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Der Israelit · 1932-10-13 · Heft 42-43 (13.10.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 42-43 (13.10.1932)
Date
1932-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 42/43 Der I s r a e schöne . ■.« allen Preislagen Ge“h8nlSÄjÄ Spezialhaus unosoHn Zeil 95 und Töngesgasse 25—27 2T(cnfdien und Brüdern in jenen Ländern der klassischen stabilen Iuöennot bringen? Es ist in der jüdischen Presse die Idee aufgetaucht, eine Art internationale jüdische Schicksals- oder N o t g e in e i n s ch a s t unter kräftiger Teilnahme Deutschlands zu gründen. Will dieser Plan nichts anderes, als jenseits aller Partcipolitik, freilich unter besonderer Berücksichtigung der gesteigerten Notlage des treu zu Gesetz und Sabbat haltenden Juden, dem jüdischen Bruderherzen den weg über alle Grenzschranken hinaus öffnen, so soll er in uns den wärmsten Verteidiger finden. Denn so gellend der Hilferuf aus nächster Ti ä h e zu uns dringt — es darf keine Ferne geben im Reiche der j ü d i s ch e n B rüde r l i e b e. Heme, im Zeitalter des Rundfunkes, da wir mittels einer kleinen technischen Vorrichtung, eines Stückchens Hartgummi, die verzweiflungsschreie aus den fernsten Ländern und dunkelsten Erdteilen mit eigenen Ohren hören können, schon ganz und gar nicht! Mit einem Stückchen Brot, das wir in Form eines kleinen Lebensmittelpaketcs den Brüdern in R u st l a n d reichen, können wir jüdische Menschen vor Hungcrschmach bewahren, mit wenigen Pfennigen, die wir für die S ch u l e n in Palästina erübrigen, können wir junge Menschenseelen, kostbare Zukunftssaat im Heiligen Lande retten. Wer wollte nicht um diesen billigen Preis sich das Recht auf Leben und Genuß, auf Fest und auf Freude erkaufen? Von der Festhüttc des armen Mannes erzählt die Legende, die, so klein, so düster, so eng und arm. auf einmal groß und weit und reich wurde, als der Bewohner zum Sternenhimmel hinauf sah, der in seine Hütte genau so leuchtete wie in das geräumige prachtzelt des reichen Nachbars. Dunkel und dunkler wird cs im Lebensraume, in dem wir uns bewegen. Aber oben ist alles noch so wie es war, wie früher und anderswo. Cs wölbt sich der alte Nachthimmel, es leuchten die alten Sterne, es lacht der alte Mond zu den Dachluken unserer Lebensukkoh hinein. Und in die Festfreude fällt, nicht schrill und störend, vielmehr harmonisch und dazugehörend, ein Hilferuf. Greifen wir den Ruf auf, und wir haben den Sinn, den unsere Zeit dem alten Feste gibt, erfaßt: an nsrwim xiswirn Wochenrundschau. And wieder Wahlen ... Lei den nach den Festtagen unserer harrenden Reichstagswahlen sehen wir den Kreis der Parteien, die auf unsere Stimme rechnen könnten, wieder verkleinert. Aus vielen Musterungen und Zuschriften ersehen wir, daß man in weiten jüdischen Schichten der Meinung ist, nach den Vorgängen der letzteren Zeit, nach den Koalitionsverhandlungen zwischen Zentrum und RSDAP., dürften die Zentrumskandidaten als Männer unserer Wahl nicht mehr in Frage kommen. Was uns angeht, so sind wir nach wie vor der Meinung, daß das Verhältnis des katholischen Deutschland zu den Juden, und somit unser Verhältnis zum Zentrum, von jenen Verhandlungen innerlich unberührt blieb. Wenn man sich erinnert, daß wir eine Unterstützung der Zentrumspartei unter der Voraussetzung und unter dem Gesichtspunkte empfahlen, daß die im Glauben und im Rechtsempfinden gefestigten Geister am besten dazu! berufen wären, die nationalistischen Wüteriche inr i Zaume zu halten, so war eigentlich jene Koalitionsverhandlung nichts anderes als eine Bestätigung jener Erwartung. Wenn man heute erst erfährt, was uns und Deutschland an jenem denkwürdigen 15. August bevorstand, („drei Tage Herrschaft der rohen Gewalt") so muß man es den erprobten Politikern und Parlamentariern des Zentrums hoch anrechncn, daß sic es nicht an Mühe sparten, dem drohenden Unheil rechtzeitig beschwörend in den Weg zu treten, vielleicht war die zur Mitarbeit ausgestreckte Hand zugleich eine abweh r ende