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Der Israelit · 1932-10-06 · Heft 41 (6.10.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 41 (6.10.1932)
Date
1932-10-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 41 Seite 5 6. Oktober 1932 öe i s t i i t c feine Herrenhute bekannte Harken Fabrikate/-^ Zeitgemäße Preise / V den Verfalls der Machtgruppen Her Menschheitsgeschichte werden, wir erleben den geheimnisvollen Zauber der stetigen Erneuerung des Glaubens an die Kraft der Seele und des Seelischen, wir sehen den Fimmel offen, wir sehen Jerusalem Wiedererstehen ins alten Glanz-unsterblicher Jugend, wir pflücken -ahnend reife Blüte des Galutb. Die Zeit rief nach einem solchen Mort, nach einer solch .befreienden Tat. Und das Mort kam, die Tat wurde. Das ist die Bedeutung dieses Buches. n. „Nur der ist dem Rauschen der g'ttlichen Quelle wirklich nahegekommen, dessen Schau auch der nachherigen Prüfung und Fragestellung des Verstandes standhält." Mit diesen Morten, die den Ckstaten vom Propheten, den Wortemacher vom Gedankenkünder scheiden sollen, hat Tarlebach (S. 11) selber die Forderungen formuliert, die an ein heutiges bibelwissenschaftliches Merk zu stellen sind und die er selber aufs Glücklichste in seinen nun gedruckt vorliegenden Vorträgen über die großen Propheten erfüllt. Die Linleitungswissenschaft ist heute sonst ein undankbares Unternehmen für unseren Kreis. Geht sie die Argumente der Gegner einzeln zerpflückend durch, so ist sie für den Leser zu öde; weiß sie in ihrer Darstellung fortzureißen, so erregt sie Mißtrauen, oft mit Recht, — oder klingt „zu hoch", Hier aber finden wir Nachprüfbarkeit der Argumente, fortreißenden Redeschwung und Gemeinverständlichkeit stetig und glücklich vereinigt. Diese Nachwirkung der Vorträge läßt sich ja erst am gelesenen Morte voll ermessen. Selbst in den Cingangspartieen, die ganz der Offenbarungstheorie im Allgemeinen gewidmet sind, wissen wir oft nicht, ob wir theoretische Klärung von Grundbegriffen oder Mahn- und Trostreden an die Gegenwart vor uns haben. Und das ist allemal ein gutes'Zeichen, ein Kennzeichen dafür, daß das Vorgebrgchte „ergreifbar" und „realisierbar" ist, wie es der.Verfasser (5) selbst vom Prophetenworte verlangt. -In dieser Atmosphäre weltzugewandter G'ttschau, die das ganze Merk durchweht, in dieser Oberherrschaft des Ethisch-Wertvollen über Wahrheit und Schönheit wird es auch begreiflich und überzeugend, wenn der Verfasser die Legitimation des Prophetentums vornehmlich in der „rücksichtslosen Wahrhaftigkeit" der Prophetenreden gegen die Mächtigen ihrer Zeit sieht (4); — eine Legitimation, die man, wenn minder durch das Praktisch-Ethische fortreißend vor-, gebracht, für einen Anklang an den ontologischen. G'ttesbeweis („muß existieren, weil Nichtexistenz eine Unvollkommenheit wäre") gehalten hätte. Auch gegen die literarkritischen Cinwänöe arbeitet C. mit derselben elementaren Wucht des Ethischen wie gegen die religionspsychologischen. Und wie gewiß der Gegner nur an belanglosen Einzelheiten eine Polemik knüpfen könnte, so kann auch der gleichgesinnte Leser wohl stellenweise eine Härte oder einen Irrtum, aber nirgends ein anznfechtenöes Prinzip wahrnehmen. In einer Zeit des §aero egoismo in Rechtsleben und Völkerleben, in einer Zeit, welche bei aller nationalen Beschränktheit gern grade dem Juden der Vorzeit eine nationalbeschränkte Religion anöichten möchte, der erst das Prophetenwort Mette gegeben hätte, ist es eine gar nicht genug schätzbare Tat, mit solcher Unbeircbarkeit den idealen Glauben des Propheten an sein Volk (26) zu betonen. Der viclgeschmähte Glaube an den persönlichen, dem König und Sänger David entstammenden Messias wird hier (26 und 34) zum Liede der Meltenharmonie, das der wirklichkeitsnahe jüdische Prophet nicht nur den Sphären der Gestirne, sondern vor Allem dem Getriebe des Men- Ichengeschickes