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Der Israelit · 1932-09-29 · Heft 40 (29.9.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 40 (29.9.1932)
Date
1932-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 40 Der Israelit 29. September 1932 Ks* imr NÄHMASCHINEN für alle Zwecke Martin Decker G.m.b.H. Gr. Friedbergersfr. 18-20 wird. In Einzelschriften sollen die wichtigsten jüdischen Rechtsgebiete und Rechtsinstitute dargestellt werden. Es sollen Abhandlungen erscheinen z. B. über Vertragsrecht, Bodenrecht, Eheun^ Scheidungsrecht, Eid usw. Später soll auch eine mehrsprachige Zeitschrift erscheinen, die Aufsätze und Abhandlungen über Einzelprobleme sowie Rechtsprechung von Rabbinatsschiedsgerichten bringen wird. 2. Vortragstätigkeit: Um das Wissen um das jüdische Recht weiter zu tragen, wird das Institut in interessierten Kreisen wissenschaftliche wie auch populäre Vorträge veranstalten, die die wichtigsten und interessantesten Fragen des jüdischen Rechts behandeln werden. 3. Gutachtertätigkeit: Bekanntlich ist nach dem internatonalen Privatrecht mancher Staaten jüdisches Recht — besonders Ehe- und Scheidungsrecht in den osteuropäischen Staaten — anzuwenden. In solchen Fällen wird das Institut für Gerichte Gutachten erstatten, wenn dies das wissenschaftliche Interesse erfordern wird. Herr Sami Glücksmann, ein Kenner des jüdischen Rechts und Verfasser der Schrift „Das Verfahren vor der Rabbinatsschiedsgerichten", wendet sich mit diesem Plan an die interessierten Kreise und fordert sie zur Mitarbeit auf. Zwei Gesichtspunkte, erklärte er, leiten ihn bei der Erfüllung feiner Aufgabe: Einmal soll mit der wissenschaftlichen Darstellung jüdischen Rechts den antisemitischen Behauptungen entgegengewirkt werden, als sei das jüdische Recht eine Sammlung mehr oder minder barbarischer Vorschriften, die samt und sonders nur den Zweck hätten, die „jüdische Weltherrschaft" zu sichern; zweitens sei es wichtig, die großen Teile der Iudenheit mit dem jüdischen Recht vertraut zu machen., die bis heute keine Kenntnis von ihm haben. Infolge Nichtbeherrschens der hebräischen bezw. aramäischen Sprache ist das jüdische Recht — mit eine der größten Kulturleistungen der jüdischen Vergangenheit — der großen Mehrheit der Judenheit unbekannt. Falsche Vorstellungen von ihm sind weit verbreitet; es gilt als überholt, als unmodern. Das Gegenteil ist /Tatsache; das jüdische Recht kann auch in unserer Zeit seinen Mann stehen. Neben dieser mehr wissenschaftlichen Aufgabe werde auch eine praktische sich ergeben. In der Einleitung zu seiner oben erwähnten Schrift zeigt Glücksmann, daß es zu einem engeren Zusammenschluß der jüdischen Gemeinschatf kommen werde, und fordert das Austragen der Rechtsstreitigkeiten unter Juden vor Rabbinatsgerichten. Solche.Gerichte können ihren Aufgaben nur dann gerecht werden, wenn die Vorschriften jüdischer Gesetzgebung zur Grundlage ihrer Rechtsprechung gemacht werden. Für die Beschäftigung jüdischer Handwerker. — Eine Versammlung jüdischer Hausbesitzer und Hausverwalter. V e r t i n, 20, Sept. In Anbetracht der sich steigernüen Notlage der jüdischen Handwerker hat das Präsidium des Weltverbandes Schomre Schabbos, unter dessen Protektorat sich vor längerem eine Anzahl sabbathaltender Handwerker des Baufaches und der verwandten Gewerbe zusammengeschlossen hat, am 15. cr. einen auserwählten Kreis jüdischer Hausbesitzer und Hausverwalter zusammengerufen, um mit ihnen gemeinsam Mittel und Wege zu beraten, Die Woche. Berlin. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat eine P r ü f u n g so r d n un g f ü r Kantoren festgesetzt. Das Prüfungszeugnis berechtigt jedoch keinesfalls zur Erteilung von Religionsunterricht. — Der Hilfsverein der deutschen Juden hat für die Abgebrannten in der litauischen Stadt Köln o einen größeren Unterstützungsbeträg bewilligt. — Die zuständigen staatlichen Organe haben für die jüdischen Feiertage alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen in ausreichendem Umfange getroffen. Private Schutznahmen sind, wie die ITA. zu berichten weiß, nicht nötig und werden auch nicht getroffen. Wien. Im Alter von 68 Jahren verstarb der Rechtsanwalt Dr. Heinrich Auredn i c e k, der als Verteidiger im Prozesse H ü l s n e r seinerzeit mit größter Energie gegen die Ritualmordhehe auftrat. Er hatte so viele Feindseligkeiten zu erdulden, daß er nach Beendigung des Prozesses seinen Wohnsitz nach Wien verlegen mußte. Haag. Die „Haager Gesellschaft zur Verteidigung der christlichen Religion" hat als neue Preisaufgabe ausgeschrieben „Eine vollständige Abhandlung der geschichtlichen Beziehung zwischen dem jüdischen und katholischen Kultus." Ablieferungstermin 1. Februar 1934, Preis 400 Gulden. Warschau. In O p a t o w bei Warschau führte eine groß angelegte Hetze zu schweren antisemitischen Exzessen. Mehrere Juden wurden schwer verletzt. Als die Polizei etwas später eingriss, gab es in wenigen Minuten Ruhe. — 230 Palästina-Wanderer, Chaluzim und Nittelstandsangehörige, begaben sich am 20. September nach P a l ä st i n a. Auf dem Wege werden sie sich mit 109 Palästina-Wanderern aus Litauen vereinigen. Lodz. Das Tagesgespräch von Lodz ist, daß der Schammes der RodosZyzer Schule, Salomon Dawidowicz, ein armer Mann, dieser Tage vom amerikanischen Konsul in Warschau die Mitteilung erhielt, daß ein Brudersohn von ihm, der in Los Angeles gestorben ist, ihm eine Erbschaft von 75 Mi Ilion en Dollar hinterlassen hat. Der Neffe des Synagogendieners fing vor dreißig Jahren in Los Angeles als Zeitungsverkäufer an und starb jetzt als einer der größten Uhrenfabrikanten in Amerika. Hoffentlich tut dem armen Schammes die Rösch Haschono-Spende von 75 Millionen Dollar gut. Budapest. Das Israelitische Landestau b st u m m e n i n st i t u t Ungarns begeht das Jubiläum seines Präsidenten Dr. Ernst Deutsch, der seit dreißig Jahren an der Spitze dieser Anstalt steht. Bukarest. In R o - man (Moldau) kam es wiederum aus Anlaß der Ausführung eines jüdischen Theaterstückes zu Tumulten, wobei zwei jüdische junge Leute schwer verletzt wurden. — Soeben ist das erste jüdische Gebetbuch mit rumänischer lieber? setzung erschienen. Die Uebertragung der hebräischen Gebetstexte in die rumänische Sprache D wurde vom Brailaer Rabbiner Dr. The neu I besorgt. In orthodoxen Kreisen wird diese Neue- I rung genau so lebhaft bedauert und abgelehnt » wie in den liberal-jüdischen Kreisen begrüßt. R Lemberg. In der Nacht zu Montag, dem 19. ' September, wurde der größte Teil des hauptsächlich von Juden bewohnten Städtchens Rava-Ruska in Ostgalizien durch Feuer zerstört. lieber 30 von Juden bewohnte Häuser brannten bis auf den Grund ab, mehr als 200 jüdische Familien wurden obdachlos. Die Not ist ungeheuer .Die jüdischen Sejmdeputierten Jäger und Rabbiner L e w i n begaben sich nach Rava-Ruska, um die erste Hilfe für die Geschädigten zu organisieren. Jerusalem. Die Jewish Agency verlangt 6750 E i n w a n d e - rungszertifikate für das Halbjahr^ Oktober-März. — Eine Gruppe jüdischer Touristen wurde auf einem Ausflug nach Transjordanien dort in einem Dorf vom Mob überfallen. Der Autobus der Touristen wurde mit Steinen beworfen und es fielen auch einige Schüsse. Nur der Geistesgegenwart des Chauffeucrs, der in raschem Tempo davonsuhr, ist es zu verdanken, daß kein größeres Unglück passiert ist. — Der Hochkommissar gab einer jüdischen Abordnung die Versicherung, daß auch jüdische Institutionen, besonders Krankenhäuser, mit staatlichen Subventionen bedacht werden. wie dem jüdischen Handwerker produktiv geholfen werden könne. Herr Dr. Stern, Generalsekretär des Weltoerbandes Schomre Schabbos, schilderte in einem einleitenden Referat, die Notlage in den Kreisen der jüdischen und zumal der sabbathaltenden Handwerker und betonte