Hand, die das Schlimmste zu verhindern suchte. Die deutsche Zentrumspartei verdient nach ihren bisherigen Traditionen und Gepflogenheiten eine solche Interpretation ihres Unterfangens. Dabei macht es wenig aus, daß Dr. Lausche r, ein Zentrumsinann, im Untersuchunsauss ch u ß d e s p c e u ß i s ch e n L a n d t a g e s in das nationalistische Geheul gegen die „Ueberwucherung des jüdischen Einflusses im Rundfunke" aus voller Kehle mit einstimmten. Denn erstens ist Lauscher nicht das Zentrum, wenn er auch dessen Stuhl im Ausschuß einnimmt. Dann aber legte Lauscher bei der Gelegenheit Wert darauf zu betonen, daß er sich von jedem Antisemitismus frei wisse und darum versuchte, einem direkten Ausschluß antrag die mildere Form eines positiven Verlangens nach mehr 13. Oktober 1932 „christlicher und deutscher Kultur" im Rundfunk zu geben. Das mag reichlich zweideutig klingen, immerhin: ausgesprochen antisemitisch kann und will auch dieser nach rechts tendierende Z e n t r u m s m a n n nicht fein! Nunmehr hat es eine höhere Wallung anders und besser gefügt. Wir sind an jenem 15. August durch das eisenfeste Verhalten Hindenburgs vor einem so schweren Verhängnis bewahrt worden, das; es beinahe gerechtfertigt erschiene, diesen Tag als einen Gedenktag der deutschen Iudenheit zu begehen. Die Folgen dieser Aufdeckung der nationalsozialistischen' Karten zeigen sich jetzt schon alle paar Tage durch starken Rückgang der nationalsozialistischen Stimmen bei kleinen Kommunalwahlen. Der 6. November wird, so hoffen wir, die, (Quittung des deutschen Volkes für die Hitler'sche Machtgier so unzweideutig auöstellen, daß für alle Zukunft eine Koalition von kirchlichen und staatserhaltenden Parteien mit der NSDAP. nicht mehr vonnöten fein wird. Bei all dem vergessen wir wieder nicht, daß unsere kaum 100 000 Stimmen keineswegs eine so große Rolle in der Wahlurne spielen, wie es oft Feinde und Freunde, und zuweilen wir selbst, uns einreden wollen. Wir sind in unsrer räumlichen Zersplitterung kein politischer Machtsaktor im Lande, können höchstens anderen Faktoren unsere schwache, selten entscheidende Hilfe angedeihen lassen. Diese Tatsache entbindet uns aber nicht von unserer Wahlpflicht. Dieses Mal müssen wir um so mehr wählen, als bei den bürgerlichen Parteien eine gewisse Wahlmüdigkeit zu erwarten ist, während die radikalen und radikalsten Gruppen, kraft ihrer Parteidisziplin, all ihre Mannen an die Arne marschieren lassen. Da kommt cs schon hie und da, zum Ausgleich und zur Verhinderung von uns' unerwünschten Triumphen, sehr auf unsere Mithilfe an. Der Irak selbständig und Mitglied des Völkerbundes. Die Selbständigmachung des arabischen Staates Irak und sein Eintritt als vollberechtigtes Mitglied in den Völkerbund läßt Palästina wie alle Freunde Palästinas in der Welt aufhorchen. Nicht etwa Neid und Eifersucht auf die Unabhängigkei. des arabischen Nachbarstaates. Eher schleicht sich die Sorge in vieler Herzen, was wohl geschehen würde, wenn auch p a l ä st iäi a — es wird nach der bevorstehenden Selbständigmachung Syriens noch allein unter dem Mandate Englands, stehen — über kurz oder lang das „Glück" der Unabhängigkeit zuteil werden sollte! Der Rechtschutz der jüdischen Bevölkerung in Palästina stützt sich heute noch gar zu sehr auf die englischen Bajonette. Man mag zur Mandatarmacht stehen wie immer, ohne die englische cm Vernunft und G'kkeswort! Nach einer Rede von Salomon Jacobson in Hamburg. (Zum Jahrzeitstage am 1. Sukkaus). Nachdem der Ramban in der ihm eigenen packenden Art in feiner bekannten Erklärung zu ]pn nibr? den Sinn der Gebote gedeutet und dabei die Methode des Rambam gegen scheinbar ihr widersprechende Bibel- und Midraschworte verteidigt hat, kommt er abschließend dennoch zu einem Ergebnis, das uns für die Erhaltung unseres Lebens von entscheidender Bedeutung werden möge. Er schließt seine Ausführungen: „Im Midrasch des Rabbi Nechunjo ben Hakono aber, an jener Stelle, die von dem tiefen Geheimnis spricht, das dem Gebot des jpn mbv zugrunde liegt, dort sagt Rabbi Rachmoi: warum heißt es: „schicke die Mutter weg" — warum nicht auch den Vater? „Schicke die Mutter weg" — dies ist ein Hinweis auf die Vernunft, die „Mutter der Welt" genannt wird, wie es heißt: Nenne die Vernunft Mutter (Mischle 2 3)! „Und die Kinder nimm dir: die Kinder, die sie hervorgebracht: das sind die sieben Tage des Sukkausfestcs und die Vorschriften über die sieben Tage der Woche. So deutet dies Gebot einen tiefen Gedanken an. Wer sich von ihm erfüllen läßt, gewinnt großen Lohn: „damit es dir gut geht und du lange lebst!" 