ablauscht, — eine ethische Grundlehre. Bei äußerster Kühnheit noch wirken Earlebachs Vergleiche verdeutlichend: 54 der Vergleich des Versagens Ehiskias als Messias mit dem Wilsons 1918 und der vergleich der Thora-Auffindung unter Iosia mit der Nibelungenlied-Neuentdeckung (48). Sowohl die bei Jesaja nötige Abwehr des christologischen Mißbrauchs seiner Worte als die bei Iirmia unvermeidliche Abwehr des gesetzfeindlichen Mißbrauchs seiner Reden geschieht' völlig unprovozierend, gleichsam durch die richtige Anwendung des Gesagten selber, — wenngleich zu Iirmias Sabbatkapitel selbstredend im Einzelnen (66) Stellung genommen wird. Doch selbst hier siegt der Grundgedanke über die Einzelheit, die Wahrheit über die Philologie, der gesunde Verstand über den „Nachweis". — Die trefflichen Worte über Iirmia ibö. hätten wir gern schon in verstärkter Form zum Anfangskapitel des Jesaja gelesen. Daß Iirmias gesellschaftskritische Heftigkeit mit seiner fremden Abstammung in Verbindung gebracht wurde, erklärt E. als eine schmerzvolle „Ironie" des Midrasch (68), der damit solche, wenngleich g'ttgewollte, destruktive Arbeit für ursprünglich nicht jüdische Eigenart ausgibt. Aber Iirmijas Berufung ist es eben (1, 10), das Einreißen zum höheren Zwecke des Aufbaus. Wenn dennoch der Midrasch Iirmias entfernte Herkunft von einer proselytin erwähnt, so sehen wir darin den von Earlebachs selber ja oft genug betonten Gedanken verkörpert: Der reine Rassen- oder Nationalitätsstandpunkt hat überall vor dem der Verpflichtungsgemeinschaft Israels zurückzutreten, in der Alle füreinander verantwortlich sind. Nur durch Selbstlektüre kann man es miterleben und referierend auch nicht im Entferntesten schildern, bis zu welchem Grade fortreißend E. besonders an Iirmia (im Gegensatz zu römischen Heroen) die dem Juden unverbrüchliche Heiligkeit des Eides und der Treue demonstriert. „Nichtswürdig ist ihm die Nation, die (in den Tagen des eidbrüchigen Ziökia) nicht ihr Alles setzt an ihre Moral. — Das aber muß der Mann verkünden, dem sein König der Lebensatem, der Gesalbte G'ttes ist (61)." Im Ueberblick der Prophetieen Iecheskels geleitet uns E. gleichsam in unsere Galuthheimat und entläßt uns aus dem Zauber seines Schaffens nicht ohne ein gewisses Empfinden, von der Einheit jüdischen Priester- und Prophetentums, jüdischer Gesetzes- und Gnadenlchre, jüdischer Gesetzes- und Völkerprophetie. An Icchcskcl, der über Tyrus weint und den Tempeldienst im Einzelnen anordnet, zerschellt das Gerede von der nationalbeschränkten G'ttesausfassung der Gefetzeslehrer. — Ein Wagnis ist Earlebachs in öffentlicher Vorlesung (im Universitätssäal) vorgebrachte Merkaba-Ausdeutung, — ein Wagnis, aber ein ganz überwältigend gelungenes. Hält er sich doch durchaus an die im Talmud verstreuten exoterischen Erklärungen, die für Jedermann bestimmt, z. T. jedem Kundigen geläufig sind und errichtet aus ihnen einen Weltenbau, in welchem mit Iecheskels Worten G'tt zum Herrn alles Wahrhaft-Menschlichen und Edlen erhoben wird. — In Iecheskel lernt man hier den Mann kennen, der die dem Iirmia versagte Fernwirkung auf die Galuthgemeinöe vollbringt. Auch das Gchlußkapitel,.das gegen den Deuterojesaja-Gedanken zu polemisieren bestimmt ist, atmet ganz den kampflos'überzeugenden Geist des Ganzen. Hier hätte allerdings ein Hinweis auf frühere grundlegende Arbeiten zu diesem Thema, — etwa Guggenheimer im Ieschurun 1861/3 — nur von Nutzen sein können. Und da es nach der Lektüre Earlebach'scher Vorträge und Studien immer schon nicht anders war, als daß man sich nach noch mehr davon sehnte, so darf man diese Rezension wohl mit dem Wunsche schließen, daß der Band über die symbolischen und gesetzlichen Partieen Iecheskels und von da aus der ganzen Bibel aus Earlebachs Hand bald Nachfolgen möge. Daß wir hier oft sekundäre (Ialkut) statt früherer Traditionsqüellen benannt und auch öfters