Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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a Kosbi Salonae. Eine Erzählung aus biblischer Urzeit. Von Sanon. (Schluß.) XI. Und also geschah es. Alle Kriegsvorbereitungen wurden jäh unterbrochen. Da auch seitens der Cpriu keinerlei feindliche Haltung gegen Rloab eingenommen wurde, wiegte man sich in den Traum der Segnungen eines glücklichen Friedens. Allmählich ließ Kosbi in das Volk den Glauben durchstckern, daß die Rettung der Gunst des Baal peor zu verdanken sei. Seine Anbetung wuchs ins Unermeßliche und Kosbi Salonae ließ sich zur Führerin der Baal- Peor-Rlädchcn wählen. Im Lager Israels war manche fremdbürtige Gruppe, die nicht wußte, daß Rlose auf höheren Befehl sich jedes Cinfalls ins Rloabland enthielt, ja nicht einmal das Ansinnen eines freien Durchzuges stellte. Dieses Fremdvolk lagerte in der Uähe des Stammes Simon. In diese Lagerecke drang zuerst die Kunde von der Rettung Rloabs durch den gewaltigen Baal peor. Rlan wurde neugierig und allmählich entwickelte sich ein freundschaftlicher Verkehr zwischen den im Stillen wirkenden Sendboten Kosbis und diesen Fremden, der allmählich auch auf den Stamm Simon Übergriff. Hin und wieder wohl statteten junge Rlänner dieses Stammes den Gefilden Rloabs einen Besuch ab. Da kam eines Tages Botschaft von Bil-Am. „Kosbi Salonae, Tochter des Zur, Königin Rloabs, ich habe Dein Horoskop gestellt. Deine Zeit ist gekommen. Dein Geschick erfüllt sich. Habe den Rlut Deiner Schönheit." Run berief die bereits alternde Kosbi alle Toilettenkünstlerinnen Rloabs. „Schmücket mich und meinen Körper. Ich will schön erscheinen im Reigen der Rlädchen des Baal peor. wir wollen feine Sieghaftigkeit der ganzen Welt verkünden." > Da Hub ein Schmücken und Schminken, ein Färben und Rähen an, bis sie eines Tages vor Balak ttClt. . -v-rSV y- 'V. „Rloabs König! Was Dü' inir einst verheißen, Du hast es nicht. erfüllt. Rache hast' Du mir versprochen an den Cpriu. Aber Du und Deine Krieger, ihr seid feige. Ich werde selbst meinen eigenen weg gehen." s’\ ... i,Kösbi Salonae,,was. planst Du? Und ist dies ein Aufzug,' der einer Königin würdig ist, dessen sogar ein^Baal-peor-Rlädchen sich vielleicht schämen würde." „Ja, Balak, sage es noch einmal. Bin ich schön, bin ich nicht bestrickend schön? werde ich nicht die Rlänner zu meinen Füßen zwingen. Sage es, Balak, sage es nochmals." „Ja, Kosbi Salonae, Du bist schön, wie die Sin im vollen Glänze." „So höre, Balak, ich löse mich von Dir. Ich gehe, Dich und mich und Bil-Am zu rächen. Wenn das Schwert verrostet, muß das Auge blitzen. Küsse nochmals die priesterin des Baal peor. Ein ganz neues Bild habe ich hier. Du, Bil-Ams Schüler, küsse, küsse den Baal peor." Draußen erhob sich gellende, lärmende Riusik. „Ich muß eilen, die Rlädchen des Baal peor; meine Truppe wartet." Bald hatte der tobende Zug das Lager des Cpriu erreicht. Auf einen vorher verabredeten Trompetenstoß tanzten sie in gemessenem Schritte durch ein schmales Seitenpförtchen in das Lager. Cin Verschwisterungsmahl zwischen Rloab und Israel sollte es werden, so hatte man tags vorher verbreitet. Still' und''bescheiden begannen Rloabs Scharen ein Opfer zu bereiten unter eintönig murmelnden: Gesang der Baal-Peor-Riädchen, die im langen Gewände und das Haar züchtig verhüllt, erschienen waren. Gebete flüsternd senkten sie das Auge zur Cröe. Dann begab man sich zum Riahle. Tymbeln und Posaunen begleiteten es. Schon mischten sich neugierig einige Jünglinge des Fremdvolkes und des Stammes Simon, hin und wieder auch ein wann von den anderen Stämmen neugierig in die moabitische Wenge. „Setze Dich zu mir," flüsterte es aus den Reihen der Baal-Peor-Rläöchen, „setze Dich zu mir, sind nicht Rloabs und Jakobs Cnkel Brüder?" Und ruan begann am Riahle teilzunehmen. Auf feurigem Roß hatte Kosbi