichkeit von Alaimonides in voller Integrität, erhaben über.Verdächtigungen und Verdunkelungen, strahlte. Gibt es denn eine herrlichere Apotheose für die historische Größe desselben als die in Granit gemeißelten Worte im 18. Briefe: „Der große Rl a n n , wie w i r 1 h m , und nur ihm, die Erhaltung des praktischen Judentums bis auf unsere Zeit verdanken!" Und ist es doch eben der Alischne Thora, den S. R. Hirsch an unzähligen Stellen seiner Schriften zitiert, und in welchem Werke er nach Zeugnis seines zum Urteil berufensten Schwiegersohnes Dr. S. Breuer Rede zum Gedächtnis S. C. Herrn S. R. Hirsch usw. (Raab, 1889, S. 7) besonders beschlagen gewesen sein soll. Aber bei alledem scheinen manche Schwierigkeiten nicht restlos gelöst werden zu können. Ich will gewiß nicht auf den tendenziös eingestellten Grätz Hinweisen, den Dr. Klein bereits erwähnt hat. Doch möchte ich hinzuweisen mir gestatten auf die sehr objektiv und nüchtern gehaltenen „Vorlesungen über die jüdischen Philosophen des Mittelalters, H. Abteilung von Dr. Al. Eisler (Wien, 1870, S. 120 u. 121), wo es heißt: „Liegt allen mosaischen Satzungen nur der Gedanke zu Grunde, uns von dem damals im Schwünge gewesenen Stern-Tier- und Götzendienste abzuhalten, so haben diese Satzungen auch ihren wert verloren, sobald dieser Götzendienst von der Erde geschwunden ist. Mit dem Schwinden des Götzenkultus hätten die mosaischen Satzungen auch ihren prohibitiven Dienst der Welt schon geleistet und daher auch allen Anspruch auf ihre fernere Berechtigung verloren. Und doch lehrt Alarm.: wer da behauptet, daß die mosaischen Gebote nicht für alle Zeiten seien, sondern nur für ihre Zeit Geltung hätten, der ist ein falscher Prophet und hat das Leben verwirkt. Gegen diese Inkonsequenz beruhigte nicht ganz die von Alaim. angegebene Ursache für Soken Alamre auch nicht der von Alaim. anderseits aufgestellte Vergleich zwischen Ratnr und Gesetz. Das Gesetz, sagt Alarm., gleicht in allen Stücken der Ratur und ergänzt diese gewissermaßen. Die Ratur der sublunarischen Welt hat weder Verstand noch Vernunft, das Gesetz enthält die Anordnung G'ttes, der dem Verständigen Vernunft gibt. Die Ratur verrichtet unbewußt ihre' Zwecke, das Gesetz dagegen ist sich seines Zweckes bewußt. Aber auch in der Ratur hört jede Reaktion auf, sobald das zu Grunde liegende Agens zu wirken aufgehört hat. Ist z. B. der Prozeß in den Lüften ausgeglichen, so legt sich auch der Sturm. Oder dachte vielleicht Alaim.: wie sich die Ratur ewig treu bleibt und ihre Gesetze nicht ändert, so muß es auch mit den g'ttlichen Verordnungen an die Rlenschheit sein." Auch aus Dr. S. Bernfeld in B'p^x nsn S. 529 u. f. sei hingewiesen. Ich will bloß die markantesten Sätze herausgreifen: Hw riBpttnm non n 'wnaV “wox *,k. nr nan xhx nn^a ii xhi ,ivvnx niah hv nvia D"aa*m pai X'aivhisn lmwsn n mn.nV ux pmaia» nnnax nxi nawmn naia*? fpn man n^munn mn .'wi nrro bvi nxw mwan nx n^s? ^apn n »nmaa waa nannxn nn^ana ivian min nx uV Tn D"aann ]ij?n) itn maVwn nnan fipn nwa xVi nsn pap *ima nvxn p*i X'n hax mxaa X'n naiam Daax (nnan •navmxn n^an1? xn Baax nmnxn n^anV smaa a"aann mm m bv nvian mm naan ‘rax?naxy 'aaa nawn *ix^> xnpxn x^x m’avn m ha bv it x^i bvnw ■w 'hxnw' anaa pniw D"aa“»n nvtaa tpx »n^aim naann xan isoa nxna nninm mnnsnn by irma jpswn naa Diese Zitate, die leicht vervielfältigt werden könnten, sind in sachlichstem Tone gehaltene rein wissenschaftliche Illustrationen zu der scharfen Einstellung B en U s i e l s gegen den Aloreh im 18. Briefe. Vielleicht hat doch der kongeniale Sohn Rachmenis, dem Ben Usiel in jener Einstellung gegen den Aloreh folgt, recht, wenn er meint: der Aloreh war bloß eine notgeörungene Konzession an die infolge ihrer Besessenheit von dem arabisch-griechischen Äistotetismus vom Thorajudcntum Abgefallenen, um diese für das Thorajudentum halb und halb zurückzugewinnen! Daher ist unsere vorläufige Meinung über die uns vorliegende Arbeit Dr. Kleins folgende: Die Lösungen der einzelnen scheinbaren*) Widersprüche zwischen dem Aloreh und Al. T., wie sie hier versucht werden, scheinen sehr richtig und stichhaltig zu sein. Aber in bezug auf die allgemeine Einstellung zum Aloreh scheint mir das haupsächlichstc Verdienst der wertvollen Arbeit darin zu liegen, daß dariü mit aller Schärfe hervorgehoben wird, wie der Rambam trotz seines intensivsten Eingehens auf all die wissenschaftliche und philosophischen Errungenschaften seines Zeitalters doch unerschütterlich fest auf dem ehernen Fundamente der naiax an die ewige Verpflichtungskraft des Thoragesetzes verbleibe, und zwar nicht aus nationalen oder konventionellen Rücksichten, wie es moderne Schriftsteller (Achaö Haam u. 21.) uns weismachen wollen, sondern aus tiefster Ueberzcugung von dem Glauben an die G'ttlichkcit der Thora! Diese scharfe Zielsetzung, die in der ganz richtigen Bemerkung Dr. Kleins gipfelt: „wie ec (Alaim.) Aristoteles, den Denker, aufs höchste verehrt hat, am entscheidenden Punkte aber, an dem der *) Ausführlicheres in Grätz und Bernfeld, Daath Elokim, S. 340.