allgemein-jüdische als orthodoxe Erklärer als Quellen für heutige Gedanken benannt finden, — ebenso daß die Prophetennamen und andere hebräische (vereinzelt, so S. 16 sogar griechische) Worte weniger konsequent als nach dem Prinzip der Ueblichkeit transkribiert sind, erklärt sich wohl gleichfalls daraus, daß diese Schrift für die weitesten Kreise bestimmt ist, so viel sie auch selbst dem Fachkundigen in allen ihren Teilen zu bieten hat. Korrespondenzen »schlichte«. Käisersiräsje27 Deutsches Reich. Sin Aufruf der Machsike Hadaß. Berlin, 30. Sept. Die Bereinigung zur Förderung des gesetzestreuen Judentums Machsike Hadaß erläßt den folgenden Aufruf: „Die Vereinigung zur Förderung des gesetzestreuen Judentums Machsike Hadaß hat das Ziel, die religiösen Interessen des überlieferten Judentums wirksam zu fördern durch Zusammenschluß aller, die gewillt sind, das überlieferte Judentum tatkräftig zu unterstützen. Sie erstrebt insbesondere, den K'hilloh-Geist im Sinne der religiösen Tradition zu beleben, die Stätten zur Pflege der Thorakenntnis und der religiösen Tat zu erhalten und auszubauen, die Jugend im Geiste des gesetzestreuen Judentums zu sammeln und heranzubilüen. Die Vereinigung ist eine religiöse ohne politisch« Tendenz.' * Beitrittserklärungen bitten wir an die Adresse des Herrn Dr. Hermann Galewski, Charlottenburg, Bismarckstraße 105, zu richten. Vorstand und Anschuß der Vereinigung zur Förderung des gesetzestreuen Judentums Machsike Hadaß. Reine jüdischen Gemeindewahlen in Breslau. B r e s l a u , 29. Sept. Die Zusammensetzung der jetzigen Gemeindevertretung in Beslau beruht auf der Einheitsliste, die ittv Jahre 1930 auf Grund einer Verständigung zwischen Liberalen, Konservativen, Volkspartei, Wirtschaftspartei, Mittelpartei und Ostjuden eingereicht worden ist. Die so gewählte Gemeindevertretung hat nach den gesetzlichen Bestimmungen bis Ende 1935 zu amtieren. Es wurde aber vereinbart, daß sämtliche Gemeindevertreter nach einem Jahr ihr Amt niederlegen sollten, damit bei Rückkehr einigermaßen normaler politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse die Wähler alsbald wieder zu Worte kommen sollten. 1931 waren diese Voraussetzungen nicht gegeben: das Kompromiß wurde daher ohne sachliche Aenderungen auf ein Jahr verlängert. Von vornherein bestand die stillschweigende Voraussetzung, daß sich die Verlängerung des Kompromisses im Jahre 1932 um ein weiteres Jahr vollziehen werde. Aber nun trat zu den Parteien, die 1930 das Wahlabkommen geschlossen haben, eine weitere hinzu: die Jüdische Arbeiterpartei. Sie umfaßt Männer und Frauen vor allem auch aus denjenigen Kreisen, die durch die Wirtschaftskrise aus ihrem Beruf als Kaufleute, Handwerker, Angestellte, Hand- und Kopfarbeiter herausgeschleudert oder in ihnen brotlos geworden sind. Die Partei tritt vor allem mit wirtschaftlichen Forderungen an die Gemeinde heran und wünscht auch eine Vertretung in den Gemeindekörperschaften. Thüringische Regierung beschließt Schächtverbot. Weimar, 3. Okt. Die thüringische Regierung hat einem Gesetzentwurf über den Tierschutz z u g-e stimmt, wonach das betäubungslose Schlachten von Tieren, das „Schächten", in Thüringen verboten wird. Für das Wirtschaftsministerium ist die Befugnis vorgesehen, alle ihm geeignet erscheinenden Maßnahmen „zur Verhütung von Mißhandlung und Quälerei von Tieren" zu erlassen. Sühne für die judenfeindlichen Exzesse in Neidenburg. Königsberg i. Pr., 28. Sept. Die organisierten nationalsozialistischen Ausschreitungen gegen Juden in Neidenburg fanden nunmehr ihre gerichtliche Sühne. Die angeklagten Nationalsozialisten wurden sämtlich zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie erhielten von 6 bis 3 Monaten Gefängnis. Sämtliche Verurteilte mit Ausnahme von Böhm wurden sofort verhaftet und der Strafvollstreckung zugeführt.

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