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Der Israelit · 1932-10-13 · Heft 42-43 (13.10.1932) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 42-43 (13.10.1932)
Date
1932-10-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. M., den 13. Oktober 1932 Nr. 42/43 13. Tischri 5692 Ein Centralorgan für du orthodoxe Judentum Begründer von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Stretfband-Bersandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 28 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 8. Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugo» slavien 88 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 130 Lei; Polen 4 deutsche Gold« mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tfchecho-Slowakei 23 Kronen; Ungarn Pengo 3 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.30 Krön.; Norwegen 3.80 Krön.; Schweden 3.80 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige.' Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Goldpf. für die fiebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 78 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Mk.. vorletzte Textseite 260 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt »ach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« Berlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M, Rechnetarabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch fämtl. Annoncen-Exved. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Frankf. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendftratze 83 Tel. 48866. Platzoorfchr. ohne Berbindltchk. an: Postsparkasse Wien Nr.79603. — Postsparkassen«mt Budapest Nr. 18424.—Postscheckkonto — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Inseraten flch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat November Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg, Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. xi n^nm xwin Ern Huf -er Zeit. Die Segensfülle unserer Feste in ihrer Vielgestaltigkeit, nach Zeit, Geschlecht und Aufnahmefähigkeit des Einzelnen, veranschaulicht ein bekannter Erklärer des vorigen Jahrhunderts am Bilde eines S p r i n g b r u n n e n 8.. Cs ist stets die gleiche (Quelle, das gleiche Wasser, aus dem gleichen Erdreich entsprungen. Aber geleitet wird das Wasser mittels der Röhren dahin unddorthin, wo gerade Feld und Garten der Bewässerung am meisten bedürfen. Wer da glaubt, die jüdischen Feste hätten sich g e - wandelt und im Wechsel der Jahre, weitab von Ursprung und Urbestimmung, neuen Charakter, neue Sinngebung erhalten, der kennt Ursprung und wahren Charakter unserer Feste nicht. Der sieht nur, wie sich die Wasserstrahlen aus den dürren Boden ergießen, einmal da, einmal dort, und kennt nicht die ewig gleiche (Quelle im Erdinnern, aus der das labende und befruchtende Haß kommt. Gewiß hatte der Iomkippur im Tempel zu Jerusalem ein anderes Gesicht als heute in der Synagoge der Diaspora. In der Zeit der Hlischna konnte er die Hlenschen, im frohen Bewußtsein der bewirkten Sühne, zur freudigen Ekstase, bis zum „Tanze der Jungfrauen in den Weinbergen" antreiben. Das Wittelalter mit seinen unsäglichen Leiden und Schikkungen baute indes die wehmutsvollen Sli - ch o t h in die im Grunde jubelfrohe Iomkippur- Liturgic hinein, an denen wir heute noch festhalten. Liegt darin ein Widerspruch? keineswegs. Iomkippur ist geblieben, was er immer war: Linker und Rettungsseil, nicht allein Ringen um die Sühne, sondern das Wissen u m d i e S ü h n e und Vergebung, die Heugeburt der Seele. Aber nran sagte sich in den Stunden des großen Wehes: Jetzt haben wir Ihn, Cr ist uns und wir Ihm so nahe, so nutzen wir den Augenblick und schütten Ihm unser ganzes vollbeladenes Herz aus, klammern ' uns an Ihn, der da „thront auf dem Throne des Erbarmens" und weinen es hinaus, was uns bedrückt, gefährdet, was uns erzittern läßt um unser Sein, unsere unschuldigen Kinder. „Unser Vater unser König! ..." Alles, alles soll ausgesprochen werden, da er uns so greifbar nahe ist. mann 'n ltrn* So wuchsen die Slichaus in den Iomkippur hinein. Und sie ergeben gar keine Disharmonie