tiefverschleiert dem Treiben zugesehen. Plötzlich riß sie sich den Schleier vom Antlitz und raste auf die Schmausenden zu. „Ist das Sitte der Rläöchen von Baal peor?" Und sie riß ihnen die Hülle vom Haar, das wallend flatterte und sie riß ihnen das lange Gewand vom Körper, so daß sie in der leichten Gewandung der Baal-Peor-Rlädchen erschienen. Da erhoben sie sich wie auf einen Wink, rissen die jungen Leute an sich und begannen einen wirbelnden, rasenden Tanz. Wenn diese mit bittender Werbung sich zu ihnen neigten, zogen sie plötzlich ein Baal-Peor-Bild aus ihrem Gewand und baten mit rührendem Augenaufschlag: „Küsse, küsse den Baal peor, daß er uns günstig sei." Kosbi aber ritt wie rasend durchs Lager. Ueberirdisch schön erschien sie. Die Schabracke ihres Pferdes war reich bestickt in Gold und Silber mit den Cmblemen des Baal peor. In der Hand schwang sie ein Bild dieses Götzen und rief unaufhörlich: „Küsset, küsset den Baal peor!" So ritt sie von Gruppe zu Gruppe und eine wüste Orgie begann. Kosbi raste mit gellendem Lachen umher. Da fiel ihr eine starke Hand in die Zügel. „Wer bist Du?" „Ich bin Simri, der Fürst des Stammes Simon. Ich frage nicht, wer Du bist, Du schöne Zauberin. Komm' in mein Zelt und werde mein Weib. Ich bin Dein Sklave." Lange blickte ihm Kosbi ins Auge. Dann plötzlich rief sie, vom Pferde gleitend: „Ich bin Dein, küsse, küsse den Baal peor." . . In diesem Augenblick erschien, ein feierlicher Zng. Rlose kam mit den Vertretern des ganzen Volkes, darunter auch Pi-Rechas. '' Da riß sich Kosbi von Simri los und durchbrach die Reihen. Sie stürzte auf Pi-Rechas los und;rief, das Baal-Peor-Bild schwingend, ihrer selbst nicht bewußt: - : „Du Süßer, Du Heiliger, küsse, küsse den Baalpeor." Aber schon hatte Simri sie an sich gerissen, und willenlos, hastig atmend in Befriedigung ihrer Rache, hing sie an seinen Armen. Da trat Simri vor Rlose und rief höhnisch: „Rlose, Sohn Amrams, ich tue gleich Dir, ich freie ein Weib aus Rliöjans Blut." Und verschwand mit Kosbi in seinem Zelte. Pi-Rechas aber, mit klarem Blick die furchtbaren Folgen dieses Augenblicks erschauend, entriß dem nächststehenden Krieger einen Speer und schleuderte ihn so gewaltig, daß er die Leinwand zerriß und drinnen Simri und Kosbi durchbohrte. So erfüllte, sich das Schicksal Kosbi-SalonaeS, der Tocher des Zur. XU. „Cs sandte sie aber Rlose ins Feld, je taufend aus jedem Stamme zum Kampf, sie und den Pi- Rechas, den Sohn des Priesters Cleasar zum Dienste, heiliges Gerät und Drommeten des Kampfsignals in seiner Hand." Rlan hatte bald erfahren, daß aus Rlidjans Kreisen und aus Bileams Rat jener plan entstanden Iwär, der Israel so viel Blut und so viel schwere Stunden gekostet hat. In diesem Kampfe siel Zur, der Vater Kosbis. In diesem Kampfe fiel auch Bil-Am von der Hand des Pi-Rechas. Bil-Am hatte das Horoskop richtig gedeutet. Gleiches Schicksal von gleicher Hand erfüllte sich an ihm und an Kosbi Salonae. Die Geschichte eines „Ritualmordbildes". Eine Reminiszenz aus dem Beilisprozcß. Bon Prof. Dr. Isaak Marlon in Hamburg. Am 29. September 1930 verstarb in Kuokola in Finnland der weltberühmte russische Maler Jlja I. Repin im 86. Lebensjahre. Repin war Christ und stand zu dem Judentum eigentlich in keiner Beziehung. Allein einige Züge aus dem Leben dieses echten Künstlers und edlen Menschen, der sich im geistigen Rußland der Borkriegsjahre durch seine ethische Persönlichkeit auszeichnete, bieten auch zur jüdischen Kulturgeschichte einen interessanten Beitrag. Repins Ausbildungszeit fiel in die 60 er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die Epoche des erwachenden Rußlands, in der auf der Kunst-Akademie der absterbende Pseudo-Klassizismus vergeblich gegen die neue Richtung der jungen Künstler-Generation verteidigt wurde, die ihre Kunst in den Dienst des Volkes stellen wollte. Die