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Der Israelit · 1932-10-13 · Heft 42-43 (13.10.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 42-43 (13.10.1932)
Date
1932-10-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Israelit Nr. 42/43 Seite 3 13. Oktober 1932_ I Uniform wäre doch vielleicht das Straßenbild in -ei: Städten und Dörfern Palästinas etwas weniger lieblich und gemütlich. -Zum Glück aber ist die „akute Gefahr" einer Unabhängigkeit für Palästina zur Zeit nicht gegeben. Abgesehen davon, daß die Palästinainteressen Englands ganz anders geartet sind, i als feine Interessen am Irak, wo es sich nur die Luftlinie nach Indien freihalten will, zwingt auch die Apolitische Lage England und die Mandatskommission des Völkerbundes, noch eine Zeitlang ihre schützende Hand über Palästina zu halten. Und wird diese später einmal weggezogen, dann — ja dann kann auch die Welt ein anderes Gesicht haben. Optimisten glauben, daß sich bis dahin die Beziehungen zwischen Juden und Arabern so gebessert haben, daß sie mit gemeinsamer Kraft die Selbstverwaltung übernehmen können, Zionisten erwarten von einer starken jüdischen Einwanderung, daß sie bis dahin das jüdische Element auch numerisch zu einem vollwertigen Gegenfaktor (Faktor der friedlichen Arbeit) anwach sen läßt, wir aber wollen hoffen, daß bis dahin unser tausendjähriger Wunsch siVV) nnntP so Tatsache geworden ist, daß wir Menschenmacht weder fürchten noch anrufen müssen. In Irak selbst, der Heimat des babylonischen Talmud und der gaonitischen Schulen, ist Anlaß zu irgend. welchen Sorgen bezüglich der jüdischen Bevölkerung nicht gegeben. Unter den zweieinhalb Millionen Moslims ist die Zahl der Juden so verschwindend gering, daß sie kaum mitzählen. Man hat auch G. s. D. von antijüdischen Hetzen und Unruhen im Lande nichts gehört. Die Kurdenaufstände haben das Land innerlich und äußerlich aufgewühlt, wenn nunmehr England den Irak für reif hält, als selbständiges Mitglied in die Völkerfamilie einzutreten, so wird es wohl Garantie dafür haben, daß Land und Volk des Irak aus den Uebergangsleiöen heil herausgekommen sind. In Bagdad, der Hauptstadt des Irak, gibt es eine größere Iüdengemeinde, deren vor kurzem verstorbener Präsident, Iecheskel S a s s o o n , zu den ersten führenden Männern des jungen Staates gehörte. Die Einhaltung bestimmter Minoritätsrechte scheint der Irak dem Völkerbunde gegenüber nicht übernommen zu haben. Das kann für das Recht der Juden in Bagdad und in den anderen Teilen von Irak und M o s s u l vielleicht sogar vom Vorteile sein. Sie werden als jüdische Irakbürger uneingeschränkt teilnehmen, an allen Pflichten und Aufgaben und ebenso uneingeschränkt teilhaben an allen aus der Selbständigkeit erwachsenden Rechten und Segnungen des Landes. Vielleicht ist die Hoffnung nicht zu gewagt, daß das gute Einvernehmen zwischen Juden und Arabern zum Wöhle des Staatsganzen im Irak ein gutes Beispiel auch für Palästina abgibt. Einkehr und Umkehr. „Misrachi ist ein treuer Sklave der zionistischen Organisation, mit dem Rufe: Ich liebe meinen Herrn, ich will nicht in die Freiheit . . . wenn man ihm das Ohr durchbohrt, so spürt er öas gar nicht mehr. Und weil er so ist, wird er von seinem Herrn, der zionistischen Organisation, demgemäß behandelt . . ." „wir wollen nicht die Wahrheit verleugnen: Sohr oft verhält sich Misrachi so, -daß sie aus 6cr linken Seite glauben, es sei ihm gar nicht ernst mit seinen Forderungen. Darum bleiben alle seine Proteste eine Stimme in der wüste. Misrachi wird vom zionistischen Hausherrn wie ein ungebetener Gast behandelt . . ." „Die Fonds sind längst zu Instrumenten der G'ttesleugnung und Religionszerstörung im heiligen Lande geworden, indem sie Kwuzoth schaffen von einem «religiösen Geiste, wie er in keinem Goluslande anzutreffen ist . . Diese und ähnliche Sätze sind nicht einem agudistischorthodoxen Blatte entnommen. Sie stehen in einem M i s r a ch i o r g a n e, ihr Verfasser ist einer der ersten Misrachiführer, nämlich Rabbiner A m i e I in Antwerpen. Und wir würden diese Klagen und Anklagen nicht wiedergeben, hegten wir nicht die aufrichtige Hoffnung, daß diese Einsicht und Erkenntnis, diese Einkehr doch eines Tages auch zur Umkehr führt und zu