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Der Israelit · 1932-09-29 · Heft 40 (29.9.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 40 (29.9.1932)
Date
1932-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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29. September 1932 Der Jsrael.it Nr. 40 Seite 5 Ler Blinde und der Lahme. 3« ITWn »Xi- Sion Rabbiner Dr. Hermann klein in Berlin. 22 pK ’fiDT» D’impi psx pK» diiik K'2» 'aan •nan law Vna Vnp iin' mV’i mn nvsi tw . .(na&n VK^ii '2 dt> K"V '“>dtO „Siebe, ich bringe sie heim vom nördlichen Lande und sammle sie von den Enden der Erde, unter ihnen den Blinden und den Lahmen, die Schwangere und die Gebärende, als große Versammlung kehren sie hierher zurück." So lesen wir in -der nivLN des zwei teil Tages von naip.n ipKl-Wir glauben, daß in der Hervorhebung des Blinden und Lahmen ein Hinweis enthalten ist, der uns den Weg zeigt, wie wir nach Zion heinikehren können. Zion, ein Wort, das für jeden Iohudi von einem geheimnisvollen Zauber um woben ist. Wieviele heilige Tränen hat dieses Wört entlockt, wie oft hat es heiligen Wut geweckt, heiligen Zorn entfacht und heilige Hoffnung genährt. Ihm gilt das Lachen unserer Kinder, es nährt noch das Feuer der Jugend, stärkt dem Wanne die Kraft und sendet Licht noch in das erlöschende Auge des Grei ses. Denn in ihm lebt die Sehnsucht und aus ihm spricht die Verheißung. Und der Blinde und der Lahme sollen die Verheißung verwirklichen helfen. Wer ist der Blinde und wer der Lahme? In^VKivip bei der Eroberung der Stadt Jerusalem durch den König David finden wir: IQK'I pKn nwr> 'vi2'n Vs dVwtv vwiki *]V»n ^VR v'nvsni ö'awn p'vn dk '2 nan man kV iökV rnV •nan an Ki2' kV tiökV „Der König David und seine Leute gingen nach Ieruscholajim zu den Iebufltern, den Bewohnern des Landes und es wurde David gesagt: Du kannst nicht hierherkommen, bevor Du die Blinden und Lahmen entfernst, die gesprochen haben, David komme nicht hierher." 2,?v'i pW DL> Vj? w»atP D'»Vx wfo berichtet Raschi zur Stelle nach dem Widrasch, es waren zwei Standbilder verfertigt nach Iizchok, der blind und nach Jakob, der lahm war. Auf diesen Standbildern war der Vertrag eingraviert, den Abraham mit Abimelech, dem Stammvater der Iebustten, geschlossen hat, daß er nicht treulos handeln werde an ihm und an seinen Uachkommen bis ins vierte Geschlecht. Wie ist Iizchok blind geworden? Zu 1'3'tf pn2ti1 niKia bemerken unsere Weisen: Als Iizchok auf dem Altäre gebunden war, um geopfert zu werden, da weinten die Engel und ihre Tränen fielen in die Augen des Iizchok und so trübten sich seine Augen, denn so heißt es: '1122' DlVtP ’2KVö N21tt IppL D’VsnK |.“T „Die g'ttlichen Wesen schrieen laut hinaus und die Engel des Friedens weinten bitterlich." Ein Iizchok, der das Höchste vollbracht hat, was von Wenfchen je erreicht werden kann, der bereit war, sich für seinen G'tt zu opfern, der mit klaren Augen in den Himmel geblickt hat und dort die Herrlichkeit G'ttes erschaut hat, wird für seine Außenwelt: blind.. Was kann ihm noch die Welt des Irdischen sagen? Sein Inneres gesättigt von der G'ttesschau, deren er gewürdigt wurde, wird .so unendlich reich, daß seine Blicke sich nach innen richten, um dort zu sehen und zu schauen. Cr hat keinen Blick für die Bosheit eines Efan, er kann sie einfach nicht begreifen. Sein reiches Innenleben beschäftigt und füllt ihn vollkommen aus; dieses gestaltet und formt er, um zu immer größerer Klarheit, zu immer reinerer Wahrheit zu gelangen, der Wahrheit, die auf dem Berge G'ttes erschaut wird. Die Tränen der Engel, deren Spuren seine Augen widerspiegelten, trübten seinen Blick für die irdische Umwelt, öffneten sie aber für die Welt göttlichen Schauens und Sehens. Die g'ttlichen Wesen, die bei dieser ersten Akedoh laut schrieen und die Engel des Friedens, die damals bitterlich weinten, weinten auch bei den zahllosen Akedoth, denen die Enkel Iizchoks ausgesetzt wurden, als sie die Heimat verlassen mußten, um