die moralische Verpflichtung eines jeden jüdischen Auftraggebers, nach Möglichkeit jüdische Handwerker zu berücksichtigen. Das Büro des Weltverbandes sei jederzeit bereit, geeignete Arbeitskräfte zu vermitteln. Selbstverständlich müsse der jüdische Handwerker ebenso zuverlässig und preiswürdig sein wie sein nichtjüdischer Kollege, aber man solle nicht verlangen, daß er billiger sei. Vorgebrachte Klagen seien vielfach unbegründet, indem Portiers und antisemitisch eingestellte Mieter die Arbeiten des jüdischen Handwerkers herabzusetzen suchten. Der jüdische Auftraggeber dürfe sich hierdurch nicht beeinflussen lassen. Anschließend begrüßte Herr Dr. Rachmilewitz die Versammlung namens' des Präsidiums des Weltverbandes, und sodann richtete Tischlermeister Neumann als Vertreter der Handwerker einen warmen Appell an die Erschienenen, sich der Not seiner Kollegen anzunehmen. An der folgenden lebhaften Aussprache beteiligten sich insbesondere die Herren: Dr. Mindlin, Architekt Domkicura, Emil Hirsch, Max Levy, Dr. Brasch, Degner und Wagschal, die sich einmütig zu der Pflicht bekannten, die jüdischen Handwerker im Rahmen des Möglichen zu fördern. Eine Anzahl wertvoller Anregungen, die im Laufe der Diskussion gegeben wurden, werden vom Präsidium weiter verfolgt werden. Die Aonfessionsklausel beim Leipziger Messeamt. Leipzig, 26. Sept. Vom Landesverband Mitteldeutschland des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird uns geschrieben: Zwischen dem Landesverband Mitteldeutschland des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und dem Leipziger Meßamt haben Verhandlungen geschwebt, welche die Unterlassung der Forderung nach Konfessionsangabe bei der Arbeitsvermittlung des Leipziger Meßamtes im Auge hatten. Die Verhandlungen sind gescheitert. Zwar haben wir uns in den Unterhaltungen davon überzeugt, daß das Meßamt insofern gutgläubig ist, als der Ursprung dieser auffälligen Maßnahme nicht in antisemitischen Gesinnungen zu suchen ist. Man hat, so seltsam es klingt, tatsächlich geglaubt, daß die Konfessionsangabe eins Erleichterung in der Arbeitsvermittlung bedeutet und hat nicht daran gedacht, daß die Konfessionsangabe heutzutage in wirtschaftlichen Angelegenheiten lediglich eine Ausschaltung von Juden bewirkt. Es ist festgestellt worden, daß das Meßamt dem Arbeitgeber dann eine Angabe über die Konfession des Bewerbers macht, wenn dieser sie verlangt. Der Nachweis, daß jüdische Firmen die Einstellung von jüdischen Bewerbern verlangt hätten und daß dadurch das Vorgehen des Meßamts gerechtfertigt war, ist nicht geführt worden. Es sollen einmal Anfragen aus Palästina und Polen gekommen fein, in denen als Angestellte Juden verlangt wurden. Darüber, wann es geschehen ist und /ob es sich nicht vielleicht um Firmen handelte, die mit jüdischen Ritualien handelten,, konnte nichts 'festgestellt werden, da Las Meßamt sich lediglich auf die Mitteilung der Tatsachen beschränkt hat, ohne nähere Unterlagen zu geben. Obwohl das Meßamt aber aus den Verhandlungen entnehmen mußte, daß maßgebende Kreise des Judentums an dieser Konfessionsangabe in einer rein wirtschaftlichen Angelegenheit ernsten Anstoß nehmen und daß sie darin, wenn auch keine antisemitische Absicht, so doch aber aütisemitische Auswirkungen erblicken, hat der Vorsitzende des Meßamts, Herr Raimund Köhler, sich mit aller Entschiedenheit geweigert, in Zukunft die Frage nach der Konfession zu unterlassen. Es muß demnach nochmals festgestellt werden, daß das Leipziger Meßamt, eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes, bei der Arbeitsvermittlung nach wie vor die Konfessionsangabe verlangt und dadurch jenen Bestrebungen Vorschub leistet, die die Juden aus dem Wirtschaftsleben ausschalten wollen. Wir können nichts anderes tun, qls daß wir diese bedauerliche Tatsache noch einmal feststellen.

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