zu den starken Akkorden der Welthoffnung im „stillen Gebete", zu der sehnsuchtsvoll zuversichtlichen Schilderung des Dienstes des Hohen Priesters, zu den weltfrohen Lobhymnen der pijutim. Ja, ein helles Singen begleitet sogar das laute Sündcnbekenntnis des Juden am heiligen Tage. In der Gewißheit der Vergebung geht das Schluchzen der Seele in Gesang über. Anruf ist schon Erhörung, und Erhörung Erfüllung. Mag die graue Hot des Golus Iomkippurs befruchtende Wasserstrahlen dahin oder dorthin auf die schwarzen Gefilde unseres Lebens geleitet haben, sein Urcharakter blieb: Ringen um Sühne, und — das freudige Bewußtsein erwirkter Sühne. * * Hoch wirksamer finden sich in den S u k k aus - tagen Freudigkeit und bange Sorge zu einer Harmonie. Ein Fest des vertraue n s, ein Fest der F r c u b c, und mitten aus Vertrauen und Freude schreit ein Hilferuf auf: K3 nv'wini KOTin» Ein Hilferuf, ein Hotsignal aus unter der Segenslast brechenden Scheunen und Tennen. Aus dem G'tteshaus, wo Hallellied erklingt, von reich gedeckter Festtafel her, aus Kellern und Keltern, in denen der junge Wein gärt und der (Qlive fetter Saft die Fässer füllt, unter Bewegungen des Zweiges, der des reichen Crntesegens schönes Symbol ist, schreit es: Hilfe! Knrttnn! Roch rattern die Hlafchinen und rauscht die Hlusik und lacht der Himmel und leuchtet die See und schaukelt das Schifflein in ruhiger Fahrt, getrieben von gutem Winde, getragen von sanften Wellen. Und mitten aus Sang und Sicherheit heraus ein gellender S. (Q. S.-Ruf: Schiff in Hot! Hilfe! ruvMN! Zur Sicherung der Segensfülle, deren wir uns erfreuen, bedurfte und bedarf es des Wassers, des Zusammenwirkens von Regen und Tau, von Wind und Sonne — und menschlichem Fleiße. Wer gewährleistet Regen und Wachstum im kommenden Jahre? Wer weiß, ob nicht indes wir uns hier des Ueberflusses freuen, anderorts Land und Hlensch lechzen und schmachten, warten und weinen, nach Regen und Brot?! Darum: ro nsr»«nm Nuswini Wollen wir dieses Jahr aus dem Gegensquell des Sukkausfestes das schöpfen, was uns am dringendsten nottut, und die Wasserspende so verwerten, wie sie uns die Stunde gebietet, so werden wir aus der Symphonie der Festklänge am ehesten jenen Kjyun.T Ruf aufgreifen und in den konimcnden Alltag hinaustragen müssen . . . Hilfe, o G'tt, denn groß ist deiner Kinder Hot! Wollten wir zum Jahreswechsel Bilanz machen und das Fazit ziehen, es würde mit jenem Hilferuf schließen. Volk in Hot! Wohin wir auch schauen, von überall her dringt zu uns der Ruf: nrmTi idsrunn- In Sowjetrußland sind Hlillionen Juden der körperlichen und seelischen Vernichtung ansgesetzt. In Karpathornßland hungern Zehntausende. In Polens Hauptstadt haben 26 000 jüdische Familien, das sind ungefähr 120 000 Hlenschen, öffentliche Unterstützung für die Feiertage in Anspruch nehmen müssen. In Amerika hält die wirtschaftliche Krise an und hat, in Verbindung mit der Krisenlage in Europa, zur Folge, daß auch in I e r u s a l e m und im Heiligen Lande die Hot der Hlenschen und Institutionen immer mehr um sich greift. Deutschlands Juden, von jeher in der vordersten Reihe der Gebenden, sind heute G e g e n st a n d der Angst u n d Sorge in der ganzen Welt, wo sich Juden mit ihren Brüdern auf dem Erdenrund verbunden fühlen. Soll uns dieses traurige Fazit die Freude am Feste nehmen? Hein! Die Freude ist gerechtfertigt und auch gegeben, wenn sic i m Erfr e u e n begründet; wenn, um in unserem Bilde zu bleiben, die Heilsquclle des Freudenfestes dahin geleitet wird, wo es ihrer am meisten bedarf; wenn in die Freude, nicht diese trübend, sondern fundierend, hincinklingt der Ruf: uuyunn Hilfe erheischen wir von G'tt, und wir machen uns seiner Hilfe würdig, ja, leiten sie magnetisch auf uns herab durch die Hilfe, die w i r leisten. Aus uns strömt der Wille zur Hilfe aus, der die höheren g'ttlichen Pforten der Hilfe für Welt und Hlenschen, für uns selbst, erschließt N3 nivwin INI '28- Ein Hotwinter steht vor der Türe, wie wir ihn auch in diesen Jahren der Hot wohl noch nicht erlebt haben. Was wird er uns und dem Hachbar, und den

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