Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 42-43 (13.10.1932)
- Date
- 1932-10-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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\us^X7e (f uni JLete Ullustrierlc. Beilage zuml(3srae(if V e.dXq Unsere Bilder. 1. RabbiAkibaLger beherrscht geistig die erste Hälfte des jüdischen 19. Jahrhunderts. Sein freund und fast gleichaltriger großer Schwiegersohn, Rabbi M osche Sofer (Lhatam Sofer) in preßburg, ist wohl der einzige seiner Zeitgenossen, der Ruf und Ruhm ganz mit ihm teilt. Rabbi Akiba hat seinen Sitz in Posen, obwohl er*im ungarischen (5 i s e n st a d t (er unterzeichnet seine Briefe und Responsen: Rabbi Akiba Gins aus Cifenstadt) geboren ist.. Rabbi Mosche ist Frankfurter Rind und wird von der Vorsehung aus den Thorathron in preß bürg in Ungarn gesetzt. So wundersam sind die Wege G'ttes. In eine größere Novelle, die demnächst im „Israelit" beginnt und Rabbi Hlofdie Sofer im Mittelpunkte hat, spielt auch die Persönlichkeit und das Wirken Rabbi Akiba Cgers hinein. Wenn alle Biographen die unerschöpfliche menschliche Güte des posener Oberrabbiner, bei seiner Geistesgröße, hcrvorheben („Riese an Geist und Rind an Genrüt"), so läßt sich diese endlose Güte aus dem Gesichte des Rabbi, das wir heute nach einem Gobelin-Bild, im Besitze des Wolf-Museum in Lisenstadt, den Lesern zeigen können, geradezu ablesen. 2. 5. Unter den chassidischen Führern der Jetztzeit ragt der Name von Abraham M o r d e ch a i 'Alter, genannt „Gerer Rebbe" besonders hervor, sin einem spannenden Feuilleton im Rahmen der Berichte über die „Vierländerfahrt des Keren Hathora" 1951 im „Israelit" wird versucht, die Eindrücke eines Uichtchassid in Gora Kalvaria und im Haufe des Rabbi festzuhalten. Eine gute Stunde von Warschau mit dem Omnibus gelangt man in das Dorf an der Weichsel. Eine lange, graue Dorfstraße, flankiert von armseligen kleinen Häusern und Hütten mit Schindel- und Strohdächern, angesüllt von Alenschen aus allen Gegenden des Ostens, die zum großen Rabbi wallfahren. Im geräumigen Beshamidrasch rauscht das Leben von der Frühe bis in die Nacht hinein. Im Gegensätze zu allen Chasstdimschulen der Welt wird hier sehr früh und mit minutiöser Pünktlichkeit gebetet. Der Rest des Tages gehört im Beshamidrasch dem Lernen, im Privatkabinett des Rabbi ebenfalls dem Studium, dann aber den Cmpfängen und der sogenannten Klall-Arbejt. Denn der „Gerer" ist ein Führer nicht nur in religiösen, sondern auch in weltlichen Dingen, nicht allein der Cinzelnen, die zu Tausenden zu ihm um Rat und um den Segen kommen, sondern auch der religiösen Gemeinschaft in Polen. Cs ereignet sich nichts im öffentlichen thoratreuen Leben in Polen wie in der Welt ohne Einvernehmen und Mitarbeit des Gcrer Rebben. Dreimal hat er mit großem Geleite bereits das Heilige Land besucht, und jedes Mal geht aus feinem Besuche eine neue Welle der tätigen Liebe Zn Crez Israel aus. Cs entspricht der großen Liebe, die diesen Rabbi für sein Volk beseelt und der Tatkraft, die ihn auszeichnet, daß er vom ersten Tage an mit in den ersten Reihen der A g u b a s I i s r o e l - Weltorganisation steht. Die Bilder auf Seite 2 zeigen das gütige und bescheidene Gesicht des C h a s s i d i m r a b b i, sodann auch die Dorfstraße seiner Residenz in Gora K a lvaria. Rabbi Attba Eger. Gobelin-Bild im Besitze des Wolf-Museum in Eisenstadt. MM 0 "0^ k .KOKMKK Xv'C-S-“’ 4. 5. 