1. Arbeit — so lehrt uns unsere Vernunft — ist nicht, wie man so zu sagen pflegt, ein notwendiges Uebel, sie bedeutet Segen und Glück! Müßiggang ist des Lasters Anfang, Arbeit überwindet es und führt zur Tugend. Nicht nur um unserer physischen Existenz willen müssen wir arbeiten, auch unser seelisches Wohl fordert, daß wir tätig sind, der Einzelne wie die Gesamtheit; regelmäßige Tätigkeit ist die Voraussetzung aller Wohlfahrt. Nicht allein, daß Arbeit nicht schändet, auch die geringste Arbeit, mit Eifer getan, erhöht und adelt. „Groß ist die Arbeit, sie ehrt den, welcher sie vollbringt (Ndorim 49b)." Das mechanische Tun, n"vy, die schöpferische Tat, der geweihte Dienst, rrras, geringeren oder höheren Lohnes, aber eines Lohnes ist jedes Tun gewiß. Das sogenannte „Glück" mag den Menschen in den Schoß fallen, Segen kann nur auf seiner Arbeit, ruhen. Aber so gewiß, wie die Vernunft den Menschen antreibt daß er tätig sei, ebenso lehrt sie ihn, daß er zu Zeiten ruhe. Anspannung und Entspannung ergänzen sich, indem sie einander ablösen. Und auch der Ruhe bedarf der Mensch nicht nur aus körperlicher Notwendigkeit, Geist und Seele würden. verdorren, bliebe der Körper immer und ohne Unterlaß in der Frohn der Arbeit gezwängt. Es gibt keine Arbeit, die ein ausgeruhter Körper nicht besser und lustvoller vollbrächte, keine Ruhe, die nicht aus vollbrachter Arbeit erst ihre Süße empfinge. „Süß ist der Schlaf des Arbeiters" (Koheleth 5, 11) nur verdiente Ruhe ist rechte Ruhe. In diesem Wechsel von Arbeit und Ruhe fließt ein vernunfterfülltes Menschenleben dahin. Und reicher noch ist der Segen der Arbeit, kräftigender noch die Wirkung der Ruhe, wenn der Mensch frohen Gemütes, heiteren Sinnes ist, wenn rechte Heiterkeit ihm eigen ist. Wenn der Mensch das Leben froh bejaht. „Freue dich Jüngling in deiner Jugend"! „Halte fern Erregung deines Herzen." (Koheleth 9, 9. 10). „Wer sich am Lebensmorgen schon ganz von G'tteshuld gesättigt weiß, dem bleiben alle seine Tage Jubel und Freude" (Psalm 90,14).? 2. 8 Zu einem Leben der Arbeit und der Ruhe, zu.einem heiterfrohen Leben ruft die Vernunft uns auf! Und dennoch: orrn nrr nbvn nbv — schick fort die Vernunft und .empfange das, was sie unvollkommen dich lehrt, vollkommen und vollendet als Geschenk denes Gottes: •*]V npn n’33n nrri Die Vernunft, sie lehrt uns Arbeit und Ruhe, E ' t t schenkt UNS V12VN nyav — Die Vernunft ruft zur Freude auf, G' t t schenkt uns naivn w nyiv r — — yovn ■>»•>. nymy »jn — Arbeit und Ruhe, wie Gllt sie gebietet, sind mehr als Anspannung und Entlastung, mehr als das, was unsere erkennende Vernunft und unser soziales Gewissen uns weisen könnten, sie umfassen unser z Leben nicht nur in seiner Breite, sie geben ihm Tiefe und Höhe, Von G '11 befohlene Arbeit ist Gt'tesdienst: Tiayn v'v' rwv, auch unser mechanisches Tun trägt den Stempel der Ganzheit und Vollendung, wenn die g' t t - befohlene Ruhe das Ziel ist: nvai •jrmVn i-a n’S7jn 1'pi>rr 'nb mv 'yarm- Menschliche Vernunft schuf die „Sonntagruhe", aus Gllt aber fließt dier>aDnnv2,die Ruhe, Genuß und Heiligung zugleich ist. 8 Unsere Vernunft mag die Stunden der Ruhe und 8 Erholung noch so nutzreich zu verwenden wissen^ — natw 8 mnv die Bereicherung der Seele, »an oiny py», das Ahnen K der Jenseitigkeit — dies bringt uns allein der Ruhetag 8 uü NU Ir all vo F sei frr S< Ar du de fli un sti sei V wi F' zu NN 2: al ur fei hc zu w K dc

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