einer Versöhnung des gesetzestreuen Teiles, der bislang sich fast schicksalhaft an die zionistische Herrenklasse gebunden fühlte, mit den wahren Gesinnungsgenossen, zu denen er wirklich gehört. Denn Rabbi Amiel erkennt und bekennt weiter: „Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, daß die Teilnahme an der zionistischen Organisation zum wesensbestand des Misrachi gehört. Sein Wesen und seine Seele machen Thora und Erez Israel aus. Sein Anschluß an die zionistische Organisation ist nur ein Zufall, Folge eines Kongresses. Und Zufallserscheinungen sind nicht unwiderruflich. Geht es im Zionismus in diesem Tempo weiter, so wird bald für Misrachi kein Platz in seinen Reihen mehr sein. Cs kann nicht Aufgabe des Misrachi sein, die linke Front der Organisation auf Kosten der Religion zu stärken." Man kann nur wünschen, daß diese Selbstprüfung fortgesetzt und die Gedanken zu Ende gedacht werden. Am Ende solcher Gedankengänge steht — Agudas Iisroel! Für Körper un d Fiisse MKDIiMSN^ unseres G'ttes. Nur E'ttes Schabbos ist nvinpi nniw dv>~ nur seiner Ruhe hingegeben, erleben Jakobs Söhne den Jubel Abrahams und Jizchoks Frohlocken. Arbeite und ruhe, tue das Vernunftgemäße als Befehl deines G'ttes, nur so tust du es agnz und vollkommen. naivn W3P kennzeichnen die g'ttgewollte Freude. „Du sollst nur Freudenerfüllt sein", so lautet sein Gebot. Vernunftgemäße Erwägung lehrt uns wohl, daß ein froher Sinn das Schöne doppelt zu empfinden, das Schwere leichter zu ertragen weiß. Daß dem lachenden Auge die Welt immer hell erscheint, dem weinenden stets dunkel. Aber selten nur, vielleicht gar niemals, vermag der Mensch eine solche aus den . Tiefen seines Innern fließende Heiterkeit sich anzueignen, die unabhängig ist und bleibt von äußeren Lebensgütern. Fast immer bestimmen die von außen kommenden Dinge den Rhythmus feiner Seele, ihren Schwung und ihre Erlahmung. Die Vernunft, die den Menschen froh sein heißt, sie bestimmt wiederum die Voraussetzungen und die Grenzen seines Frohseinkönnens. Anders ist G'ttes Aufruf zur Freude: „diese Freude, zu der ich sprach, sei gepriesen", (Koheleth 2, 2) diese rma bv nn»w, die E'ttes Himmel auf die Erde zaubert, die Trägheit bannt und Trübsal verscheucht, die fern ist von allem Uebermut und gemachten Frohsinn, sie ist völlig unabhänig von den Dingen und Gütern der Welt, sie feiert am F e st der Hütte ihren höchsten Triumph und hat die bescheidene Anspruchslosigkeit der Hütte geradezu zur Voraussetzung. Sie wäre keine wahre G'ttesfreude, würde sie nicht auch die Sorgen überwinden. Denn das Kapital, von dem sie zehrt, heißt G'ttvertrauen. 3. An zwei Beispielen hat uns der Midrasch eine Lehre deutlich gemacht, deren einschneidenden Charakter für unser ganzes Leben er durch die Hinzufügung betont: prsi» mmn mxnn mm diese Lehre vonpn ml-vist Bereiterin einer großen Erkenntnis. orrn vrr ninsn nbv — „Verlasse d i ch nicht auf deine Vernunft" (Mischte 3, 5). Wisse, daß alles Wahre vernunftgemäß ist, nicht aber alles dir vernünftig Erscheinende auch wahr sein muß. Du lebst in der Ebene und darum ist dein Blickfeld begrenzt. „G'tt allein, der Unvergleichbare, der hoch thront, er schaut in die geheimsten Tiefen, im Himmel wie auf der Erde. Er, sein Wort allein, kann den armen Menschen aus seiner staubgeborenen Begrenzung, aus Schutt und Irrung zur Höhe tragen (Tehillim 113, 5—7). G'tt wiederum: „Du zeigst dem himmelstummenden Enausch — m vva rripi- Imin tr — seine ganze Winzigkeit, sprichst: seid wieder Söhne Adoms, der sich seiner Schuld, seiner Grenzen bewußt geworden" (Tehillim 90, 3). np’fl fcpjan nxi und wenn du die Früchte deiner Vernunft genießen willst, dann genieße sie, weil G'ttes Wort sie weihte. Deine Vernunft lehrt dich Arbeit und Ruhe, G'tt weiht sie dir in den smvn •>»•> nsns? --vn r Deine Vernunft lehrt dich die Freude, G'tt adelt und erhöht sie dir in den naivn nvav- Denn deine Vernunft umfängt nur diese Welt, E'ttes Wort führt dich durch beide Welten. Und darum naii» map» der Lohn des nvisi mix» ist gewiß: a’»’mnRm ae« p»^ — wahres Glück und ewiges Leben, wird so, nur so, dein Teil. Würden wir die Lehre des Rabbi Rachmoi recht beherzigen und allezeit von G'tt allein den Inhalt unserer Lebenstage bestimmen