6. Die R'l d r rane n i n Portugal stehen heute im Mittelpunkte des jüdischen Interesses. Sendboten sind zu ihnen hingelangt, um diese uns entfremdeten Brüder mit dem Kreuz in der Hand und der jüdischen Stimme im Blute, ins jüdische Heim zurückzuführen. Optimisten, an deren Spitze Rabbiner Dr. Chrenpreis in Stockholm, glauben fest und sicher an ein Gelingen dieser Heiinführungsaktion. Andere zweifeln. Csriel C a r l e b a ch , der dieser Tage ein schönes Buch über e r o t i s ch e I u d e n der Oefsentlichkeit gab, schildert seine Wahrnehmungen bei den Marranen in einem spannenden Kapitel. Cr glaubt nicht, daß es je gelingen werde, sie aus dem Dualismus, in den sie das Golus hineinversetzt, zu befreien, aus dem Wirrsal ihres Denkens und Tuns sie herauszuführen. Aus der Furchtsamkeit der Ahnen zur Zeit der Inquisition ist bei den Cnkeln, in Verbindung mit der katholischen Kirche, der sie seit vierhundert Jahren verfallen sind, und mit einigen Restbeständen im Blute, eine n e u e Religion, eine m a rr a n i s ch e Religion hervorgegangen, die aber mehr dem Katholizismus verhaftet ist als dem Judentum. Was sie noch zu uns treibt, ist der H a ß d e r U m w e l t in Spanien und Portugal, (ja sogar in Südamerika) die auch diese „katholischen Juden" über sich ergehen lassen müssen. Verfolgung allein genügt aber als Bindemittel nicht, zumal für Menschen, die der jüdischen Sphäre entbehren. Freilich liegt in dieser 'Auffassung der Dinge die wirksamste Widerlegung der z i o n i st i s ch e n Doktrin,. die die Stimme des Blutes und der Rasse über Religion und Gesetz stellt. Der Ruf des Blutes und der Raffe allein wird in Portugal so wenig wie anderswo die abgetrennten Glieder zum jüdischen Organismus wiederbringen, wo der lebendige Glaube und vor allem die b l u t v o l l e Tat fehlen! Trotz allem und allem haben die Marranen in ihrer gewaltigen Tragik unsere Sympathie, und an unserer Bruderhand soll es gewiß nicht fehlen, so sie guten und ernsten willens sind. Das eine Bild (Seite 2) führt uns den vielgenannten B a r - ros B a st o , einen General von jüdischer Abstammung, der der Führer der neu entfachten Marranenbewegung in Portugal ist, vor. Das folgende Bild (Seite 5) zeigt viclverheißend T a l m u d s ch ü l e r in eine r Rl a r r a n e n s ch u l e in Op o r t o. Daß sich die Marranen sonst in nichts von den anderen Teilen der portugiesischen Bevölkerung auszcichnen und sich in allen Berufen erfolgreich betätigen, davon zeugen die zwei Rl a r r a n e n - bauern aus R c b o r d c l o. 7. 6. T i b e r i a s , die h i m m l i s ch e Stadt am K in e r c t h sr eIn Schachnowitz'. „Zwischen Ruinen und Aufbau in Crez Israel" (Hermon Verlag und Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel) wird uns eine Schilderung dieser heiligen Stadt des alten Iischuw, dieses Stadt gewordenen Kapitels der Halacha und Kabbala geboten, die sich für alle Zeiten einprägt. Cs ist die Stadt des Rabbi Iochanan den Sakai, des Rabbi Akiba und Rabbi Meiir, des Rabbi Iehuda Hanassi, der Mischna und des Ieruschalmi. vor den Toren der Stadt ruhen auf dem alten Friedhof viele dieser alten Lehrer, und neben ihnen Rabbi M o s ch e be n Nl a i m o n (Rambam), der S ch e l o u.v.a. Cin 21 b e n d s p a z i e rg a n g a m T i b e r i a s s e e ist im genannten Büchlein besonders anschaulich geschildert. Die beiden folgenden Bilder könnten als Illustrationen ' zu jenem T i b e r i a s - K a p i t e l dienen. Cinen Blick auf das abendliche T i b e r i a s gewährt uns das eine Bild, während das andere vom Ufer des T i - beriassee aus unser Auge nach dem Grabdenkmal von M a i tu o n i d e s Icnft. Mohammed und die Zudenstaaken. Zum 1500. Todestag des Islam-Begründers. Von Dr. Hugo Spiegler in Wien. Am 6. Juni 652 starb Mohammed und anläßlich seines 1509. Todestages sei der heldenmütigen Kämpfe der Iudenstaaten in Arabien gedacht, denen der junge Islam unter Führung feines Begründers ein blutiges Cnde inachtc. Das persönliche verhalten Mohammeds zu den Juden zeigt eine charakteristische Parallelität mit dem Luthers. Beide Religionsstifter waren in ihrer I u -