den Weg in die ungastliche Fremde anzutreten, den schweren Akedohgang von Willionen, denn das ist ja das Golus, und die Tränen fielen in bie Augen der Heimatlosen und trübten ihre Augen. Wer vermag zu! zugefügt, sondern unsere Blicke nach innen kehren, um unsere Innenwelt immer schöner und reicher, immer reiner und g'ttlicher zu gestalten. DK '2 TW H22' Der wahre Diener.G'ttes muß bis zu einem gewissen Grade blind sein, gleichgülig gegen die Außenwelt, um seine s ganze Gedankenarbeit nach innen konzentrieren zu können. Hätte das in das Golus ziehende Volk nicht diese wohlsuende Blindheit mit auf den Weg bekommen, hätte es immer und zu jeder Zeit die ganze wilde Vernichtungsgier feiner Feinde vor Augen gehabt, er wäre niemals seines Lebens froh geworden, er hätte niemals die Kraft aufgebracht, fein Innenleben so reich.zu gestalten, daß es ihm Ersatz bieten konnte für alles, was ihm eine feindliche Außenwelt versagte. Cr hätte niemals die geistige Riesenarbeit vollbracht, die ihm sein Dasein inmitten des äußeren Elends sicherte und mit einem Schimmer reinen Schöpferglückes verklärte. Die Tränen der Engel waren eine kostbare Gabe für die Heimatlosen. Sie ließen sie alles Ungemach von außen überdauern, denn sie ermöglichten ihnen den Auf- und Ausbau einer Innenwelt, deren Reichtum sie stählte und für die Zukunft erhielt. Jakob war lahm. Im Kampfe mit Cfaus Genius wurde Jakobs Hüfte verrenkt. Jakob kann der rohen Gewalt immer nur mit Waffen des Geistes begegnen. Und Jakob, der Hinkende, wird von dem Engel als der Sieger bezeichnet, denn er hat sich an ihm körperlich vergriffen und seine Hüfte verrenkt. Es ist ein untrüglicher Beweis für die Schwäche der geistigen Position, wenn man im Kampfe um geistige Wahrheiten sich irdischer Waffen bedient. Jakob darf niemals mit seinen Händen siegen wollen, seine Kraft liegt in seiner Stimme. Rur wenn 2p5P Vip Vipn ist, dann werden seine, Jakobs Hände D'Tni wsr ’T zu Csaus Händen, der Geist schafft und schmiedet sich seine Waffen und nur Vip Vipnw pT2 2p$p wenn Jakobs Stimme in den Lehrhäusern kräftig und laut tönt, vermögen Csaus Hände nichts gegen ihn auszurichten. Der Lahme ist der große Sieger. Rohe Gewalt vermag ihn körperlich zu schwächen, aber darin liegt der Beweis, daß diese Gewalt geistig ihm nicht gewachsen ist. Und diese Wahrheit hat den Kindern Jakobs immer zur Seite gestanden. Die Bewohner Ieruscholajims, die alten Iebusiter, hatten in ihre Hauptstadt zwei Standbilder aufgerichtet, um ihre innerliche Angst vor den gefürchteten Feinden durch äußerlichen Hohn zu übertönen. Siehe, blind und lahm sind die Vorfahren der Israeliten! Und wie oft haben die gelehrigen Schüler dieser alten Judenfeinde uns dies noch in die Ohren geschrieen! Aber der Prophet kündet: pK '712T2 DVmpl ]1DX pKD D'r>1K'2ni bringe sie heim aus dem Lande des Nordens und sammle sie von den Enden der Erde," und wenn ihr nach den geheimen Kräften forscht, die sie inmitten einer stets vernichtungsbereiten feindlichen Umwelt erhalten haben, so wisset nvsi ny D2 der Blinde und der Lahme waren ihre Schutzengel, der Geist eines Iizchok lebte in ihnen, der die Außenwelt nicht sah, weil, sein inneres Licht alles überstrahlte und der Geist eines Jakob, der als nvsals Lahmer, seine Siegerlaufbahn als Iistroel begann und als Künder des wahren G'ttes unüberwindlich war, darum nan 1211p' Vna Vnp kehren sie als wahrhaft großes Volk wieder heim, in das Land, das einem Iizchok und Jakob zugeschworen wurde, dem Blinden und dem Lahmen. Stärker als je tobt der Haß gegen uns, in hemmungsloser Triebhaftigkeit wütet die Feindschaft der Iudenhasser, sie fordern neue Akedoth. Wir sollen dieses Toben und wüten nicht sehen. Richt nach außen sollen unsere Augen blicken, sie dürfen nicht durch die äußeren Vorgänge gebannt werden, nach Innen sollen wir schauen, um das Innere immer 'chöner und strahlender zu gestalen, dann können wir m Bewußtsein unseres inneren Wertes stolz dahin- 'chreiten, auch wenn unsere