lassen, fürwahr, die höchste Vernunft wäre dann unser: nvan aal» R’aji snin p ivv» nwaV. Das Ende einer Illusion. Von Dir. Dr. 2N. Elias in Frankfurt a. 21t. III. Ein neuer Liberalismus. Die Ueberzeugung von der Ueberlebtheit und Unhaltbarkeit des Liberalismus ist heute allgemein. Es gehört heute nicht viel dazu, ihn abzulehnen, parteiivesen, Parlamentarismus und Kapitalismus werden ihm in die Schuhe geschoben und lassen ihn nicht populärer erscheinen. Aber die geistige Auseinandersetzung hat es mit dem inneren wesen und der idealen Wurzel und nicht nur mit den kompromittierten Ergebnissen zu tun. Eine solche geistige Auseinandersetzung versucht der „Morgen" in einer Reihe von Aufsätzen, die er im Lause der letzten Monate gebracht hat, und in denen er sich mit dem Wandel des Denkens und Gestaltens befaßt, der sich gerade in Bezug auf den Liberalismus vollzogen hat. Dieser Wandel offenbart sich besonders im Denken über drei Fragen, die ich aus der Fülle des Materials, das in jenen Aufsätzen zusammengetragen ist, herausgreifen möchte: worin liegt unsere Freiheit, unsere Einheit, unser Menschentum? Liberalismus heißt Freihcitsgeist. Rnd wenn man an die Anfänge dieses Ramens, an den geschichtlichen Ausgangspunkt seines Wirkens zurückgeht, erscheint ec zur Wahrung des Freiheitsinteresses schlechthin berufen und entschlossen. Gegenüber den spanischen Serviles, die nur knechtische Unterwerfung unter die zeitweiligen Inhaber der Macht kennen, betont er die freie willensbestimmung des Individuums, wie sie die Aufklärung gepredigt hatte, weit stärker aber und schneller als in der Politik wirkte die Freiheitsbewegung weltanschaulich. Gegenüber allen Bindungen historischer Gemeinschaften, überlieferter Formen, gesellschaftlicher Verpflichtungen und religiöser vormen besann sich der liberale Mensch auf seine Individualität, seine Vernunft, seine Willensfreiheit, um, gestützt auf sie, und auf die umstürzenden Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung, wirtschaftlicher Unternehmungen und organisatoriser Zusammenfassung in seiner Art sein: „Ich und außer mir niemand" zu sprechen. Die Welt- und Geistesgeschichte verdankt diesem Geiste den Aufstieg nicht nur des bürgerlichen Standes zu politischen Rechten, sie wird weit darüber hinaus zu verzeichnen haben, daß in diesem Jahrhundert Mcnschenwille und Menschengeist drei Jahrtausende über den Haufen gerannt haben. Mit Stolz wurde sich der Liberalismus dieser Leistung bewußt. Aber er wollte nicht sehen, daß neben der Freiheit zu stärkstem vollbringen die Freiheit zu grausamster Vernichtung einherging. was nicht mit dem verstände zu erfassen war, wurde geflissentlich übersehen, wenn nicht verhöhnt. (Königin Elisabeth und Jehuda Halevi). Anläßlich der Errichtung eines Denkmals der Königin Elisabeth von Habsburg in Budapest teilt Dr. Leopold Osztern dem „Pester Lloyd" mit: Bekanntlich war Heinrich Heine Lieblingsdichter der Königin. Im Garten ihres Schlosses Achilleion auf der Insel Korfu stellte sie dem Dichter das erste Denkmal... Kaiser Wilhelm II., der nach dem Tode der Königm das Schloß käuflich erwarb, ließ das Heine-Denkmal entsecnen, und heute hat es in Hamburg, im Privatbesitz, sein Domizil. Aus den „Hebräischen Melodien" des Dichters wurde Königin Elisabeth mit dem jüdischen Dichterkönig des Mittelalters Jehuda Halevi bekannt. Ties ergriffen von der religiösen Erhabenheit und der glühenden Sehnsucht nach dem Lande der Väter, die in den Gesängen Jehuda Halevis zum Ausdruck kommen, wollte die Königin eindringlicher über den jüdischen Sänger und sein Wirken belehrt werden. Von Mar Falk hatte sie erfahren, daß Professor David Kaufmann in Budapest eine treffliche Monographie über Jehuda Halevi verfaßt habe. Die Königin lud Kaufmann zu sich und bat ihn um ein Exemplar seiner Schrift, die sie mit innigem Dank entgegennahm und •- wie sie nachher Kaufmann versicherte — mit größter Aufmerksamkeit gelesen hat. Zigarren At% Wolf 2gjj Tel. Hansa 27930 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton <5- Schachnowitz, Frankfurt o. M>; Inserate i. B.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon ®. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M

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