jungen Künstler stellten es sich zur Aufgabe, den indifferenten, alles nivellierenden Akademismus durch den Realismus zu ersetzen, der sich auf dem Boden des Nationalismus und Individualismus aufbauan sollte. Die Kerntruppe dieser neuen Schule beldeten einige talentvolle Studenten, die später zu bedeutenden und berühmten Künstlern ausreiften. Der Wegbereiter und Förderer dieser Richtung war der berühmte russische Kunsthistoriker und Kritiker W. Stasoff, der ein begeisterer Anhänger jeder selbständigen nationalen Kunstrichtung war und der jüdischen Kunst viel wertvolle Artikel gewidmet hat. Besonders ist sein monumentales Werk „L'Ornement Hebreur", Berlin 1903, zu erwähnen, das er gemeinsam mit Baron D. von Günzburg herausgegeben hat. Zu dem von vtasoff geführten Kreise gehörten u. a. der Russe Repin, der Pole Semigradsky und der Jude Antokolsky, der später berühmte Bildhauer. Zwischen Repin und Antokolsky. die eine Zeitlang ein gemeinsames Zimmer teilten, bestand eine besondere Freundschaft. Repins Begeisterung und Verständnis für Realismus und jeden Rationalismus offenbaren sich in einer Skizze aus dem Jahre 1666, in der er den 24 jährigen Antokolsky nicht anders als mit dem Talis verhüllt portraitierte. Charakteristisch ist Repins Aeußerung: „Antokolsky hatte so einen schönen jüdischen Namen Mordechai Matusgawitsch. Nachdem er eine reiche Jüdin aus Wilna geheiratet hatte, wurd aus ihm plötzlich Marc Matwejewitsch!" Im Jahre 1913 kommt der Name Repin ein zweites Mal zufälligerweise mit dem jüdischen Leben in Berührung. Es war um die Zeit des Beilis-Prozesses. An Hetzen und Verleumdungen hat es in der russischen Presse selbstverständlich nicht, gefehlt. In einer der verbreitesten und e'mfllißreichsten russischen Zeitung, in „Nowoje Wremja" veröffentlichte A. Stolypin, ein ^Bruder vcs russischen Premierministers P. Stolypin, einen Artikel über ein dem berühmten ungarischen Maler. Munkacsy zugeschriebene?! Bild.., Dieses Bild stellte einen Ritualmord dar, wobei den. , handelnden Personen Physiognomien bekannter jüdischer Notakieln, Notschild, Montefiore u. a/ s gegeben waren. Stolypin teilte mit, daß das Bild in weiteren Kreisen , unbekannt wäre, da auf Veranlassung der Juden in keiner kunsthistorischcn Monographie und in keinem Nachschlgawerk dieses Bild verzeichnet worden wäre. Daraufhin veröffentlichte Schreiber dieser Zeilen in der „Nowoje Wremja" einen Brief der Witwe des verstorbenen Munkacsy, in dem diese mitteilte, daß ihr Mann niemals ein derartiges Bild angefertigt habe. Dem Brief war die Aufforderung an alle Zeitungen ängefügt, den Wortlaut durch Nachdruck zu verbreiten. Stolypin erwdierte öffentlich in der „Nowja Wremja", Repin sei der Ansicht, daß Munkacsy der Autor des Bildes sei. Er führte zahlreiche Nachschlagewerke an, in denen das Bild unter dem Namen „Osterfeier" aufgeführt sei. Munkacsy sei als Jude, wie schon der Nüme „Munkacsy" zeigt, auch ein guter Kenner des jüdischen Lebens gewesen. Daraus wandte ich mich an den auch damals in Finnland lebenden Repin mit der Frage, ob er die Ansicht tat-, sächlich geäußert habe. Repin antwortete, daß er tatsächlich der Ansicht gewesen wäre, da die Technik der Malerei des Bildes ihn an die Arbeiten Munkacsys erinnert habe. Nachdem die Witwe jedoch ausdrücklich die Autorschrist ihres Mannes verneint hat, ziehe er seine Meinung zurück. Auf meine telegraphische Anfrage, ob ich seine Antwort veröffentlichen dürfe, antwortete Repin: „Selbstverständlich, ja". Ich veröffentliche also Repins Antwort in der Zeitung „Retsch" und fügte die Bemerkung hinzu, daß, während Stolypin vorher behauptet, die Juden hätten die Aufnahme des Bildes in die Nachschlagewerke verhindert, er nachher selbst zahlreiche Werke dieser Art als Ouellen zitiert. Außerdem sei Munkacsy kein Jude und sein ursprünglicher Name war nicht Munkacsy,