Füße zuweilen verrenkt werden. Der rohe äußere Haß und die rohe Gewalt, die gegen uns entfesselt werden, sie sollen uns beweien, daß wir die geistigen und sittlichen Sieger bleiben und unser Sieg bedeutet den Sieg der Wahrheit, die „alle Bosheit aus der Welt schwinden läßt gleich dem verschwindenden Rauche, wenn die Herreigründen, was wir dieser Blindheit zu danken haschaft der Gewalt der Herrschaft G'ttes Platz macht." beit?! Wir sollen nicht sehen, was Csaus Bosheit uns ... und vergessen Sie nicht... -^Bergmann Klasse Z|4 Mit Goldmundstück und Ohne Mundstück Korrespondenzen « Daebricbten. Deutsches Reich. Der Abzug der Rultussteuer vom Einkommen bei Berechnung der Einkommensteuer. Frankfurt a. M., 26. Sept. Der Reichsfinanzhof hat bezüglich der Berücksichtigung der Kultussteuer bei der Einkommensteuer ein Urteil von grundsätzlicher Bedeutung gefällt, das die Leser des „Israelit" interessieren dürfte. (Vgl. Reichssteuerblatt 1932, Seite 853). „Steuern einer öffentlich-rechtlichen israelitischen Kultgemeinde, die, abgestuft nach Einkommen und Vermögen, unter Verzicht auf die Inanspruchnahme staatlicher Organe von den Mitgliedern erhoben werden, können nach § 17 Abs. 1 Nr. 5 ESTG, bei der Einkommensteuer abgezogen werden." Wie sich jedoch aus der nachfolgenden Begründung des RFH-Urteils, wie übrigens aus dem Gesetz selbst, ergibt, ist der Abzug der Kultussteuer nur vom Einkommen, nicht von der Einkommensteuer wie das oben angeführte Urteil lautet — bei Berechnung der Einkommensteuer zulässig. In Anbetracht der Bedeutung dieses Falles hatte der RFH. den Neichsminister der Finanzen, den Badischen Minister der Finanzen und den Badischen Minister für Kultus und Unterricht gutachtlich vor Abfassung dieses Urteils gehört. Auf Grund der Gutachten der Ministerien hat der RFH. einen Abzug der Kultussteuer vom Einkommen auch dann anerkannt, wenn die Kultusgemeinde nicht berechtigt ist, die Kultussteuer mit unmittelbarer öffentlicher Zwangsgewalt einzuziehen. Maßgebend ist, wie der RFH. ausführt, das Statut der Gemeinde, wonach Mitgliedern, die mit der Zahlung ihrer Steuern im Rückstand sind, die Ausübung ihrer Mitgliedschaftsrechte für die Dauer ihres Zahlungsverzuges entzogen werden und evtl, der Ausschluß aus der Gemeinde erwachsen kann. Abänderung des Gesetzes bereffend den Austritt aus den Religionsgesellschaften öffentlichen Rechtes. Berlin, 25. Sept. Kurz vor Schluß seiner dreitägigen Tagung ist dem Preußischen Landtag ein U r a n t r a g der Deutschnationalen Volkspartei zur Abänderung des Gesetzes vom Jahre 1920 über den Austritt aus den Neligionsgefellschaften zugegangen. Die wesentliche Tendenz des Antrages liegt in einer formellen Erschwerung des Austritts, indem fortan das zuständige Amtsgericht die Austrittserklärung erst dann zu Protokoll nehmen darf, wenn der Austretende einen hierauf bezüglichen Antrag (abgesehen von der Erklärung) an das Amtsgericht richtet. Ferner wird bestimmt, daß der Austretende den Austritt auch für seine Kinder unter 14 Jahren vollziehen darf, jedoch nicht gegen den Willen des Kindes, falls dieses das 12. Lebensjahr vollendet hat'. Der Austritt eines Minderjährigen, der Pas 14. Lebensjahr, jedoch noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet hat, soll nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten möglich sein. Ein Institut zur pflege des jüdischen Rechtes in Theorie und Praxis. Berlin, 21. Sept. Der Verfasser der jüngst erschienenen und in den Spalten unseres Blattes redaktionell gewürdigten Schrift über die rabbinifchen Schiedsgerichte, Herr Sami Glücksmann, beabsichtigt unter dem Namen „ckus judaicum" ein Institut für jüdisches Recht ins Leben zu rufen, dessen Tätigkeit sich aus folgende Gebiete erstrecken soll: 1. V e r l a g s t ä t i g k e i t: Dem Institut wird ein Verlag angegliedert, der periodisch Abhandlungen jüdischer Fachgelehrter über das jüdische Recht herausgeben

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